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Leader's Digest Leader's Digest #26 Newsletter

Update Führung: April 2026

Command – Leadership – Management: Ein integratives Führungsmodell für militärische und zivile Organisationen

[Gruppe. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für Angewandte Organisationspsychologie (GIO), 12.03.2026, Patrick Hofstetter, Florian Demont und Sarah von Felten]

Das 2023 entwickelte und im Januar 2025 in der Strategie der Gruppe Verteidigung offizialisierte Führungsmodell Command – Leadership – Management ist nun erstmals in einem peer-reviewten Zeitschriftenartikel systematisch dargestellt und theoretisch eingeordnet. Der Beitrag beschränkt sich dabei nicht auf eine Modelldarstellung. Im Sinne einer induktiv-konzeptionellen Fallstudie argumentiert er explizit, weshalb und wie sich dieser Ansatz aus dem militärischen Kontext auch auf zivile Organisationen übertragen lässt. Was in der Schweiz aufgrund der engen gesellschaftlichen Einbettung der Armee vielfach selbstverständlich erscheint, muss im umliegenden Ausland erst plausibilisiert und begründet werden. Genau diesen Nachweis versucht der vorliegende Artikel zu leisten.

Link (open access): https://link.springer.com/article/10.1007/s11612-026-00870-3

Evolution of Russian Tactics

[YouTube: War Archive, 26.12.2025]

By breaking down the Russian invasion of Ukraine into five phases, War Archive shows how the Russian Armed Forces adapted over time. In the beginning they attempted a decapitation strike aimed mainly at the capital Kyiv in what War Archive calls a “Modernized Blitzkrieg”. As this failed due to unexpected Ukrainian resistance and a lack of air superiority, in May 2022 the Russian armed forces shifted their approach to rely less on manoeuvre and more on an artillery “Wall of Fire”. These artillery-enabled advances then ground to a halt as Ukrainian deep-strikes (such as with HIMARS) targeted the logistics needed for such high artillery firing rates. Having attempted to outmanoeuvre and outgun their opponent, in late 2022 the Russians then shifted their focus to relying on infantry assaults mostly constituted by Wagner troops. As Wagner was disbanded, the regular Russian Armed Forces incorporated Wagner’s infantry-heavy approach and added limited mechanised elements to it. Since mid-2024, they now rely on infiltrating Ukrainian-held positions in small teams. Whereas most teams are quickly eliminated, sheer numbers mean that some are inevitably successful in eroding Ukrainian defences over time, as seen in Russia’s capture of the centre of Pokrovsk in December 2025. Apart from this analysis, War Archive posts other videos where he analyses specific battles of the War in Ukraine in detail. Most notably, his video about the Battle for Hostomel Airport allows the viewers to study how Russian forces attacked and why their plan of enabling an air bridge to Hostomel ultimately failed.

Link Tactics: https://www.youtube.com/watch?v=A6MfjV2vsdg

Link: Hostomel: https://www.youtube.com/watch?v=r0Ji7KqqEqg

From Relic to Relevance: Why Obsolete Weapons Still Win Modern Wars

[Modern War Institute, 13.11.2025, Lukáš Dyčka]

The Bundeswehr retired its Gepard air defence systems in 2010. 12 years later Germany exported Gepard systems to Ukraine, where they proved very capable of defending against Russian Shahed/Geran drones. This article highlights how «obsolete» platforms «may be one adversary or one type of terrain away from renewed relevance.» With European armed forces facing the possibility of a long war and hence being in need of redundancies and deep stockpiles, the author wants armed forces to stop calling weapon systems obsolete and to «Start asking what problems they can still solve».

Link: https://mwi.westpoint.edu/from-relic-to-relevance-why-obsolete-weapons-still-win-modern-wars/

Le Polemarque

[La Chouette Librairie]

Une librairie en ligne française moins connue, la Chouette Librairie, propose une sélection ciblée d’ouvrages en études stratégiques, histoire militaire, éthique militaire et leadership. Son catalogue comprend des œuvres influentes de figures telles que Guisan, Rommel et Fuller, entièrement en français.

Link: https://www.lachouettelibrairie.com/editeur/le-polemarque/

Is Europe Too Soft to Fight?

[War on the Rocks, 28.10.2025, Florence Gaub, Roderick Parkes]

Gaub and Parkes warn that as governments see their population as unwilling and too soft to fight, they risk a self-fulfilling prophecy. They argue that instead of a fixed category, the «will to fight» should be treated as societal potential that can be both suppressed or cultivated.

Link: https://warontherocks.com/2025/10/is-europe-too-soft-to-fight/

The Case for Treating Drones as Ammunition

[War on the Rocks, 21.11.2025, Zachary Griffiths, Jeff Ivas]

Griffiths and Ivas argue that the US Army will not scale small drones successfully if it continues to manage them like durable equipment. Drawing on Ukraine’s high consumption rates and rapidly growing production, they frame small quadcopters and first-person view drones as inherently expendable, closer in cost and turnover to mortar rounds than to “aircraft”. The author’s proposal is straightforward: classify small aerial drones as conventional ammunition, switch from brand-based procurement to role-based “drone families” (recon, FPV, etc), standardise controllers, and use simulators in addition to live drones to lower drone attrition during training.

Link: https://warontherocks.com/2025/11/the-case-for-treating-drones-as-ammunition/


Über das «Update Führung»

Das Update Führung ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

Falls Sie Lesenswertes zu Command, Leadership oder Management entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie dies mit uns teilen. Gerne nehmen wir Tipps für die kommende Ausgabe von Leader’s Digest via leadersdigest@leadershipcampus.ch entgegen.

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Leader's Digest Leader's Digest #26 Newsletter

Buch des Monats: «Leadership is Language»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Sprache ist das wichtigste Werkzeug einer Führungsperson, denn sie beeinflusst, wie Menschen denken, entscheiden und handeln. Gute Führung bedeutet nicht Befehle zu geben, sondern Fragen zu stellen und andere zum Mitdenken anzuregen. Entscheidungen sollten dort getroffen werden, wo das Wissen vorhanden ist, anstatt nur von oben vorgegeben zu werden. Wer mit Sprache gezielt führt, der fördert Verantwortung, Vertrauen und eine starke Zusammenarbeit.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Wie schon bei seinem ersten Buch «Turn the Ship Around» beschreibt Marquet die neue Führungsrichtung des Leader-Leader-Systems. Es ist die Vertiefung des Buches auf die Sprache und somit die Kultur von Führungspersonen. Ich habe meinen praktischen Dienst als Kompaniekommandant nach den Vorschlägen von Marquet geführt und war erstaunt, welche Fortschritte und Leistungen meine Kompanie erbracht hat. Besonders stolz bin ich auf die Eigenständigkeit und Initiative meiner Unterstellten, die dadurch entstanden ist.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Das Buch und das Leader-Leader Prinzip setzt Kompetenz und Vertrauen voraus. Beides ist in einer Rekrutenschule nicht von Beginn an gegeben und die 18 Wochen reichen nicht ganz, um alles zu implementieren. Es kann aber als richtungsweisende Empfehlung genutzt werden und regt die Führungspersonen zum Nach- und Umdenken an.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Vor allem an Führungspersonen, die andere Führungspersonen führen, da die Grundvoraussetzungen Kompetenz und Vertrauen gegeben sein müssen, damit der Effekt vollends ausgeschöpft wird.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Als Kompaniekommandant einer Panzerkompanie hatte ich als Führungsstaffeloffizier nicht wirklich das gleiche Verständnis vom Kampfpanzer wie meine Zugführer. Durch die bewusste Weitergabe der Entscheidungskompetenz an die Wissensträger konnten Entscheide durch diese gefällt werden. Die Zugführer haben dadurch mehr Verantwortung übernommen und waren sehr begeistert mir die technischen Besonderheiten zu erklären und darzulegen. Ich konnte dadurch in kurzer Zeit den Kampfpanzer Leopard sehr gründlich kennenlernen.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Es verbindet Command und Leadership. Durch den gezielten Einsatz der Sprache und der Übertragung der Entscheidungskompetenz wird der Unterstellte in die Verantwortung gezogen und ist intrinsisch motiviert diese zu übernehmen. Dies schafft Freiraum und freie Denkkapazitäten für den Kommandanten.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Dass wir Menschen mit zu kurzer Ausbildungszeit mit sehr viel Verantwortung überfordern und diese dadurch nicht wirklich als Leader, sondern eher als Manager fungieren.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Dass wir der Gesellschaft ein Gefäss bieten, in welchem Führungspersonen die ersten Schritte und Erfahrungen machen können. Diese verfeinern dann ihre Fähigkeiten im Berufsleben und bringen im Wiederholungskurs einen Mehrwert zurück in die Milizverbände.


