Kategorien
Leader's Digest Leader's Digest #25 Newsletter

Update Führung: März 2026

Bulletin 2025 zur Schweizerischen Sicherheitspolitik

[CSS ETH, 2025, Lucas Renaud, Daniel Möckli et al.]

Das Bulletin 2025 zur Schweizerischen Sicherheitspolitik liefert eine Bestandesaufnahme angesichts der aktuellen globalen sicherheitspolitischen Entwicklungen. Es beleuchtet unter anderem die Bedeutung eines «Drohnen-Ökosystems» für die Schweiz, die Notwendigkeit der Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzsystems sowie die Rolle der Schweiz als Vorsitz in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Zudem analysiert es die Herausforderungen und Chancen, die sich für das Labor Spiez aus dem Wandel des Umfelds und dem technologischen Fortschritt ergeben. Eröffnet wird das Bulletin mit einem Interview mit Bundesrat und VBS-Vorsteher Martin Pfister.

Link: https://css.ethz.ch/publikationen/bulletin-zur-schweizerischen-sicherheitspolitik/details.html?id=/b/u/l/l/bulletin_2025_on_swiss_security_policybu

Realising Societal Resilience for a Whole of Society Approach to Defence

[RUSI, 14.10.2025, Katharine A.M. Wright]

Open and democratic societies are inherently vulnerable to information warfare: influencing citizens’ votes can give foreign actors leverage over what should be domestic decisions. But resilience against disinformation is only one dimension of societal resilience—a broad concept spanning everything from citizens’ critical thinking to universities training enough doctors for potential mass-casualty events, to education that gives young adults a basic grasp of security policy and resilience. Wright argues that effective societal resilience depends on strong trust in government and on people feeling safe rather than preoccupied with other pressures. From this perspective, she highlights the UK’s housing and health crises as key factors undermining societal resilience.

Link: https://www.rusi.org/explore-our-research/publications/commentary/realising-societal-resilience-whole-society-approach-defence

Why Mechanized Warfare Will Still Be Decisive in the Next Land War

[War on the Rocks, 02.01.2026, Scott Rutter, Matthew C. Paul]

Rutter and Paul argue that the war in Ukraine shows mechanised forces are not obsolete: they remain essential for seizing and holding ground. Their effectiveness, however, depends on operating within a “window of advantage”. On a sensor-saturated, drone-rich battlefield, tanks work only when commanders create brief windows through deception, ISR, electronic warfare, rapid breaching, and tightly synchronised fires. Platform upgrades alone are therefore insufficient. The authors call for shifting emphasis toward unmanned systems, EW, ISR, AI-enabled command and control, and logistics that can sustain short, violent mechanised thrusts.

Link: https://warontherocks.com/2026/01/why-mechanized-warfare-will-still-be-decisive-in-the-next-land-war/

Ten Jolting Takeaways from Trump’s New National Security Strategy

[War on the Rocks, 05.12.2025, Rick Landgraf]

This article gives a quick summary of the new National Security Strategy of the US, released in November 2025. Apart from being influenced by US domestic politics, it highlights how the strategy seeks to prioritise US influence in the Western hemisphere over influence in other regions, in what has been called the Trump Corollary to the Monroe Doctrine, or the “Donroe Doctrine”. In regards to Europe, the prioritisation of the Western hemisphere goes hand-in-hand with the US attitude towards European defence changing from an attempt at burden-sharing to burden-shifting.

Link: https://warontherocks.com/2025/12/ten-jolting-takeaways-from-trumps-new-national-security-strategy/

Faster Wars, Smarter Minds: Driving the Army’s Quiet Cognitive Revolution

[War on the Rocks, 02.09.2025, Milford Beagle Jr.]

Beagle’s core claim is that battlefield technology is advancing faster than human cognition can keep up—so building cognitive capacity is as important as investing in new systems. He frames AI as “additional intelligence”: a tool for synthesis and pattern-finding that expands what staffs can see and process, not an automatic decision-maker or a substitute for responsibility. The article argues that US professional military education is being redesigned to build that cognitive edge—by strengthening adaptive and creative thinking, using AI-enabled tools to personalise learning, and accelerating doctrinal updates. The aim is leaders who ask better questions, critically test machine outputs, and integrate new capabilities ethically and effectively.

