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Leader's Digest Leader's Digest #29 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #28

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigen Maj i Gst Anton Regli und Oberst i Gst Patrick Hofstetter, Dozent Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #28

«Kadi, Kadi. Sie sind Da! Die ORIONISTEN greifen an.» Du wirst jäh aus deinem Schlaf gerissen und brauchst zuerst einen Moment, dann trifft dich die neue Realität wie eine Ohrfeige: 

Wir schreiben das Jahr 2028, es herrscht Krieg in EUROPA. Die USA haben sich von der transatlantischen Partnerschaft abgewendet. Nach massivem Druck und hybriden Aktionen an der Ostfront ist die NATO in regionale Verteidigungsbündnisse zerfallen. UNGARN und ÖSTERREICH beugen sich zunehmend dem politischen Druck des östlichen Aggressors ORION. Dieser hat angekündigt im Rahmen des Manövers WESTWIND 28 die Vorwärtsverteidigung des Vaterlandes zu trainieren. Dazu ist die 42. Gardepanzerarmee im Raum VORARLBERG aufmarschiert.

Als Reaktion auf die Lageverschlechterung hat der Bundesrat vor drei Monaten die Armee mobilisiert und einen Oberbefehlshaber (OBA) eingesetzt. Die Bevölkerung ist gespalten und verängstigt. Insbesondere in den grossen Städten gibt es Stimmen, die eine Anpassung fordern: «lieber unter ORION leben, als unnötig sterben». Die Moral in der Armee ist dagegen intakt, auch wenn das alte Material und die tiefe Bevorratung der Truppe und ihrer Führung Sorgen machen. 

Die kohärente Führung der Armee gestaltete sich von Beginn weg schwierig, da das Command-und-Control-System noch nicht flächendeckend eingeführt ist und unsere Netze kompromittiert scheinen. Vereinzelt wurden bereits Angriffsdrohnen auf militärische und zivile Ziele in der OSTSCHWEIZ eingesetzt – deren Attribution stritt ORION jedoch stets ab. Die bodengestützte Luftabwehr offenbarte dabei gravierende Lücken. Des Weiteren belastet regelmässiges Probing die Flotte der alten FA-18 zunehmend, der Luftraum ist nur noch begrenzt in unserer Hand. 

Aus all diesen Gründen hat sich die Armeeführung für einen sehr dezentralen Aufmarsch entschieden. Ein Grossteil der infanteristischen Formationen wurde sofort zum Schutz der Grenze und der kritischen Infrastrukturen eingesetzt. Sie erfüllen ihren Auftrag pflichtgetreu. Der OBA liess zudem mit Freiwilligenregimentern ein Netz aus leichten Kräften über die SCHWEIZ spannen, um Spionage, Sabotage sowie Subversion vorzubeugen und so das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu stärken. Die schweren Kräfte betreiben in der ganzen SCHWEIZ verteilt die Einsatzbezogene Ausbildung (EBA). Um die Handlungsfreiheit zu wahren, wurde eine hohe logistische Autonomie angeordnet, das heisst ein Grossteil des Materials und der Munition wurde bereits von den Bataillonen gefasst. Reserven wurden dezentralisiert sowie an die Divisionen und Brigaden verteilt.

Das Mechanisierte Bataillon 29 bereitet sich im Raum THUN auf einen möglichen Einsatz vor. Du führst die DELTA Kompanie, die sich nach den gestrigen Schiessübungen im Bereitschaftsraum BLUMENSTEIN befindet.

Wachtoffizier Dugalesi, der dich geweckt hatte, informiert dich über die Lage: 

  • Heute 0500 erfolgte ein gegnerischer Grossschlag mit Marschflugkörpern, Ballistischen Raketen und Angriffsdrohnen gegen symbolische Ziele sowie militärische Führungs- und Logistikinfrastruktur. ORION hat seine Kampagne zur Unterdrückung unserer Luftabwehr und Zerschlagung unserer Luftmacht offensichtlich gestartet. Das Luftlagebild ist unklar. Die Grenzschutzverbände stehen unter massivem Artilleriefeuer, ein Stoss am Boden steht unmittelbar bevor.
  • Kampfhelikopter und taktische MALE Drohnen (Medium Altitude Long Endurance) sind offensichtlich während der Morgendämmerung in den Luftraum eingedrungen und Kreisen über BERN. Auf den sozialen Medien kursieren zudem Bilder von Transporthubschraubern, die auf dem Flugplatz BELP gelandet sind, sowie Videos von weiteren Wellen an Maschinen, die sich quer durchs Land nach Westen bewegen.
  • Das in der Bundesstadt stationierte Freiwilligenregiment BUBENBERG meldet Kampfhandlungen mit zivil gekleideten Personen und berichtet von aufgegriffenen Agenten an Checkpoints sowie Explosionen in der BERNER ALTSTADT. Daher hat die Polizei die Stadtbevölkerung dazu aufgerufen, die Schutzräume aufzusuchen und nicht aus dem Haus zu gehen. 
  • Vom Bundesrat fehlt bisher jede Spur. Es gibt jedoch Gerüchte, dass sich die Regierung über den Flugplatz BELP absetzen wollte, bevor dieser vom Gegner besetzt wurde. Ein verwackeltes Handyvideo zeigt einen Tross von schwarzen Geländefahrzeugen vor dem dortigen Terminal.
  • Der Kontakt zur vorgesetzten Stufe ist abgebrochen – es muss davon ausgegangen werden, dass das HQ der Brigade getroffen wurde.
  • Der S2 (Nachrichtenoffizier) interpretiert die nebulöse Nachrichtenlage im Raum BERN so, dass der Gegner versucht mit einem überwältigenden Luftangriff und einem strategischen Enthauptungsschlag den Willen von Volk und Armee früh zu brechen, um sich nicht mühsam am Boden durchkämpfen zu müssen.
  • Eine erste Luftlandung in BELP ist bereits erfolgt, dieser Verband soll wohl den Flughafen sichern, damit weitere Kräfte nachgeführt werden können. Der Gegner wird wohl anschliessend versuchen, symbolträchtige Regierungsgebäude unter seine Kontrolle zu bringen sowie die politische und militärische Führung gefangen zu setzen oder zu töten. 
  • Der Bataillonskommandant 29 hat sich entschieden, nicht weiter zuzuwarten. Er hat seine Aufklärungselemente sofort ausgelöst, um das Lagebild zu verdichten. Er will
    • mit einer Vorhutkompanie entlang der Achse A6/H6 stossen, um diese zu öffnen und offenzuhalten;
    • mit zwei Kompanien das BUNDESHAUS-VIERTEL nehmen, um dieses zu halten und günstige Voraussetzungen für die STRATCOM (Strategic Communication) zu schaffen;
    • mit einer Kompanie den luftgelandeten Gegner bei BELP vernichten, um dem Gegner das Nachführen weiterer Kräfte zu verwehren;
    • die Logistik, inklusive den Sanitätsdienst, über die in der EBA etablierten Prozesse mit kleinen mobilen Nachschubteams im Bringprinzip sicherstellen.
  • Die DELTA Kompanie hat den Auftrag: «Nimmt und hält Flugplatz BELP. Verhindert weitere Luftlandungen.» Und, so der Bataillonskommandant wörtlich, «erschiesst mir um Himmel-Herrgottswillen nicht unsere Landesregierung!»
  • Wachtoffizier Dugalesi informiert dich zudem, dass er als Sofortmassnahme den Alarm MECCANO ausgelöst hat. Das heisst, die Züge erstellen selbstständig Marschbereitschaft und haben den Marschbereitschaftsgrad IV («abfahrbereit innert Minuten») in 1 Stunde erreicht.
  • Die Zugführer werden sich in 30 Minuten bei dir zur Befehlsausgabe einfinden. Die Zeitverhältnisse schliessen eine detaillierte Aktionsplanung aus. Was jetzt gefragt ist, ist ein verständlicher, machbarer Plan und entschlossene Führung im Gefecht.

Gegner

Es gibt keine genauen Informationen über das Dispositiv des Gegners beim Flugplatz BELP. Der S2 geht von folgenden Mitteln aus:

  • leichte Infanterie in maximal Kompaniestärke
  • 3-4 leicht gepanzerte Fahrzeuge, wohl BMP, Modell unklar
  • komplette Palette infanteristischer Wirkmittel, insbesondere auch verschiedene Typen von Drohnen, Panzerabwehrwaffen und Mörsern.

Es muss zudem damit gerechnet werden, dass sich gegnerische Sonderoperationskräfte in Truppstärke bereits im Raum befinden, um die gelandeten Elemente zu unterstützen.

Eigene Mittel

Deine Kompanie ist wie folgt zusammengesetzt:

  • 2 Sensoren zur Aufklärung und Feuerleitung mit Aufklärungsfahrzeug 93/97, inkl. TASYS
  • 1 Panzerzug mit 4 Kampfpanzer 87 WE
  • 2 Panzergrenadierzüge mit je 4 Schützenpanzer 2000 NUV
  • 1 Panzersappeurzug mit 4 Pionierpanzer 21
  • 1 Mörserzug à 4 Mörser 16
  • 12 Kleindrohnen, diverse Modelle zur visuellen Informationsbeschaffung, aufgeteilt auf die Sensoren und die Kampfzüge
  • 1 Kommandozug, inkl. 1 Bergepanzer und einigen ungepanzerten Fahrzeugen für Logistik und Sanitätsdienst.

Die dreimonatige EBA hat den Ausbildungsstand deiner Kompanie wie geplant stark erhöht. Die Integration der Panzersappeure und Mörser hat nach gewissen Anlaufschwierigkeiten geklappt. Der Sensor-to-Shooter-Loop ist etabliert und funktioniert – solange die Technik tut. Die Moral und die Disziplin in der Truppe sind sehr gut. Du bist froh, dass du dich hierbei auf verlässliche, gestandene Unteroffiziere stützen kannst. Dein höherer Kader besteht zum Grossteil aus initiativen Milizoffizieren und höheren Unteroffizieren, die kreative Lösungen für taktische und technische Probleme finden.