Über den Rezensenten

Hauptmann Timothy Rizza hat eine Lehre als Bäcker/Konditor absolviert und wurde als Truppenkoch ausgehoben. In der 4. Woche der Rekrutenschule wechselte er zur Panzerstabskompanie und war anschliessend 3 Jahre Führungsstaffelzugführer. Nach der Militärakademie wurde er Berufsoffizier im Lehrverband Panzer/Artillerie und ist zurzeit abkommandiert ans Ausbildungszentrum Spezialkräfte für den Kompetenzaufbau Führungsstaffel und Übermittlung, sowie für den Teamaufbau der Combat Service Support-Kompanie.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #26 Newsletter

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #25

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Dr. Florian Demont, Militärethiker an der Dozentur für Führung und Kommunikation an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #25

Inspiriert von eigenen Erlebnissen

Sie sind Offizier der Schweizer Armee mit Einsatzerfahrung im Ausland und wurden für ein Jahr nach Côte d’Ivoire entsandt. Sie sind gut bereist und können von sich behaupten, dass Sie sich in fremden Kulturkreisen sicher, freundlich und unaufgeregt bewegen können. Ihre berufliche Tätigkeit vor Ort findet an einem westafrikanischen Center für Frieden und Sicherheit statt. Sie dürfen sich im Land frei bewegen und geniessen zudem, durch Ihren Diplomatenstatus, einen gewissen Schutz. Nach ein paar Wochen im Land befinden Sie sich noch in der Angewöhnungsphase, aber Sie fühlen sich aufgrund der sehr freundlichen Menschen im Land sicher. Trotz allem helfen die diplomatischen Nummernschilder bei den täglich zu passierenden Checkpoints (ansonsten wird für eine Weiterfahrt oftmals illegal Geld verlangt). Korruption ist weitverbreitet und vonseiten der Botschaft gibt es bezüglich Rules of Behaviour (RoB; Verhaltensregeln) keine Vorgaben.

Sie entscheiden sich für eine Erkundungsreise im Gastland, um die Kultur und die lokalen Unterschiede im Land besser kennenzulernen. Sie bevorzugen, aufgrund der Einfachheit, der verkehrstechnischen Erreichbarkeit und der Flexibilität, mit dem persönlichen Fahrzeug zu reisen. Die vom EDA publizierten Reisebeschränkungen für kleine Teile des Landes haben Sie in Ihrer Reiseroute grosszügig berücksichtigt, sodass auch der Risikobeurteilung Rechnung getragen wird. Da Sie eng mit der Botschaft zusammenarbeiten, haben Sie diese im Sinne des «Blue Force Tracking» über die Reiseroute orientiert. Man war über die Reiseroute überrascht und etwas skeptisch. Ihre ivorianischen Arbeitskollegen am Center konnten Sie gut bezüglich Etappenzielen beraten, und einer von ihnen wird Sie auf der Erkundung sogar begleiten.

Aufgrund der wiederkehrenden Polizeikontrollen haben Sie sich mit Ihrem Kollegen (ziviler Mitarbeiter der ivorianischen Streitkräfte) öfter über das Verhalten von korrupten Beamten, Wertehaltung, Unbestechlichkeit und Vorbildwirkung unterhalten und dabei klar zum Ausdruck gebracht, dass Sie aufgrund Ihrer Werte keine Bestechung oder Ähnliches tolerieren.

Als Sie nach einigen Reisetagen in eine im Norden gelegene, grössere Stadt einfahren, stellen sich Verkehrsführung und Navigation als Herausforderung dar. Das GPS funktioniert nicht zuverlässig und das Reiseziel kann nicht auf Anhieb angesteuert werden. Sie entscheiden sich Ihr Fahrzeug zu wenden um ins Zentrum der Stadt zu verschieben. Kurz nach Ihrem Wendemanöver stellen sich zwei vermutlich unbewaffnete, uniformierte Beamte vor Ihr Fahrzeug, und Sie werden an der Weiterfahrt gehindert. Die verbale Kommunikation ist streng, fordernd, laut und nervös. Sie haben noch Mühe, das nonverbale Verhalten der Lokalen korrekt einzuordnen. Sie überlegen sich, wie Sie vorgehen wollen, während sich die Ungeduld der Beamten sichtbar macht.

Besondere Anmerkungen:

  • Sie sind beide nicht in Uniform. Der Kollege im Fahrzeug bleibt ruhig und äussert sich nur dahingehend, dass mit etwas Bargeld die Situation rasch behoben sei.
  • Ihr Auto ist weiterhin blockiert, und es sind einige Männer in der Umgebung, die das Geschehen mitverfolgen.
  • Sie haben das Fenster leicht geöffnet und versuchen zu erklären, dass Sie für die Schweizer Botschaft arbeiten und einen Diplomatenpass besitzen. Sie weisen auf das diplomatische Fahrzeugkennzeichen hin. Die Sicherheitsleute verstehen nicht, was Sie damit sagen wollen.
  • Der Beamte will 300 USD als Bussgeld, oder der Vorgesetzte und weitere Beamte würden beigezogen. Die Gemüter scheinen sehr erhitzt.

Fragestellung

  • Wie gehen Sie vor?
  • Was sind Ihre Überlegungen bezüglich einer möglichen Eskalation?
  • Wie stehen Sie zur illegalen Bestechung als weitverbreitetem, lokalem Verhalten?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #25

Das vorliegende Szenario an einer ivorianischen Strassensperre stellt eine Aufgabe dar, die einen anspruchsvollen Spagat erfordert: Die Wahrung der eigenen moralischen Integrität (Prinzipientreue/Anti-Korruption) bei gleichzeitiger Gewährleistung der physischen Sicherheit in einem volatilen, interkulturellen Umfeld.

Die Auswertung der Rekordzahl von 12 Einsendungen zeigt, dass weder ein blinder moralischer Relativismus noch ein starrer ethischer Rigorismus zielführend sind. Gefragt sind situative Sensibilität, deeskalierendes Handeln und eine präzise moralphilosophische Reflexion.

Platz 1: Hauptmann Steven Senn

Herausragende ethische und taktische Synthese

Die Einsendung von Hptm Senn wird als die beste Lösung bewertet (18/20 Punkte). Er meistert das moralische Dilemma durch eine brillante konzeptionelle Differenzierung und verbindet dies mit klugem taktischem Verhalten.

Begründung und Stärken:

  • Exzellente moralphilosophische Präzision (Doppeleffekt): Hptm Senn löst das Dilemma um die «illegale Bestechung», indem er implizit die Lehre von der Doppelwirkung anwendet. Er trennt sprachlich und konzeptionell zwischen aktiver Bestechung (Geld zahlen, um sich proaktiv einen unrechtmässigen Vorteil zu erkaufen) und dem Zahlen eines Lösegelds (Zahlung unter Nötigung/Notstand, um einen unverhältnismässigen physischen Schaden abzuwenden). Durch diese Unterscheidung verrät er seine Prinzipien nicht, sondern passt sie der Realität einer Notwehrsituation an.
  • Taktische Deeskalation («Bürokratie als Schutzschild»): Anstatt einfach zu verweigern, verlangt er über seinen Kollegen eine offizielle Quittung. Dies ist ein bewährtes, gewaltfreies Mittel, um illegale Forderungen abzuwehren, ohne die Beamten direkt der Korruption zu bezichtigen.
  • Vorbildliche Führung und Delegation: Er nutzt seinen ivorianischen Kollegen aktiv als kulturellen Brückenbauer und Berater («Reality Check»), behält aber die klare Letztverantwortung für den moralischen Entscheid.
  • Transparenz: Die Einordnung des Vorfalls als meldepflichtiges «Blue Force Tracking»-Ereignis stellt die institutionelle Integrität im Nachgang sicher.

