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Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #29

Zum Decision Game aus dem Leader’s Digest #29 haben wir detaillierte Handlungsempfehlungen erhalten. Dr. Florian Demont hat die Einsendungen gesichtet und einen Beitrag mit dem Buch des Monats ausgezeichnet.

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Dr. Florian Demont, Militärethiker an der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #29

Das Szenario ist eine Adaption der Star Trek Next Generation-Folge „Das Standgericht“ (1991, Staffel 4, Folge 21) und thematisiert die überbordenden Massnahmen der Terrorprävention in spiralig eskalierenden Massnahmen, die nie die Legalität verlassen, aber ethisch bedenklich werden weil die Intention Terror zu verhindern mit der Konkretion der Einschüchterung, Denunziation und ggf. Fehlurteilen zugunsten der Generalprävention kollidiert.

Sie sind Kompaniekommandant und in Ihrer Einheit hat es einen Autounfall mit erheblichem Sachschaden gegeben; verletzt wurde niemand. Zufällig oder nicht wurde ein Kamerad am Vorabend in der Nähe des verunglückten Autos gesehen. Da diese Person noch dazu Verwandte in China, Frankreich, Russland, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika hat, spekulieren manche Kameraden über Sabotage oder terroristische Motive.

Als eine externe Untersuchungskommission aus hochrangigen und höchst professionellen Angehörigen des Ressorts den Unfall behandelt, sagt der Leiter/die Leiterin der Kommission Ihnen unter vier Augen, dass es ganz sicher nicht nur einen Saboteur geben könne, sondern dass mindestens drei zusammengearbeitet haben müssten. Zum Schutz der übrigen Kameraden und als abschreckende Prävention sollten diese, auch wenn es keine ausreichenden Beweise gäbe, durch geeigneten Druck verunsichert und zu einem Geständnis oder zumindest dem Austritt aus den Streitkräften motiviert werden: Vor allem in der jetzt geopolitisch so angespannten Lage müsse man den Anfängen wehren und klare Zeichen nationaler Souveränität und einer Null-Toleranz-Politik gegenüber Sabotage setzen.

Sie werden diskret gebeten – ohne auf persönliche Freundschaften Rücksicht zu nehmen – jene drei Personen zu benennen, die Sie am meisten dazu fähig halten und, soweit sie darüber dienstlich oder privat Bescheid wissen, Informationen mit der Kommissionsleitung zu teilen, die für die Kompromittierung geeignet seien. Ihnen wird Anonymität zugesagt sowie eine korrekte strafrechtliche und militärpsychologische Begleitung des Prozesses, sobald die unmittelbaren Schutzmassnahmen gegriffen hätten.

Zugleich wird in den Raum gestellt, dass, sollten Sie niemanden benennen können oder wollen, durchaus der Verdacht entstehen könne, dass Sie selbst als Kommandant jemanden schützen oder sogar decken wollten. Es gehe schliesslich nicht nur um diesen konkreten Unfall bzw. Sabotageakt, sondern um die nationale Sicherheit.

Fragestellung

  • Wie gehen Sie vor?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #29

Das Szenario des jüngsten Ethical Decision Games (EDG) konfrontierte die Teilnehmenden mit einem fundamentalen Führungskonflikt: Ein Kommandant wird durch die Leitung einer externen Untersuchungskommission informell unter Druck gesetzt, ohne belastbare Beweise Angehörige der eigenen Einheit für einen mutmasslichen Sabotageakt zu benennen. Als Begründung wird die nationale Sicherheit in einer angespannten geopolitischen Lage angeführt. Die Aufgabe bestand darin, auf diese unrechtmässige Aufforderung zu reagieren, ohne die institutionelle Ordnung oder die Führungsverantwortung gegenüber der eigenen Einheit zu verletzen. Die eingereichten Lösungsansätze zeigten unterschiedliche, führungspraktisch wertvolle Herangehensweisen auf.

Der Zweitplatzierte, Markus Heini, wählte eine direkte, prinzipienfeste Konfrontation. Er fordert von der Kommission eine schriftliche Bestätigung der unrechtmässigen Aufforderung und adressiert den Druck so konsequent an den Absender zurück. Seine ethische Argumentation ist von grosser Klarheit: Wer rechtsstaatliche Prinzipien im Namen der Sicherheit ausser Kraft setzt, beschädigt exakt die Institution, die er zu schützen vorgibt.

Der erste Platz geht an Oblt Arthur Martin Lopez. Seine Einsendung zeichnet sich durch eine umfassende, systematische Analyse der Situation und eine präzise abgeleitete Handlungsstrategie aus. Oblt Lopez identifiziert zunächst die informelle Natur des Gesprächs als gezielte Manipulationsstrategie. Anstatt in einen verbalen Konflikt zu treten, wählt er den Weg der sofortigen Eigen-Dokumentation mittels Aktennotiz und leitet den Vorgang auf dem offiziellen Dienstweg weiter.

Den Ausschlag für die Erstplatzierung gab die Bewältigung der Führung nach innen. Während andere Einsendungen die Einheit als solche weitgehend ausblendeten, erkannte Oblt Lopez die Gefahr der schwelenden Gerüchteküche für die Kohäsion der Kompanie – insbesondere im Hinblick auf die multinationalen Wurzeln des Verdächtigen. Er sieht eine aktive, strukturierte Kommunikation gegenüber der Truppe vor, um toxische Spekulationen zu unterbinden und den Grundsatz der Unschuldsvermutung durchzusetzen.

Die Auswertung dieses EDG unterstreicht, dass sich militärische Führungsintegrität besonders dann beweisen muss, wenn institutioneller Druck und die Aussicht auf einen vermeintlich einfachen Ausweg aufeinandertreffen. Ein Bekenntnis zu rechtsstaatlichen Prinzipien reicht in der Praxis nicht aus; es bedarf der handwerklichen Kompetenz, diese Haltung in konkrete, rechtlich und führungstechnisch korrekte Massnahmen umzusetzen. Der Schutz der Unterstellten vor Willkür bleibt dabei ein zentrales Element der militärischen Führungsverantwortung.

Wir gratulieren Oblt Arthur Martin Lopez herzlich und wünschen viel Freude bei der Lektüre von «Philosophische Anthropologie und Religion», herausgegeben durch Moritz von Kalckreuth.

Über unsere «Decision Games»

Das «Decision Game» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

Neu: Alle bisherigen Artikel aus der Rubrik «Decision Game» finden Sie archiviert und sortiert mit den folgenden beiden Links:

Archiv Tactical Decision Games

Archiv Ethical Decision Games

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