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Leader's Digest Leader's Digest #31 Newsletter Update Führung

Update Führung: Oktober 2026

Complex Adaptive Systems: New Ways to Study Officer Training

[YouTube, 22.08.2026, Military History Not Visualized]

Warum modelliert man Kriegführung, statt nur aus der Militärgeschichte zu lernen? Oberst i Gst Patrick Hofstetter argumentiert, dass die verschiedenen Perspektiven sich ergänzen. Historische Vergleiche, qualitative und quantitative Forschung sowie Simulationen machen je andere Aspekte sichtbar. Gerade im Krieg fehlen oft verlässliche Daten. Agentenbasierte Modelle können deshalb helfen, wiederkehrende Muster und Wechselwirkungen zu erkennen. Das Gespräch führt von Selbstähnlichkeit und Flankenschutz bis zu einer sehr praktischen Frage: Wie lassen sich Ausbildung, Erholung und Einsatz von Truppen sinnvoll verbinden?

Link: https://www.youtube.com/watch?v=UsXad6BEt4k

Starke Führung ohne starke Führer: Was die Schweiz von zeitgemässer militärischer Führung lernen kann

[Sichtweisen Schweiz, 29.09.2026, Patrick Hofstetter]

Klare Aufträge, Respekt vor Menschen und handlungsfähige Organisationen: Militärische Führung verbindet, was in Krisen leicht auseinanderfällt. Davon kann nicht nur die Schweizer Armee lernen. In diesem Meinungsartikel legt der Autor dar, dass starke Führung nicht zwingend starke Führer braucht – und dass die Schweiz dies und vieles mehr von zeitgemässer militärischer Führung lernen kann, um für die die nächste Krise besser gewappnet zu sein.

Link: https://sichtweisenschweiz.ch/gesellschaft/starke-fuehrung-ohne-starke-fuehrer-was-die-schweiz-von-zeitgemaesser-militaerischer-fuehrung-lernen-kann/

OSINT at Home

[YouTube, Benjamin Strick]

True to Swiss Armed Forces operational guidelines «Augen vor Bewegung», any movement must be preceded by reconnaissance. Open-source intelligence (OSINT) can help soldiers gain the required situational awareness and can therefore support individual training and mission planning. Exploring the various functions of Google Earth Pro can serve as a useful starting point. For this purpose, a great resource is the «OSINT at Home» series on the YouTube channel «Bendobrown» of the OSINT investigator Benjamin Strick.

Important: As open-source information can be outdated, wrong or incomplete, it should be used carefully and in combination with other sources.

Link: https://www.youtube.com/watch?v=qW96515QG6Y&list=PLrFPX1Vfqk3ehZKSFeb9pVIHqxqrNW8Sy

Taiwan Is a NIGHTMARE for Drones – My Experience

[YouTube, 25.01.2026, Civ Div]

A lot of ink has been spilled about the effectiveness of aerial drones in the Russian-Ukrainian War. These wartime innovations and adaptations in Ukraine have prompted analysts to debate to what extent other armed forces can extract “lessons learned” from the ongoing war, and to what extent those lessons can solely be applied to the unique context of the Russian-Ukrainian War. A US-American who volunteered in the Ukrainian Special Operations Forces (SSO), and has also worked with the Taiwanese Armed Forces, now provides his viewers with insights on the factors in Taiwan which would force drone warfare to be conducted differently. He mentions how Ukraine is a country with vast open fields separated by tree lines, and how Taiwan features more mountainous and densely vegetated areas which carry implications for signal range, the effectiveness of enemy camouflage and so on. As parts of Switzerland are similarly mountainous to Taiwan, some of the video’s insights are relevant for the Swiss Armed Forces.

Link: https://www.youtube.com/watch?v=6sMWyFb_UrI

The Heart of War: Ukraine’s Key Battlefield System

[CEPA, 16.03.2026, David Kirichenko]

Ukrainian aerial drones and increasingly also ground drones are gathering a lot of international attention. Yet in this article, Kirichenko argues that this is just one part of the picture; hardware is one thing, software the other. The author stresses how important software such as the battlefield management system “Delta” is in coordinating hardware effectively. Delta is crucial for situational awareness and near real-time command. It helps with targeting and avoiding friendly fire. Moreover, integrated AI capabilities mean kill chains can further be shortened. Overall, the article shows how hardware is just part of the picture, and that for hardware to be truly effective it needs to be well-integrated within the larger system.

Link: https://cepa.org/article/the-heart-of-war-ukraines-key-battlefield-system/

Guns Not Missiles Will Defeat the Drone

[CEPA, 21.10.2025, David Brookfield]

Brookfield argues that Europe has invested too heavily in expensive missile-centric air defence when trying to solve the problem of cheap, mass-produced drones. He argues that low-cost drones can be produced and financed on a much larger scale than advanced interceptor missiles. He mentions the Falklands War and the current Russian-Ukrainian war to argue that a sustainable defence against massed attacks combines gun-based air defences with interceptor drones.

Link: https://cepa.org/article/guns-not-missiles-will-defeat-the-drone/


Über das «Update Führung»

Das Update Führung ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung. Falls Sie Lesenswertes zu Command, Leadership oder Management entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie dies mit uns teilen. Gerne nehmen wir Tipps für die kommende Ausgabe von Leader’s Digest via leadersdigest@leadershipcampus.ch entgegen.

Neu: Alle bisherigen Artikel aus der Rubrik «Update Führung» finden Sie archiviert im Archiv Update Führung.

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Buch des Monats Leader's Digest Leader's Digest #31 Newsletter

Buch des Monats: «No More Heroes: Madness and Psychiatry in War»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Gabriel untersucht die psychischen Belastungsgrenzen von Soldaten im Krieg. Besonders relevant ist seine Auseinandersetzung mit dem «Chemical Soldier» und der pharmakologischen Beeinflussung von Angst, Erschöpfung und Durchhaltefähigkeit. Das Buch schärft den Blick für die Spannungen zwischen medizinischer Behandlung, militärischer Leistungssteigerung und Fürsorgepflicht.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Die klare, offene Sprache und die bewusst sachliche Zurückhaltung des Autors machen den Schrecken des Krieges unmittelbar erfahrbar, ohne ihn klinisch zu abstrahieren.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Das Buch wurde 1987 veröffentlicht und ist daher geprägt vom Kalten Krieg. Es kann daher nicht die Paradigmenwechsel des Global War on Terror und des Russisch-Ukrainischen Krieges berücksichtigen.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An dienstjunge und in ihrer Kriegsvorstellung naive Soldaten und Vorgesetzte.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Es hat mir den Schrecken des Krieges und die Verantwortung als Vorgesetzter sehr deutlich vor Augen geführt. Es war in der Lage an meine Erfahrungen als Soldat in Afghanistan anzuknüpfen.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Der Mensch und somit Leadership stehen im Buch klar im Mittelpunkt. Genau dieser Fokus auf Leadership ist essenziell zur Vorbereitung auf den Krieg.


Über den Rezensenten

Hauptmann Alexander Schäbler ist Bezirksjugendoffizier der Bundeswehr in Potsdam und Referent für Sicherheitspolitik. In Schulen und in der Öffentlichkeit diskutiert er Fragen von Krieg und Frieden sowie deutsche Aussen- und Sicherheitspolitik. Zuvor diente er im Zentralen Sanitätsdienst und war in Afghanistan und Mali im Einsatz. Hptm Schäbler studierte Strategic Studies (M.A.) und ist Ständiger Gast im Beirat für Fragen der Inneren Führung des Deutschen Verteidigungsministers.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #31 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #30

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Oberst i Gst Patrick Hofstetter, Dozent Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung. Diesen Monat erhält der Gewinner zusätzlich zum letztmonatigen Buch des Monats ebenso das Gesellschaftsspiel «Offensive Le Jeu».

Link zum Gesellschaftsspiel: Via Negativa – Offensive le jeu

Decision Game aus Leader’s Digest #30

Vorwort

Via Negativa ist ein Instrument zur Beurteilung der Lage: Ausgehend von einer vorgegebenen Einsatzgliederung, einem Spielbrett und einer Ausgangslage (Teil A), die durch Einschränkungen hinsichtlich Verschiebung und Reichweite begrenzt sind, formuliert der Spieler eine taktische Einschätzung.

Der Spieler führt dabei keine Aktionen aus: Er bewegt keine Spielfiguren im Sinne der Regeln und entscheidet keine Gefechte. Seine Aufgabe besteht darin, die dargestellte Situation zu analysieren und eine Einschätzung abzugeben – mögliche Entwicklungen und Kampfabsichten –, so wie er es in einer realen Situation tun würde. Der didaktische Mehrwert von Via Negativa liegt in dieser Vorgehensweise: Indem sie damit beginnt, das Unmögliche auszuschliessen, anstatt sich das Wünschenswerte vorzustellen, verringert sie das Risiko, eine Argumentation auf der Grundlage eines im Voraus gewählten Szenarios aufzubauen, und beschränkt die Beurteilung auf das, was die Situation tatsächlich zulässt. Die Methode heisst Via Negativa, weil sie bei dem beginnt, was ausgeschlossen ist, und nicht bei dem, was möglich ist: Zunächst wird festgelegt, was Rot nicht tun kann, bevor eine Hypothese darüber aufgestellt wird, was Rot wahrscheinlich tun wird.

