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Leader's Digest Leader's Digest #29 Newsletter Update Führung

Update Führung: August 2026

Studie «Sicherheit 2026»

[MILAK ETH, 26.05.2026, Tibor Szvircsev Tresch et al.]

Die diesjährige Studie zur Meinung der Schweizer Stimmbevölkerung zu sicherheits- und aussenpolitischen Themen zeigt unter anderem: 50% sind der Ansicht, dass Auslandeinsätze der Schweizer Armee zur Sicherheit der Schweiz beitragen. Die Zustimmung zu einer Annäherung der Schweiz an die NATO ist um 3 Prozentpunkte auf 56% gestiegen. Nur noch 25% befürworten die Abschaffung der Wehrpflicht – der tiefste Wert seit 1983.

Link: https://css.ethz.ch/ueber-uns/CSS-news/2026/05/studie-sicherheit-2026.html

The Rise of AI Drone Warfare in Ukraine

[YouTube, 06.06.2026, War Archive]

Over the past few years, both sides in the Russo-Ukrainian War have adopted unmanned aerial systems (UAS) extensively at the tactical level. Deep strikes, including attacks on Russian oil refineries, also have strategic effects. Ukraine now fields improved fixed-wing drones that use AI for terminal guidance, enabling them to reach their targets even under electronic-warfare disruption. Combined with degraded Russian air defence capabilities, this means that Ukrainian medium-range strikes increasingly generate effects at the operational level. Protecting military logistics under similar conditions is therefore a pressing question for many armed forces.

Link: https://youtu.be/wjZhQdTGFno?si=JXjHbE4jVinugpud

Beyond FPVs: Learning the Lessons of the Ukraine War, All of Them

[Modern War Institute, 08.10.2025, Sam Scanlon]

Scanlon argues that the war in Ukraine is neither a crystal ball for future warfare nor irrelevant to it. While debate often remains fixated on aerial drones, innovation has spread across domains: ground robots increasingly perform routine and high-risk tasks, and maritime drones have evolved rapidly, as demonstrated by Ukrainian naval drones downing Russian fighter aircraft in May 2025. He further argues that low-cost deep-strike capabilities require equally low-cost defensive solutions. Overall, the article makes the case that armed forces must learn and adapt quickly enough to out-innovate a changing adversary.

Link: https://mwi.westpoint.edu/beyond-fpvs-learning-the-lessons-of-the-ukraine-war-all-of-them/

Will, Cohesion, Resilience, and the Wars of the Future

[CSIS, 16.09.2025, Daniel Byman]

This article by the Center for Strategic and International Studies reasons that modern conflicts depend as much on political unity and societal resilience as on military power. Drawing on Ukraine and the Middle East, it highlights three imperatives, namely building public trust to strengthen societal resilience, reinforcing alliance cohesion through coordination, and countering divisive disinformation.

Link: https://www.csis.org/analysis/chapter-2-will-cohesion-and-resilience

The Russian «Firehose of Falsehood» Propaganda Model

[RAND, 11.07.2016, Christopher Paul, Miriam Matthews]

Already having been published 10 years ago, this article examines in detail how modern Russian propaganda works, and why its inherent contradictions are not a flaw but rather a core feature. Paul and Matthews argue that people’s mental resilience and awareness are key in lowering their vulnerability to propaganda, saying “[D]on’t expect to counter Russia’s firehose of falsehood with the squirt gun of truth. Instead, put raincoats on those at whom the firehose is aimed”.