Besondere Erwähnung: Hauptmann Raphael Iselin

Sehr gute Leistung durch laterales Denken

Hptm Iselin liefert den kreativsten und intellektuell fesselndsten Lösungsansatz des Teilnehmerfeldes (16/20 Punkte). Seine Einsendung besticht durch eine tiefe Selbstreflexion über die Rolle des Schweizer Offiziers.

Stärken des Ansatzes:

  • Kreative Konflikttransformation: Hptm Iselin löst das Problem der Bestechung durch einen klugen interkulturellen Schachzug: Er schlägt vor, die korrupten Beamten spontan über den ivorianischen Kollegen als «Guides» anzuheuern, um den Weg ins Zentrum zu finden. Dadurch verwandelt er eine illegale Erpressung in ein legitimes Dienstleistungsgeschäft. Die Beamten erhalten ihr Geld und wahren ihr Gesicht vor den Zuschauern, während Iselin für eine tatsächliche Gegenleistung zahlt und seine Integrität wahrt.
  • Tiefgehende Eskalationsanalyse: Er beweist ein hervorragendes Gespür für die Dynamik der Strasse und erkennt präzise, dass das primäre Ziel der Beamten nicht Gewalt, sondern Einschüchterung als «Geschäftsmodell» ist.

(Anmerkung: Einziger Wermutstropfen ist seine hohe persönliche Risikobereitschaft, bei der er physische Gewalt bis zur Schwelle von lebensbedrohlichen Verletzungen in Kauf nehmen würde, um seine Prinzipien zu wahren).

Problematische Lösungsansätze

Bei den übrigen Einsendungen offenbarten sich verschiedene ethische, taktische und interkulturelle Defizite, die in einer realen Einsatzumgebung zu kritischen Eskalationen oder zum Verlust der Führungsglaubwürdigkeit führen würden.

Die schwächeren Lösungsansätze lassen sich in folgende problematische Muster kategorisieren:

1. Moralisches Outsourcing & Führungsschwäche

Einige Lösungsansätze übergeben die Verhandlungsführung völlig unstrukturiert an den ivorianischen Kollegen, mit der impliziten Akzeptanz, dass dieser vermutlich Schmiergeld zahlen wird. Der Offizier wäscht seine Hände in Unschuld («Ich habe ja nicht bestochen»). Dies ist keine kulturelle Arbeitsteilung, sondern das Abschieben der moralischen Verantwortung an einen Untergebenen.

2. Dogmatische Paragraphenreiterei & Arroganz

Auffällig war die Tendenz, sich in einer ausländischen Strassensperre hinter dem Schweizerischen Strafgesetzbuch zu verstecken oder aggressiv die Namen der Beamten zu fordern, um sie «aus der Anonymität zu zwingen». Dies verkennt die realen Machtverhältnisse, treibt die Beamten vor Publikum in die Enge und erzwingt einen Gesichtsverlust, der fast zwangsläufig in Gewalt umschlagen muss.

3. Arrogante Konfrontation («Wartespiel»)

Ein anderes konfrontatives Vorgehen bestand darin, den Beamten zu drohen, sofort den Botschafter anzurufen, und ihnen vorzuwerfen, sie würden die «Gastfreundschaft ihres Landes beschmutzen». Gepaart mit der Ankündigung, man habe Zeit und könne das Ganze vor der zuschauenden Menge aussitzen, ist dies ein gefährliches Machtspiel ohne interkulturelle Sensibilität.

4. Schönwetter-Ethik & Riskante Kurzschlusshandlungen

Einige Lösungswege offenbarten einen ethischen Opportunismus: Solange keine Gefahr droht, pocht man auf Prinzipien; sobald Druck aufkommt, wirft man diese kurzerhand über Bord. Besonders kritisch war in diesem Zusammenhang der Plan B, bei einer drohenden Eskalation in einem blockierten Fahrzeug mit Umstehenden «einfach aufs Gas zu drücken» und zu fliehen. Dies erfüllt den Tatbestand der leichtfertigen Sicherheitsgefährdung.

5. Intellektuelle Inkonsistenz

Es wurde der Versuch unternommen, das Szenario mit Vokabeln der Spieltheorie (Koordinationsspiel, Nutzenmaximierung) analytisch zu fassen und Eigenschutz zu priorisieren, nur um im Fazit in einen starren moralischen Absolutismus zu verfallen («ich könnte mit dem Zahlen persönlich nicht leben»). Wenn das theoretische Fundament das praktische Handeln nicht stützt, kollabiert die Handlungsfähigkeit unter Stress.

6. Naivität & Bunker-Mentalität

Zu den taktisch schwächeren Ansätzen zählten das Verriegeln der Fahrzeugtüren bei gleichzeitigem Drücken des Diplomatenpasses von innen an die Fensterscheibe. Dies signalisiert Angst und Überheblichkeit. Ebenso naiv war der (fehlende) Plan B bei der unrealistischen Annahme, korrupte Strassenbeamte würden sich freiwillig darauf einlassen, dem ausländischen Fahrzeug auf einen offiziellen Polizeiposten zu folgen, um dort die Busse abzuwickeln.

Wir danken allen für ihre Einsendungen und gratulieren Hptm Steven Senn zum Gewinn des Buch des Monats vom März, «Pearl Harbor: Japans Angriff und der Kriegseintritt der USA» von Takuma Melber.

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Leader's Digest Leader's Digest #25 Newsletter

Update Führung: März 2026

Bulletin 2025 zur Schweizerischen Sicherheitspolitik

[CSS ETH, 2025, Lucas Renaud, Daniel Möckli et al.]

Das Bulletin 2025 zur Schweizerischen Sicherheitspolitik liefert eine Bestandesaufnahme angesichts der aktuellen globalen sicherheitspolitischen Entwicklungen. Es beleuchtet unter anderem die Bedeutung eines «Drohnen-Ökosystems» für die Schweiz, die Notwendigkeit der Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzsystems sowie die Rolle der Schweiz als Vorsitz in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Zudem analysiert es die Herausforderungen und Chancen, die sich für das Labor Spiez aus dem Wandel des Umfelds und dem technologischen Fortschritt ergeben. Eröffnet wird das Bulletin mit einem Interview mit Bundesrat und VBS-Vorsteher Martin Pfister.

Link: https://css.ethz.ch/publikationen/bulletin-zur-schweizerischen-sicherheitspolitik/details.html?id=/b/u/l/l/bulletin_2025_on_swiss_security_policybu

Realising Societal Resilience for a Whole of Society Approach to Defence

[RUSI, 14.10.2025, Katharine A.M. Wright]

Open and democratic societies are inherently vulnerable to information warfare: influencing citizens’ votes can give foreign actors leverage over what should be domestic decisions. But resilience against disinformation is only one dimension of societal resilience—a broad concept spanning everything from citizens’ critical thinking to universities training enough doctors for potential mass-casualty events, to education that gives young adults a basic grasp of security policy and resilience. Wright argues that effective societal resilience depends on strong trust in government and on people feeling safe rather than preoccupied with other pressures. From this perspective, she highlights the UK’s housing and health crises as key factors undermining societal resilience.

Link: https://www.rusi.org/explore-our-research/publications/commentary/realising-societal-resilience-whole-society-approach-defence

Why Mechanized Warfare Will Still Be Decisive in the Next Land War

[War on the Rocks, 02.01.2026, Scott Rutter, Matthew C. Paul]

Rutter and Paul argue that the war in Ukraine shows mechanised forces are not obsolete: they remain essential for seizing and holding ground. Their effectiveness, however, depends on operating within a “window of advantage”. On a sensor-saturated, drone-rich battlefield, tanks work only when commanders create brief windows through deception, ISR, electronic warfare, rapid breaching, and tightly synchronised fires. Platform upgrades alone are therefore insufficient. The authors call for shifting emphasis toward unmanned systems, EW, ISR, AI-enabled command and control, and logistics that can sustain short, violent mechanised thrusts.