Die untenstehenden Elemente sind vorgegeben: Sie beschreiben die Ausgangssituation und den Rahmen des Problems. Beachten Sie das untenstehende Bild.

Situation

Blau (BLUEFOR) sind die eigenen Kräfte, die den Auftrag haben, auf ein Ziel (Feld N6) vorzurücken. Rot (OPFOR) sind die gegnerischen Kräfte, die zur Verteidigung aufgestellt sind.

Ordre de bataille (Kampfgliederung)

BLUEFOR
  • 1 Leichte Infanterie-Kompanie (Symbol: 2 Infanteristen)
  • 1 Mechanisierte Infanterie-Kompanie (Symbol: Soldat mit Panzerabwehrwaffe)
  • 2 Panzerkompanien (Symbol: Panzer)
  • 2 Wirkdrohnenzüge (indirekter Beschuss) (Symbol: Drohne)
OPFOR
  • 2 Leichte Infanterie-Kompanien in den Feldern L8 und J5
  • 1 Panzerkompanie in Feld L9
  • 1 Wirkdrohnenzug (indirekter Beschuss) in Feld I5

Spielfeld und Gelände

Raster aus 26 × 16 Feldern. Kolonnen nummeriert von 1 bis 10, Zeilen gekennzeichnet von A bis O. Jedes Feld steht für eine Geländeart.

  • Weisse Felder – offenes Gelände. Ermöglicht die Verschiebung schwerer Einheiten (mechanisierte Infanterie oder Panzer).
  • Grüne Felder – bedecktes Gelände. Verteidigungsstarkes Gelände (Vorteil für dort befindliche Einheit)
  • Hellgraue Felder – überbautes Gelände. Verteidigungsstarkes Gelände (Vorteil für dort befindliche Einheit)
  • Dunkelgraue Felder – Strassennetz. Ermöglicht die Verschiebung schwerer Einheiten (mechanisierte Infanterie oder Panzer).
  • Blaue Felder – Flüsse. Ein Fluss kann unabhängig von der Art der Einheit nur über eine Brücke überquert werden.

Dispositiv zur Startaufstellung

OPFOR wird gemäss seiner Dispositiv-Aufstellung aufgestellt. BLUEFOR legt seine eigene Startaufstellung auf den ihm zugewiesenen Feldern fest.

Ziele

BLUEFOR muss das Zielfeld (N6) (mit einem gestrichelten blauen Quadrat markiertes Feld) einnehmen.

Bewegung und Reichweiten der Systeme

Diese Elemente legen fest, was eine Einheit tun kann und was nicht. Es handelt sich um Grenzen hinsichtlich der Fähigkeiten und der Position.

Leichte Infanterie-Kompanie

Verschiebungen: Bis zu 2 Felder pro Zeitsequenz (ca. 30‘), geländegängig ausser Flüssen – Übersetzen nur über eine Brücke möglich.

Wirkungsreichweite: 2 Felder, 1 Feld in bedecktem oder überbautem Gelände.

Mechanisierte Infanterie-Kompanie

Verschiebungen: Bis zu 3 Felder pro Runde, nur offenes Gelände oder Strassennetz – weder bedecktes noch überbautes Gelände noch Flüsse ohne Brücke.

Wirkungsreichweite: 1 Feld, ohne Einfluss des Geländes.

Panzerkompanie

Verschiebungen: Bis zu 3 Felder pro Runde, nur offenes Gelände oder Strassennetz – weder bedecktes noch überbautes Gelände noch Flüsse ohne Brücke.

Wirkungsreichweite: 3 Felder in offenem Gelände, 1 Feld in bedecktem oder überbautem Gelände mit Strasse.

Wirkdrohnenzug

Verschiebungen: Bis zu 2 Felder pro Zeitsequenz (ca. 30‘), geländegängig ausser Flüssen – Übersetzen nur über eine Brücke möglich.

Wirkungsreichweite: 3 Felder, unabhängig vom Gelände.

Fragestellung

Auf der Grundlage der zu beachtenden Spielbedingungen und Einschränkungen ist eine vierstufige Beurteilung der Lage in folgender Reihenfolge vorzunehmen:

  1. Unmöglichkeiten der OPFOR. Bevor positive Annahmen getroffen werden, ist festzustellen, was OPFOR nicht tun kann – was die Bedingungen und Auflagen von vornherein ausschliessen. In diesem Teil geht es nicht darum, was OPFOR tun wird, sondern darum, was bereits ausserhalb seiner Möglichkeiten liegt.
  2. Bestimmende Lageentwicklungsmöglichkeit. Sobald die Unmöglichkeiten feststehen: Welche Entwicklung der Situation ist unter den für OPFOR noch offenen Möglichkeiten am wahrscheinlichsten oder hat die schwerwiegendsten Folgen für BLUEFOR?
  3. Kampfabsicht. Für die bestimmende Lageentwicklungsmöglichkeit: Was BLUEFOR beschliessen würde – zusammenfassend formuliert: Kraft – Raum – Zeit – Information, mit Begründung.
  4. Ausgangslage. Wie platziere ich als BLUEFOR meine 5 Einheiten zu Beginn auf A3 – A8?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #30

Mit dem Decision Game #30 haben wir erstmals ein TDG auf Grundlage des Spielkonzepts Via Negativa durchgeführt. Der entscheidende Unterschied zu bisherigen TDGs liegt darin, dass nicht unmittelbar die beste taktische Lösung gesucht wird. Ausgangspunkt war vielmehr, was der Gegner nicht tun kann. Basierend auf diesem Ausschlussverfahren wird eine bestimmende gegnerische Lageentwicklung abgeleitet und daraus die eigene Kampfabsicht entwickelt. Das Spielbrett dient als strukturierte Grundlage für die taktische Beurteilung – es ist jedoch nicht erforderlich, die Spielzüge durchzuspielen.

Wir haben diese Logik für die Bewertung berücksichtigt. Jede Lösung wurde auf einer Skala von 0 bis 5 anhand von fünf Kriterien beurteilt: Unmöglichkeiten der OPFOR 25 %, bestimmende Lageentwicklungsmöglichkeit 20 %, Kampfabsicht 30 %, innere Kohärenz und Ausgangsdispositiv 10 % sowie Entscheidungen unter Vorbehalt und Anpassungsfähigkeit 15 %. Die Qualität der Analyse ROT macht damit 45 % der Bewertung aus. Dies ist bewusst so gewählt: Eine gute taktische Intuition kann in einer Situation zum richtigen Ergebnis führen; eine nachvollziehbare Methode soll hingegen auch in einer veränderten Lage wieder funktionieren.

Drei unterschiedliche Zugänge

Die drei Einsendungen zeigen diesen Unterschied sehr deutlich. Hptm Raphael Iselin erreicht mit 2,95 von 5 Punkten den ersten Rang, die beiden weiteren Lösungen liegen mit 2,30 und 2,10 Punkten nahe beieinander.

Hptm Iselin überzeugt insbesondere durch die systematischste Analyse der gegnerischen Wirkungsmöglichkeiten. Er kombiniert Bewegung und Wirkungsreichweite für die verschiedenen Waffensysteme und leitet daraus Einschränkungen der OPFOR ab. Zudem erkennt er, dass das Ziel N6 selbst keinen Schutz bietet, und identifiziert den gegnerischen Wirkdrohnenzug als Schlüsselverband, der möglichst früh ausgeschaltet werden muss. Seine Forderung, einen «Vorsprung in der Entscheidung» zu erreichen, trifft damit einen zentralen Mechanismus der Lage. Seine Lösung birgt allerdings auch Fehler. Sein Hauptstoss führt über den südlichen Übergang, der durch Wirkdrohnen und Panzer gedeckt wird, während der nördliche Übergang zunächst ausserhalb der Reichweite der roten Panzer liegt. Die starke Analyse wird somit nicht vollständig in die eigene Kampfabsicht übersetzt. Zudem werden mehrere gegnerische Entwicklungsmöglichkeiten genannt, ohne eine davon eindeutig als bestimmend beziehungsweise besonders gefährlich festzulegen.

Der Zweitplatzierte geht beinahe den umgekehrten Weg. Seine eigentliche Manöveridee liegt am nächsten bei unserer Musterlösung: Er wählt den nördlichen Übergang, will dort zunächst einen begrenzten Teil des Gegners schlagen und die roten Kräfte damit nacheinander statt gleichzeitig bekämpfen. Auch seine Überlegungen zur anschliessenden Anpassung an die Reaktion des Gegners weisen bereits in Richtung von Entscheidungen unter Vorbehalt. Das Problem liegt vor allem in der Herleitung. Die erste Stufe der Via Negativa wird kaum durchgeführt; an ihre Stelle tritt teilweise ein spiegelbildliches «Wenn ich der Gegner wäre, würde ich …». Damit ist die taktische Intuition plausibel, aber nur eingeschränkt reproduzierbar. Hinzu kommen einige Inkonsistenzen im Ausgangsdispositiv und die Fixierung von Kräften vor dem besonders stark gedeckten mittleren Übergang.