Sorgen bereiten dir vor allem drei Aspekte:

  • dies wird der erste Kampfeinsatz deiner Kompanie. Du weisst nicht, wie Führung und Truppe mit der Realität von Töten und Sterben umgehen werden. Es bleibt das Vertrauen in Training, Resilienz und Kohäsion; 
  • der junge Leo-Zugführer (Leopard Kampfpanzer), Leutnant Capreol, ist «frisch ab Presse» und verfügt über entsprechend geringe taktische Kenntnisse. Grundsätzlich zwar engagiert, aber oft zurückhaltend bei wichtigen Entscheidungen, stützt er sich stark auf die Erfahrung und Initiative seiner Panzerkommandanten;
  • wenn die Panzergrenadiere absitzen, gibt es kein Halten mehr. Nach den Zertifizierungsübungen vor zwei Wochen attestierte der Inspizient, die sehr hohe Truppenmoral «wirkt zuweilen tollkühn». Gezielte Grundaggressivität kippt rasch in «Trigger-Happiness» um.

Umwelt

Das Gelände präsentiert sich gemäss den öffentlich zugänglichen Satellitenbildern. 

Für den heutigen Apriltag ist Hochnebel angekündigt, letzte Woche hat es stark geregnet.

Zeitverhältnisse

Kompanie DELTA hat Marschbereitschaftsgrad IV um 0600 erreicht.

Es sind keinerlei Zeitverhältnisse bezüglich Auftragsdauer oder einer möglichen Unterstützung bekannt. Durch dein Netzwerk weisst du, dass sich die Kameraden der Schwesterbataillone 13 und 14 im Raum KANDERTAL bzw SEELAND befinden.

Fragestellung

  • Skizziere deinen Entschluss auf der Karte und formuliere deine Absicht einfach und präzise.
  • Begründe folgende Aspekte in wenigen Sätzen, damit deine Zugführer deine Absicht nachvollziehen können:
    • Wo und wie erwartest du das gegnerische Dispositiv?
    • Wie gedenkst du die eigene Feuerüberlegenheit einzusetzen?
    • Welche Massnahmen triffst du gegen Kampfhelikopter und Drohnen?
    • Wie gehst Du mit dem Gerücht um, dass sich der Bundesrat im Kampfraum befinden soll?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #28

Zum Tactical Decision Game «Kulminationspunkt BELP» haben uns fünf detailliert ausgearbeitete Lösungen erreicht. Trotz unterschiedlicher Akzentsetzung weisen sie eine bemerkenswerte unité de doctrine auf: Alle Teilnehmenden gehen davon aus, dass der luftgelandete Gegner den Flugplatz BELP als Stützpunkt hält, die Zugänge sichert und seine wenigen gepanzerten Fahrzeuge als bewegliche Reserve einsetzt.

Entsprechend folgen die Lösungen grundsätzlich derselben Logik des Kampfes der verbundenen Waffen: Sensoren klären auf und unterstützen die Feuerführung, Kampfpanzer schaffen Feuerüberlegenheit, Panzergrenadiere führen den Angriff, Panzersappeure gewährleisten die Beweglichkeit und machen die Piste unbrauchbar. Gegen gegnerische Drohnen und Kampfhelikopter setzen die Teilnehmenden vor allem auf passive Schutzmassnahmen wie Tarnung, Auflockerung, kurze Stellungsdauer und Tempo.

Auch die mutmassliche Anwesenheit des Bundesrates wird übereinstimmend nicht als Hinderungsgrund für die Auftragserfüllung beurteilt. Vorgeschlagen werden jedoch erhöhte Anforderungen an Zielidentifikation, Feuerführung und das Vorgehen im Bereich des Terminals. Hier könnte durchgängig stärker berücksichtigt werden, dass es sich hierbei schlicht um eine gezielte Fehlinformation des Gegners handelt. Doch wir fokussieren die Besprechung auf einen anderen Aspekt.

Der entscheidende Punkt: Der Anmarsch

Die gemeinsame Schwäche der Lösungen liegt darin, dass sie vor allem das Gefecht auf dem Flugplatz planen, den Anmarsch unter gegnerischer Aufklärung und Verzögerung jedoch weniger konsequent berücksichtigen. ORION muss die Schweizer Reaktionsverbände nicht vernichten. Es genügt, ihr Eintreffen bis zur nächsten Luftlandewelle zu verzögern.

Das gekammerte Gelände rund um BELP erlaubt dem Gegner, Engnisse mit geringem Kräfteansatz zu sperren, mechanisierte Verbände zu kanalisieren und sie durch Hinterhalte oder Drohnenangriffe abzunützen. Zwar naheliegend, aber eben besonders riskant ist deshalb ein geschlossener Anmarsch über die A6 und die HUNZIGENBRÜGG: Bereits ein zerstörtes Fahrzeug oder eine einfache Sperre könnte die gesamte Kompanie auf dem falschen Ufer der AARE blockieren.

Die gegnerischen Drohnen werden in den meisten Lösungen primär als Schutzproblem verstanden. Sie sind jedoch ebenso ein Mittel, um die Annäherung aufzuklären, eigene Kräfte in ungünstiges Gelände zu lenken und Zeit zu gewinnen. Auch die reflexartige Nutzung der dominierenden Höhen überzeugt nur bedingt. Von HOHBURG ist eine zuverlässige Wirkung auf den Flugplatz fraglich; bei ENGLISBERG und ZIMMERWALD müssten sich die Kampfpanzer an Geländekanten exponieren und wären damit besonders durch Drohnen und Panzerabwehrwaffen gefährdet.

Daraus ergibt sich ein alternativer Ansatz: getrennt marschieren und gemeinsam zuschlagen. Die Panzergrenadiere sollten über mehrere Achsen vorgehen, während der Panzerzug als beweglicher Verfügungsverband bereitgehalten wird. Die Sensoren wären zunächst zur Spähaufklärung der eigenen Annäherungsachsen und erst anschliessend zur Zielaufklärung auf dem Flugplatz einzusetzen. So müsste der Gegner seine knappen Kräfte auf mehrere Bedrohungen verteilen und könnte den Angriff weniger einfach kanalisieren.

Der Sieger: Lt Maxime Rinderknecht

Den ersten Platz sichert sich Lt Maxime Rinderknecht. Seine Lösung erkennt am ehesten, dass das Gefecht nicht erst auf dem Flugplatz beginnt. Er verteilt Sensoren und Kräfte auf mehrere Räume, berücksichtigt KEHRSATZ und mögliche Fluchtachsen und verbindet die taktische Lage mit der operativen Bedeutung einer zweiten Luftlandung sowie den strategischen Folgen einer möglichen Anwesenheit des Bundesrates.

Sein Ansatz ist allerdings komplex und verlangt eine anspruchsvolle Synchronisation. Gerade die räumliche Auflockerung macht ihn aber vergleichsweise robust: Der Gegner kann die Schweizer Kräfte weniger einfach auf einer einzelnen Achse verzögern, während der Panzerzug den Flugplatz abriegeln oder dort nachstossen kann, wo sich zuerst eine günstige Gelegenheit ergibt.

Honorable Mention: Oblt Arthur Martin Lopez

Eine ehrenvolle Erwähnung verdient Oblt Arthur Martin Lopez. Seine Lösung ist hinsichtlich Absicht, Entscheidpunkten, Sensor-to-Shooter-Loop, Feuerdisziplin und Übergang in die Verteidigung am konsequentesten aufgebaut. Zudem berücksichtigt sie den Faktor Mensch besonders sorgfältig.

Problematisch sind jedoch die angenommene Feuerwirkung des Panzerzuges aus Distanz und der zentralisierte Anmarsch. Dieser könnte bereits vor dem vorgesehenen Flankenmanöver durch einen einzelnen Hinterhalt zum Stillstand gebracht werden. Oblt Lopez präsentiert damit den methodisch ausgefeiltesten, unter den konkreten Gelände- und Zeitverhältnissen aber nicht den robustesten Plan.

Insgesamt zeigen die fünf Einsendungen ein gutes taktisches Niveau und ein gemeinsames Verständnis des Kampfes der verbundenen Waffen. Der zentrale Lernpunkt dieses TDG liegt jedoch darin, das relevante Teilproblem zu erkennen: Entscheidend ist nicht allein, wie der Gegner auf dem Flugplatz geschlagen wird, sondern ob und wie die eigenen Kräfte diesen überhaupt rechtzeitig und handlungsfähig erreichen.

Wir gratulieren Lt Maxime Rinderknecht herzlich und wünschen viel Freude bei der Lektüre von «Clausewitz verstehen: Wirken, Werk, Wirkung» von Christian Th. Müller.

Über unsere «Decision Games»

Das «Decision Game» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

Neu: Alle bisherigen Artikel aus der Rubrik «Decision Game» finden Sie archiviert und sortiert mit den folgenden beiden Links:

Archiv Tactical Decision Games

Archiv Ethical Decision Games

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Leader's Digest Leader's Digest #27 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #26

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Oberst i Gst Patrick Hofstetter, Dozent für Führung und Kommunikation an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #26

Gegner

Gegner im Interessenbereich

Die Kräfte haben bereits im Raum WIETZENDORF (35km weiter im Süden) ihren Verteidigungskampf begonnen und stehen nun mit den verbliebenen Kräften in der letzten Verteidigungsstellung. Die Frontbataillone, namentlich die mechanisierten Bataillone 431+ 432, sind bereits vollständig zerschlagen und haben ihre Aufträge nicht erfüllt.

Restkräfte des Mechanisierten Regiments 43 (ROT):

  • Verhindert gegnerischen Stoss über die Verteidigungslinie AMELINGHAUSEN-WRIEDEL für 6h, um dem mechanisiertem Regiment 44 den Gegenangriff über den ELBESEITENKANAL zu ermöglichen und diesen weiterhin zu halten.

Gegner im Verantwortungsbereich

Vermutete Absicht Mechanisiertes Bataillon 433 (ROT):

  • Verteidigt mit 2 Panzergrenadierzügen (Kampfkraft noch ca. 75%) AMELINGHAUSEN.
  • Verteidigt mit 1 Panzerzug die Südausläufer AMELINGHAUSEN (Kampfkraft noch 2 x T80).