Link: https://warontherocks.com/2026/01/why-mechanized-warfare-will-still-be-decisive-in-the-next-land-war/

Ten Jolting Takeaways from Trump’s New National Security Strategy

[War on the Rocks, 05.12.2025, Rick Landgraf]

This article gives a quick summary of the new National Security Strategy of the US, released in November 2025. Apart from being influenced by US domestic politics, it highlights how the strategy seeks to prioritise US influence in the Western hemisphere over influence in other regions, in what has been called the Trump Corollary to the Monroe Doctrine, or the “Donroe Doctrine”. In regards to Europe, the prioritisation of the Western hemisphere goes hand-in-hand with the US attitude towards European defence changing from an attempt at burden-sharing to burden-shifting.

Link: https://warontherocks.com/2025/12/ten-jolting-takeaways-from-trumps-new-national-security-strategy/

Faster Wars, Smarter Minds: Driving the Army’s Quiet Cognitive Revolution

[War on the Rocks, 02.09.2025, Milford Beagle Jr.]

Beagle’s core claim is that battlefield technology is advancing faster than human cognition can keep up—so building cognitive capacity is as important as investing in new systems. He frames AI as “additional intelligence”: a tool for synthesis and pattern-finding that expands what staffs can see and process, not an automatic decision-maker or a substitute for responsibility. The article argues that US professional military education is being redesigned to build that cognitive edge—by strengthening adaptive and creative thinking, using AI-enabled tools to personalise learning, and accelerating doctrinal updates. The aim is leaders who ask better questions, critically test machine outputs, and integrate new capabilities ethically and effectively.

Link: https://warontherocks.com/2025/09/faster-wars-smarter-minds-driving-the-armys-quiet-cognitive-revolution/

A Secure Europe Between Gaullism and ‘Daddy’

[CEPA, 08.07.2025, Roland Freudenstein]

Europe faces an aggressive neighbour in the East and a transatlantic partner that is unpredictable at best—and hostile at worst. Against this backdrop, Freudenstein argues that Europe should choose neither an anti-American, Gaullist path nor subservience to the US. Instead, he claims the most responsible course lies between these two extremes.

Link: https://cepa.org/article/a-europe-secure-between-gaullism-and-washington/


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Leader's Digest Leader's Digest #25 Newsletter

Buch des Monats: «Pearl Harbor: Japans Angriff und der Kriegseintritt der USA»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Melber rekonstruiert einerseits die Vorgeschichte mit den langwierigen amerikanisch-japanischen Verhandlungen und diplomatischen Manövern 1941 und andererseits die innenpolitischen Konflikte in Tokio zwischen Militär, Marine, Aussenministerium und ziviler Führung, die zu einer Eskalationslogik führten.​ Damit rückt er die Rolle der Diplomatie und ihrer Grenzen stark in den Vordergrund, allerdings eher analytisch als programmatisch im Sinne einer «Friedensappell»-Literatur.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Es zeigt unter anderem auf, dass das, was wir aktuell in der internationalen Geo- und Sicherheitspolitik erleben, sehr viel Ähnlichkeit hat mit den Ereignissen von damals.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Überhaupt nicht. Es ist dem Leser überlassen, den intellektuellen Transfer in die heutige Realität vorzunehmen. Beispielsweise das Thema der Nutzung und Verfügbarkeit von Kommunikationsmitteln und die damit verbundenen Möglichkeiten, sich auf allen Ebenen auszutauschen, ist heute eine ganz andere Herausforderung.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An diejenigen, die Geopolitik gesamtheitlich verstehen und in einem historischen Kontext sehen wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Es zeigt die Bedeutung der interdepartementalen Kommunikation auf und hat mir aufgezeigt, wie wichtig auch mein Verständnis gegenüber den anderen Departementen ist.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Auch wenn ein nicht unwesentlicher Teil des Buches dem Command-Aspekt zugeordnet werden kann, sehe ich gerade den Aspekt des Leaderships als zentral an, denn das Verständnis über was Leadership ist und wie es gelebt wird, unterscheidet sich zwischen Regierung, Politik, Diplomatie und Militär wesentlich.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Die sicherheitspolitische Forderung nach mehr Kooperation und Interoperabilität wird zwangsläufig zu mehr internationaler Zusammenarbeit und somit Verflechtungen führen. Dies wird die Führung beispielsweise in der Priorisierung von Mitteln oder Personal fordern.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Jede Zusammenarbeit besteht aus einem Geben und Nehmen. Als grösste Chance sehe ich Letzteres, das Potenzial (Fähigkeiten und Wissen) unserer Verbündeten, welches unsere Verteidigungsfähigkeit steigern kann.


Über den Rezensenten

Die berufliche Laufbahn von Oberstleutnant im Generalstab André Stirnimann begann mit einer Lehre als Hochbauzeichner, doch seit der Rekrutenschule in Isone wollte er den Tarnanzug nicht mehr abgeben. Seither hat er als Berufsoffizier mehrere Kurse, Einsätze und Abkommandierungen im Ausland wahrgenommen. Er trägt aktuell die Funktion des Verbindungsoffiziers der Armee zur NATO am Allied Command Transformation (Norfolk VA, USA). André Stirnimann ist verheiratet und Vater von zwei Mädchen. Nebst Motorradfahren und Sport entwirft er Möbel und hat sich neuerdings dem Lederhandwerk verschrieben.

Über das «Buch des Monats»

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Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #24

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigen Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter und Maj i Gst Florian Schweizer gemeinsam die herausragenden Handlungsempfehlungen.

Decision Game aus Leader’s Digest #24

Gegner im Interessenbereich

Vermutete Absicht Mechanisiertes Regiment 43 (ROT):

  • Verteidigt, unter Gefechtssicherung mit Feldposten in Zugstärke auf der Linie WROGE (ND 61 61) – HÄTELER BERG (ND 67 62) – MÜDEN (ND 75 59 ausserhalb der Karte im OSTEN),
  • mit zwei Mechanisierten Bataillonen nebeneinander, Mechanisiertes Bataillon 431 rechts (unser Angriffsstreifen) und Mechanisiertes Bataillon 432 links, hier Schwerpunkt, in Stellung 1, nördlich der Linie WIETZENDORF-FASSBERG, und zwei Bataillonen in der Tiefe, Mechanisiertes Bataillon 433 rechts in Stellung 2 und Panzer Bataillon 434 links, nördlich der Linie WILDE BERGE (ND 62 69) – SUROIDE (ND 65 68) – OERREL (ausserhalb der Karte im Osten),
  • ab 020600Z nov xx für mindestens 84h
  • um so Angriff Panzergrenadier-Brigade 13 (BLAU) zum Stehen zu bringen – als Voraussetzung für das Offenhalten der Übergänge ELBESEITENKANAL (weit im Nordosten).

Gegner im Verantwortungsbereich

Vermutete Absicht Mechanisiertes Bataillon 431 (Kampfkraft noch 35% mit insgesamt 8 Spz BMP-2):

  • verteidigt mit zwei verminderten Mechanisierten Kompanien, Schwerpunkt rechts, Stellung 1 Mechanisiertes Regiment 43 im Raum beiderseits WIETZENDORF, unter Gefechtssicherung durch Feldposten bei WROGE und HÄTELER BERG, um so den Angriff Panzergrenadier Brigade 13 zum Stehen zu bringen.

Eigene Mittel

Panzergrenadier-Kompanie 132

  • 3 x Panzergrenadier-Zug mit Schützenpanzer PUMA und MELLS (MELLS = Panzerabwehrlenkwaffe mit bis zu 5km Reichweite)
  • 24 Angehörige Absitzstärke pro Panzergrenadier-Zug (der absitzende Zugführer führt den gesamten Zug)

Die Kompanie ist vollständig einsatzbereit, aufmunitioniert und hat gerade erst vor kurzem die Ablauflinie überschritten.