Link: https://warontherocks.com/2025/09/faster-wars-smarter-minds-driving-the-armys-quiet-cognitive-revolution/

A Secure Europe Between Gaullism and ‘Daddy’

[CEPA, 08.07.2025, Roland Freudenstein]

Europe faces an aggressive neighbour in the East and a transatlantic partner that is unpredictable at best—and hostile at worst. Against this backdrop, Freudenstein argues that Europe should choose neither an anti-American, Gaullist path nor subservience to the US. Instead, he claims the most responsible course lies between these two extremes.

Link: https://cepa.org/article/a-europe-secure-between-gaullism-and-washington/


Über das «Update Führung»

Das Update Führung ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

Falls Sie Lesenswertes zu Command, Leadership oder Management entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie dies mit uns teilen. Gerne nehmen wir Tipps für die kommende Ausgabe von Leader’s Digest via document.getElementById(«email-obfuscator-leadersdigest»).innerHTML=»R-Znvy».replace(/[a-zA-Z]/g,function(c){return String.fromCharCode((c=(c=c.charCodeAt(0)+13)?c:c-26);});[Aktivieren Sie JavaScript, um die E-Mail-Adresse anzuzeigen] entgegen.

Kategorien
Leader's Digest Leader's Digest #25 Newsletter

Buch des Monats: «Pearl Harbor: Japans Angriff und der Kriegseintritt der USA»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Melber rekonstruiert einerseits die Vorgeschichte mit den langwierigen amerikanisch-japanischen Verhandlungen und diplomatischen Manövern 1941 und andererseits die innenpolitischen Konflikte in Tokio zwischen Militär, Marine, Aussenministerium und ziviler Führung, die zu einer Eskalationslogik führten.​ Damit rückt er die Rolle der Diplomatie und ihrer Grenzen stark in den Vordergrund, allerdings eher analytisch als programmatisch im Sinne einer «Friedensappell»-Literatur.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Es zeigt unter anderem auf, dass das, was wir aktuell in der internationalen Geo- und Sicherheitspolitik erleben, sehr viel Ähnlichkeit hat mit den Ereignissen von damals.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Überhaupt nicht. Es ist dem Leser überlassen, den intellektuellen Transfer in die heutige Realität vorzunehmen. Beispielsweise das Thema der Nutzung und Verfügbarkeit von Kommunikationsmitteln und die damit verbundenen Möglichkeiten, sich auf allen Ebenen auszutauschen, ist heute eine ganz andere Herausforderung.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An diejenigen, die Geopolitik gesamtheitlich verstehen und in einem historischen Kontext sehen wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Es zeigt die Bedeutung der interdepartementalen Kommunikation auf und hat mir aufgezeigt, wie wichtig auch mein Verständnis gegenüber den anderen Departementen ist.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Auch wenn ein nicht unwesentlicher Teil des Buches dem Command-Aspekt zugeordnet werden kann, sehe ich gerade den Aspekt des Leaderships als zentral an, denn das Verständnis über was Leadership ist und wie es gelebt wird, unterscheidet sich zwischen Regierung, Politik, Diplomatie und Militär wesentlich.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Die sicherheitspolitische Forderung nach mehr Kooperation und Interoperabilität wird zwangsläufig zu mehr internationaler Zusammenarbeit und somit Verflechtungen führen. Dies wird die Führung beispielsweise in der Priorisierung von Mitteln oder Personal fordern.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Jede Zusammenarbeit besteht aus einem Geben und Nehmen. Als grösste Chance sehe ich Letzteres, das Potenzial (Fähigkeiten und Wissen) unserer Verbündeten, welches unsere Verteidigungsfähigkeit steigern kann.