Wenn es dem Feind nicht gelingt AMELINGHAUSEN zu halten, kann BLAU bis zum ELBESEITENKANAL durchstossen und das Mechanisierte Regiment 43 ist vollständig zerschlagen und der Auftrag der Feindkräfte ist nicht erfüllt. Es geht in dieser Verteidigungslinie um alles oder nichts für die Wislanische Armee.

Eigene Mittel

Sie sind Zugführer des CHARLIE Zuges [Anmerkung: in der Bundeswehr der 3. Zug der Kompanie, im Gegensatz zur Schweiz, wo CHARLIE für die 3. Kompanie des Bataillons steht] in der Panzergrenadierkompanie 4/132:

  • Ihnen zur Verfügung stehen 4 Schützenpanzer PUMA mit 24 Panzergrenadieren als Absitzstärke.
  • Der Schützenpanzer PUMA verfügt über MELLS (Panzerabwehrlenkwaffe mit bis zu 4 km Reichweite) und einer 30mm Bordkanone. Siehe Kurzerklärung PUMA: https://www.youtube.com/watch?v=YSCaAJTSeQ03.55%
  • Ihr Zug ist vollständig einsatzbereit, aufmunitioniert und hat trotz bereits 35km Kampf in die Tiefe als einziger Zug der Kompanie keine Verluste erlitten.
  • Die Moral ist hoch, das Bataillonsangriffsziel AMELINGHAUSEN sowie der Sieg steht kurz bevor, dies aus Sicht ihres Kommandeurs.
  • In der Kompanie stehen 2 Brückenpanzer LEGUAN zur Verfügung (jeweils einmal in Konfiguration 14m und 26m). Siehe Kurzerklärung LEGUAN: https://www.youtube.com/watch?v=XWYnKV-J6oU

Sie rollen mit 30 km/h und befinden sich aktuell 500m westlich des DRUMBERG und sind Spitzenzug in der Kompanie (Siehe Karte).

Auftrag

In der Befehlsausgabe während der laufenden Operation durch Ihren Kompaniekommandanten haben Sie folgenden Auftrag erhalten:

Nimmt und hält 2 Übergänge in REHLINGEN offen.

(die Brückenpanzer stehen auf Abruf zur Verfügung und werden, sobald Sie gesichert melden, an mögliche Einlegestellen durch den Kompaniekommandant befohlen).

Umwelt

Zur Lage in REHLINGEN ist nur bekannt, dass es zwei leistungsfähige Übergänge über die LOPAU gibt. Nördlich befindet sich eine Biogas-Anlage entlang der Hauptstraße (Kreisstraße 19).

Zeitverhältnisse

Die aktuelle Uhrzeit lautet: 21:07 UHR – in Niedersachsen ist zu dieser Jahreszeit bereits seit einer Stunde dunkel. Der Kompaniechef erwartet innerhalb der nächsten 45min ihre Erfolgsmeldung.

Soeben kommt eine Meldung des Aufklärungzugführers rein: Spähtruppführer 4 auf Kompanieführungsnetz: hier Auge 4, eigener Standort bei M-12+2. Über UAS aufgeklärt zwei Sprengungen in REHLINGEN bei 817 847 und aufsteigende Rauchsäulen. 2 BMP in Ausweichbewegung nach Norden. Kläre weiter auf. (Zeit 2107Z)

Fragestellung

  • Analysieren Sie mittels den Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln (Karten, Open Source Medien etc) kurz das Gelände. Für solche OSINT-Analysen eignet sich in der Schweiz Swisstopo und alternativ auch Google Earth Pro, welches im Vergleich zu Google Maps mehr Funktionen wie bspw Distanzmessung, Radiusmessung, historische Satellitenaufnahmen etc aufweist. Google Earth Pro kann kostenlos installiert werden, Swisstopo ist im Browser verfügbar.
  • Wie lautet Ihr Entschluss als Zugführer? (SKIZZE und ein Befehl «Orientierung – Absicht – Aufträge» sind gefordert)
  • Begründen Sie in 3 Sätzen Ihren Entschluss.

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #26

Das Decision Game zu REHLINGEN stellte den Zugführer des CHARLIE Zuges vor eine Aufgabe, die auf den ersten Blick einfach wirkte: zwei Übergänge in REHLINGEN nehmen und offenhalten. Tatsächlich lag die Schwierigkeit aber nicht im isolierten Nehmen einer Ortschaft oder einzelner Brückenstellen, sondern im Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Dunkelheit, Zeitdruck, zwei gemeldete Sprengungen, ausweichende feindliche BMP, der eigene Auftrag als Spitzenzug der Kompanie und die Verfügbarkeit von zwei Brückenpanzern LEGUAN, die erst nach gesicherter Meldung durch den Kompaniekommandanten an mögliche Einlegestellen befohlen werden konnten.

Wir liefern auch diesmal keine Musterlösung, sondern eine Besprechung anhand der drei besten Einsendungen. Die zentrale Frage war dabei nicht nur, ob ein Entschluss formuliert wurde, sondern ob die Lage richtig erfasst, der Entschluss taktisch machbar und der Einsatz der Brückenpanzer in einen stimmigen Zugbefehl überführt wurde.

Über fast alle Einsendungen hinweg zeigte sich ein ähnliches Problem: Die gemeldete Sprengung der Brücken wurde zu wenig konsequent verarbeitet. Mehrere Lösungen gingen implizit davon aus, dass man die gesprengten Brücken einfach wieder mit Brücken belegen könne. Das ist problematisch. Trümmerwurf ist kein Randdetail, sondern muss jedem Offizier als taktisches und technisches Problem bewusst sein. Wer zerstörte Brücken in aktuellen Kriegsbildern betrachtet, etwa aus der Ukraine, erkennt rasch, dass sich darauf oder unmittelbar daneben nicht einfach beliebig eine Behelfsbrücke einlegen lässt. Genau hier begann die eigentliche Geländebeurteilung: Nicht «wo waren vorher Brücken?», sondern «wo kann unter den gegebenen Umständen ein Brückenpanzer tatsächlich einlegen?».

Der zweite wiederkehrende Punkt betrifft den LEGUAN. Ein Brückenpanzer ist für einen Panzergrenadierzug ein artfremdes Mittel. Gerade deshalb muss der Zugführer dessen Einsatz aktiv in seinen Entschluss integrieren. Es genügt nicht, den LEGUAN zu erwähnen oder vorauszusetzen, dass er nachher irgendwie erscheint. Im Befehl muss klar werden, wer den Brückenpanzer aufnimmt, wer ihn einweist, wer ihn während des Einlegens schützt, wer als erstes übersetzt und welches Verhalten nach dem Erstellen der Brücke gilt. Mehrere Eingaben blieben genau an dieser Stelle zu allgemein.

Drittens fehlte bei vielen Lösungen die Phase nach dem Einlegen der Brücke. Der Auftrag endet nicht mit der Meldung «Brücke liegt». Danach muss der Brückenkopf gebildet und gesichert werden. Auf Stufe Zug heisst das beispielsweise: mit den PUMA in die Tiefe sichern, in die nächste Geländekammer wirken, Feuer und Beobachtung auf mögliche Gegenstösse ausrichten und das Nachziehen der Kompanie ermöglichen. Wer nur bis zum Einlegen denkt, denkt den Auftrag nicht fertig.

Viertens wurde der Gesamtrahmen der Kompanie zu wenig genutzt. Viele Zugführer kämpften in ihren Lösungen faktisch allein. Genau das war aber der Clou dieser Aufgabe. Der CHARLIE Zug ist Spitzenzug der Kompanie, nicht eine isolierte Kampfgruppe. Daraus ergeben sich Fragen: Wo gehen die Nachbarzüge hin? Wann kann ein Flankenschutz durch Folgezüge übernommen werden? Welche Aufklärungsleistung brauche ich weiterhin vom Aufklärungszug? Was muss ich beim Kompaniekommandanten beantragen? Auch ein Antrag – etwa auf Blenden, Feuerunterstützung oder eine präzisere Führung der Aufklärung – kann Teil eines guten Entschlusses sein, wenn er taktisch begründet wird.

Die Biogasanlage im Norden wurde in einzelnen Lösungen stark gewichtet. Sie ist zwar Infrastruktur und kann bei Zerstörung zu Feuer, Explosion oder Sichtbehinderung führen. Für den Auftrag des Zuges ist sie aber nicht automatisch das taktische Schlüsselgelände. Wer die Biogasanlage zum Zentrum des Entschlusses macht, läuft Gefahr, Kräfte an ein Objekt zu binden, das für das Offenhalten der Übergänge nur begrenzten Mehrwert hat.

Den ersten Rang belegt Hauptmann Pugin. Seine Eingabe war insgesamt die stärkste. Ausschlaggebend war vor allem die saubere Geländeanalyse. Er erkannte das Problem der gesprengten Brücken, beurteilte realistische Einlegemöglichkeiten und dachte den Schutz der Brückenpanzer mit. Seine Absicht war klar, taktisch machbar und in sich stringent. Auch die Befehlsgebung war präzise und auf Stufe Zug gut führbar. Verbesserungspotenzial bestand vor allem in der Phase nach dem Einlegen: Die Sicherung des Brückenkopfes in die Tiefe hätte noch klarer geregelt werden müssen. Zudem bleibt bei einem mechanisierten Zug immer kritisch zu prüfen, wie weit man die eigenen Kräfte auseinanderzieht und ab wann Folgekräfte der Kompanie bestimmte Sicherungsaufgaben übernehmen können. Insgesamt war dies jedoch die überzeugendste Gesamtlösung.