Der knapp Drittplatzierte wiederum liefert die sorgfältigste formale Rahmung der Aufgabe. Er erkennt zwei tatsächliche Unklarheiten der Aufgabenstellung, berechnet die Zeit bis N6 und formuliert einen vergleichsweise präzisen Informationsbedarf mit Auslösern für weitere Entscheidungen. Auch sein Gedanke, die roten Kräfte vor dem eigenen entscheidenden Vorgehen zunächst abzunutzen weist in die richtige Richtung. Entscheidend ist jedoch auch hier die fehlende Kohärenz zwischen Analyse und Befehl: Obwohl er selbst erkennt, dass OPFOR schneller auf N6 wirken kann, entwickelt sich seine Lösung letztlich doch zu einem Wettlauf zum Ziel. Hinzu kommen Fehlberechnungen bei der Drohnenwirkung und ein Stoss über den mittleren Übergang, der von drei gegnerischen Systemen gedeckt wird.

Der Vergleich der drei Lösungen zeigt damit besonders deutlich, weshalb die Methode bei diesem TDG stärker gewichtet wurde als die blosse Übereinstimmung mit einer Referenzlösung. Für ein Instrument zur Schulung taktischer Beurteilung wie Via Negativa gibt letztlich Letzteres den Ausschlag. Die Referenzanalyse selbst zeigt zudem, dass die Lage weniger als Rennen nach N6 denn als Sequenzproblem zu verstehen ist: zuerst die gegnerische Wirkdrohne und die gefährlichen Feuerstellungen beherrschen, danach die gegnerischen Teilkräfte abnutzen und erst zuletzt das Ziel besetzen.

Wir gratulieren Hptm Raphael Iselin herzlich und wünschen viel Freude bei der Lektüre von What I Learned Losing a Million Dollars von Jim Paul und Brendan Moynihan sowie beim Ausprobieren des zusätzlich gestifteten Brettspiels Offensive Le Jeu.

Im November werden wir erneut ein TDG auf Grundlage dieses Spielkonzepts erstellen. Für die nächste Runde empfehlen wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, insbesondere drei Punkte zu beherzigen:

  1. Zuerst ausschliessen, dann im verbleibenden Möglichkeitsraum weiterdenken. Vor jeder Annahme über das gegnerische Verhalten ist zu bestimmen, was die einzelnen gegnerischen Einheiten aufgrund von Bewegung, Reichweite und Gelände nicht tun können. Erst auf dem verbleibenden Möglichkeitsraum baut die weitere Beurteilung auf. Je belastbarer diese Grundlage ist, desto robuster wird auch der daraus entwickelte Plan.
  2. Den Plan am Gefährlichsten ausrichten, nicht am Wahrscheinlichsten. Unter den verbleibenden Möglichkeiten ist die wahrscheinlichste gegnerische Entwicklung nicht zwingend jene, gegen die der eigene Plan bestehen muss. Er sollte insbesondere gegenüber der gefährlichsten Möglichkeit robust sein – denn wenn diese eintritt, kann sie die Lage entscheidend verändern.
  3. Vorbehaltene Entschlüsse an die Ausschlüsse koppeln. Für jede Anpassung ist ein beobachtbarer Auslöser zu formulieren: Wenn X beobachtet wird, folgt Y. Gleichzeitig sollte klar sein, welche bisherige Annahme oder welcher Ausschluss durch X infrage gestellt wird. So bleibt der Plan mit seinen analytischen Grundlagen verbunden und kann angepasst werden, sobald eine davon nicht mehr trägt.

Über unsere «Decision Games»

Das «Decision Game» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Archiv Tactical Decision Games

Archiv Ethical Decision Games

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Leader's Digest Leader's Digest #30 Newsletter Update Führung

Update Führung: September 2026

Military Leadership in Extreme Situations: An International Perspective

[Springer, 2026, Sarah von Felten (ed.)]


The volume examines military leadership in extreme situations from an international comparative perspective. Contributions from sixteen countries and regions address how armed forces conceptualise leadership and prepare military personnel for demanding operational environments. The chapters cover themes such as decision-making under uncertainty, resilience, adaptability, ethics and followership, while considering the influence of different institutional, cultural, and security contexts.

Link: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-032-25937-0

L’art de la conduite entre chaos et perfection


[NZZ Libro, 2026, Patrick Hofstetter, Thomas Vogel, Reto Wegmann]


Comment conduire lorsque le quotidien oscille entre chaos et complexité tout en exigeant précision et fiabilité? Les auteurs proposent un cadre pratique qui articule trois perspectives complémentaires: la mission, l’humain et l’organisation. Modèles, outils et exemples permettent aux cadres de structurer leur action et de mieux faire face aux tensions inhérentes à la conduite. Cette édition est une traduction de l’ouvrage allemand «Auftrag. Mensch. Organisation.» des mêmes auteurs, adaptée géographiquement au lectorat francophone par des exemples et des références spécifiques.


Link: https://www.nzz-libro.ch/produkt/l-art-de-la-conduite-entre-chaos-et-perfection-9783039800827-t-19973

Individuelle Katastrophenvorsorge: Gefährdungswahrnehmung, Informationsbedürfnisse und persönliche Vorsorge der Schweizer Bevölkerung

[CSS ETH, April 2026, Simon Aebi, Jurgena Kamberaj]

Das Center for Security Studies an der ETH hat im Rahmen eines Risk & Resilience Reports eine Studie zu individueller Katastrophenvorsorge durchgeführt, die auf einer repräsentativen Umfrage basiert. Die Studie zeigt unter anderem, dass sich die individuelle Katastrophenvorsorge im Vergleich zu den letzten Umfragen in 2011 und 2017 weiterentwickelt hat, diese jedoch auch heute noch zu unsystematisch ist. Die Autoren der Studie schlagen vor, diesem Mangel an systematischer individueller Katastrophenvorsorge mit effektiver Kommunikation entgegenzutreten, sowie Katastrophenwarnungen via Mobilfunk (Cell Broadcast) zu ermöglichen. Die vollständige Studie können Sie auf dem folgenden Link als PDF-Datei herunterladen.

Link: https://css.ethz.ch/ueber-uns/CSS-news/2026/04/individuelle-katastrophenvorsorge-gefaehrdungswahrnehmung-informationsbeduerfnisse-und-persoenliche-vorsorge-der-schweizer-bevoelkerung.html

The End of Audacity? Artificial Intelligence and the Future of Command

[Modern War Institute, 24.12.2025, Antonio Salinas, David V. Gioe]

Salinas and Gioe highlight the role audacity played in successful military operations, and note that military officers should beware of “algorithmic caution”, where a lack of AI’s approval leads to a lack of decisive action. The authors use historic examples such as the D-Day landings in Normandy to showcase how Clausewitz’ moral forces and other factors shape the success of military operations; they argue that as AI struggles with those non-quantifiable factors, it is crucial that officers see AI as a tool to help decision-making, rather than to look to AI for leadership itself.

Link: https://mwi.westpoint.edu/the-end-of-audacity-artificial-intelligence-and-the-future-of-command/

Ukrainian computer game-style drone attack system goes viral

[Guardian, 03.11.2025, Robert Booth]

In this article Booth describes how Ukraine «gamified» and decentralised procurement processes. Since 2024, a various number of points are distributed to Ukrainian units when they destroy a Russian target, and those points can then be used by said unit to order more equipment on the Brave1 marketplace, which has been called «Amazon-for-War». As the distributed points per target can be adapted and hence incentives can be shifted, the point system can be adapted to changing battlefield priorities.

Link: https://www.theguardian.com/world/2025/nov/03/ukrainian-computer-game-style-drone-attack-system-goes-viral

Austria’s Neutrality At 70 — Is it Still Fit for Purpose?

[ICDS, 27.10.2025, Felix Gasper]

Debates on neutrality are not unique to Switzerland, and are also ongoing in Switzerland’s eastern neighbour. Whereas Austria is part of the EU and Switzerland is not, the similarities of the neutrality debates in both countries are striking.