Auftrag

Kompanie des Panzergrenadier Bataillon 132 (im Osten)

  • Anmarsch unter Nutzung Anmarschweg B,
  • greift vorn rechts im Schwerpunkt an,
  • durchstößt Sicherungskräfte im Raum HÄTELER BERG,
  • nimmt Übergänge WIETZE,
  • nimmt Zwischenziel 1 Bataillon ostwärts WIETZENDORF,
  • folgt danach 2. Panzer-Bataillon 133 rechts im Schwerpunkt auf der Linie HAUSMANNSHÖHE (69/69) – ILSTER (Nördlich ausserhalb Karte) – EHLBEK (Nördlich ausserhalb Karte) – REHLINGEN (Nördlich ausserhalb Karte),
  • stellt sich darauf ein, im Raum HAUSMANNS HÖHE Gegenangriff Mechanisiertes Regiment 43 im Zusammenwirken Steilfeuer und Wurfminensperre aufzufangen,
  • nimmt Angriffsziel Bataillon,
  • stellt sich darauf ein, im Angriffsziel Bataillon (AMELINGHAUSEN weit im Norden) Stellung 3.1 – 3.4 zu beziehen.

Umwelt

Der Raum südlich Wietzendorf ist durch das WIETZENDORFER MOOR und GROSSES MOOR zweigeteilt. Ein Angriff über befestigte Strassen ist im Westen nur über die B3 (Bundesstrasse 3) und im Osten nur über die K12 (Kreisstrasse 12) oder K43 (Kreisstrasse 43) möglich. Die leistungsfähigen Brücken existieren deren zwei Ostwärts WIETZENDORF (einmal über die Brücke der K12 und über die Brücke der K43, beide MLC 100 (militärische Lastenklasse 100 Tonnen). Der November in NIEDERSACHSEN bringt viel Regen und Nebel mit sich, der Boden ist aufgeweicht und die Wälder rund um den HÄRTELER BERG sind schlecht mit schwerem Gerät befahrbar.

Zeitverhältnisse

Der Bataillonskommandeur erwartet von Ihnen, dass Sie in den nächsten 90min die Übergänge über die WIETZE geschlagen haben und der Angriff ins Bataillonszwischenziel erfolgt.

Fragestellung

Wie lautet Ihr Entschluss als Kompaniekommandant?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #24

Das Decision Game #24 hat die Rekordzahl von acht Einsendungen ausgelöst – und das, obwohl die Aufgabe aufgrund der Terminologie und des Kartenmaterials der Bundeswehr vielen Leserinnen und Lesern etwas fremder war als sonst. Die Beurteilung der Einsendungen in der gegebenen Zeit wäre nicht möglich gewesen ohne Unterstützung des Autors, Maj i Gst Florian Schweizer – ihm gilt hier ein zusätzlicher Dank.

Wir liefern hier wie gewohnt keine Musterlösung, sondern eine Besprechung anhand der drei besten Einsendungen. Die Frage «Wie lautet Ihr Entschluss» haben wir dazu in drei Bereiche heruntergebrochen: Wurde die Lage richtig erfasst? Ist der Entschluss taktisch machbar? Lässt sich die formulierte Absicht in einen stimmigen Befehl überführen?

Den ersten Rang belegt Cap Damien Bordier. Seine Eingabe war insgesamt klar die stärkste. Ausschlaggebend waren nicht bloss Kürze und Präzision, sondern vor allem die taktische Beurteilung. Er erfasst das Kräfteverhältnis korrekt, berücksichtigt die Minenverlegefähigkeit des Gegners und denkt den dynamischen Kampf des Vorpostens konsequent mit. Seine Absicht ist machbar, nachvollziehbar und in sich stringent:
Ich will:

  • In einer ersten Phase mit einem Zug die Höhen von HÄTELER BERG einnehmen und Feuerunterstützung auf die Brücken 01 und 02 vorbereiten;
  • In einer zweiten Phase mit zwei Zügen gleichzeitig die Brücken 01 und 02 einnehmen;
  • In einer dritten Phase mit zwei Zügen das Zwischenziel WIETZENDORF von OSTEN her über die Brücke 02 angreifen;
  • In einer letzten Phase BRAVO passieren lassen, reorganisieren und mich darauf vorbereiten auf Höhe HAUSMANNSHÖHE zu sperren (neue Befehlsausgabe).

Besonders überzeugend ist, dass er nicht nur auf das Nehmen der Brücken fokussiert, sondern auch die Fortführung des Kampfes im Auge behält.

Auch sein Kompaniebefehl ist knapp und klar. Die Phasengliederung ist nachvollziehbar, Aufträge und Absicht sind stimmig, die taktische Sprache ist präzise. Verbesserungspotenzial sehen wir primär in zwei Punkten: Erstens hätte die Artillerie stärker in das eigene Denken integriert werden können. Zweitens gilt es zu beachten, dass mit zwei Zügen gleichzeitig zwei Brücken zu nehmen eine Herausforderung wird. Das ändert aber nichts daran, dass dies die überzeugendste Gesamtlösung war.

Auf dem zweiten Rang folgt Lt Maxime Rinderknecht. Seine Eingabe war sehr kurz, teilweise fast schon knapp, hat aber in mehreren Punkten überzeugt. Die Kernaussagen in der Beurteilung sind weitgehend richtig erkannt, und auch die Bereitschaft, verschiedene Varianten zu entwickeln, verdient Anerkennung. Positiv hervorzuheben sind zudem die Kreativität des Ansatzes, die Geländetaufe mit erkennbarem Mehrwert für Unterstellte, sowie der eingebaute taktische Dialog am Schluss.

Gleichzeitig zeigen sich hier auch deutliche Grenzen. Der gewählte Infiltrationsansatz mag auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, trägt jedoch dem Zeitdruck des Bataillonskommandanten zu wenig Rechnung. Wer für das Nehmen der Übergänge maximal rund 90 Minuten hat, kann sich keine langwierige abgesessene Infiltration leisten. Hinzu kommt eine ungenügende Geländeanalyse. Der vorgeschlagene abgesessene Kampf über offene Freiflächen ist in diesem Raum wenig zweckmässig, weshalb auch die Aufteilung der Kompanie in auf- und abgesessene Elemente kaum zielführend ist. Insgesamt ist dies ein interessanter, umfassender Beitrag mit guten Ansätzen, aber ohne die taktische Stringenz des Erstplatzierten.

Den dritten Rang erreicht Hptm Raphael Iselin. Seine Arbeit war sehr ausführlich und er hat sich die Mühe gemacht, gleich drei Varianten zu entwickeln und sich aktiv mit dem Gelände auseinanderzusetzen. Auch der gewählte Schwerpunkt ist grundsätzlich richtig gesetzt, und einzelne Elemente – etwa der Antrag an die Artillerie – sind für sich betrachtet zweckmässig gedacht.

Entscheidend für die tiefere Platzierung ist jedoch ein grundlegender Fehler in der Feindbeurteilung. Er überschätzt die gegnerischen Kräfte im Einsatzraum deutlich. Das mechanisierte Bataillon verteidigt WIETZENDORF nicht mehr mit vier Zügen, sondern nach den angenommenen Verlusten nur noch mit rund zweieinhalb. Auch der Vorposten wäre entsprechend kleiner zu beurteilen. Dieser Ausgangsfehler zieht sich durch den gesamten Lösungsansatz und lässt sich später nicht mehr auffangen. Hinzu kommt, dass die taktische Sprache wiederholt unpräzis bleibt und sich die Absicht nicht sauber zeichnen lässt. Sein Beitrag zeigt Denkarbeit, bleibt aber in der taktischen Verdichtung hinter den beiden Erstplatzierten klar zurück.

Knapp hinter dem Podest landete auf Rang vier übrigens ein Offizier der Bundeswehr, der stringent, sprachlich präzis und insgesamt sehr sauber gearbeitet hat. Nach unserer Einschätzung hat ihn wohl einzig der fehlende vollständige Befehl davon abgehalten, dieses Decision Game zu gewinnen.

Der Erstplatzierte gewinnt wie gewöhnlich das Buch des Monats, «Keine Regeln: Warum Netflix so erfolgreich ist» von Reed Hastings und Erin Meyer. Für den ersten Platz gibt es zudem zusätzlich ein Kompanieset (Panzergrenadierkompanie) an taktischen Symbolen. Die zweitplatzierte Einsendung wird mit einem Zugset (Panzergrenadierzug) an taktischen Symbolen honoriert, die drittplatzierte mit einem Fahrzeugset zur Lagedarstellung (Panzergrenadierzug blau). Die drei Zusatzpreise wurden von TACSYMBOLS.CH gesponsert – vielen Dank dafür.