Auf dem zweiten Rang folgt Leutnant Rinderknecht. Positiv hervorzuheben ist, dass er AUGEZ angewandt und sich sichtbar bemüht hat, Gegner, Gelände und eigene Handlungsmöglichkeiten strukturiert zu erfassen. Seine Lösung enthält mehrere richtige Überlegungen und zeigt taktische Denkarbeit. Gleichzeitig bleibt der Entschluss in der Formulierung zu wenig zwingend. Einzelne Massnahmen, insbesondere der Beobachtungs- beziehungsweise Alarmposten im Norden, binden Kräfte, ohne den Auftrag wesentlich zu fördern. Auch die starke Fokussierung auf die Biogasanlage lenkt eher vom Kernproblem ab. Hier fehlte das Denken im Gesamtrahmen der Kompanie besonders deutlich: Wenn Folgezüge nachstossen, muss nicht der Spitzenzug dauerhaft einen grossräumigen Flankenschutz im Norden leisten. Trotz dieser Schwächen war die Eingabe insgesamt substanziell genug für den zweiten Rang.

Den dritten Rang erreicht Hauptmann Petkoski. Seine Lösung war kurz, einfach und verständlich. Die Skizze war brauchbar, die Befehlsgebung auf Stufe Zug zweckmässig, und die Verwendung von Patrouillen entsprach dem Rahmen eines Panzergrenadierzuges besser als eine zu starke Zerstückelung in einzelne abgesessene Gruppen. Positiv war zudem, dass der Angriff bei Nacht in die Begründung einfloss. Kritisch bleibt, ob zwei Gruppen an zwei verschiedenen Orten ausreichen, um zwei Übergänge zu nehmen, zu sichern und gleichzeitig die Brückenpanzer zweckmässig aufzunehmen. Auch bei ihm hätte klarer befohlen werden müssen, wer die LEGUAN einweist, schützt und nach dem Einlegen den Brückenkopf sichert. Gerade weil die Lösung knapp und präzise war, wäre hier mit wenigen zusätzlichen Sätzen viel gewonnen gewesen.

Die wichtigste Lehre aus diesem Decision Game ist damit weniger eine einzelne taktische Lösung als vielmehr ein Führungsgrundsatz: Der Zugführer darf seinen Auftrag nicht isoliert betrachten. Er muss Gelände, Gegner, eigene Mittel, Zeitdruck, Nachbarzüge, Unterstützungsleistungen und artfremde Mittel zu einem führbaren Entschluss verdichten. Das Nehmen von REHLINGEN war nur der erste Teil. Entscheidend war, unter den Bedingungen gesprengter Übergänge den Einsatz der LEGUAN zu ermöglichen, diese zu schützen und anschliessend einen tragfähigen Brückenkopf für die Kompanie zu schaffen.

Die ersten drei Plätze erhalten erneut Preise von tacsymbols.ch – vielen Dank dafür. Für den ersten Rang gibt es zusätzlich das Buch des Monats April, Leadership is Language: The Hidden Power of What You Say – and What You Don’t von L. David Marquet, mit Signatur des Autors.

Zum Schluss noch eine Korrektur in eigener Sache: Bei der Auswertung des letzten Monats ist uns ein Fehler unterlaufen. Hptm Bryan Morisod hatte gleich viele Punkte wie der Erstplatzierte erreicht. Er erhält deshalb nachträglich ebenfalls ein Exemplar des März-Buches.

Eine Ersatzbrücke kann nicht einfach so über eine zerstörte Brücke gelegt werden. Bild: 2022, Irpin, Ukraine.

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Leader's Digest Leader's Digest #25 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #24

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigen Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter und Maj i Gst Florian Schweizer gemeinsam die herausragenden Handlungsempfehlungen.

Decision Game aus Leader’s Digest #24

Gegner im Interessenbereich

Vermutete Absicht Mechanisiertes Regiment 43 (ROT):

  • Verteidigt, unter Gefechtssicherung mit Feldposten in Zugstärke auf der Linie WROGE (ND 61 61) – HÄTELER BERG (ND 67 62) – MÜDEN (ND 75 59 ausserhalb der Karte im OSTEN),
  • mit zwei Mechanisierten Bataillonen nebeneinander, Mechanisiertes Bataillon 431 rechts (unser Angriffsstreifen) und Mechanisiertes Bataillon 432 links, hier Schwerpunkt, in Stellung 1, nördlich der Linie WIETZENDORF-FASSBERG, und zwei Bataillonen in der Tiefe, Mechanisiertes Bataillon 433 rechts in Stellung 2 und Panzer Bataillon 434 links, nördlich der Linie WILDE BERGE (ND 62 69) – SUROIDE (ND 65 68) – OERREL (ausserhalb der Karte im Osten),
  • ab 020600Z nov xx für mindestens 84h
  • um so Angriff Panzergrenadier-Brigade 13 (BLAU) zum Stehen zu bringen – als Voraussetzung für das Offenhalten der Übergänge ELBESEITENKANAL (weit im Nordosten).

Gegner im Verantwortungsbereich

Vermutete Absicht Mechanisiertes Bataillon 431 (Kampfkraft noch 35% mit insgesamt 8 Spz BMP-2):

  • verteidigt mit zwei verminderten Mechanisierten Kompanien, Schwerpunkt rechts, Stellung 1 Mechanisiertes Regiment 43 im Raum beiderseits WIETZENDORF, unter Gefechtssicherung durch Feldposten bei WROGE und HÄTELER BERG, um so den Angriff Panzergrenadier Brigade 13 zum Stehen zu bringen.

Eigene Mittel

Panzergrenadier-Kompanie 132

  • 3 x Panzergrenadier-Zug mit Schützenpanzer PUMA und MELLS (MELLS = Panzerabwehrlenkwaffe mit bis zu 5km Reichweite)
  • 24 Angehörige Absitzstärke pro Panzergrenadier-Zug (der absitzende Zugführer führt den gesamten Zug)

Die Kompanie ist vollständig einsatzbereit, aufmunitioniert und hat gerade erst vor kurzem die Ablauflinie überschritten.

Auftrag

Kompanie des Panzergrenadier Bataillon 132 (im Osten)

  • Anmarsch unter Nutzung Anmarschweg B,
  • greift vorn rechts im Schwerpunkt an,
  • durchstößt Sicherungskräfte im Raum HÄTELER BERG,
  • nimmt Übergänge WIETZE,
  • nimmt Zwischenziel 1 Bataillon ostwärts WIETZENDORF,
  • folgt danach 2. Panzer-Bataillon 133 rechts im Schwerpunkt auf der Linie HAUSMANNSHÖHE (69/69) – ILSTER (Nördlich ausserhalb Karte) – EHLBEK (Nördlich ausserhalb Karte) – REHLINGEN (Nördlich ausserhalb Karte),
  • stellt sich darauf ein, im Raum HAUSMANNS HÖHE Gegenangriff Mechanisiertes Regiment 43 im Zusammenwirken Steilfeuer und Wurfminensperre aufzufangen,
  • nimmt Angriffsziel Bataillon,
  • stellt sich darauf ein, im Angriffsziel Bataillon (AMELINGHAUSEN weit im Norden) Stellung 3.1 – 3.4 zu beziehen.

Umwelt

Der Raum südlich Wietzendorf ist durch das WIETZENDORFER MOOR und GROSSES MOOR zweigeteilt. Ein Angriff über befestigte Strassen ist im Westen nur über die B3 (Bundesstrasse 3) und im Osten nur über die K12 (Kreisstrasse 12) oder K43 (Kreisstrasse 43) möglich. Die leistungsfähigen Brücken existieren deren zwei Ostwärts WIETZENDORF (einmal über die Brücke der K12 und über die Brücke der K43, beide MLC 100 (militärische Lastenklasse 100 Tonnen). Der November in NIEDERSACHSEN bringt viel Regen und Nebel mit sich, der Boden ist aufgeweicht und die Wälder rund um den HÄRTELER BERG sind schlecht mit schwerem Gerät befahrbar.

Zeitverhältnisse

Der Bataillonskommandeur erwartet von Ihnen, dass Sie in den nächsten 90min die Übergänge über die WIETZE geschlagen haben und der Angriff ins Bataillonszwischenziel erfolgt.

Fragestellung

Wie lautet Ihr Entschluss als Kompaniekommandant?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #24

Das Decision Game #24 hat die Rekordzahl von acht Einsendungen ausgelöst – und das, obwohl die Aufgabe aufgrund der Terminologie und des Kartenmaterials der Bundeswehr vielen Leserinnen und Lesern etwas fremder war als sonst. Die Beurteilung der Einsendungen in der gegebenen Zeit wäre nicht möglich gewesen ohne Unterstützung des Autors, Maj i Gst Florian Schweizer – ihm gilt hier ein zusätzlicher Dank.

Wir liefern hier wie gewohnt keine Musterlösung, sondern eine Besprechung anhand der drei besten Einsendungen. Die Frage «Wie lautet Ihr Entschluss» haben wir dazu in drei Bereiche heruntergebrochen: Wurde die Lage richtig erfasst? Ist der Entschluss taktisch machbar? Lässt sich die formulierte Absicht in einen stimmigen Befehl überführen?

Den ersten Rang belegt Cap Damien Bordier. Seine Eingabe war insgesamt klar die stärkste. Ausschlaggebend waren nicht bloss Kürze und Präzision, sondern vor allem die taktische Beurteilung. Er erfasst das Kräfteverhältnis korrekt, berücksichtigt die Minenverlegefähigkeit des Gegners und denkt den dynamischen Kampf des Vorpostens konsequent mit. Seine Absicht ist machbar, nachvollziehbar und in sich stringent:
Ich will:

  • In einer ersten Phase mit einem Zug die Höhen von HÄTELER BERG einnehmen und Feuerunterstützung auf die Brücken 01 und 02 vorbereiten;
  • In einer zweiten Phase mit zwei Zügen gleichzeitig die Brücken 01 und 02 einnehmen;
  • In einer dritten Phase mit zwei Zügen das Zwischenziel WIETZENDORF von OSTEN her über die Brücke 02 angreifen;
  • In einer letzten Phase BRAVO passieren lassen, reorganisieren und mich darauf vorbereiten auf Höhe HAUSMANNSHÖHE zu sperren (neue Befehlsausgabe).

Besonders überzeugend ist, dass er nicht nur auf das Nehmen der Brücken fokussiert, sondern auch die Fortführung des Kampfes im Auge behält.