Link: https://www.rand.org/pubs/perspectives/PE198.html

Bevölkerungsschutz im bewaffneten Konflikt: Ländervergleich zu Schutzbauten und Evakuierungen

[CSS ETH, Mai 2026, Leonard Schliesser]

Zivile Resilienz ist ein zentraler Bestandteil militärischer Verteidigungsfähigkeit. Um die Wiederausrichtung des Schweizer Bevölkerungsschutzes auf militärische Konflikte zu unterstützen, vergleicht diese Fallstudie den aktuellen Stand ziviler Schutzbauten und Evakuierungskonzepten in Finnland, Deutschland, Polen und in der Ukraine. Besonders hervorgehoben werden dabei das umfassende Sicherheitsmodell Finnlands, das Tempo im Polnischen Bevölkerungsschutz sowie die forcierte Improvisationsfähigkeit im Ukrainischen Bevölkerungsschutz. Auf der verlinkten Website können Sie die komplette Studie als PDF-Datei herunterladen.

Link: https://css.ethz.ch/publikationen/css-studies/details.html?id=/b/e/v/l/bevlkerungsschutz_im_bewaffneten__konfli


Über das «Update Führung»

Das Update Führung ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung. Falls Sie Lesenswertes zu Command, Leadership oder Management entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie dies mit uns teilen. Gerne nehmen wir Tipps für die kommende Ausgabe von Leader’s Digest via leadersdigest@leadershipcampus.ch entgegen.

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Buch des Monats Leader's Digest Leader's Digest #29 Newsletter

Buch des Monats: «Philosophische Anthropologie und Religion»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Das Buch bietet in elf perspektivisch sehr unterschiedlichen Artikeln einen spannenden Einblick in Religion und Religiosität als Teil des menschlichen Selbstverständnisses. Religiöse Terminologie, als Amulett oder Tätowierung getragene religiöse Symbole kommen nicht erst in den Einsatzräumen, sondern auch bei Soldatinnen und Soldaten unserer Streitkräfte häufig vor, oft ohne grosse Reflexion. Das Buch bietet unterschiedliche Möglichkeiten, diese Potentiale im eigenen Führungshandeln zu berücksichtigen, ohne einerseits Religion zu verzwecken oder andererseits die Religionsfreiheit zu unterminieren.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Durch die Struktur als Sammelband wird keine einheitliche (und damit immer potentiell ideologische) Definition oder Methode vorgelegt. Stattdessen wird es den Lesenden anvertraut (oder auferlegt), sich selbst ein Urteil zu bilden.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein, weil die verschiedenen Artikel unterschiedliche Argumentationen verwenden.  Somit können die Lesenden selbst auswählen, welche Perspektive ihrer persönlichen Erfahrung und Einstellung am besten entspricht.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle, die Soldaten professionell führen wollen und dabei Religionsfreiheit als Teil der Menschenrechte im Einsatzraum schützen möchten. Zugleich richtet sich die Empfehlung an Führungspersonen, die Religion reflektiert und respektvoll in ihr eigenes Führungshandeln einbeziehen wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Das Buch zeigt sehr vielfältige Wege auf, wie religiöse Wahrnehmung anthropologisch gedeutet werden kann, und welche Motivationen oder auch Hemmungen auf der Ebene der Führenden wie auch der Geführten daraus erwachsen können.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Leadership – denn im Zentrum steht die sinnvolle Integration anthropologischer Erkenntnis in das eigene Führungshandeln im zivilen wie auch im militärischen Bereich: Je klarer man menschliche Konstanten erkennt und anerkennt, desto effektiver kann man führen und geführt werden.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Ich sehe hier dieselbe Herausforderung wie bei uns in Österreich. Sie besteht darin, angesichts einer (absichtlich erzeugten) Überflutung mit Informationen und Handlungsvorschlägen im digitalen Raum nicht die unmittelbaren Vorgesetzten und Untergebenen sowie ihre Entscheidungen zu überhören/übersehen.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

In persönlicher Bindung, klarer und ruhiger Reflexion über die eigenen Wurzeln und Ziele, sowie in konstruktiver internationaler Zusammenarbeit. Mit einem Augenzwinkern aus Österreich: Auch Apfelstrudeldiplomatie kann helfen. Gemeint ist, sich Zeit für ein gemeinsames Essen zu nehmen, ins Gespräch zu kommen und offen für das Gegenüber zu bleiben.