Über den Rezensenten

Die berufliche Laufbahn von Oberstleutnant im Generalstab André Stirnimann begann mit einer Lehre als Hochbauzeichner, doch seit der Rekrutenschule in Isone wollte er den Tarnanzug nicht mehr abgeben. Seither hat er als Berufsoffizier mehrere Kurse, Einsätze und Abkommandierungen im Ausland wahrgenommen. Er trägt aktuell die Funktion des Verbindungsoffiziers der Armee zur NATO am Allied Command Transformation (Norfolk VA, USA). André Stirnimann ist verheiratet und Vater von zwei Mädchen. Nebst Motorradfahren und Sport entwirft er Möbel und hat sich neuerdings dem Lederhandwerk verschrieben.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

Kategorien
Leader's Digest Leader's Digest #25 Newsletter

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #24

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigen Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter und Maj i Gst Florian Schweizer gemeinsam die herausragenden Handlungsempfehlungen.

Decision Game aus Leader’s Digest #24

Gegner im Interessenbereich

Vermutete Absicht Mechanisiertes Regiment 43 (ROT):

  • Verteidigt, unter Gefechtssicherung mit Feldposten in Zugstärke auf der Linie WROGE (ND 61 61) – HÄTELER BERG (ND 67 62) – MÜDEN (ND 75 59 ausserhalb der Karte im OSTEN),
  • mit zwei Mechanisierten Bataillonen nebeneinander, Mechanisiertes Bataillon 431 rechts (unser Angriffsstreifen) und Mechanisiertes Bataillon 432 links, hier Schwerpunkt, in Stellung 1, nördlich der Linie WIETZENDORF-FASSBERG, und zwei Bataillonen in der Tiefe, Mechanisiertes Bataillon 433 rechts in Stellung 2 und Panzer Bataillon 434 links, nördlich der Linie WILDE BERGE (ND 62 69) – SUROIDE (ND 65 68) – OERREL (ausserhalb der Karte im Osten),
  • ab 020600Z nov xx für mindestens 84h
  • um so Angriff Panzergrenadier-Brigade 13 (BLAU) zum Stehen zu bringen – als Voraussetzung für das Offenhalten der Übergänge ELBESEITENKANAL (weit im Nordosten).

Gegner im Verantwortungsbereich

Vermutete Absicht Mechanisiertes Bataillon 431 (Kampfkraft noch 35% mit insgesamt 8 Spz BMP-2):

  • verteidigt mit zwei verminderten Mechanisierten Kompanien, Schwerpunkt rechts, Stellung 1 Mechanisiertes Regiment 43 im Raum beiderseits WIETZENDORF, unter Gefechtssicherung durch Feldposten bei WROGE und HÄTELER BERG, um so den Angriff Panzergrenadier Brigade 13 zum Stehen zu bringen.

Eigene Mittel

Panzergrenadier-Kompanie 132

  • 3 x Panzergrenadier-Zug mit Schützenpanzer PUMA und MELLS (MELLS = Panzerabwehrlenkwaffe mit bis zu 5km Reichweite)
  • 24 Angehörige Absitzstärke pro Panzergrenadier-Zug (der absitzende Zugführer führt den gesamten Zug)

Die Kompanie ist vollständig einsatzbereit, aufmunitioniert und hat gerade erst vor kurzem die Ablauflinie überschritten.

Auftrag

Kompanie des Panzergrenadier Bataillon 132 (im Osten)

  • Anmarsch unter Nutzung Anmarschweg B,
  • greift vorn rechts im Schwerpunkt an,
  • durchstößt Sicherungskräfte im Raum HÄTELER BERG,
  • nimmt Übergänge WIETZE,
  • nimmt Zwischenziel 1 Bataillon ostwärts WIETZENDORF,
  • folgt danach 2. Panzer-Bataillon 133 rechts im Schwerpunkt auf der Linie HAUSMANNSHÖHE (69/69) – ILSTER (Nördlich ausserhalb Karte) – EHLBEK (Nördlich ausserhalb Karte) – REHLINGEN (Nördlich ausserhalb Karte),
  • stellt sich darauf ein, im Raum HAUSMANNS HÖHE Gegenangriff Mechanisiertes Regiment 43 im Zusammenwirken Steilfeuer und Wurfminensperre aufzufangen,
  • nimmt Angriffsziel Bataillon,
  • stellt sich darauf ein, im Angriffsziel Bataillon (AMELINGHAUSEN weit im Norden) Stellung 3.1 – 3.4 zu beziehen.