Auch sein Kompaniebefehl ist knapp und klar. Die Phasengliederung ist nachvollziehbar, Aufträge und Absicht sind stimmig, die taktische Sprache ist präzise. Verbesserungspotenzial sehen wir primär in zwei Punkten: Erstens hätte die Artillerie stärker in das eigene Denken integriert werden können. Zweitens gilt es zu beachten, dass mit zwei Zügen gleichzeitig zwei Brücken zu nehmen eine Herausforderung wird. Das ändert aber nichts daran, dass dies die überzeugendste Gesamtlösung war.

Auf dem zweiten Rang folgt Lt Maxime Rinderknecht. Seine Eingabe war sehr kurz, teilweise fast schon knapp, hat aber in mehreren Punkten überzeugt. Die Kernaussagen in der Beurteilung sind weitgehend richtig erkannt, und auch die Bereitschaft, verschiedene Varianten zu entwickeln, verdient Anerkennung. Positiv hervorzuheben sind zudem die Kreativität des Ansatzes, die Geländetaufe mit erkennbarem Mehrwert für Unterstellte, sowie der eingebaute taktische Dialog am Schluss.

Gleichzeitig zeigen sich hier auch deutliche Grenzen. Der gewählte Infiltrationsansatz mag auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, trägt jedoch dem Zeitdruck des Bataillonskommandanten zu wenig Rechnung. Wer für das Nehmen der Übergänge maximal rund 90 Minuten hat, kann sich keine langwierige abgesessene Infiltration leisten. Hinzu kommt eine ungenügende Geländeanalyse. Der vorgeschlagene abgesessene Kampf über offene Freiflächen ist in diesem Raum wenig zweckmässig, weshalb auch die Aufteilung der Kompanie in auf- und abgesessene Elemente kaum zielführend ist. Insgesamt ist dies ein interessanter, umfassender Beitrag mit guten Ansätzen, aber ohne die taktische Stringenz des Erstplatzierten.

Den dritten Rang erreicht Hptm Raphael Iselin. Seine Arbeit war sehr ausführlich und er hat sich die Mühe gemacht, gleich drei Varianten zu entwickeln und sich aktiv mit dem Gelände auseinanderzusetzen. Auch der gewählte Schwerpunkt ist grundsätzlich richtig gesetzt, und einzelne Elemente – etwa der Antrag an die Artillerie – sind für sich betrachtet zweckmässig gedacht.

Entscheidend für die tiefere Platzierung ist jedoch ein grundlegender Fehler in der Feindbeurteilung. Er überschätzt die gegnerischen Kräfte im Einsatzraum deutlich. Das mechanisierte Bataillon verteidigt WIETZENDORF nicht mehr mit vier Zügen, sondern nach den angenommenen Verlusten nur noch mit rund zweieinhalb. Auch der Vorposten wäre entsprechend kleiner zu beurteilen. Dieser Ausgangsfehler zieht sich durch den gesamten Lösungsansatz und lässt sich später nicht mehr auffangen. Hinzu kommt, dass die taktische Sprache wiederholt unpräzis bleibt und sich die Absicht nicht sauber zeichnen lässt. Sein Beitrag zeigt Denkarbeit, bleibt aber in der taktischen Verdichtung hinter den beiden Erstplatzierten klar zurück.

Knapp hinter dem Podest landete auf Rang vier übrigens ein Offizier der Bundeswehr, der stringent, sprachlich präzis und insgesamt sehr sauber gearbeitet hat. Nach unserer Einschätzung hat ihn wohl einzig der fehlende vollständige Befehl davon abgehalten, dieses Decision Game zu gewinnen.

Der Erstplatzierte gewinnt wie gewöhnlich das Buch des Monats, «Keine Regeln: Warum Netflix so erfolgreich ist» von Reed Hastings und Erin Meyer. Für den ersten Platz gibt es zudem zusätzlich ein Kompanieset (Panzergrenadierkompanie) an taktischen Symbolen. Die zweitplatzierte Einsendung wird mit einem Zugset (Panzergrenadierzug) an taktischen Symbolen honoriert, die drittplatzierte mit einem Fahrzeugset zur Lagedarstellung (Panzergrenadierzug blau). Die drei Zusatzpreise wurden von TACSYMBOLS.CH gesponsert – vielen Dank dafür.

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Leader's Digest Leader's Digest #23 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #22

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter, von der Dozentur für Führung und Kommunikation an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #22

Gegner

GARONNIA verfügt über eine mechanisierte Division mit drei mechanisierten Brigaden, die jeweils aus zwei mechanisierten Bataillonen, einem Panzerbataillon und einem Infanteriebataillon bestehen.

Ihr Ziel ist es, GENF als Pfand zu nehmen, indem eine erste Brigade aus der Bereitstellung COLLONGE – PÉRON – THOIRY – SERGY über die Achse ST-GENIS-POUILLY in Richtung GENF stösst und ein Nebenstoss über die Achse CHANCY-BERNEX-LANCY-GENF erfolgt.

Eigene Mittel

Obwohl die Truppenkonzentrationen von GARONNIA an der Grenze seit mehreren Tagen das Schlimmste vermuten lassen, hat der Bundesrat den Grenzübertritt der eigenen Truppen noch immer nicht genehmigt. Es ist davon auszugehen, dass dies erst nach Beginn des gegnerischen Angriffs erfolgen wird.

Die Einsatzverband Infanterieregiment 8 verfügt über drei Infanteriebataillone, zwei mechanisierte Kompanien, eine Geniekompanie, eine Rettungskompanie, einen Drohnenzug, einen Drohnenabwehrzug und eine Stabskompanie.

Er hat den Auftrag, die Einnahme von GENF (FLUGHAFEN ausgenommen) durch GARONNIA zu verhindern.

Sie sind Kommandant der (verstärkten) Infanteriepanzerabwehrkompanie 19/3. Diese umfasst
• einen Infanteriezug mit RGW (Panzerabwehrwaffe, Reichweite 200 m);
• zwei Infanteriezüge mit NLAW (Panzerabwehrwaffe, Reichweite 600 m);
• einen 8,1-cm-Mörserzug (Reichweite 5 km);
• einen Späherzug (Reichweite des Scharfschützengewehrs: 1 km).

Ihr Bataillonskommandant hat soeben die Befehlsausgabe beendet. Seine Absicht ist einfach: Er will mit zwei Kompanien nebeneinander sperren und die Drehscheibe Ausfahrt Vernier / Ausfahrt Meyrin mit einer Kompanie halten (siehe Karte).

Auftrag

Sie haben den Auftrag erhalten, in BOURDIGNY nördlich von MEYRIN zu sperren.

Umwelt

Der Kanton Genf weist in seinem Zentrum eine hohe Bevölkerungsdichte auf, zu dem die Stadt Genf und die sie wie ein Kranz umgebenden Vororte (Carouge, Chêne-Bourg, Chêne-Bougeries, Lancy, Meyrin, Onex, Thônex, Vernier) gehören. Dieses Stadtzentrum umfasst ein bedeutendes Landwirtschafts- und Weinanbaugebiet, das Mandement im Nordwesten und die Champagne im Südwesten.

Analysieren Sie die Umgebung mit Hilfe des Tools www.geo.admin.ch oder einer Landkarte im Maßstab 1:25’000 oder 1:50’000.

Zeitverhältnisse

Sie müssen keinen endgültigen Entschluss, Absicht oder Befehle formulieren, um Ihre Antwort einzusenden. Beantworten Sie einfach die vier Fragen des taktischen Dialogs.

Analysieren Sie die Umwelt in 5 Minuten und versuchen Sie anschliessend, diese vier Fragen in 5 Minuten zu beantworten (dies wurde bei einer Generalstabsinspektion verlangt).

Fragestellung

Im Rahmen des taktischen Dialogs bittet Sie der Bataillonskommandant folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche grundlegenden Varianten ziehen Sie für die Positionierung Ihrer fünf Züge in Betracht?
  • Was ist Ihrer Meinung nach das Schlüsselgelände ROT entlang der Achse ST-GENIS-POUILLY – GENF?
  • Welche Unterstützung benötigen Sie von den Stufen Bataillon und Regiment im Rahmen der Kampfvorbereitungen, um Ihren Auftrag erfüllen zu können?
  • Welche kritischen Infrastrukturen in Ihrem Sektor müssen Sie bei der Durchführung der Aktion unbedingt berücksichtigen?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #22

Das Tactical Decision Game #22 forderte für einmal nicht einen Entschluss, sondern die Beantwortung von vier Fragen im Rahmen des taktischen Dialogs. Diese Form des Austauschs ist für gelebte Auftragstaktik zentral: Taktische Aufträge sind keine einseitige Übermittlung. Der Einbezug der Unterstellten durch den Kommandanten erlaubt die Synchronisation der verschiedenen Stufen. Die Motivation hierzu ist weniger ein partizipativer Führungsansatz als die Notwendigkeit, in komplexen Situationen das wirkungsvolle Miteinander sicherzustellen. In der Befehlstaktik (international: detailed command) wird dies durch minuziös abgestimmte Planung versucht, in der Auftragstaktik (international: mission command) durch ein gemeinsames Verständnis der Lage und des Auftrags. Die Kriegsgeschichte ist voll von Beispielen, dass dieser Ansatz in den Unwägbarkeiten des Gefechts deutlich erfolgsversprechender ist.

Fünf Vorschläge sind eingegangen, von denen zwei herausstechen und sich dabei sehr ähnlich sind. Die Besprechung beschränkt sich auf diese beiden Eingaben, um also die Ausmarchung zwischen Maj i Gst Schweizer und Hptm Iselin nachzuzeichnen, auch wenn die übrigen drei zahlreiche Elemente ebenso aufweisen.