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Leader's Digest Leader's Digest #24 Newsletter

Update Führung: Februar 2026

Stratos 2/2025

[Schweizer Armee, 30.10.2025]

Das neue Stratos ist da! Diese Ausgabe des zweimal jährlich erscheinenden Magazins der Schweizer Armee beschäftigt sich mit Human Security (HUMSEC). Durch die veränderte geopolitische Lage und die zunehmende Urbanisierung der Schweiz gewinnt der Schutz der Zivilbevölkerung in einem potenziellen bewaffneten Konflikt an Bedeutung. Insbesondere lesenswert ist hierzu das Interview mit Brigadier Christian Arioli (S. 88), aber auch die Beiträge zu Führungskonzepten der Schweizer Armee im internationalen Vergleich (S. 43), Leistungsoptimierung und Substanzmissbrauch in der Armee (S. 50), zivil-militärischer Zusammenarbeit (S. 95) sowie Bevölkerungsschutz im bewaffneten Konflikt (S. 102).

Link: https://www.vtg.admin.ch/de/stratos

Sechs Jahre an der Frontlinie der Verantwortung

[Schweizer Armee Podcast, 02.12.2025]

In diesem Gespräch spricht der ehemalige Chef der Armee, KKdt Thomas Süssli, offen darüber, wie er diese Jahre erlebt hat: über Entscheidungen unter Druck, über Kritik und Verantwortung, über Momente der Unsicherheit und darüber, was gute Führung in schwierigen Zeiten ausmacht. KKdt Süssli schildert die grösste Mobilmachung der jüngeren Geschichte der Schweizer Armee, erzählt vom Morgen des 24. Februar 2022, von der Herausforderung, stets präsent zu sein und von der Kunst, im richtigen Moment innezuhalten. Zugleich zeigt er, warum Realismus, Vorbereitung und eine starke Milizarmee unverzichtbar sind.

Link: https://youtube.com/watch?v=eOs0pV3fFTo

Risk and Resilience Report: The Strategic Value of Civil Protection Exercises

[CSS ETH, 09.2025, Jurgena Kamberaj, Simon Aebi]

Civil protection exercises are usually treated as operational training, but this report argues they also have strategic value, for example by creating political momentum for reforms. For the Swiss Armed Forces, exercises are one of the few practical ways to test and improve the state of information sharing, logistics and civil-military cooperation.

Link: https://css.ethz.ch/en/publications/risk-and-resilience-reports.html

The World in 2026

[Chatham House, 15.12.2025, Orysia Lutsevych]

This big-picture report of a British think tank considers 14 factors which are likely to shape 2026. They range from wars and conflicts in Ukraine and the Middle East to AI, Trump, health, nuclear weapons and political polarisation. Without a doubt, reading this wide-angle article will help its reader understand and compartmentalise the developments to occur in 2026.

Link: https://www.chathamhouse.org/publications/the-world-today/2025-12/world-2026

The Battle of Shusha City and the Missed Lessons of the 2020 Nagorno-Karabakh War

[Modern War Institute, 14.07.2021, John Spencer, Harshana Ghoorhoo]

This case study looks at the battles over control of the city of Shusha/Shushi in the Southern Caucasus. The city is situated on a hill and surrounded by mountainous terrain. Both Armenia and Azerbaijan have strong cultural ties to the city. After the Soviet Union broke apart, Armenia took control of the city in 1992. Azerbaijani forces launched an offensive on the Karabakh/Artsakh region in 2020, and the city changed hands. This article investigates the reasons that made the Armenian defences fail and what made the Azerbaijani offensive succeed and thereby provides valuable lessons on the conduct of urban warfare.

Link: https://mwi.westpoint.edu/the-battle-of-shusha-city-and-the-missed-lessons-of-the-2020-nagorno-karabakh-war/

Strategic Competition in the Age of AIEmerging Risks and Opportunities from Military Use of Artificial Intelligence

[RAND, 06.09.2024, James Black et al.]

In this comprehensive, 144-page RAND report, the authors investigate the risks and opportunities that come with integrating AI into the armed forces. The authors note that by facilitating deep fakes, enabling non-state actors and through managing nuclear arsenals, the application of AI in defence could potentially have catastrophic consequences. To guard against this threat, the authors suggests that knowledge of AI’s risks should be more thoroughly researched, and awareness of AI’s risks should be increased. Moreover, reminiscent of arms control, the authors suggest that military AI use should be transparent and regulated on an international scale. The link leads you to a summary page, there you can download the full report.

Link: https://www.rand.org/pubs/research_reports/RRA3295-1.html


Über das «Update Führung»

Das Update Führung ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

Falls Sie Lesenswertes zu Command, Leadership oder Management entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie dies mit uns teilen. Gerne nehmen wir Tipps für die kommende Ausgabe von Leader’s Digest via document.getElementById(«email-obfuscator-leadersdigest»).innerHTML=»R-Znvy».replace(/[a-zA-Z]/g,function(c){return String.fromCharCode((c=(c=c.charCodeAt(0)+13)?c:c-26);});[Aktivieren Sie JavaScript, um die E-Mail-Adresse anzuzeigen] entgegen.

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Buch des Monats: «Keine Regeln: Warum Netflix so erfolgreich ist»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Das Buch beschreibt die radikale Unternehmenskultur von Netflix, die auf Freiheit, Eigenverantwortung und Transparenz setzt. Statt auf strikte Regeln und Prozesse baut Netflix auf ein Umfeld, in dem Mitarbeiter viel Handlungsspielraum haben und Verantwortung übernehmen.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Dass es den Mut zeigt, traditionelle Managementregeln radikal in Frage zu stellen, und konkrete Beispiele liefert, wie eine Kultur des Vertrauens und der Eigenverantwortung Innovation fördert. Gerade die Aspekte zu Vertrauenskultur sind im militärischen Kontext für mich entscheidend.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Ja, die starke Betonung von radikaler Offenheit und Freiheit könnte in anderen Organisationen, besonders in hierarchischen oder sicherheitskritischen Bereichen wie dem Militär, nicht ohne Weiteres anwendbar sein.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle Führungskräfte, die ihre Unternehmenskultur neu denken oder in Organisationen arbeiten, die agiler, innovativer und eigenverantwortlicher werden wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Es regt zum Nachdenken an, wie viel Eigenverantwortung man auch im militärischen Umfeld geben kann. Nicht alle Prinzipien sind übertragbar, aber die Grundidee, Vertrauen über Kontrolle zu stellen, ist auch im militärischen Führungsalltag inspirierend.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Eindeutig Leadership, da es um kulturellen Wandel, Vertrauen, Verantwortung und die Entwicklung von Menschen geht.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Den richtigen Mittelweg zu finden zwischen notwendiger Hierarchie/Disziplin und mehr Eigenverantwortung und Innovation. Am Ende ist es der Weg von Management hin zu Leadership in einem sich schnell adaptierenden Gefechtsfeld.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

In der Möglichkeit, durch gezieltes Vertrauen und weniger Mikromanagement das Potenzial und die Kreativität der Angehörigen der Armee stärker zu nutzen.


Über den Rezensenten

Maj i Gst Florian Schweizer ist ehemaliger Privatbanker; seine Grundausbildung absolvierte er als Panzergrenadier der Schweizer Armee. Als Berufsoffizier im Lehrverband Panzer/Artillerie ist er derzeit als Austauschoffizier an der Panzertruppenschule in Deutschland eingesetzt und absolviert parallel ein Masterstudium in Personalmanagement. In seiner Freizeit verbringt er gerne Zeit mit seiner Familie mit zwei Kindern, wandert, leitet Marschgruppen, spielt Eishockey und beschäftigt sich mit Strategiespielen.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #24 Newsletter

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #23

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Dr. Florian Demont, Militärethiker an der Dozentur für Führung und Kommunikation an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #23

Ein europäisches Partnerland bittet die Schweiz kurzfristig um Unterstützung bei einer grossangelegten Übung zur Verteidigungsbereitschaft. Die sicherheitspolitische Lage ist angespannt, hybride Aktivitäten nehmen zu und die Öffentlichkeit beobachtet jede militärische Bewegung mit erhöhter Sensibilität. Die Armee verfügt über die nötigen Mittel und Kompetenzen, doch ein Engagement hätte mehrere Konsequenzen. Eine Teilnahme würde die internationale Kooperation stärken und das eigene Know-how verbessern. Gleichzeitig könnte sie innenpolitisch kontrovers wirken, weil Teile der Bevölkerung eine stärkere sicherheitspolitische Sichtbarkeit der Schweiz kritisch sehen.