Umwelt

Der Raum südlich Wietzendorf ist durch das WIETZENDORFER MOOR und GROSSES MOOR zweigeteilt. Ein Angriff über befestigte Strassen ist im Westen nur über die B3 (Bundesstrasse 3) und im Osten nur über die K12 (Kreisstrasse 12) oder K43 (Kreisstrasse 43) möglich. Die leistungsfähigen Brücken existieren deren zwei Ostwärts WIETZENDORF (einmal über die Brücke der K12 und über die Brücke der K43, beide MLC 100 (militärische Lastenklasse 100 Tonnen). Der November in NIEDERSACHSEN bringt viel Regen und Nebel mit sich, der Boden ist aufgeweicht und die Wälder rund um den HÄRTELER BERG sind schlecht mit schwerem Gerät befahrbar.

Zeitverhältnisse

Der Bataillonskommandeur erwartet von Ihnen, dass Sie in den nächsten 90min die Übergänge über die WIETZE geschlagen haben und der Angriff ins Bataillonszwischenziel erfolgt.

Fragestellung

Wie lautet Ihr Entschluss als Kompaniekommandant?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #24

Das Decision Game #24 hat die Rekordzahl von acht Einsendungen ausgelöst – und das, obwohl die Aufgabe aufgrund der Terminologie und des Kartenmaterials der Bundeswehr vielen Leserinnen und Lesern etwas fremder war als sonst. Die Beurteilung der Einsendungen in der gegebenen Zeit wäre nicht möglich gewesen ohne Unterstützung des Autors, Maj i Gst Florian Schweizer – ihm gilt hier ein zusätzlicher Dank.

Wir liefern hier wie gewohnt keine Musterlösung, sondern eine Besprechung anhand der drei besten Einsendungen. Die Frage «Wie lautet Ihr Entschluss» haben wir dazu in drei Bereiche heruntergebrochen: Wurde die Lage richtig erfasst? Ist der Entschluss taktisch machbar? Lässt sich die formulierte Absicht in einen stimmigen Befehl überführen?

Den ersten Rang belegt Cap Damien Bordier. Seine Eingabe war insgesamt klar die stärkste. Ausschlaggebend waren nicht bloss Kürze und Präzision, sondern vor allem die taktische Beurteilung. Er erfasst das Kräfteverhältnis korrekt, berücksichtigt die Minenverlegefähigkeit des Gegners und denkt den dynamischen Kampf des Vorpostens konsequent mit. Seine Absicht ist machbar, nachvollziehbar und in sich stringent:
Ich will:

  • In einer ersten Phase mit einem Zug die Höhen von HÄTELER BERG einnehmen und Feuerunterstützung auf die Brücken 01 und 02 vorbereiten;
  • In einer zweiten Phase mit zwei Zügen gleichzeitig die Brücken 01 und 02 einnehmen;
  • In einer dritten Phase mit zwei Zügen das Zwischenziel WIETZENDORF von OSTEN her über die Brücke 02 angreifen;
  • In einer letzten Phase BRAVO passieren lassen, reorganisieren und mich darauf vorbereiten auf Höhe HAUSMANNSHÖHE zu sperren (neue Befehlsausgabe).

Besonders überzeugend ist, dass er nicht nur auf das Nehmen der Brücken fokussiert, sondern auch die Fortführung des Kampfes im Auge behält.

Auch sein Kompaniebefehl ist knapp und klar. Die Phasengliederung ist nachvollziehbar, Aufträge und Absicht sind stimmig, die taktische Sprache ist präzise. Verbesserungspotenzial sehen wir primär in zwei Punkten: Erstens hätte die Artillerie stärker in das eigene Denken integriert werden können. Zweitens gilt es zu beachten, dass mit zwei Zügen gleichzeitig zwei Brücken zu nehmen eine Herausforderung wird. Das ändert aber nichts daran, dass dies die überzeugendste Gesamtlösung war.