Die erste Frage – welches sind die grundsätzlichen Varianten – läuft darauf hinaus, wie das Schwergewicht der Truppe zu platzieren ist. Es ist noch vor der Frage nach der Reserve (ja/nein; wo/was) und der Organisation (Gliederung) das Hauptkriterium, das Varianten unterscheidet. Der für eine Kompanie sehr grosse Einsatzraum lässt sich grundsätzlich zweiteilen: das schmale, überbaute Gebiet entlang der Hauptstrasse 101 mit der Infrastruktur des CERN und der Genfer Vorortsgemeinde MEYRIN und das viel grössere, vom Rebbau geprägte Gebiet westlich davon. Entlang der Hauptstrasse 101 erwartet die vorgesetzte Stufe den Hauptstoss – und sie hat gute Gründe dafür: ein Stoss über die Rebberge ist zwar möglich, aber nur die Hauptstrasse 101 bietet eine leistungsfähige Achse zur späteren Versorgung eines erfolgten Stosses. Maj i Gst Schweizer bezeichnet die beiden Varianten wie folgt: «2 Züge vorne (CHOULLY und CERN) – 1 Zug hinten (MEYRIN)» oder «ein Stützpunkt im Raum CERN». Hptm Iselin sieht dieselben Varianten und zusätzlich noch die Variante «1 Zug vorne, zwei Züge hinten». Bei beiden und in allen Varianten ist aber das Schwergewicht mit mindestens 2 Zügen klar entlang der Hauptstrasse 101 – fraglich ist nur, ob überhaupt ein Kampfelement auf die Anhöhe CHOULLY platziert werden soll. Punktegleichstand für die beiden.

Die zweite Frage – welches ist das rote Schlüsselgelände – wird unterschiedlich beantwortet. Maj i Gst Schweizer nennt nur das CERN, was mit Blick auf die Position entlang der Hauptstrasse nachvollziehbar ist. Hptm Iselin sieht nicht nur das CERN, sondern auch die Anhöhe CHOULLY, und argumentiert «Beide, die Hauptstrasse oder die Anhöhe, erlauben ihm [dem Gegner] die erfolgreiche Aktion. Es reicht aber eines davon, weshalb es hier kein Schlüsselgelände ROT gibt.» Das ist in sich konsistent und misst sich wohl daran, welches Gewicht der vorgesetzte Kommandant dem westlichen Raum beimisst (deshalb ja auch Dialog). Ich neige hier zur Lesart Maj i Gst Schweizer: wenn der Gegner den Raum CERN in Besitzt nimmt, ist das für den Erfolg der Aktion entscheidend; damit ist für mich das Kriterium «Schlüsselgelände» erfüllt.

Die dritte Frage – beantragte Unterstützung von den vorgesetzten Stufen – wird von beiden umfassend beantwortet. Beide beantragen Geländeverstärkungen entlang der Hauptstrasse 101 und Unterstützung bei der Evakuation der Zivilisten im Raum MEYRIN. Maj i Gst Schweizer nennt zudem noch «Glasklare ROE» betreffend Kampfeinsatz im Raum CERN, Hptm Iselin Drohnenschutznetze entlang der Haupt- und Nebenstrassen zum Schutz der logistischen Versorgung sowie, falls verfügbar, Panzerabwehrminen (wir wollen hoffen, dass die Schweiz solche noch rechtzeitig beschaffen oder produzieren wird). Auch wenn ich beiden zustimme, geht dieser Punkt an Hptm Iselin.

Die vierte Frage schliesslich ist jene nach der Kritischen Infrastruktur: auch hier nennen beide Eingaben sowohl das CERN als auch das Spital De La Tour in MEYRIN (weitere Eingaben haben noch das Schloss CHOLLY genannt; hierbei handelt es sich tatsächlich um ein geschütztes Kulturgut, dem ich allerdings nicht den Status einer kritischen Infrastruktur beimessen würde). Damit bleibt es beim Gleichstand.

Man darf mir ruhig mangelnde «Entscheidungsfreude» vorwerfen, wenn ich also keinen klaren Sieger im TDG#22 erkenne. Mit Blick auf den OODA-Loop und John Boyd halte ich allerdings fest, dass die Orientierung (Orient) noch wichtiger ist als die Entscheidung (Decide); Boyd hat damit auch die Überlegenheit der Auftragstaktik gegenüber der Befehlstaktik begründet. Insofern übe ich mich heute in «Orientierungsfreude»: ich danke allen treuen Leserinnen und Lesern, aber auch den aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmern und hoffe, dass der taktische Lerneffekt – das gemeinsame Verständnis – auch ohne expliziten Sieger erzielt wurde. Damit erhalten, passend zur Adventszeit, sowohl Maj i Gst Schweizer als auch Hptm Iselin das Buch «Qu’est-ce qu’un chef ?» von Général d’armée Pierre de Villiers als Bescherung. Ich wünsche gute Lektüre und fröhliche Weihnachten!

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Leader's Digest Leader's Digest #20 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #19

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter, Dozent für Führung und Kommunikation an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #19

Kontext

Ihre Einheit ist Teil einer grösseren Operation, die darauf abzielt, eine strategisch wichtige Stadt zurückzuerobern, die von einem gut befestigten gegnerischen Truppenkontingent besetzt ist. Der zu sichernde Stadtteil ist entscheidend für die Kontrolle der Kommunikationswege in der Stadt. Der Gegner, bestehend aus irregulären Kämpfern und Spezialeinheiten, nutzt Taktiken der städtischen Guerilla, einschliesslich Hinterhalte und Sprengfallen. Darüber hinaus ist der Stadtteil dicht besiedelt, und Zivilisten sind in vielen Gebäuden noch anwesend, wobei einige als menschliche Schutzschilde von den gegnerischen Kräften genutzt werden.

Missionsziel

Sichern Sie den städtischen Stadtteil, während Sie zivile Verluste und Schäden an kritischen Infrastrukturen minimieren.

Briefing

  • Standort: Urbaner Stadtteil mit einer Mischung aus Wohn-, Geschäfts- und Industriegebäuden.
  • Gegnerische Kräfte: Geschätzt etwa 200 Kämpfer, bewaffnet mit leichten Waffen, Raketenwerfern und Mörsern. Der Gegner hat auch Minen und IEDs (Improvised Explosive Devices) in mehreren wichtigen Strassen verlegt.
  • Eigene Kräfte: Ihre Einheit besteht aus 150 Infanteriesoldaten, unterstützt von zwei leichten Panzerfahrzeugen und einem Minenräumteam.
  • Zivilisten: Etwa 500 Zivilisten sind noch anwesend, wobei einige Gebäude Familien, provisorische Spitäler und Flüchtlinge beherbergen.
  • Ressourcen: Begrenzte Munition. Artillerieunterstützung verfügbar.
  • Logistische Einschränkungen: Hauptstrassen sind vermint oder durch Trümmer blockiert, was die Versorgung und den schnellen Truppentransport erschwert.

Zusätzliche Überlegungen

  • Einsatzregeln und Ethik: Beachtung der Einsatzregeln, die absichtliche Angriffe auf Zivilisten oder zivile Infrastrukturen verbieten, und ständige Bewertung der Entscheidungen im Hinblick auf ethische und humanitäre Überlegungen.
  • Langfristige Konsequenzen: Die Entscheidungen werden nicht nur die unmittelbare taktische Situation beeinflussen, sondern auch die Beziehungen zur lokalen Bevölkerung, die internationale Wahrnehmung und die globale strategische Dynamik.

Entscheidungsoptionen

Option A: Schneller Frontalangriff

Starten Sie einen sofortigen Frontalangriff mit allen verfügbaren Kräften, indem Sie die Panzerfahrzeuge nutzen, um die gegnerischen Verteidigungen zu durchbrechen. Die Minenräumer entsenden Teams, um die Hauptstrassen unter Feuerschutz zu räumen.
Vorteile: Der schnelle Angriff könnte den Gegner überraschen und es ermöglichen, den Stadtteil schnell zu sichern, wodurch die Exposition gegen gegnerisches Feuer begrenzt wird.
Nachteile: Hohes Verlustrisiko für Truppen und Zivilisten. Potenzielle massive Zerstörung von Infrastrukturen aufgrund intensiver Kämpfe. Nicht neutralisierte Sprengfallen könnten zusätzliche Verluste verursachen.
Mögliche Konsequenzen: Schnelle Eroberung des Stadtteils, aber mit erheblichen zivilen und militärischen Verlusten sowie erheblichen Schäden an Infrastrukturen. Möglichkeit, Hass unter den Zivilisten zu erzeugen, was zu erhöhtem Widerstand oder Verlust der Unterstützung der Bevölkerung führen könnte.

Option B: Gezielte Artillerieangriffe

Sie nutzen gezielte Artillerieangriffe, um bekannte gegnerische Stellungen zu neutralisieren und die Hauptansatzgebiete zu räumen, bevor Sie einen Bodenvorstoss lancieren.
Vorteile: Reduziert das Risiko für die Bodentruppen. Kann den Gegner desorganisieren und Schlüsselpositionen ohne direkte Beteiligung der Bodentruppen eliminieren.
Nachteile: Hohes Verlustrisiko für Zivilisten, wenn der Gegner menschliche Schutzschilde nutzt. Potenzielle Zerstörung kritischer Gebäude wie Spitäler oder Schulen. Risiko, die Mobilität der Truppen zu verringern, wenn Trümmer die Strassen blockieren.
Mögliche Konsequenzen: Anfängliche Neutralisierung der gegnerischen Verteidigungsstellungen, aber potenziell verstärkter Hass der Zivilisten gegen unsere Kräfte, was zu politischen Spannungen und humanitären Komplikationen führen könnte.

Option C: Diskreter Ansatz und Infiltration

Nutzen Sie einzelne Formationen, um den Stadtteil zu infiltrieren, gegnerische Stellungen zu identifizieren und gezielte Angriffe mit kleinen Elementen durchzuführen, um zivile Verluste und Schäden zu minimieren.
Vorteile: Minimierung der zivilen Verluste und der Schäden an Infrastrukturen. Möglichkeit, gegnerische Kämpfer gefangenzunehmen und wertvolle Informationen zu sammeln.
Nachteile: Langsames Vorgehen, das dem Gegner Zeit gibt, sich zu verstärken oder Zivilisten als Geiseln zu nehmen. Erhöhtes Risiko für kleine Trupps im Falle einer Entdeckung durch den Gegner.
Mögliche Konsequenzen: Allmähliche Eroberung des Stadtteils mit begrenzten Verlusten, aber Risiko einer Verlängerung der Operation und einer Eskalation der Situation, was den Stadtteil langfristig schwieriger zu kontrollieren macht.