Über den Rezensenten

Militärdekan Stefan Gugerel unterrichtet neben seiner Tätigkeit als katholischer Militärseelsorger Militärethik an der Heeresunteroffiziersakademie in Enns und an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Auslandseinsätze führten ihn bisher in den Tschad, nach Kosovo, Bosnien und Herzegowina sowie in den Libanon. James Bond und Star Trek sind für Gugerel zwei spannende populärkulturelle Quellen für militärethische Szenarien.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #29 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #28

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigen Maj i Gst Anton Regli und Oberst i Gst Patrick Hofstetter, Dozent Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #28

«Kadi, Kadi. Sie sind Da! Die ORIONISTEN greifen an.» Du wirst jäh aus deinem Schlaf gerissen und brauchst zuerst einen Moment, dann trifft dich die neue Realität wie eine Ohrfeige: 

Wir schreiben das Jahr 2028, es herrscht Krieg in EUROPA. Die USA haben sich von der transatlantischen Partnerschaft abgewendet. Nach massivem Druck und hybriden Aktionen an der Ostfront ist die NATO in regionale Verteidigungsbündnisse zerfallen. UNGARN und ÖSTERREICH beugen sich zunehmend dem politischen Druck des östlichen Aggressors ORION. Dieser hat angekündigt im Rahmen des Manövers WESTWIND 28 die Vorwärtsverteidigung des Vaterlandes zu trainieren. Dazu ist die 42. Gardepanzerarmee im Raum VORARLBERG aufmarschiert.

Als Reaktion auf die Lageverschlechterung hat der Bundesrat vor drei Monaten die Armee mobilisiert und einen Oberbefehlshaber (OBA) eingesetzt. Die Bevölkerung ist gespalten und verängstigt. Insbesondere in den grossen Städten gibt es Stimmen, die eine Anpassung fordern: «lieber unter ORION leben, als unnötig sterben». Die Moral in der Armee ist dagegen intakt, auch wenn das alte Material und die tiefe Bevorratung der Truppe und ihrer Führung Sorgen machen. 

Die kohärente Führung der Armee gestaltete sich von Beginn weg schwierig, da das Command-und-Control-System noch nicht flächendeckend eingeführt ist und unsere Netze kompromittiert scheinen. Vereinzelt wurden bereits Angriffsdrohnen auf militärische und zivile Ziele in der OSTSCHWEIZ eingesetzt – deren Attribution stritt ORION jedoch stets ab. Die bodengestützte Luftabwehr offenbarte dabei gravierende Lücken. Des Weiteren belastet regelmässiges Probing die Flotte der alten FA-18 zunehmend, der Luftraum ist nur noch begrenzt in unserer Hand. 

Aus all diesen Gründen hat sich die Armeeführung für einen sehr dezentralen Aufmarsch entschieden. Ein Grossteil der infanteristischen Formationen wurde sofort zum Schutz der Grenze und der kritischen Infrastrukturen eingesetzt. Sie erfüllen ihren Auftrag pflichtgetreu. Der OBA liess zudem mit Freiwilligenregimentern ein Netz aus leichten Kräften über die SCHWEIZ spannen, um Spionage, Sabotage sowie Subversion vorzubeugen und so das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu stärken. Die schweren Kräfte betreiben in der ganzen SCHWEIZ verteilt die Einsatzbezogene Ausbildung (EBA). Um die Handlungsfreiheit zu wahren, wurde eine hohe logistische Autonomie angeordnet, das heisst ein Grossteil des Materials und der Munition wurde bereits von den Bataillonen gefasst. Reserven wurden dezentralisiert sowie an die Divisionen und Brigaden verteilt.

Das Mechanisierte Bataillon 29 bereitet sich im Raum THUN auf einen möglichen Einsatz vor. Du führst die DELTA Kompanie, die sich nach den gestrigen Schiessübungen im Bereitschaftsraum BLUMENSTEIN befindet.