Link: https://icds.ee/en/austrias-neutrality-at-70-is-it-still-fit-for-purpose/


Über das «Update Führung»

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Buch des Monats Leader's Digest Leader's Digest #30 Newsletter

Buch des Monats: «What I Learned Losing a Million Dollars»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Die Gründe für eine Niederlage sind weitaus allgemeingültiger und leichter zu erkennen als die Gründe für einen Sieg. Das Buch geht von einer beunruhigenden These aus: Es gibt keine allgemeingültige Methode, um zu gewinnen, aber es gibt allgemeingültige Mechanismen, durch die man verliert – und diese Mechanismen sind in erster Linie psychologischer Natur. Die Bedingungen einer Niederlage zu meistern, ist daher die Voraussetzung für jeden dauerhaften Erfolg.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Dessen chirurgische Ehrlichkeit. Jim Paul liefert kein Erfolgsrezept, sondern eine detaillierte Analyse seines eigenen Zusammenbruchs – finanziell, psychologisch und beruflich. Was mich besonders anspricht, ist die Unterscheidung, die er zwischen Fehler in der Analyse und Fehler in der Umsetzung trifft: Man kann im Grunde genommen Recht haben und dennoch alles verlieren, weil man unfähig ist, die eigenen Vorurteile (Biases) bei der Umsetzung zu beseitigen. Diese Trennung zwischen Denkweise und Verhalten ist für jeden Offizier von unmittelbarer Relevanz, denn dieser muss nicht nur ein korrektes Manöver konzipieren, sondern auch psychologisch standhalten, wenn die Realität vom Plan abweicht.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Das Buch ist nach wie vor fest in der amerikanischen Finanzwelt der 1980er Jahre verankert, und manche Beispiele sind mittlerweile überholt. Grundsätzlich befasst es sich vor allem mit individuellen Entscheidungen – die kollektive Dimension, die in militärischer Führung eine zentrale Rolle spielt, wird darin kaum behandelt. Die Frage, inwiefern sich individuelle Voreingenommenheiten innerhalb eines Stabes oder einer Einheit ausbreiten und verstärken, würde eine eigene Untersuchung verdienen.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle Offiziere und Unteroffiziere, die schon einmal aus Egoismus zu lange an einer Entscheidung festgehalten haben, eine Reihe von Erfolgen mit dauerhafter Kompetenz verwechselt haben, oder den psychologischen Aspekt ihrer eigenen Führungsfehler unterschätzt haben. Dieses Buch ist auch für zivile Leser zugänglich, denn dessen Überlegungen zu Risiko, Unsicherheit und kognitiven Verzerrungen gehen weit über den Börsenkontext hinaus.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Dieses Buch hat mir zunächst etwas Unerwartetes geboten: ein klareres Verständnis des «Wesens» der Entscheidungsfindung in einem unsicheren Umfeld. Beim Lesen von Jim Pauls Analyse seiner eigenen Fehler wurde mir klar, dass Unsicherheit kein äusseres Hindernis für die Entscheidung ist – sie ist vielmehr deren ständige und unvermeidbare Begleiterin. Man entscheidet nie «trotz» der Ungewissheit; man entscheidet «in» der Ungewissheit, und genau dort gewinnen die kognitiven Verzerrungen die Oberhand.

Was mich am meisten beeindruckt hat, ist die tiefe Ähnlichkeit zwischen der Situation eines Traders und der eines Offiziers. Beide bewegen sich in einem Umfeld, in dem die Informationen unvollständig sind, die Zeit drängt, die Folgen asymmetrisch sind und das Feedback oft zu spät kommt, um noch Kurskorrekturen vorzunehmen. Der Trader der in der Hoffnung auf eine Marktwende eine verlustreiche Position hält, und der Offizier der an einem überholten Plan festhält, begehen strukturell denselben Fehler – nicht aus Mangel an Intelligenz, sondern weil ihre Psychologie sie vor dem unangenehmen Gefühl schützt, im Unrecht zu sein.

Diese Erkenntnis hat meine Herangehensweise an meine eigenen Entscheidungen verändert. Ich habe begonnen, meine Anweisungen weniger als feststehende Pläne zu betrachten, sondern vielmehr als «Hypothesen, die widerlegt werden müssen» – indem ich im Voraus die Signale und Mechanismen definiere, die mich zu einer Planänderung veranlassen müssen. Das ist vielleicht die praktischste Lektion des Buches: Die Disziplin des Verlusts ist, richtig verstanden, eine Form taktischer Klarheit.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Vor allem Command: Der Umgang mit Unsicherheit, die Disziplin Entscheidungen zu überdenken, und die Widerstandsfähigkeit gegenüber kognitiven Verzerrungen unter Druck sind Führungskompetenzen im wahrsten Sinne des Wortes. Aber auch Leadership: Das Verständnis der eigenen kognitiven Verzerrungen ist eine Voraussetzung für Glaubwürdigkeit. Ein Führer der seine eigenen Voreingenommenheit nicht kennt, überträgt sie auf seine Einheit.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Die zentrale Herausforderung besteht darin Führungskräfte auszubilden, die in der Lage sind eine im Prinzip richtige Entscheidung von einer in der Umsetzung falsch gewordenen Entscheidung zu unterscheiden – und den Mut zu haben, diese öffentlich zu überdenken. Die institutionelle Kultur der Armee neigt dazu, Beständigkeit als Tugend zu wertschätzen, dies manchmal auf Kosten der Anpassungsfähigkeit. In einem hochdynamischen Umfeld ist das Festhalten an einem von den Ereignissen überholten Plan jedoch nicht Beharrlichkeit, sondern ein taktischer Fehler.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Das wachsende Bewusstsein, dass psychische Belastbarkeit eine eigenständige Führungskompetenz ist und kein angeborener Charakterzug. Junge Schweizer Führungskräfte zeigen eine echte Fähigkeit, ihre eigenen Überlegungen zu hinterfragen, wenn ihnen der entsprechende Rahmen und die Akzeptanz dafür gegeben werden. Die explizite Einbindung von Instrumenten zur Analyse von Entscheidungsverzerrungen – neben den Instrumenten zur taktischen Analyse – in die Ausbildung wäre ein erheblicher Boost für den Fortschritt der Institution.


Über den Rezensenten

Maj i Gst Mavrik Grangier ist Berufsoffizier in der Ausbildungsformation für Panzer und Artillerie der Schweizer Armee, verantwortlich für die Einführung von TASYS (taktisches Aufklärungssystem). Als designierter Kommandant (2027) einer Artilleriegruppe beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Führung, Entscheidungsfindung in unsicheren Lagen und militärische Organisation, wobei er sich auf interdisziplinäre Literatur stützt die Strategie, Erkenntnistheorie und Management miteinander verbindet.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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EDG Leader's Digest Leader's Digest #30 Newsletter

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #29

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Dr. Florian Demont, Militärethiker an der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #29

Das Szenario ist eine Adaption der Star Trek Next Generation-Folge „Das Standgericht“ (1991, Staffel 4, Folge 21) und thematisiert die überbordenden Massnahmen der Terrorprävention in spiralig eskalierenden Massnahmen, die nie die Legalität verlassen, aber ethisch bedenklich werden weil die Intention Terror zu verhindern mit der Konkretion der Einschüchterung, Denunziation und ggf. Fehlurteilen zugunsten der Generalprävention kollidiert.

Sie sind Kompaniekommandant und in Ihrer Einheit hat es einen Autounfall mit erheblichem Sachschaden gegeben; verletzt wurde niemand. Zufällig oder nicht wurde ein Kamerad am Vorabend in der Nähe des verunglückten Autos gesehen. Da diese Person noch dazu Verwandte in China, Frankreich, Russland, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika hat, spekulieren manche Kameraden über Sabotage oder terroristische Motive.

Als eine externe Untersuchungskommission aus hochrangigen und höchst professionellen Angehörigen des Ressorts den Unfall behandelt, sagt der Leiter/die Leiterin der Kommission Ihnen unter vier Augen, dass es ganz sicher nicht nur einen Saboteur geben könne, sondern dass mindestens drei zusammengearbeitet haben müssten. Zum Schutz der übrigen Kameraden und als abschreckende Prävention sollten diese, auch wenn es keine ausreichenden Beweise gäbe, durch geeigneten Druck verunsichert und zu einem Geständnis oder zumindest dem Austritt aus den Streitkräften motiviert werden: Vor allem in der jetzt geopolitisch so angespannten Lage müsse man den Anfängen wehren und klare Zeichen nationaler Souveränität und einer Null-Toleranz-Politik gegenüber Sabotage setzen.

Sie werden diskret gebeten – ohne auf persönliche Freundschaften Rücksicht zu nehmen – jene drei Personen zu benennen, die Sie am meisten dazu fähig halten und, soweit sie darüber dienstlich oder privat Bescheid wissen, Informationen mit der Kommissionsleitung zu teilen, die für die Kompromittierung geeignet seien. Ihnen wird Anonymität zugesagt sowie eine korrekte strafrechtliche und militärpsychologische Begleitung des Prozesses, sobald die unmittelbaren Schutzmassnahmen gegriffen hätten.

Zugleich wird in den Raum gestellt, dass, sollten Sie niemanden benennen können oder wollen, durchaus der Verdacht entstehen könne, dass Sie selbst als Kommandant jemanden schützen oder sogar decken wollten. Es gehe schliesslich nicht nur um diesen konkreten Unfall bzw. Sabotageakt, sondern um die nationale Sicherheit.