Fragestellung

  • Analysieren Sie die drei Optionen und wählen Sie dann eine davon, indem Sie diese rechtfertigen.

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #19

Dieses Decision Game war in gewisser Weise ungewöhnlich: Die Aufgabenstellung blieb generisch, weder der Auftrag war präzise formuliert noch die taktische Lage im Detail bekannt. Doch gerade diese Ungewissheit entspricht oft der Realität militärischer Führung – Entscheidungen müssen unter Zeitdruck und mit lückenhaften Informationen gefällt werden. Deshalb konnten die drei vorgelegten Optionen dennoch gut beurteilt werden.

Option A – Frontalangriff wurde von allen Einsendungen verworfen. Ein solcher Ansatz erschien im urbanen Gelände gegen einen vorbereiteten, zahlenmässig überlegenen Gegner als selbstmörderisch, mit hohem Risiko für Truppe, Zivilbevölkerung und Infrastruktur.

Option B – Artillerieeinsatz wurde nur von einer Einsendung als primäres Vorgehen erwogen. Zwar könnte so die eigene Truppe geschützt werden, doch das Risiko massiver ziviler Verluste und die politisch wie ethisch fragliche Tragbarkeit wurden wiederholt als entscheidende Gegenargumente genannt.

Option C – Infiltration erwies sich schliesslich als die überzeugendste Wahl. Vier von fünf Einsendungen sprachen sich dafür aus – wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten: von einem methodischen «Bite and Hold», bis zu einem vorsichtigen, etappenweisen Vorgehen mit klarer Beachtung der Zivilbevölkerung.

Auffällig war, dass alle Beiträge eine gute bis sehr gute analytische Tiefe aufwiesen: Die Einsender berücksichtigten taktische, ethische und politisch-strategische Dimensionen – ein erfreuliches Zeichen für das Niveau der Auseinandersetzung.

Besonders herausgestochen ist jedoch die Lösung von Oberleutnant Damien Bordier. Seine Empfehlung lautete: das eine tun, ohne das andere zu lassen. Er hat sich der Aufgabenstellung nicht entzogen, sondern sich klar für Option C entschieden – allerdings mit Ergänzungen aus A und B. Mit dem Einbezug von A folgte er dem taktischen Grundsatz des «offenen und diskreten Vorgehens» (Taktische Führung 17, Ziff. 5069), der die Sicherheit einer Aktion erhöht. Mit dem gezielten Einsatz von B wiederum berücksichtigte er den Grundsatz «Feuer und Bewegung» (Ziff. 5057–5059), der im Angriff den Schlüssel zum Erfolg darstellt.

Wir gratulieren Oblt Damien Bordier herzlich und wünschen viel Freude bei der Lektüre von Urban Warfare in the 21st Century von Anthony King.

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Leader's Digest Leader's Digest #18 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #17

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter, Dozent für Führung und Kommunikation an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #17

Szenario

Gegner

Bei der Annäherung an Checkpoint 37 hatten Sie (1) Kontakt mit einem gegnerischen Beobachtungsposten, der sofort in nordwestlicher Richtung flüchtete.

Kurz nach dieser Begegnung wird klar, dass der Grossteil Ihres Bataillons östlich von Ihnen (2) in den Kampf verwickelt ist und in seinem Vormarsch auf NARROW PASS gestoppt wurde. Von Ihrer Position aus können Sie mehrere gegnerische Maschinengewehrstellungen im Nordosten beobachten. Die Übertragungen auf dem Bataillons-Führungsnetz sind jedoch unklar und erlauben Ihnen keine vollständige Information über den Gegner. Sie gehen jedoch davon aus, dass sich das Hauptgefecht in Richtung der Brücke über den Fluss abspielt.

In Ihrem Sektor haben Sie keine weiteren gegnerischen Kontakte.

Eigene Mittel

Sie sind der Zugführer des 1. Zuges, 1. Kompanie des 3. Marineinfanterie-Bataillons. (1) Zusätzlich zu Ihren 3 Infanteriegruppen haben Sie 2 Maschinengewehrgruppen und 3 Panzerabwehr-Lenkwaffengruppen von der Unterstützungskompanie des Bataillons erhalten.

Auftrag

Ihr Bataillon soll die gegnerischen Streitkräfte in SANCTUARY PLAIN, der Ebene vor SANCTUARY CITY vernichten und hat bereits eine Kompanie per Hubschrauber dorthin gebracht. Da diese Kompanie eingeschlossen wurde, hat das Bataillon beschlossen, einen Entlastungsstoss zu starten, indem es den Durchgang durch die Ebene erzwingt.

In diesem Rahmen hat Ihr Zug den Auftrag erhalten, dem Vorstoss des Bataillons über einen schmalen Fussweg zu folgen, um dessen Flanke zu schützen.

Da das Bataillon bereits im Einsatz ist, hat sich die Situation möglicherweise geändert und erfordert eine Anpassung Ihrer Pläne. Der Funkverkehr lässt Sie vermuten, dass das Bataillon versuchen wird, den Gegner von rechts zu umschliessen.

Umwelt

Es ist 2015 und die Nacht ist hereingebrochen. Der Himmel ist klar und es ist eine Vollmondnacht. Das Gelände südlich von SANCTUARY RIDGE ist uneben und wenig erschlossen, mit dichter Vegetation und einem ausgeprägten Relief. Der Graben, den Sie gerade durchquert haben, ist trocken und steinig, etwa 1,20 m tief und 20 m breit.

Zeitverhältnisse

Beachten Sie die Grafik unten. Sie haben 10 Minuten Zeit, um die Situation zu analysieren und einen 5-Punkte-Befehl zu entwickeln, der den Einsatz Ihrer Unterstützungswaffen und eine Skizze der Stellungen, die Sie einnehmen werden, beinhaltet. Bereiten Sie auch die Kommunikation vor, mit der Sie sich mit der vorgesetzten Stufe austauschen wollen.

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #17

Auf das Tactical Decision Game #17 aus dem Juni-Newsletter haben uns 5 gut ausgearbeitete Lösungen erreicht, was uns sehr freut. Es zeigt, dass letztlich auch eine nicht allzu komplexe Situation eine gute Gelegenheit darstellt, Handlungssicherheit (Command) und Verfahrenssicherheit (Management) zu trainieren.

Ein solches Verfahren ist das (2008 im Rahmen einer Übung der Infanterie-Offiziersschule spontan erfundene) Meldeschema OBAMA, das sich auffällig ausbreitet: 3 von 5 Lösungen haben die geforderte Meldung an die vorgesetzte Stufe nach dem Schema «Opposing Forces – Blue Forces – Auftragserfüllung (ja/nein/wie lange noch) – Massnahmen – Anträge» formuliert. Verfahren fördern Klarheit und Einfachheit, damit wir unsere kognitive Aufmerksamkeit dem relevanten Inhalt, nämlich unserem Handeln widmen können.

In Sachen Inhalt teilen sich die fünf Einsendungen die grundlegende Erkenntnis: der Hauptauftrag des Zuges, namentlich den westlichen Flankenschutz des Bataillons sicherzustellen, gilt nach wie vor. Command erschliesst sich jedoch nicht nur in der optimalen Auftragserfüllung, sondern in der Chancennutzung, die über den Auftrag hinaus gehen kann – insbesondere, wenn sich die Lage verändert hat. Dies ist der Fall, befindet sich doch der Rest unseres Bataillons im Kampf. Aus der eigenen Position können wir damit unsere vorgesetzte Stufe wirkungsvoll entlasten, indem wir die erkannten Maschinengewehr-Stellungen des Gegners und weitere Elemente seines Stosses über Narrow Pass flankierend angreifen.

Dabei bleibt der ursprüngliche Auftrag jedoch bestehen. Wie von mehreren Einsendungen explizit erwähnt wird, deutet gerade das sich zurückziehende gegnerische Aufklärungselement darauf hin, dass der Gegner nach wie vor über den Western Narrow Pass stossen könnte – und wir sind die einzigen Kräfte, die das verhindern können.

Daraus ergibt sich das eigentliche Dilemma: wie viele Kräfte belasse ich für meinen ursprünglichen Auftrag und wie viele Kräfte setze ich für die Chancennutzung ein? Nachgeordnet steht auch der Entscheid an, auf welcher Höhe diese Chancennutzung erfolgen soll: in der Tiefe, entlang des Sanctuary Ridge auf den Narrow Pass hin, näher am Graben, auf die gegnerischen Maschinengewehr-Stellungen ausgerichtet oder gar im Graben selbst in den Raum der Brücke hinein?

Von den fünf Lösungen nehmen drei eine eher konservative Lösung sein, das heisst, sie halten und sichern primär den westlichen Raum, klären im Vorgelände auf und halten sich mit 1 oder 2 Gruppen für einen flankierenden Angriff bereit. Zur Erinnerung bzw. Erklärung für taktisch weniger geschulte Leser: eine Handlung «bereitzuhalten» heisst, diese vorzubereiten, aber noch nicht auszulösen. Dies erfolgt typischerweise auf Befehl des Vorgesetzten, kann aber auch selbständig oder auf ein vereinbartes Ereignis hin erfolgen.

Zwei Lösungen sehen ein proaktives Vorgehen vor, davon eine mit rascher Schwergewichtsbildung und höherem Risiko (nur 1 Infanterie-Gruppe und 1 Maschinengewehr-Trupp für den originären Auftrag, den Rest von Beginn weg für den flankierenden Angriff), und eine mit zeitlicher Staffelung (zunächst mit dem Gros die Anhöhe westliche Sanctuary Ridge nehmen und abriegeln, danach mit dem Gros den flankierenden Gegenangriff lancieren). Da gemäss Beschrieb die beiden Maschinengewehrstellungen von unserer Position aus sichtbar sind und zudem ein rasches Flankieren den Überraschungseffekt massiv verstärken dürfte, würde ich mich persönlich für die rasche Schwergewichtsbildung mit höherem Risiko aussprechen.