Wachtoffizier Dugalesi, der dich geweckt hatte, informiert dich über die Lage: 

  • Heute 0500 erfolgte ein gegnerischer Grossschlag mit Marschflugkörpern, Ballistischen Raketen und Angriffsdrohnen gegen symbolische Ziele sowie militärische Führungs- und Logistikinfrastruktur. ORION hat seine Kampagne zur Unterdrückung unserer Luftabwehr und Zerschlagung unserer Luftmacht offensichtlich gestartet. Das Luftlagebild ist unklar. Die Grenzschutzverbände stehen unter massivem Artilleriefeuer, ein Stoss am Boden steht unmittelbar bevor.
  • Kampfhelikopter und taktische MALE Drohnen (Medium Altitude Long Endurance) sind offensichtlich während der Morgendämmerung in den Luftraum eingedrungen und Kreisen über BERN. Auf den sozialen Medien kursieren zudem Bilder von Transporthubschraubern, die auf dem Flugplatz BELP gelandet sind, sowie Videos von weiteren Wellen an Maschinen, die sich quer durchs Land nach Westen bewegen.
  • Das in der Bundesstadt stationierte Freiwilligenregiment BUBENBERG meldet Kampfhandlungen mit zivil gekleideten Personen und berichtet von aufgegriffenen Agenten an Checkpoints sowie Explosionen in der BERNER ALTSTADT. Daher hat die Polizei die Stadtbevölkerung dazu aufgerufen, die Schutzräume aufzusuchen und nicht aus dem Haus zu gehen. 
  • Vom Bundesrat fehlt bisher jede Spur. Es gibt jedoch Gerüchte, dass sich die Regierung über den Flugplatz BELP absetzen wollte, bevor dieser vom Gegner besetzt wurde. Ein verwackeltes Handyvideo zeigt einen Tross von schwarzen Geländefahrzeugen vor dem dortigen Terminal.
  • Der Kontakt zur vorgesetzten Stufe ist abgebrochen – es muss davon ausgegangen werden, dass das HQ der Brigade getroffen wurde.
  • Der S2 (Nachrichtenoffizier) interpretiert die nebulöse Nachrichtenlage im Raum BERN so, dass der Gegner versucht mit einem überwältigenden Luftangriff und einem strategischen Enthauptungsschlag den Willen von Volk und Armee früh zu brechen, um sich nicht mühsam am Boden durchkämpfen zu müssen.
  • Eine erste Luftlandung in BELP ist bereits erfolgt, dieser Verband soll wohl den Flughafen sichern, damit weitere Kräfte nachgeführt werden können. Der Gegner wird wohl anschliessend versuchen, symbolträchtige Regierungsgebäude unter seine Kontrolle zu bringen sowie die politische und militärische Führung gefangen zu setzen oder zu töten. 
  • Der Bataillonskommandant 29 hat sich entschieden, nicht weiter zuzuwarten. Er hat seine Aufklärungselemente sofort ausgelöst, um das Lagebild zu verdichten. Er will
    • mit einer Vorhutkompanie entlang der Achse A6/H6 stossen, um diese zu öffnen und offenzuhalten;
    • mit zwei Kompanien das BUNDESHAUS-VIERTEL nehmen, um dieses zu halten und günstige Voraussetzungen für die STRATCOM (Strategic Communication) zu schaffen;
    • mit einer Kompanie den luftgelandeten Gegner bei BELP vernichten, um dem Gegner das Nachführen weiterer Kräfte zu verwehren;
    • die Logistik, inklusive den Sanitätsdienst, über die in der EBA etablierten Prozesse mit kleinen mobilen Nachschubteams im Bringprinzip sicherstellen.
  • Die DELTA Kompanie hat den Auftrag: «Nimmt und hält Flugplatz BELP. Verhindert weitere Luftlandungen.» Und, so der Bataillonskommandant wörtlich, «erschiesst mir um Himmel-Herrgottswillen nicht unsere Landesregierung!»
  • Wachtoffizier Dugalesi informiert dich zudem, dass er als Sofortmassnahme den Alarm MECCANO ausgelöst hat. Das heisst, die Züge erstellen selbstständig Marschbereitschaft und haben den Marschbereitschaftsgrad IV («abfahrbereit innert Minuten») in 1 Stunde erreicht.
  • Die Zugführer werden sich in 30 Minuten bei dir zur Befehlsausgabe einfinden. Die Zeitverhältnisse schliessen eine detaillierte Aktionsplanung aus. Was jetzt gefragt ist, ist ein verständlicher, machbarer Plan und entschlossene Führung im Gefecht.