Fragestellung

  • Wie gehen Sie vor?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #29

Das Szenario des jüngsten Ethical Decision Games (EDG) konfrontierte die Teilnehmenden mit einem fundamentalen Führungskonflikt: Ein Kommandant wird durch die Leitung einer externen Untersuchungskommission informell unter Druck gesetzt, ohne belastbare Beweise Angehörige der eigenen Einheit für einen mutmasslichen Sabotageakt zu benennen. Als Begründung wird die nationale Sicherheit in einer angespannten geopolitischen Lage angeführt. Die Aufgabe bestand darin, auf diese unrechtmässige Aufforderung zu reagieren, ohne die institutionelle Ordnung oder die Führungsverantwortung gegenüber der eigenen Einheit zu verletzen. Die eingereichten Lösungsansätze zeigten unterschiedliche, führungspraktisch wertvolle Herangehensweisen auf.

Der Zweitplatzierte, Markus Heini, wählte eine direkte, prinzipienfeste Konfrontation. Er fordert von der Kommission eine schriftliche Bestätigung der unrechtmässigen Aufforderung und adressiert den Druck so konsequent an den Absender zurück. Seine ethische Argumentation ist von grosser Klarheit: Wer rechtsstaatliche Prinzipien im Namen der Sicherheit ausser Kraft setzt, beschädigt exakt die Institution, die er zu schützen vorgibt.

Der erste Platz geht an Oblt Arthur Martin Lopez. Seine Einsendung zeichnet sich durch eine umfassende, systematische Analyse der Situation und eine präzise abgeleitete Handlungsstrategie aus. Oblt Lopez identifiziert zunächst die informelle Natur des Gesprächs als gezielte Manipulationsstrategie. Anstatt in einen verbalen Konflikt zu treten, wählt er den Weg der sofortigen Eigen-Dokumentation mittels Aktennotiz und leitet den Vorgang auf dem offiziellen Dienstweg weiter.

Den Ausschlag für die Erstplatzierung gab die Bewältigung der Führung nach innen. Während andere Einsendungen die Einheit als solche weitgehend ausblendeten, erkannte Oblt Lopez die Gefahr der schwelenden Gerüchteküche für die Kohäsion der Kompanie – insbesondere im Hinblick auf die multinationalen Wurzeln des Verdächtigen. Er sieht eine aktive, strukturierte Kommunikation gegenüber der Truppe vor, um toxische Spekulationen zu unterbinden und den Grundsatz der Unschuldsvermutung durchzusetzen.

Die Auswertung dieses EDG unterstreicht, dass sich militärische Führungsintegrität besonders dann beweisen muss, wenn institutioneller Druck und die Aussicht auf einen vermeintlich einfachen Ausweg aufeinandertreffen. Ein Bekenntnis zu rechtsstaatlichen Prinzipien reicht in der Praxis nicht aus; es bedarf der handwerklichen Kompetenz, diese Haltung in konkrete, rechtlich und führungstechnisch korrekte Massnahmen umzusetzen. Der Schutz der Unterstellten vor Willkür bleibt dabei ein zentrales Element der militärischen Führungsverantwortung.

Wir gratulieren Oblt Arthur Martin Lopez herzlich und wünschen viel Freude bei der Lektüre von «Philosophische Anthropologie und Religion», herausgegeben durch Moritz von Kalckreuth.

Über unsere «Decision Games»

Das «Decision Game» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Archiv Tactical Decision Games

Archiv Ethical Decision Games

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Leader's Digest Leader's Digest #29 Newsletter Update Führung

Update Führung: August 2026

Studie «Sicherheit 2026»

[MILAK ETH, 26.05.2026, Tibor Szvircsev Tresch et al.]

Die diesjährige Studie zur Meinung der Schweizer Stimmbevölkerung zu sicherheits- und aussenpolitischen Themen zeigt unter anderem: 50% sind der Ansicht, dass Auslandeinsätze der Schweizer Armee zur Sicherheit der Schweiz beitragen. Die Zustimmung zu einer Annäherung der Schweiz an die NATO ist um 3 Prozentpunkte auf 56% gestiegen. Nur noch 25% befürworten die Abschaffung der Wehrpflicht – der tiefste Wert seit 1983.

Link: https://css.ethz.ch/ueber-uns/CSS-news/2026/05/studie-sicherheit-2026.html

The Rise of AI Drone Warfare in Ukraine

[YouTube, 06.06.2026, War Archive]

Over the past few years, both sides in the Russo-Ukrainian War have adopted unmanned aerial systems (UAS) extensively at the tactical level. Deep strikes, including attacks on Russian oil refineries, also have strategic effects. Ukraine now fields improved fixed-wing drones that use AI for terminal guidance, enabling them to reach their targets even under electronic-warfare disruption. Combined with degraded Russian air defence capabilities, this means that Ukrainian medium-range strikes increasingly generate effects at the operational level. Protecting military logistics under similar conditions is therefore a pressing question for many armed forces.

Link: https://youtu.be/wjZhQdTGFno?si=JXjHbE4jVinugpud

Beyond FPVs: Learning the Lessons of the Ukraine War, All of Them

[Modern War Institute, 08.10.2025, Sam Scanlon]

Scanlon argues that the war in Ukraine is neither a crystal ball for future warfare nor irrelevant to it. While debate often remains fixated on aerial drones, innovation has spread across domains: ground robots increasingly perform routine and high-risk tasks, and maritime drones have evolved rapidly, as demonstrated by Ukrainian naval drones downing Russian fighter aircraft in May 2025. He further argues that low-cost deep-strike capabilities require equally low-cost defensive solutions. Overall, the article makes the case that armed forces must learn and adapt quickly enough to out-innovate a changing adversary.

Link: https://mwi.westpoint.edu/beyond-fpvs-learning-the-lessons-of-the-ukraine-war-all-of-them/

Will, Cohesion, Resilience, and the Wars of the Future

[CSIS, 16.09.2025, Daniel Byman]

This article by the Center for Strategic and International Studies reasons that modern conflicts depend as much on political unity and societal resilience as on military power. Drawing on Ukraine and the Middle East, it highlights three imperatives, namely building public trust to strengthen societal resilience, reinforcing alliance cohesion through coordination, and countering divisive disinformation.

Link: https://www.csis.org/analysis/chapter-2-will-cohesion-and-resilience

The Russian «Firehose of Falsehood» Propaganda Model

[RAND, 11.07.2016, Christopher Paul, Miriam Matthews]

Already having been published 10 years ago, this article examines in detail how modern Russian propaganda works, and why its inherent contradictions are not a flaw but rather a core feature. Paul and Matthews argue that people’s mental resilience and awareness are key in lowering their vulnerability to propaganda, saying “[D]on’t expect to counter Russia’s firehose of falsehood with the squirt gun of truth. Instead, put raincoats on those at whom the firehose is aimed”.

Link: https://www.rand.org/pubs/perspectives/PE198.html

Bevölkerungsschutz im bewaffneten Konflikt: Ländervergleich zu Schutzbauten und Evakuierungen

[CSS ETH, Mai 2026, Leonard Schliesser]

Zivile Resilienz ist ein zentraler Bestandteil militärischer Verteidigungsfähigkeit. Um die Wiederausrichtung des Schweizer Bevölkerungsschutzes auf militärische Konflikte zu unterstützen, vergleicht diese Fallstudie den aktuellen Stand ziviler Schutzbauten und Evakuierungskonzepten in Finnland, Deutschland, Polen und in der Ukraine. Besonders hervorgehoben werden dabei das umfassende Sicherheitsmodell Finnlands, das Tempo im Polnischen Bevölkerungsschutz sowie die forcierte Improvisationsfähigkeit im Ukrainischen Bevölkerungsschutz. Auf der verlinkten Website können Sie die komplette Studie als PDF-Datei herunterladen.

Link: https://css.ethz.ch/publikationen/css-studies/details.html?id=/b/e/v/l/bevlkerungsschutz_im_bewaffneten__konfli


Über das «Update Führung»

Das Update Führung ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung. Falls Sie Lesenswertes zu Command, Leadership oder Management entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie dies mit uns teilen. Gerne nehmen wir Tipps für die kommende Ausgabe von Leader’s Digest via leadersdigest@leadershipcampus.ch entgegen.

