Was ist die Kernaussage des Buches?
Das Buch bietet in elf perspektivisch sehr unterschiedlichen Artikeln einen spannenden Einblick in Religion und Religiosität als Teil des menschlichen Selbstverständnisses. Religiöse Terminologie, als Amulett oder Tätowierung getragene religiöse Symbole kommen nicht erst in den Einsatzräumen, sondern auch bei Soldatinnen und Soldaten unserer Streitkräfte häufig vor, oft ohne grosse Reflexion. Das Buch bietet unterschiedliche Möglichkeiten, diese Potentiale im eigenen Führungshandeln zu berücksichtigen, ohne einerseits Religion zu verzwecken oder andererseits die Religionsfreiheit zu unterminieren.
Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?
Durch die Struktur als Sammelband wird keine einheitliche (und damit immer potentiell ideologische) Definition oder Methode vorgelegt. Stattdessen wird es den Lesenden anvertraut (oder auferlegt), sich selbst ein Urteil zu bilden.
Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?
Nein, weil die verschiedenen Artikel unterschiedliche Argumentationen verwenden. Somit können die Lesenden selbst auswählen, welche Perspektive ihrer persönlichen Erfahrung und Einstellung am besten entspricht.
An wen richtet sich Ihre Empfehlung?
An alle, die Soldaten professionell führen wollen und dabei Religionsfreiheit als Teil der Menschenrechte im Einsatzraum schützen möchten. Zugleich richtet sich die Empfehlung an Führungspersonen, die Religion reflektiert und respektvoll in ihr eigenes Führungshandeln einbeziehen wollen.
Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?
Das Buch zeigt sehr vielfältige Wege auf, wie religiöse Wahrnehmung anthropologisch gedeutet werden kann, und welche Motivationen oder auch Hemmungen auf der Ebene der Führenden wie auch der Geführten daraus erwachsen können.
Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?
Leadership – denn im Zentrum steht die sinnvolle Integration anthropologischer Erkenntnis in das eigene Führungshandeln im zivilen wie auch im militärischen Bereich: Je klarer man menschliche Konstanten erkennt und anerkennt, desto effektiver kann man führen und geführt werden.
Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?
Ich sehe hier dieselbe Herausforderung wie bei uns in Österreich. Sie besteht darin, angesichts einer (absichtlich erzeugten) Überflutung mit Informationen und Handlungsvorschlägen im digitalen Raum nicht die unmittelbaren Vorgesetzten und Untergebenen sowie ihre Entscheidungen zu überhören/übersehen.
Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?
In persönlicher Bindung, klarer und ruhiger Reflexion über die eigenen Wurzeln und Ziele, sowie in konstruktiver internationaler Zusammenarbeit. Mit einem Augenzwinkern aus Österreich: Auch Apfelstrudeldiplomatie kann helfen. Gemeint ist, sich Zeit für ein gemeinsames Essen zu nehmen, ins Gespräch zu kommen und offen für das Gegenüber zu bleiben.
Über den Rezensenten
Militärdekan Stefan Gugerel unterrichtet neben seiner Tätigkeit als katholischer Militärseelsorger Militärethik an der Heeresunteroffiziersakademie in Enns und an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Auslandseinsätze führten ihn bisher in den Tschad, nach Kosovo, Bosnien und Herzegowina sowie in den Libanon. James Bond und Star Trek sind für Gugerel zwei spannende populärkulturelle Quellen für militärethische Szenarien.
Über das «Buch des Monats»
Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.
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