Gegner

Es gibt keine genauen Informationen über das Dispositiv des Gegners beim Flugplatz BELP. Der S2 geht von folgenden Mitteln aus:

  • leichte Infanterie in maximal Kompaniestärke
  • 3-4 leicht gepanzerte Fahrzeuge, wohl BMP, Modell unklar
  • komplette Palette infanteristischer Wirkmittel, insbesondere auch verschiedene Typen von Drohnen, Panzerabwehrwaffen und Mörsern.

Es muss zudem damit gerechnet werden, dass sich gegnerische Sonderoperationskräfte in Truppstärke bereits im Raum befinden, um die gelandeten Elemente zu unterstützen.

Eigene Mittel

Deine Kompanie ist wie folgt zusammengesetzt:

  • 2 Sensoren zur Aufklärung und Feuerleitung mit Aufklärungsfahrzeug 93/97, inkl. TASYS
  • 1 Panzerzug mit 4 Kampfpanzer 87 WE
  • 2 Panzergrenadierzüge mit je 4 Schützenpanzer 2000 NUV
  • 1 Panzersappeurzug mit 4 Pionierpanzer 21
  • 1 Mörserzug à 4 Mörser 16
  • 12 Kleindrohnen, diverse Modelle zur visuellen Informationsbeschaffung, aufgeteilt auf die Sensoren und die Kampfzüge
  • 1 Kommandozug, inkl. 1 Bergepanzer und einigen ungepanzerten Fahrzeugen für Logistik und Sanitätsdienst.

Die dreimonatige EBA hat den Ausbildungsstand deiner Kompanie wie geplant stark erhöht. Die Integration der Panzersappeure und Mörser hat nach gewissen Anlaufschwierigkeiten geklappt. Der Sensor-to-Shooter-Loop ist etabliert und funktioniert – solange die Technik tut. Die Moral und die Disziplin in der Truppe sind sehr gut. Du bist froh, dass du dich hierbei auf verlässliche, gestandene Unteroffiziere stützen kannst. Dein höherer Kader besteht zum Grossteil aus initiativen Milizoffizieren und höheren Unteroffizieren, die kreative Lösungen für taktische und technische Probleme finden.

Sorgen bereiten dir vor allem drei Aspekte:

  • dies wird der erste Kampfeinsatz deiner Kompanie. Du weisst nicht, wie Führung und Truppe mit der Realität von Töten und Sterben umgehen werden. Es bleibt das Vertrauen in Training, Resilienz und Kohäsion; 
  • der junge Leo-Zugführer (Leopard Kampfpanzer), Leutnant Capreol, ist «frisch ab Presse» und verfügt über entsprechend geringe taktische Kenntnisse. Grundsätzlich zwar engagiert, aber oft zurückhaltend bei wichtigen Entscheidungen, stützt er sich stark auf die Erfahrung und Initiative seiner Panzerkommandanten;
  • wenn die Panzergrenadiere absitzen, gibt es kein Halten mehr. Nach den Zertifizierungsübungen vor zwei Wochen attestierte der Inspizient, die sehr hohe Truppenmoral «wirkt zuweilen tollkühn». Gezielte Grundaggressivität kippt rasch in «Trigger-Happiness» um.