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Buch des Monats Leader's Digest Leader's Digest #29 Newsletter

Buch des Monats: «Philosophische Anthropologie und Religion»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Das Buch bietet in elf perspektivisch sehr unterschiedlichen Artikeln einen spannenden Einblick in Religion und Religiosität als Teil des menschlichen Selbstverständnisses. Religiöse Terminologie, als Amulett oder Tätowierung getragene religiöse Symbole kommen nicht erst in den Einsatzräumen, sondern auch bei Soldatinnen und Soldaten unserer Streitkräfte häufig vor, oft ohne grosse Reflexion. Das Buch bietet unterschiedliche Möglichkeiten, diese Potentiale im eigenen Führungshandeln zu berücksichtigen, ohne einerseits Religion zu verzwecken oder andererseits die Religionsfreiheit zu unterminieren.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Durch die Struktur als Sammelband wird keine einheitliche (und damit immer potentiell ideologische) Definition oder Methode vorgelegt. Stattdessen wird es den Lesenden anvertraut (oder auferlegt), sich selbst ein Urteil zu bilden.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein, weil die verschiedenen Artikel unterschiedliche Argumentationen verwenden.  Somit können die Lesenden selbst auswählen, welche Perspektive ihrer persönlichen Erfahrung und Einstellung am besten entspricht.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle, die Soldaten professionell führen wollen und dabei Religionsfreiheit als Teil der Menschenrechte im Einsatzraum schützen möchten. Zugleich richtet sich die Empfehlung an Führungspersonen, die Religion reflektiert und respektvoll in ihr eigenes Führungshandeln einbeziehen wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Das Buch zeigt sehr vielfältige Wege auf, wie religiöse Wahrnehmung anthropologisch gedeutet werden kann, und welche Motivationen oder auch Hemmungen auf der Ebene der Führenden wie auch der Geführten daraus erwachsen können.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Leadership – denn im Zentrum steht die sinnvolle Integration anthropologischer Erkenntnis in das eigene Führungshandeln im zivilen wie auch im militärischen Bereich: Je klarer man menschliche Konstanten erkennt und anerkennt, desto effektiver kann man führen und geführt werden.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Ich sehe hier dieselbe Herausforderung wie bei uns in Österreich. Sie besteht darin, angesichts einer (absichtlich erzeugten) Überflutung mit Informationen und Handlungsvorschlägen im digitalen Raum nicht die unmittelbaren Vorgesetzten und Untergebenen sowie ihre Entscheidungen zu überhören/übersehen.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

In persönlicher Bindung, klarer und ruhiger Reflexion über die eigenen Wurzeln und Ziele, sowie in konstruktiver internationaler Zusammenarbeit. Mit einem Augenzwinkern aus Österreich: Auch Apfelstrudeldiplomatie kann helfen. Gemeint ist, sich Zeit für ein gemeinsames Essen zu nehmen, ins Gespräch zu kommen und offen für das Gegenüber zu bleiben.


Über den Rezensenten

Militärdekan Stefan Gugerel unterrichtet neben seiner Tätigkeit als katholischer Militärseelsorger Militärethik an der Heeresunteroffiziersakademie in Enns und an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Auslandseinsätze führten ihn bisher in den Tschad, nach Kosovo, Bosnien und Herzegowina sowie in den Libanon. James Bond und Star Trek sind für Gugerel zwei spannende populärkulturelle Quellen für militärethische Szenarien.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #29 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #28

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigen Maj i Gst Anton Regli und Oberst i Gst Patrick Hofstetter, Dozent Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #28

«Kadi, Kadi. Sie sind Da! Die ORIONISTEN greifen an.» Du wirst jäh aus deinem Schlaf gerissen und brauchst zuerst einen Moment, dann trifft dich die neue Realität wie eine Ohrfeige: 

Wir schreiben das Jahr 2028, es herrscht Krieg in EUROPA. Die USA haben sich von der transatlantischen Partnerschaft abgewendet. Nach massivem Druck und hybriden Aktionen an der Ostfront ist die NATO in regionale Verteidigungsbündnisse zerfallen. UNGARN und ÖSTERREICH beugen sich zunehmend dem politischen Druck des östlichen Aggressors ORION. Dieser hat angekündigt im Rahmen des Manövers WESTWIND 28 die Vorwärtsverteidigung des Vaterlandes zu trainieren. Dazu ist die 42. Gardepanzerarmee im Raum VORARLBERG aufmarschiert.

Als Reaktion auf die Lageverschlechterung hat der Bundesrat vor drei Monaten die Armee mobilisiert und einen Oberbefehlshaber (OBA) eingesetzt. Die Bevölkerung ist gespalten und verängstigt. Insbesondere in den grossen Städten gibt es Stimmen, die eine Anpassung fordern: «lieber unter ORION leben, als unnötig sterben». Die Moral in der Armee ist dagegen intakt, auch wenn das alte Material und die tiefe Bevorratung der Truppe und ihrer Führung Sorgen machen. 

Die kohärente Führung der Armee gestaltete sich von Beginn weg schwierig, da das Command-und-Control-System noch nicht flächendeckend eingeführt ist und unsere Netze kompromittiert scheinen. Vereinzelt wurden bereits Angriffsdrohnen auf militärische und zivile Ziele in der OSTSCHWEIZ eingesetzt – deren Attribution stritt ORION jedoch stets ab. Die bodengestützte Luftabwehr offenbarte dabei gravierende Lücken. Des Weiteren belastet regelmässiges Probing die Flotte der alten FA-18 zunehmend, der Luftraum ist nur noch begrenzt in unserer Hand. 

Aus all diesen Gründen hat sich die Armeeführung für einen sehr dezentralen Aufmarsch entschieden. Ein Grossteil der infanteristischen Formationen wurde sofort zum Schutz der Grenze und der kritischen Infrastrukturen eingesetzt. Sie erfüllen ihren Auftrag pflichtgetreu. Der OBA liess zudem mit Freiwilligenregimentern ein Netz aus leichten Kräften über die SCHWEIZ spannen, um Spionage, Sabotage sowie Subversion vorzubeugen und so das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu stärken. Die schweren Kräfte betreiben in der ganzen SCHWEIZ verteilt die Einsatzbezogene Ausbildung (EBA). Um die Handlungsfreiheit zu wahren, wurde eine hohe logistische Autonomie angeordnet, das heisst ein Grossteil des Materials und der Munition wurde bereits von den Bataillonen gefasst. Reserven wurden dezentralisiert sowie an die Divisionen und Brigaden verteilt.

Das Mechanisierte Bataillon 29 bereitet sich im Raum THUN auf einen möglichen Einsatz vor. Du führst die DELTA Kompanie, die sich nach den gestrigen Schiessübungen im Bereitschaftsraum BLUMENSTEIN befindet.

Wachtoffizier Dugalesi, der dich geweckt hatte, informiert dich über die Lage: 

  • Heute 0500 erfolgte ein gegnerischer Grossschlag mit Marschflugkörpern, Ballistischen Raketen und Angriffsdrohnen gegen symbolische Ziele sowie militärische Führungs- und Logistikinfrastruktur. ORION hat seine Kampagne zur Unterdrückung unserer Luftabwehr und Zerschlagung unserer Luftmacht offensichtlich gestartet. Das Luftlagebild ist unklar. Die Grenzschutzverbände stehen unter massivem Artilleriefeuer, ein Stoss am Boden steht unmittelbar bevor.
  • Kampfhelikopter und taktische MALE Drohnen (Medium Altitude Long Endurance) sind offensichtlich während der Morgendämmerung in den Luftraum eingedrungen und Kreisen über BERN. Auf den sozialen Medien kursieren zudem Bilder von Transporthubschraubern, die auf dem Flugplatz BELP gelandet sind, sowie Videos von weiteren Wellen an Maschinen, die sich quer durchs Land nach Westen bewegen.
  • Das in der Bundesstadt stationierte Freiwilligenregiment BUBENBERG meldet Kampfhandlungen mit zivil gekleideten Personen und berichtet von aufgegriffenen Agenten an Checkpoints sowie Explosionen in der BERNER ALTSTADT. Daher hat die Polizei die Stadtbevölkerung dazu aufgerufen, die Schutzräume aufzusuchen und nicht aus dem Haus zu gehen. 
  • Vom Bundesrat fehlt bisher jede Spur. Es gibt jedoch Gerüchte, dass sich die Regierung über den Flugplatz BELP absetzen wollte, bevor dieser vom Gegner besetzt wurde. Ein verwackeltes Handyvideo zeigt einen Tross von schwarzen Geländefahrzeugen vor dem dortigen Terminal.
  • Der Kontakt zur vorgesetzten Stufe ist abgebrochen – es muss davon ausgegangen werden, dass das HQ der Brigade getroffen wurde.
  • Der S2 (Nachrichtenoffizier) interpretiert die nebulöse Nachrichtenlage im Raum BERN so, dass der Gegner versucht mit einem überwältigenden Luftangriff und einem strategischen Enthauptungsschlag den Willen von Volk und Armee früh zu brechen, um sich nicht mühsam am Boden durchkämpfen zu müssen.
  • Eine erste Luftlandung in BELP ist bereits erfolgt, dieser Verband soll wohl den Flughafen sichern, damit weitere Kräfte nachgeführt werden können. Der Gegner wird wohl anschliessend versuchen, symbolträchtige Regierungsgebäude unter seine Kontrolle zu bringen sowie die politische und militärische Führung gefangen zu setzen oder zu töten. 
  • Der Bataillonskommandant 29 hat sich entschieden, nicht weiter zuzuwarten. Er hat seine Aufklärungselemente sofort ausgelöst, um das Lagebild zu verdichten. Er will
    • mit einer Vorhutkompanie entlang der Achse A6/H6 stossen, um diese zu öffnen und offenzuhalten;
    • mit zwei Kompanien das BUNDESHAUS-VIERTEL nehmen, um dieses zu halten und günstige Voraussetzungen für die STRATCOM (Strategic Communication) zu schaffen;
    • mit einer Kompanie den luftgelandeten Gegner bei BELP vernichten, um dem Gegner das Nachführen weiterer Kräfte zu verwehren;
    • die Logistik, inklusive den Sanitätsdienst, über die in der EBA etablierten Prozesse mit kleinen mobilen Nachschubteams im Bringprinzip sicherstellen.
  • Die DELTA Kompanie hat den Auftrag: «Nimmt und hält Flugplatz BELP. Verhindert weitere Luftlandungen.» Und, so der Bataillonskommandant wörtlich, «erschiesst mir um Himmel-Herrgottswillen nicht unsere Landesregierung!»
  • Wachtoffizier Dugalesi informiert dich zudem, dass er als Sofortmassnahme den Alarm MECCANO ausgelöst hat. Das heisst, die Züge erstellen selbstständig Marschbereitschaft und haben den Marschbereitschaftsgrad IV («abfahrbereit innert Minuten») in 1 Stunde erreicht.
  • Die Zugführer werden sich in 30 Minuten bei dir zur Befehlsausgabe einfinden. Die Zeitverhältnisse schliessen eine detaillierte Aktionsplanung aus. Was jetzt gefragt ist, ist ein verständlicher, machbarer Plan und entschlossene Führung im Gefecht.