Auf dem zweiten Rang folgt Lt Maxime Rinderknecht. Seine Eingabe war sehr kurz, teilweise fast schon knapp, hat aber in mehreren Punkten überzeugt. Die Kernaussagen in der Beurteilung sind weitgehend richtig erkannt, und auch die Bereitschaft, verschiedene Varianten zu entwickeln, verdient Anerkennung. Positiv hervorzuheben sind zudem die Kreativität des Ansatzes, die Geländetaufe mit erkennbarem Mehrwert für Unterstellte, sowie der eingebaute taktische Dialog am Schluss.

Gleichzeitig zeigen sich hier auch deutliche Grenzen. Der gewählte Infiltrationsansatz mag auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, trägt jedoch dem Zeitdruck des Bataillonskommandanten zu wenig Rechnung. Wer für das Nehmen der Übergänge maximal rund 90 Minuten hat, kann sich keine langwierige abgesessene Infiltration leisten. Hinzu kommt eine ungenügende Geländeanalyse. Der vorgeschlagene abgesessene Kampf über offene Freiflächen ist in diesem Raum wenig zweckmässig, weshalb auch die Aufteilung der Kompanie in auf- und abgesessene Elemente kaum zielführend ist. Insgesamt ist dies ein interessanter, umfassender Beitrag mit guten Ansätzen, aber ohne die taktische Stringenz des Erstplatzierten.

Den dritten Rang erreicht Hptm Raphael Iselin. Seine Arbeit war sehr ausführlich und er hat sich die Mühe gemacht, gleich drei Varianten zu entwickeln und sich aktiv mit dem Gelände auseinanderzusetzen. Auch der gewählte Schwerpunkt ist grundsätzlich richtig gesetzt, und einzelne Elemente – etwa der Antrag an die Artillerie – sind für sich betrachtet zweckmässig gedacht.

Entscheidend für die tiefere Platzierung ist jedoch ein grundlegender Fehler in der Feindbeurteilung. Er überschätzt die gegnerischen Kräfte im Einsatzraum deutlich. Das mechanisierte Bataillon verteidigt WIETZENDORF nicht mehr mit vier Zügen, sondern nach den angenommenen Verlusten nur noch mit rund zweieinhalb. Auch der Vorposten wäre entsprechend kleiner zu beurteilen. Dieser Ausgangsfehler zieht sich durch den gesamten Lösungsansatz und lässt sich später nicht mehr auffangen. Hinzu kommt, dass die taktische Sprache wiederholt unpräzis bleibt und sich die Absicht nicht sauber zeichnen lässt. Sein Beitrag zeigt Denkarbeit, bleibt aber in der taktischen Verdichtung hinter den beiden Erstplatzierten klar zurück.

Knapp hinter dem Podest landete auf Rang vier übrigens ein Offizier der Bundeswehr, der stringent, sprachlich präzis und insgesamt sehr sauber gearbeitet hat. Nach unserer Einschätzung hat ihn wohl einzig der fehlende vollständige Befehl davon abgehalten, dieses Decision Game zu gewinnen.

Der Erstplatzierte gewinnt wie gewöhnlich das Buch des Monats, «Keine Regeln: Warum Netflix so erfolgreich ist» von Reed Hastings und Erin Meyer. Für den ersten Platz gibt es zudem zusätzlich ein Kompanieset (Panzergrenadierkompanie) an taktischen Symbolen. Die zweitplatzierte Einsendung wird mit einem Zugset (Panzergrenadierzug) an taktischen Symbolen honoriert, die drittplatzierte mit einem Fahrzeugset zur Lagedarstellung (Panzergrenadierzug blau). Die drei Zusatzpreise wurden von TACSYMBOLS.CH gesponsert – vielen Dank dafür.