Umwelt

Das Gelände präsentiert sich gemäss den öffentlich zugänglichen Satellitenbildern. 

Für den heutigen Apriltag ist Hochnebel angekündigt, letzte Woche hat es stark geregnet.

Zeitverhältnisse

Kompanie DELTA hat Marschbereitschaftsgrad IV um 0600 erreicht.

Es sind keinerlei Zeitverhältnisse bezüglich Auftragsdauer oder einer möglichen Unterstützung bekannt. Durch dein Netzwerk weisst du, dass sich die Kameraden der Schwesterbataillone 13 und 14 im Raum KANDERTAL bzw SEELAND befinden.

Fragestellung

  • Skizziere deinen Entschluss auf der Karte und formuliere deine Absicht einfach und präzise.
  • Begründe folgende Aspekte in wenigen Sätzen, damit deine Zugführer deine Absicht nachvollziehen können:
    • Wo und wie erwartest du das gegnerische Dispositiv?
    • Wie gedenkst du die eigene Feuerüberlegenheit einzusetzen?
    • Welche Massnahmen triffst du gegen Kampfhelikopter und Drohnen?
    • Wie gehst Du mit dem Gerücht um, dass sich der Bundesrat im Kampfraum befinden soll?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #28

Zum Tactical Decision Game «Kulminationspunkt BELP» haben uns fünf detailliert ausgearbeitete Lösungen erreicht. Trotz unterschiedlicher Akzentsetzung weisen sie eine bemerkenswerte unité de doctrine auf: Alle Teilnehmenden gehen davon aus, dass der luftgelandete Gegner den Flugplatz BELP als Stützpunkt hält, die Zugänge sichert und seine wenigen gepanzerten Fahrzeuge als bewegliche Reserve einsetzt.

Entsprechend folgen die Lösungen grundsätzlich derselben Logik des Kampfes der verbundenen Waffen: Sensoren klären auf und unterstützen die Feuerführung, Kampfpanzer schaffen Feuerüberlegenheit, Panzergrenadiere führen den Angriff, Panzersappeure gewährleisten die Beweglichkeit und machen die Piste unbrauchbar. Gegen gegnerische Drohnen und Kampfhelikopter setzen die Teilnehmenden vor allem auf passive Schutzmassnahmen wie Tarnung, Auflockerung, kurze Stellungsdauer und Tempo.

Auch die mutmassliche Anwesenheit des Bundesrates wird übereinstimmend nicht als Hinderungsgrund für die Auftragserfüllung beurteilt. Vorgeschlagen werden jedoch erhöhte Anforderungen an Zielidentifikation, Feuerführung und das Vorgehen im Bereich des Terminals. Hier könnte durchgängig stärker berücksichtigt werden, dass es sich hierbei schlicht um eine gezielte Fehlinformation des Gegners handelt. Doch wir fokussieren die Besprechung auf einen anderen Aspekt.

Der entscheidende Punkt: Der Anmarsch

Die gemeinsame Schwäche der Lösungen liegt darin, dass sie vor allem das Gefecht auf dem Flugplatz planen, den Anmarsch unter gegnerischer Aufklärung und Verzögerung jedoch weniger konsequent berücksichtigen. ORION muss die Schweizer Reaktionsverbände nicht vernichten. Es genügt, ihr Eintreffen bis zur nächsten Luftlandewelle zu verzögern.

Das gekammerte Gelände rund um BELP erlaubt dem Gegner, Engnisse mit geringem Kräfteansatz zu sperren, mechanisierte Verbände zu kanalisieren und sie durch Hinterhalte oder Drohnenangriffe abzunützen. Zwar naheliegend, aber eben besonders riskant ist deshalb ein geschlossener Anmarsch über die A6 und die HUNZIGENBRÜGG: Bereits ein zerstörtes Fahrzeug oder eine einfache Sperre könnte die gesamte Kompanie auf dem falschen Ufer der AARE blockieren.