Auf Stufe Armeeführung entsteht ein Dilemma. Soll die Armee die Übung unterstützen und damit ein klares Zeichen der Bereitschaft setzen, wie es Bauer in seinem Buch [If You Want Peace, Prepare for War: A Blueprint for Deterrence] fordert? Oder soll sie Zurückhaltung üben, um innenpolitische Spannungen zu vermeiden und das Neutralitätsverständnis nicht unnötig zu belasten?

Fragestellung

Wie begründest du deine Entscheidung gegenüber Politik, Truppe und Öffentlichkeit?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #23

Geschätzte Leserinnen und Leser,

Die Resonanz auf unser EDG #23 war sehr gut. Die Einsendungen zeigen, dass die Frage nach der Kooperationsbereitschaft in einem angespannten sicherheitspolitischen Umfeld den Kern unseres aktuellen Selbstverständnisses trifft. Das Dilemma zwischen dem Ruf nach Abschreckung (wie ihn etwa Admiral Bauer als wertvoller Impulsgeber skizziert) und der Rücksichtnahme auf innenpolitische Sensibilitäten wurde tiefgreifend analysiert und mehrere Lösungsvorschläge waren von hervorragender Qualität.

Dabei wurde eines deutlich: Führung in diesem Kontext bedeutet nicht, eine statische «Schablone» anzuwenden oder sich hinter starren Dogmen zu verstecken. Es ist vielmehr eine bleibende, hochdynamische Führungsaufgabe, die militärische Notwendigkeit, unsere staatspolitische Neutralität und die gesellschaftliche Akzeptanz in einer sich ständig verschärfenden Lage immer wieder neu auszutarieren. Wer heute führt, muss die Fähigkeit besitzen, harte operative Realitäten – etwa die grenzüberschreitende Reichweite moderner Waffensysteme – mit den sensiblen Erwartungen einer demokratischen Öffentlichkeit in Einklang zu bringen. Dies erfordert nicht nur taktische Kompetenz, sondern eine strategische Weitsicht, die begreift, dass militärische Glaubwürdigkeit nach aussen untrennbar mit der politischen Legitimation nach innen verbunden ist. Nur durch diese ständige, aktive Gestaltung des Handlungsspielraums lässt sich die Verteidigungsfähigkeit sichern, ohne den gesellschaftlichen Konsens und das Vertrauen in die Armee zu gefährden.

Der Gewinner: Hptm Raphael Iselin – Exzellenz durch Synthese

Nach sorgfältiger Evaluation hat der Beitrag von Hptm Raphael Iselin am meisten überzeugt. Die Qualität dieses Entwurfs liegt in der Synthese aus operativer Tiefe und institutioneller Reife. Iselin argumentiert, dass militärische Fachlichkeit und staatspolitisches Verantwortungsbewusstsein keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bedingen, um in einer komplexen Bedrohungslage überhaupt erst handlungsfähig zu bleiben.

  • Sachlogische Herleitung der Kooperation: Iselin bricht mit oberflächlichen Schlagworten und begründet die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit konsequent aus der physikalischen Realität moderner Konflikte. In einer Zeit, in der Fernwirkungswaffen, Cyber-Operationen und hybride Bedrohungen keine Landesgrenzen im klassischen Sinne mehr kennen, ist die rein geografische Trennung operativ oft hinfällig. Iselin verdeutlicht, dass beispielsweise die moderne Luftverteidigung oder der Schutz kritischer Infrastruktur nur dann wirksam sind, wenn sie tief in den europäischen Raum hinein vernetzt gedacht und geübt werden. Eine totale militärische Isolation würde unter diesen Bedingungen nicht Souveränität bedeuten, sondern einen massiven Verlust an operativer Wirksamkeit, Aufklärungstiefe und Frühwarnzeit. Diese ehrliche Analyse der grenzüberschreitenden Sphären liefert die notwendige fachliche Basis, auf der die Politik tragfähige Entscheidungen aufbauen kann und soll.
  • Der Kommunikationsstandard der operativen Ehrlichkeit: Ein weiterer zentraler Aspekt ist Iselins Verständnis für das Zusammenspiel zwischen Armee und Politik. Der Beitrag macht deutlich, dass die Armee nicht autonom agiert, sondern ihre Expertise so aufbereiten muss, dass die politische Exekutive – in der Person des zuständigen Bundesrats – handlungs- und kommunikationsfähig wird. Iselin definiert hier einen neuen Standard der operativen Ehrlichkeit: Anstatt die Öffentlichkeit lediglich zu beruhigen oder militärische Handlungen als rein technokratische Akte darzustellen, setzt der Entwurf auf Transparenz und aktive Aufklärung. Indem militärische Experten der Politik die notwendigen Fakten und Szenarien liefern, kann diese der Bevölkerung den Sinn von Übungen und Kooperationen glaubwürdig vermitteln. Dieser Ansatz stärkt die demokratische Resilienz, da er das Vertrauen der Bürger auf einem fundierten Verständnis der Sicherheitslage aufbaut und die Armee als verlässlichen Partner der Gesellschaft positioniert.

Besondere Erwähnung: Strategische Stringenz und pragmatische Innovation

Zwei weitere Beiträge verdienen aufgrund ihrer spezifischen Perspektiven eine ausdrückliche Würdigung:

  1. Maj i Gst Florian Schweizer: Sein Stringenz-Argument ist ein wesentlicher Beitrag zur staatspolitischen Einbettung. Er weist darauf hin, dass es strategisch widersprüchlich wäre, wirtschaftliche Sanktionen mitzutragen, aber im Bereich der militärischen Ausbildung – dem Kern unserer Vorsorge – aus Neutralitätsangst in die Isolation zu flüchten. Die Armee wird hier als kohärenter Teil der schweizerischen Gesamtstrategie verstanden.
  2. Lt Maxime Rinderknecht: Er liefert mit dem Fokus auf die Miliztauglichkeit einen pragmatischen Ansatz. Der Vorschlag, die Teilnahme auf Basis der Freiwilligkeit zu organisieren (unter Bezugnahme auf Beispiele wie TRIAS-25), ist ein kluger Weg, um die Professionalität unserer Milizverbände zu steigern und gleichzeitig die innenpolitische Akzeptanz durch Motivation statt Zwang zu sichern.

Fazit und Reflexion

Dieses EDG war kein rein akademisches Gedankenspiel, sondern eine kleine, realitätsorientierte Übung in strategischer Kommunikation. Es fordert uns auf, die Rolle der Schweizer Armee im öffentlichen Diskurs zu reflektieren und vor allem die Verantwortung für die Deutungshoheit über sicherheitspolitische Notwendigkeiten zu thematisieren. Die Schweizer Armee darf sich nicht auf die Rolle der «Handwerker der Verteidigung» zurückziehen, die lediglich Befehle technisch umsetzen. Vielmehr fungiert sie als unverzichtbarer Lieferant von Expertise, der komplexe und oft unbequeme militärische Realitäten so übersetzt und aufbereitet, dass sie im politischen Raum faktisch korrekt kommuniziert und in der Gesellschaft breit in die Meinungsbildung einfliessen können.

Diese Aufgabe ist existenziell: Ohne ein tiefes Verständnis der Bevölkerung für die moderne Bedrohungslage – von hybriden Angriffen bis hin zu grenzüberschreitenden Waffensystemen – erodiert langfristig die Basis für jede Verteidigungsanstrengung. Es muss ein breit abgestütztes Verständnis dafür geben, dass Wehrhaftigkeit kein Widerspruch zur demokratischen Offenheit ist, sondern deren Schutzschild.