Gegner

Es gibt keine genauen Informationen über das Dispositiv des Gegners beim Flugplatz BELP. Der S2 geht von folgenden Mitteln aus:

  • leichte Infanterie in maximal Kompaniestärke
  • 3-4 leicht gepanzerte Fahrzeuge, wohl BMP, Modell unklar
  • komplette Palette infanteristischer Wirkmittel, insbesondere auch verschiedene Typen von Drohnen, Panzerabwehrwaffen und Mörsern.

Es muss zudem damit gerechnet werden, dass sich gegnerische Sonderoperationskräfte in Truppstärke bereits im Raum befinden, um die gelandeten Elemente zu unterstützen.

Eigene Mittel

Deine Kompanie ist wie folgt zusammengesetzt:

  • 2 Sensoren zur Aufklärung und Feuerleitung mit Aufklärungsfahrzeug 93/97, inkl. TASYS
  • 1 Panzerzug mit 4 Kampfpanzer 87 WE
  • 2 Panzergrenadierzüge mit je 4 Schützenpanzer 2000 NUV
  • 1 Panzersappeurzug mit 4 Pionierpanzer 21
  • 1 Mörserzug à 4 Mörser 16
  • 12 Kleindrohnen, diverse Modelle zur visuellen Informationsbeschaffung, aufgeteilt auf die Sensoren und die Kampfzüge
  • 1 Kommandozug, inkl. 1 Bergepanzer und einigen ungepanzerten Fahrzeugen für Logistik und Sanitätsdienst.

Die dreimonatige EBA hat den Ausbildungsstand deiner Kompanie wie geplant stark erhöht. Die Integration der Panzersappeure und Mörser hat nach gewissen Anlaufschwierigkeiten geklappt. Der Sensor-to-Shooter-Loop ist etabliert und funktioniert – solange die Technik tut. Die Moral und die Disziplin in der Truppe sind sehr gut. Du bist froh, dass du dich hierbei auf verlässliche, gestandene Unteroffiziere stützen kannst. Dein höherer Kader besteht zum Grossteil aus initiativen Milizoffizieren und höheren Unteroffizieren, die kreative Lösungen für taktische und technische Probleme finden.

Sorgen bereiten dir vor allem drei Aspekte:

  • dies wird der erste Kampfeinsatz deiner Kompanie. Du weisst nicht, wie Führung und Truppe mit der Realität von Töten und Sterben umgehen werden. Es bleibt das Vertrauen in Training, Resilienz und Kohäsion; 
  • der junge Leo-Zugführer (Leopard Kampfpanzer), Leutnant Capreol, ist «frisch ab Presse» und verfügt über entsprechend geringe taktische Kenntnisse. Grundsätzlich zwar engagiert, aber oft zurückhaltend bei wichtigen Entscheidungen, stützt er sich stark auf die Erfahrung und Initiative seiner Panzerkommandanten;
  • wenn die Panzergrenadiere absitzen, gibt es kein Halten mehr. Nach den Zertifizierungsübungen vor zwei Wochen attestierte der Inspizient, die sehr hohe Truppenmoral «wirkt zuweilen tollkühn». Gezielte Grundaggressivität kippt rasch in «Trigger-Happiness» um.

Umwelt

Das Gelände präsentiert sich gemäss den öffentlich zugänglichen Satellitenbildern. 

Für den heutigen Apriltag ist Hochnebel angekündigt, letzte Woche hat es stark geregnet.

Zeitverhältnisse

Kompanie DELTA hat Marschbereitschaftsgrad IV um 0600 erreicht.

Es sind keinerlei Zeitverhältnisse bezüglich Auftragsdauer oder einer möglichen Unterstützung bekannt. Durch dein Netzwerk weisst du, dass sich die Kameraden der Schwesterbataillone 13 und 14 im Raum KANDERTAL bzw SEELAND befinden.

Fragestellung

  • Skizziere deinen Entschluss auf der Karte und formuliere deine Absicht einfach und präzise.
  • Begründe folgende Aspekte in wenigen Sätzen, damit deine Zugführer deine Absicht nachvollziehen können:
    • Wo und wie erwartest du das gegnerische Dispositiv?
    • Wie gedenkst du die eigene Feuerüberlegenheit einzusetzen?
    • Welche Massnahmen triffst du gegen Kampfhelikopter und Drohnen?
    • Wie gehst Du mit dem Gerücht um, dass sich der Bundesrat im Kampfraum befinden soll?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #28

Zum Tactical Decision Game «Kulminationspunkt BELP» haben uns fünf detailliert ausgearbeitete Lösungen erreicht. Trotz unterschiedlicher Akzentsetzung weisen sie eine bemerkenswerte unité de doctrine auf: Alle Teilnehmenden gehen davon aus, dass der luftgelandete Gegner den Flugplatz BELP als Stützpunkt hält, die Zugänge sichert und seine wenigen gepanzerten Fahrzeuge als bewegliche Reserve einsetzt.

Entsprechend folgen die Lösungen grundsätzlich derselben Logik des Kampfes der verbundenen Waffen: Sensoren klären auf und unterstützen die Feuerführung, Kampfpanzer schaffen Feuerüberlegenheit, Panzergrenadiere führen den Angriff, Panzersappeure gewährleisten die Beweglichkeit und machen die Piste unbrauchbar. Gegen gegnerische Drohnen und Kampfhelikopter setzen die Teilnehmenden vor allem auf passive Schutzmassnahmen wie Tarnung, Auflockerung, kurze Stellungsdauer und Tempo.

Auch die mutmassliche Anwesenheit des Bundesrates wird übereinstimmend nicht als Hinderungsgrund für die Auftragserfüllung beurteilt. Vorgeschlagen werden jedoch erhöhte Anforderungen an Zielidentifikation, Feuerführung und das Vorgehen im Bereich des Terminals. Hier könnte durchgängig stärker berücksichtigt werden, dass es sich hierbei schlicht um eine gezielte Fehlinformation des Gegners handelt. Doch wir fokussieren die Besprechung auf einen anderen Aspekt.

Der entscheidende Punkt: Der Anmarsch

Die gemeinsame Schwäche der Lösungen liegt darin, dass sie vor allem das Gefecht auf dem Flugplatz planen, den Anmarsch unter gegnerischer Aufklärung und Verzögerung jedoch weniger konsequent berücksichtigen. ORION muss die Schweizer Reaktionsverbände nicht vernichten. Es genügt, ihr Eintreffen bis zur nächsten Luftlandewelle zu verzögern.

Das gekammerte Gelände rund um BELP erlaubt dem Gegner, Engnisse mit geringem Kräfteansatz zu sperren, mechanisierte Verbände zu kanalisieren und sie durch Hinterhalte oder Drohnenangriffe abzunützen. Zwar naheliegend, aber eben besonders riskant ist deshalb ein geschlossener Anmarsch über die A6 und die HUNZIGENBRÜGG: Bereits ein zerstörtes Fahrzeug oder eine einfache Sperre könnte die gesamte Kompanie auf dem falschen Ufer der AARE blockieren.

Die gegnerischen Drohnen werden in den meisten Lösungen primär als Schutzproblem verstanden. Sie sind jedoch ebenso ein Mittel, um die Annäherung aufzuklären, eigene Kräfte in ungünstiges Gelände zu lenken und Zeit zu gewinnen. Auch die reflexartige Nutzung der dominierenden Höhen überzeugt nur bedingt. Von HOHBURG ist eine zuverlässige Wirkung auf den Flugplatz fraglich; bei ENGLISBERG und ZIMMERWALD müssten sich die Kampfpanzer an Geländekanten exponieren und wären damit besonders durch Drohnen und Panzerabwehrwaffen gefährdet.

