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Buch des Monats: «Pearl Harbor: Japans Angriff und der Kriegseintritt der USA»

Oberstlt i Gst André Stirnimann stellt das Buch «Pearl Harbor: Japans Angriff und der Kriegseintritt der USA» von Takuma Melber vor.

Was ist die Kernaussage des Buches?

Melber rekonstruiert einerseits die Vorgeschichte mit den langwierigen amerikanisch-japanischen Verhandlungen und diplomatischen Manövern 1941 und andererseits die innenpolitischen Konflikte in Tokio zwischen Militär, Marine, Aussenministerium und ziviler Führung, die zu einer Eskalationslogik führten.​ Damit rückt er die Rolle der Diplomatie und ihrer Grenzen stark in den Vordergrund, allerdings eher analytisch als programmatisch im Sinne einer «Friedensappell»-Literatur.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Es zeigt unter anderem auf, dass das, was wir aktuell in der internationalen Geo- und Sicherheitspolitik erleben, sehr viel Ähnlichkeit hat mit den Ereignissen von damals.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Überhaupt nicht. Es ist dem Leser überlassen, den intellektuellen Transfer in die heutige Realität vorzunehmen. Beispielsweise das Thema der Nutzung und Verfügbarkeit von Kommunikationsmitteln und die damit verbundenen Möglichkeiten, sich auf allen Ebenen auszutauschen, ist heute eine ganz andere Herausforderung.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An diejenigen, die Geopolitik gesamtheitlich verstehen und in einem historischen Kontext sehen wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Es zeigt die Bedeutung der interdepartementalen Kommunikation auf und hat mir aufgezeigt, wie wichtig auch mein Verständnis gegenüber den anderen Departementen ist.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Auch wenn ein nicht unwesentlicher Teil des Buches dem Command-Aspekt zugeordnet werden kann, sehe ich gerade den Aspekt des Leaderships als zentral an, denn das Verständnis über was Leadership ist und wie es gelebt wird, unterscheidet sich zwischen Regierung, Politik, Diplomatie und Militär wesentlich.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Die sicherheitspolitische Forderung nach mehr Kooperation und Interoperabilität wird zwangsläufig zu mehr internationaler Zusammenarbeit und somit Verflechtungen führen. Dies wird die Führung beispielsweise in der Priorisierung von Mitteln oder Personal fordern.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Jede Zusammenarbeit besteht aus einem Geben und Nehmen. Als grösste Chance sehe ich Letzteres, das Potenzial (Fähigkeiten und Wissen) unserer Verbündeten, welches unsere Verteidigungsfähigkeit steigern kann.


Über den Rezensenten

Die berufliche Laufbahn von Oberstleutnant im Generalstab André Stirnimann begann mit einer Lehre als Hochbauzeichner, doch seit der Rekrutenschule in Isone wollte er den Tarnanzug nicht mehr abgeben. Seither hat er als Berufsoffizier mehrere Kurse, Einsätze und Abkommandierungen im Ausland wahrgenommen. Er trägt aktuell die Funktion des Verbindungsoffiziers der Armee zur NATO am Allied Command Transformation (Norfolk VA, USA). André Stirnimann ist verheiratet und Vater von zwei Mädchen. Nebst Motorradfahren und Sport entwirft er Möbel und hat sich neuerdings dem Lederhandwerk verschrieben.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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