Die gegnerischen Drohnen werden in den meisten Lösungen primär als Schutzproblem verstanden. Sie sind jedoch ebenso ein Mittel, um die Annäherung aufzuklären, eigene Kräfte in ungünstiges Gelände zu lenken und Zeit zu gewinnen. Auch die reflexartige Nutzung der dominierenden Höhen überzeugt nur bedingt. Von HOHBURG ist eine zuverlässige Wirkung auf den Flugplatz fraglich; bei ENGLISBERG und ZIMMERWALD müssten sich die Kampfpanzer an Geländekanten exponieren und wären damit besonders durch Drohnen und Panzerabwehrwaffen gefährdet.

Daraus ergibt sich ein alternativer Ansatz: getrennt marschieren und gemeinsam zuschlagen. Die Panzergrenadiere sollten über mehrere Achsen vorgehen, während der Panzerzug als beweglicher Verfügungsverband bereitgehalten wird. Die Sensoren wären zunächst zur Spähaufklärung der eigenen Annäherungsachsen und erst anschliessend zur Zielaufklärung auf dem Flugplatz einzusetzen. So müsste der Gegner seine knappen Kräfte auf mehrere Bedrohungen verteilen und könnte den Angriff weniger einfach kanalisieren.

Der Sieger: Lt Maxime Rinderknecht

Den ersten Platz sichert sich Lt Maxime Rinderknecht. Seine Lösung erkennt am ehesten, dass das Gefecht nicht erst auf dem Flugplatz beginnt. Er verteilt Sensoren und Kräfte auf mehrere Räume, berücksichtigt KEHRSATZ und mögliche Fluchtachsen und verbindet die taktische Lage mit der operativen Bedeutung einer zweiten Luftlandung sowie den strategischen Folgen einer möglichen Anwesenheit des Bundesrates.

Sein Ansatz ist allerdings komplex und verlangt eine anspruchsvolle Synchronisation. Gerade die räumliche Auflockerung macht ihn aber vergleichsweise robust: Der Gegner kann die Schweizer Kräfte weniger einfach auf einer einzelnen Achse verzögern, während der Panzerzug den Flugplatz abriegeln oder dort nachstossen kann, wo sich zuerst eine günstige Gelegenheit ergibt.

Honorable Mention: Oblt Arthur Martin Lopez

Eine ehrenvolle Erwähnung verdient Oblt Arthur Martin Lopez. Seine Lösung ist hinsichtlich Absicht, Entscheidpunkten, Sensor-to-Shooter-Loop, Feuerdisziplin und Übergang in die Verteidigung am konsequentesten aufgebaut. Zudem berücksichtigt sie den Faktor Mensch besonders sorgfältig.

Problematisch sind jedoch die angenommene Feuerwirkung des Panzerzuges aus Distanz und der zentralisierte Anmarsch. Dieser könnte bereits vor dem vorgesehenen Flankenmanöver durch einen einzelnen Hinterhalt zum Stillstand gebracht werden. Oblt Lopez präsentiert damit den methodisch ausgefeiltesten, unter den konkreten Gelände- und Zeitverhältnissen aber nicht den robustesten Plan.

Insgesamt zeigen die fünf Einsendungen ein gutes taktisches Niveau und ein gemeinsames Verständnis des Kampfes der verbundenen Waffen. Der zentrale Lernpunkt dieses TDG liegt jedoch darin, das relevante Teilproblem zu erkennen: Entscheidend ist nicht allein, wie der Gegner auf dem Flugplatz geschlagen wird, sondern ob und wie die eigenen Kräfte diesen überhaupt rechtzeitig und handlungsfähig erreichen.

Wir gratulieren Lt Maxime Rinderknecht herzlich und wünschen viel Freude bei der Lektüre von «Clausewitz verstehen: Wirken, Werk, Wirkung» von Christian Th. Müller.

Über unsere «Decision Games»

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