Daraus ergibt sich ein alternativer Ansatz: getrennt marschieren und gemeinsam zuschlagen. Die Panzergrenadiere sollten über mehrere Achsen vorgehen, während der Panzerzug als beweglicher Verfügungsverband bereitgehalten wird. Die Sensoren wären zunächst zur Spähaufklärung der eigenen Annäherungsachsen und erst anschliessend zur Zielaufklärung auf dem Flugplatz einzusetzen. So müsste der Gegner seine knappen Kräfte auf mehrere Bedrohungen verteilen und könnte den Angriff weniger einfach kanalisieren.

Der Sieger: Lt Maxime Rinderknecht

Den ersten Platz sichert sich Lt Maxime Rinderknecht. Seine Lösung erkennt am ehesten, dass das Gefecht nicht erst auf dem Flugplatz beginnt. Er verteilt Sensoren und Kräfte auf mehrere Räume, berücksichtigt KEHRSATZ und mögliche Fluchtachsen und verbindet die taktische Lage mit der operativen Bedeutung einer zweiten Luftlandung sowie den strategischen Folgen einer möglichen Anwesenheit des Bundesrates.

Sein Ansatz ist allerdings komplex und verlangt eine anspruchsvolle Synchronisation. Gerade die räumliche Auflockerung macht ihn aber vergleichsweise robust: Der Gegner kann die Schweizer Kräfte weniger einfach auf einer einzelnen Achse verzögern, während der Panzerzug den Flugplatz abriegeln oder dort nachstossen kann, wo sich zuerst eine günstige Gelegenheit ergibt.

Honorable Mention: Oblt Arthur Martin Lopez

Eine ehrenvolle Erwähnung verdient Oblt Arthur Martin Lopez. Seine Lösung ist hinsichtlich Absicht, Entscheidpunkten, Sensor-to-Shooter-Loop, Feuerdisziplin und Übergang in die Verteidigung am konsequentesten aufgebaut. Zudem berücksichtigt sie den Faktor Mensch besonders sorgfältig.

Problematisch sind jedoch die angenommene Feuerwirkung des Panzerzuges aus Distanz und der zentralisierte Anmarsch. Dieser könnte bereits vor dem vorgesehenen Flankenmanöver durch einen einzelnen Hinterhalt zum Stillstand gebracht werden. Oblt Lopez präsentiert damit den methodisch ausgefeiltesten, unter den konkreten Gelände- und Zeitverhältnissen aber nicht den robustesten Plan.

Insgesamt zeigen die fünf Einsendungen ein gutes taktisches Niveau und ein gemeinsames Verständnis des Kampfes der verbundenen Waffen. Der zentrale Lernpunkt dieses TDG liegt jedoch darin, das relevante Teilproblem zu erkennen: Entscheidend ist nicht allein, wie der Gegner auf dem Flugplatz geschlagen wird, sondern ob und wie die eigenen Kräfte diesen überhaupt rechtzeitig und handlungsfähig erreichen.

Wir gratulieren Lt Maxime Rinderknecht herzlich und wünschen viel Freude bei der Lektüre von «Clausewitz verstehen: Wirken, Werk, Wirkung» von Christian Th. Müller.

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Leader's Digest Leader's Digest #28 Newsletter Update Führung

Update Führung: Juni 2026

Designing A Generative AI Platform For Tactical Training Of Junior Officers

[TDHJ, 28.05.2026, Ivan Colak-Antic, Lauriane Fivaz, Simone Matteo Locatelli]

In this article, Colak-Antic (research associate at MILAK), Fivaz and Locatelli (students at MILAK) analyse the potential of generative AI for tactical decision games in junior officer training. They argue that traditional wargames and TDGs are valuable, but constrained by instructor capacity, limited scenario diversity, single-point decisions and instructor bias. AI-enabled platforms could help alleviate these shortcoming by enabling their users to repeatedly practise varied, multi-step tactical scenarios with adaptive adversaries, battlefield visualisation and personalised debriefings. Phillip J. Halton’s CustomGPT “What Now, Commander?”, while not part of the article, gives a useful impression of how such a tactical AI tutor could feel in practice. The authors nevertheless underline that such systems require multi-agent architecture, adequate data, coherent scenario progression and feedback based on national doctrine.

Link: https://tdhj.org/blog/post/generative-ai-training-officers/

Drones Aren’t Antithetical to Maneuver Warfare – They’re the Key to Unleashing its Effectiveness

[Modern War Institute, 25.11.2025, Charlie Phelps]

Phelps challenges the view that drones undermine manoeuvre warfare and argues that they are essential to preserving tempo, initiative, and offensive action in future large-scale land combat. Rather than treating drones simply as a tool to strike, he highlights the manifold tasks drones can serve apart from striking enemy targets. When properly integrated, they can provide persistent reconnaissance, support electronic warfare, and rapidly expose gaps in the enemy’s defences. In doing so, Phelps argues that tactical drones can enable mission command and manoeuvre warfare.

Link: https://mwi.westpoint.edu/drones-arent-antithetical-to-maneuver-warfare-theyre-the-key-to-unleashing-its-effectiveness/

10 Ukrainians Humbled Two NATO Battalions. When Will NATO Wake Up?

[War on the Rocks, 26.03.2026, Bryan Daugherty]

In this article Daugherty highlights the gaps in NATO capabilities which Hedgehog 2025, a NATO exercise including Ukrainian soldiers, highlighted. He stresses the need for armed forces to cooperate with Ukraine to catch up in drone warfare and drone interception capabilities. Whilst they are not part of NATO, the Gulf States’ inability for reliable and sustained air defence against Iranian saturation attacks has further driven the author’s point home; states such as Saudi Arabia have consequently decided to cooperate more closely with Ukraine.

Link: https://warontherocks.com/2026/03/10-ukrainians-humbled-two-nato-battalions-when-will-nato-wake-up/

Neocentaur: A Model for Cognitive Evolution Across the Levels of War

[Modern War Institute, 09.05.2025, William J. Barry, Blair Wilcox]

In this piece, a professor of emerging technology at the U.S. Army War College and his colleague discuss the potential and risks of integrating AI into the strategic, operational and tactical levels of war. They advocate a Neocentaur model, where human operators are paired with AI, yet where humans maintain control over the machine. Moreover, they warn of the dangers of the inherently attractive process of cognitive offloading, where humans, especially when working in a stressful environment, are tempted to over-rely on machines for decision-making. In that case, generative AI would direct human cognition instead of augmenting it. The authors warn of this minotaur drift, the trend towards giving up control to machines.

Link: https://mwi.westpoint.edu/neocentaur-a-model-for-cognitive-evolution-across-the-levels-of-war/

Emergent Approaches to Combined Arms Manoeuvre in Ukraine

[RUSI, 23.10.2025, Jack Watling]

After Ukraine’s failed 2023 southern offensive, Watling argues that the war in Ukraine has exposed why classic combined arms manoeuvre, massing armour, infantry and artillery to achieve surprise and then exploit, is now far harder. Persistent drone reconnaissance, dispersed sensors and space-enabled communications lead to a more transparent battlefield, and concentrations of troops and equipment are detected and hit quickly. Just as importantly, resupply and reinforcements are often easier to target than frontline troops, so offensives lose momentum before any weaknesses in the enemy’s defences can be exploited. Watling focuses on higher-performing Ukrainian assault units which treat manoeuvre as a staged system across three zones: contact, middle (enemy fires, EW, UAV teams and logistics), and deep. The assault unit’s sequence is to contest the enemy’s sensing, isolate a chosen sector from support and resupply, then deliberately degrade and fix the defence before suppressing, closing, clearing, and consolidating with overwatch across open terrain.

Link: https://www.rusi.org/explore-our-research/publications/insights-papers/emergent-approaches-combined-arms-manoeuvre-ukraine

Technological Evolution on the Battlefield

[CSIS, 16.09.2025, Aosheng Pusztaszeri, Emily Harding]

This CSIS article considers how rapid technological advances such as in drone technology and AI are changing the character of war. Sensors are ubiquitous, and traditionally massing forces is increasingly risky, as are non-dispersed logistics. The authors argue that to adapt to this new character of war, armed forces need to acquire robust counter-drone and electronic warfare (EW) capabilities and redundant secure communications. Moreover, the article strikes the importance of dispersed tactics and agile procurement systems.

Link: https://www.csis.org/analysis/chapter-9-technological-evolution-battlefield

Seven Contemporary Insights on the State of the Ukraine War

[CSIS, 17.11.2025, Mick Ryan]

In this nuanced analysis, Mick Ryan shares the insights he gathered from observing the Russian-Ukrainian War. Amongst other points, he argues that while drone saturation has certainly changed how the war is fought, it is not a drone war as drones complement rather than replace existing capabilities such as artillery. The author then further investigates the role of military adaptation, long-range strikes and the upcoming of a new battle triangle.

Link: https://www.csis.org/analysis/seven-contemporary-insights-state-ukraine-war


Über das «Update Führung»

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