Es gibt keinen einfachen Königsweg, der alle Spannungsfelder zwischen Neutralitätstradition und operativer Kooperation mit einem Schlag auflöst. Doch gerade in dieser Ungewissheit liegt eine professionelle Pflicht: Wir schulden dem Staat und der Öffentlichkeit die ungeschönte, ehrliche Analyse der Lage und der Truppe die zeitgerechte, entschlossene Handlungsfähigkeit. Nur wer die Widersprüche unserer Zeit aushält und sie kommunikativ überwindet, kann in einer instabilen Welt Sicherheit garantieren.

Wir danken allen Teilnehmenden für die Einsendungen und gratulieren Hptm Raphael Iselin zu seinem hervorragenden Beitrag. Viel Freude bei der Lektüre von «If you want peace, prepare for war» von Admiral Rob Bauer.

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Leader's Digest Leader's Digest #23 Newsletter

Update Führung: Dezember 2025

Auftrag. Mensch. Organisation. Führung zwischen Chaos und Perfektion.

[Verlag NZZ Folio, 08.12.2025, Patrick Hofstetter, Thomas Vogel und Reto Wegmann]

Unter dem Dreiklang «Auftrag – Mensch – Organisation» verbinden die Autoren militärische Führungsprinzipien mit den Herausforderungen ziviler Organisationen und machen sie für den Alltag von Führungskräften nutzbar. Der kompakte Ratgeber präsentiert ihre persönlichen Erfahrungen anhand eines fiktiven Charakters, dem Oberleutnant Lukas Weber. Lukas ist Startup-Gründer, ETH Zürich-Abgänger, Milizoffizier, Freizeitmusiker. Er nutzt Tipps und Tricks aus seiner Führungsausbildung in der Schweizer Armee, um sich durch das Chaos seines Lebens zu kämpfen. Damit soll das Werk nicht nur hilfreich, sondern auch unterhaltsam zu lesen sein. Das Command-Leadership-Management-Modell und der OODA-Loop dienen dabei als robuste Orientierung: von der Problemerfassung über die Auftragsanalyse bis hin zu Lagemeetings, Kulturarbeit und persönlicher Stressregulation. Wer seine Führung zwischen Chaos und Perfektion bewusster gestalten will, findet in diesem Buch eine verständliche und zugleich anspruchsvolle Grundlage für den eigenen Führungsalltag – egal, ob Bereichsleiterin, Zugführer oder Projektverantwortliche.

Link: https://www.nzz-libro.ch/Auftrag.-Mensch.-Organisation.-978-3-03980-033-9

The Wartech Nexus – Are Military Structures Fit Enough?

[Defence Horizon Journal, 12.06.2025, Bernhard Schulyok, Lukas Grangl]

In this journal article, the authors argue that to stay effective, armed forces need the ability to integrate technological innovation quickly and effectively. Militaries‘ institutional tendency to favour a purely conservative approach puts them at risk as they are unprepared if a potential enemy uses technological innovation to his advantage. Therefore, the authors see «institutional fitness», the military’s ability to change, as crucial. Their suggested path towards institutional fitness includes decentralised decision-making, public-private partnerships and cultural transformation. A valuable read.

Link: https://tdhj.org/blog/post/wartech-military-innovation/

Defense Secretary Pete Hegseth’s War with the Rules of Engagement

[Just Security, 09.10.2025, Daniel Maurer]

U.S. defense secretary Pete Hegseth, leader of the renamed Department of War, has repeatedly called for Rules of Engagements to be lifted, so that the hands of U.S. soldiers could be «untied». He wants the U.S. Armed Forces to focus on lethality to be victorious, ignoring various other factors that contribute to military success, such as having a coherent (military) strategy that meaningfully bridges the existing means to the desired ends. The article notes how Hegseth’s denigration of the RoE risks encouraging lawlessness within the U.S. Armed Forces. As President Trump is deploying the National Guard domestically, such lawlessness can impact U.S. citizens not just peripherally, but directly. 

Link: https://www.justsecurity.org/122191/hegseths-war-rules-engagement/

When the Campaign Meets the City: Urban Battles and the Operational Level of War

[Modern War Institute, Alec Wahlman, 07.09.2020]

The author uses an example of a potential Russian advance on Warsaw to show how seemingly minor tactical successes can have operational-level effects. He then argues that the tactical level is not to be seen as divorced from the operational level of war, but rather that both should be connected meaningfully to serve the broader military strategic goals effectively.

Link: https://mwi.westpoint.edu/when-the-campaign-meets-the-city-urban-battles-and-the-operational-level-of-war/

Building Trust in Military AI Starts with Opening the Black Box

[War on the Rocks, 12.08.2025, Roy Lindelauf , Herwin Meerveld]

As the capabilities of AI are advancing, many pundits have already argued for a rapid integration of AI into the armed forces. Yet the authors of this article argue that if militaries’ AI adoption is hastened, they risk investing into AI-solutions that aren’t a solution at all. Moreover, over-reliance on AI carries its own risks, as does the skipping of answering ethical questions before deploying AI within the armed forces. The authors therefore argue that militaries should adopt AI, yet do so in a systematic and thought-out manner and not in haste. They propose that increasing AI literacy within the armed forces as well as within the defence sector can serve as a first step and will help militaries adopt AI systematically whilst also helping to mitigate the risks associated with AI-use in defence.

Link: https://warontherocks.com/2025/08/building-trust-in-military-ai-starts-with-opening-the-black-box/

Dispersed, Disguised, and Degradable The Implications of the Fighting in Ukraine for Future U.S.-Involved Conflicts

[RAND, 22.05.2025, Mark Hvizda et al.]

The authors of this RAND report look at the Russian War in Ukraine and which lessons can be drawn from it for future conflicts. Both the tactical and the operational level of war are investigated. The report addresses UAS and precision-mass strikes, how the gap between UAS and cruise missiles is shrinking, why offensive operations have become even more challenging, and why air superiority remains critical. The link leads you to a summary page, there you can download the full report.

Link: https://www.rand.org/pubs/research_reports/RRA3141-2.html

Drift or Abandonment? Exploring How US Domestic Politics and External Realities May Affect US Security Engagement in Europe 2025-2029

[Swedish Defence Research Agency, 09.09.2025, Alin Aronsson, Björn Ottosson]

As a reaction to the Trump administration’s chaotic behaviour and ever-changing approach to European security, the authors of this study analyse possible U.S. defence postures in Europe during Trump’s second term (2025–2029). They outline four scenarios: Policy Drift (gradual change), Bilateralisation (fragmented ties to Europe on a country-by-country basis), Asia First (abrupt Indo-Pacific pivot), and Abandonment (U.S. withdrawal from NATO). All scenarios involve reduced American military presence, creating risks for NATO cohesion and European security. The study urges European leaders to address these risks by strengthening interoperability and strategic cooperation to move towards strategic autonomy. A crucial first step towards autonomy would be compensating for existing European capability gaps of capabilities which for now only the U.S. armed forces can adequately provide, such as ISR (Intelligence, Surveillance and Reconnaissance), missile defence and long-range strike capabilities. The full report can be downloaded on the following page.

Link: https://www.foi.se/en/foi/reports/report-summary.html?reportNo=FOI-R–5777–SE

Breaking NATO’s Cult of the Urban Offense

[Modern War Institute, 16.08.2025, John Spencer et al.]

This article draws an interesting connection between the Allies’ struggle to liberate Nazi-occupied Europe and today’s focus of Western armies on the urban offense. John Spencer, Stuart Lyle and Jayson Geroux argue that this focus on the urban offense is not justified anymore in today’s context, and that training for urban defence should be prioritised. They conclude that “[o]ffense and defense are not opposites. They are interdependent. To focus on only one is to plan for failure.”

Link: https://mwi.westpoint.edu/breaking-natos-cult-of-the-urban-offense/


Über das «Update Führung»

Das Update Führung ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

Falls Sie Lesenswertes zu Command, Leadership oder Management entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie dies mit uns teilen. Gerne nehmen wir Tipps für die kommende Ausgabe von Leader’s Digest via document.getElementById(«email-obfuscator-leadersdigest»).innerHTML=»R-Znvy».replace(/[a-zA-Z]/g,function(c){return String.fromCharCode((c=(c=c.charCodeAt(0)+13)?c:c-26);});[Aktivieren Sie JavaScript, um die E-Mail-Adresse anzuzeigen] entgegen.