Diese Lösung ist auch in der Abbildung dargestellt. Sie stammt von Wm Lucien Stoessel – wir gratulieren zum Sieg und wünschen viel Spass bei der Lektüre von «Organizational Culture and Leadership» von Edgar H. Schein.

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Leader's Digest Leader's Digest #16 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #15

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Oberstlt Patrick Hofstetter, Dozent für Führung und Kommunikation an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #15

Szenario

Die Lage in der Region verschlechtert sich nun schon seit einigen Wochen. Vor zwei Wochen haben die paramilitärischen Kräfte des Gegners mehrere Dörfer entlang der Schweizer Grenze unter ihre Kontrolle gebracht und zwei schwere Divisionen verstreut in Entfernung zu unserer Artillerie (>20km) positioniert. Der Druck ist spürbar. Die erste Staffel der für den Aktivdienst zur Verfügung gestellten Kräfte (Task Force JOMINI), die seit zwei Monaten mobilisiert sind, trat vor vier Tagen in Aktion und durchkämmte die Grenze, um die paramilitärischen Kräfte von allen logistischen Verbindungen zum Ausland abzuschneiden.

Gegner

Ein halber Zug (<20 Personen) hat sich im Hauptdorf des Raums verschanzt. Er ist mit Infanterie- und Panzerabwehrwaffen bewaffnet und hatte in den letzten drei Tagen Zeit, seine Stellungen deutlich zu verstärken. Es scheint, dass der Gegner die Keller und das Kanalnetz entlang der Hauptstrassen ausnutzen kann. Es ist nicht möglich dieses Netz mit Artillerie zu zerstören. Des Weiteren hat der Gegner sehr wahrscheinlich die lange Vorbereitungszeit genutzt und die Gebäude dort, wo er uns aufzuhalten erhofft, mit Sprengfallen versehen und die Struktur der Gebäude, die er halten will, zusätzlich verstärkt.

Eigene Mittel

Die Kompanie ALFA gehört zu den Bataillonen der zweiten Staffel der für den Aktivdienst zur Verfügung gestellten Kräfte (Task Force JOMINI), die vor einem Monat mobilisiert wurden. Die Stimmung während des Dienstantritts war freundlich, da die Soldaten ihre Kameraden zum ersten Mal seit einem Jahr wiedersahen. Die Gemüter waren jedoch von der Ernsthaftigkeit der Situation geprägt. Ein Krieg, wirklich? Es fällt jedem noch immer schwer, daran zu glauben. Und obwohl niemand je einen Krieg erlebt hat, sieht es ganz danach aus. Der Aktivdienst wurde schliesslich tatsächlich angeordnet. Aufgrund der grossen Entfernungen zwischen den einzelnen Einsatzräumen, des Mangels an verfügbaren Kräften und der Notwendigkeit, grosse Truppenansammlungen zu vermeiden (Bedrohung durch Drohnen aus der Luft), erfolgt der Einsatz der Bataillone der zweiten Staffel dezentral. Die Kräfte der ersten Staffel sichern die Grenze und sind dabei, die nächsten Aktionen zu planen. Die FOXTROT-Kompanie hat die Zu- und Ausgänge des Dorfes in unserem Raum abgeriegelt. Die ALFA-Kompanie gehört zu den Elementen der zweiten Staffel, die zur Säuberung der gegnerischen Widerstandsnester bestimmt wurden. Die Kompanie hat ihre Ausbildung abgeschlossen und hält sich für die Planung ihres ersten Einsatzes bereit.

Auftrag

Sie sind Kompaniekommandant ALFA und haben soeben den Auftrag erhalten das Dorf in Ihrem Einsatzgebiet einzunehmen und zu säubern. Die Aktion muss in 72 Stunden abgeschlossen sein. Die ALFA-Kompanie muss sich für einen weiteren Einsatz in T+6 Tagen bereithalten. Die Angriffsrichtung können Sie dem Bataillonskommandanten im Rahmen des taktischen Dialogs beantragen.

Umwelt

Das Dorf besteht aus festen Bauten, wie sie in der Schweiz bekannt sind. Alle Gebäude sind bekannt, der Grad der Befestigung ist jedoch nicht bekannt. Die Zivilbevölkerung hat das Dorf grösstenteils verlassen, vereinzelte Elemente können sich noch im Dorf befinden. Die Flüchtlinge sind bereit, Ihnen Informationen über das Dorf zu geben.

Zeitverhältnisse

Die Mission muss spätestens in 72 Stunden erfüllt sein. Die Sofortmassnahmen müssen innerhalb von 30 Minuten eingeleitet werden und dann die Aktion mit den Zugführern geplant werden, der Zeitplan liegt in der Verantwortung des Kompaniekommandanten.

Fragestellung

  • Was sind die Sofortmassnahmen?
  • Was ist die allgemeine Absicht bei der Durchführung des Angriffs?
  • Wie bereite ich meine Kompanie auf den Einsatz vor?
  • Wie setze ich indirektes Feuer und EOD-Spezialisten ein?
  • Wie manövriere ich ober- und unterirdisch?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #15

Das letzte TDG hat durchaus den Charakter einer Schulbuchübung – mir ist zumindest keine Siedlung namens A-Dorf mit der gegebenen Ortsstruktur bekannt. Schulbuchübungen dienen häufig dazu, Grundsatzfragen zu diskutieren. Aus meiner Sicht bieten sich hier fünf Fragen an, die ich mit Blick auf die eingereichten drei Lösungsvarianten zu beantworten suche.

Die Einsatzgrundsätze (TF 17, Ziff 5008) können helfen, die Angriffsform zu bestimmen, das heisst hier zwischen linearem und konzentrischem Angriff auszuwählen. Alle drei eingereichten Lösungen gehen linear vor. Ich würde dem zustimmen. Insbesondere der Grundsatz der «Einfachheit» spricht dafür, aber auch das «Ausrichten auf das Ziel»: wir wollen nicht ein bestimmtes Gebäude unter Besitz bringen, auf das wir uns konzentrisch ausrichten oder mit dem Zweck der «Überraschung» von verschiedenen Seiten kommen. Unser Auftrag ist es, das ganze Dorf zu säubern.

Im Falle des linearen Angriffs stellt sich die Frage nach der Angriffsrichtung. Das Reglement sieht vor, dass über eine schmale Seite angegriffen wird, was dem Verteidiger das «Auflockern und Zusammenwirken der Mittel» erschwert und dem Angreifer das «Abriegeln und Teilen» erleichtert (TF 17, Ziff 5046). Hier sind die Lösungen uneinheitlich: einer greift von Süden an und schwenkt danach nach rechts, was ich als unkonventionell bezeichnen würde. Das muss in der Taktik kein Nachteil sein, sind es doch Vorgehensweisen, auf die ein Gegner sich kaum vorbereitet hat. Gleichzeitig dürfte aber die Koordination und insbesondere das Vermeiden von Friendly Fire anspruchsvoll sein. Eine Lösung greift von Nordosten an. Die gedeckte Annäherung im Schutz des Waldes scheint zwar attraktiv, aber ist dabei auch der Fluss zu überqueren, was ich persönlich vermeiden würde. Der dritte schliesslich greift entlang der Strasse von Osten an, mit je einem Zug südlich und nördlich der Strasse. Gewiss die einfachste und auch die schnellste Variante, die ich deshalb auch bevorzuge. Allerdings hätte ein Angriff von Westen die Verteidigung wohl noch mehr erschwert.

Im Umgang der Kanalisation sprechen alle Einsendungen davon, diese zu meiden. Nicht nur mit Blick auf Gaza scheint es auf der Hand zu liegen, dass hier der Verteidiger in einem krassen Vorteil steht. Zwei der drei Einsendungen schlagen jedoch vor, die Kanalisation zu fluten, etwa unter Einsatz der zivilen Feuerwehr. Dies scheint mir eine kreative Lösung, die den Gegner wirkungsvoll einschränken könnte. Technisch müsste die Machbarkeit wohl noch mit einem Feuerwehrkundigen besprochen werden, aber schon nur ein teilweise unter Wasser setzen dürfte den Gegner beeinträchtigen.

Der vorgeschlagene Einsatz der Unterstützungsmittel kann genutzt werden, um mit einem verbreiteten Missverständnis aufzuräumen. Eine Einsendung bemerkt, «Sobald aber der erste Zug im Dorf ist kann der Mindestabstand von 600m kaum mehr eingehalten werden». Dies ist klar zurückzuweisen; diese Sicherheitsabstände gelten für Gefechtsschiessen. Im Kriegsfall ist aber ein Einsatz des 8.1cm Mörserfeuer deutlich näher zur eigenen Truppe hinzunehmen; insbesondere, wenn diese splittergeschützt unterwegs ist. Hier gilt, dass so lange mit dem indirekten Bogenfeuer gewirkt werden soll, bis die 12.7mm Maschinengewehr direkt wirken können – getreu dem Grundsatz «das Feuer in das Angriffsziel darf niemals abreissen». Hier sollten wir dringend die Sicherheitsvorschriften für Friedenszeiten als solche erkennen und für taktische Entscheide realitätsnahe Referenzdistanzen in den Reglementen ausweisen.

Unter den weiteren Punkten, insbesondere den Sofortmassnahmen, wurden zahlreiche Vorschläge eingebracht. Erwähnenswert scheint mir etwa die Überlegung, Ortskundige im Vorfeld zu Rate zu ziehen, die Bevölkerung zur Flucht und den Gegner zur Aufgabe aufzurufen, Flüchtende (im Gegensatz zu Flüchtlingen bezeichnet das unsere eigene Bevölkerung) zu befragen, Baupläne auf Ämtern zu beschaffen.

Ich konnte jeder der drei Einsendungen positive Elemente entnehmen, doch keiner würde ich in allen Punkten zustimmen. Entscheidend ist für mich im Zweifelsfall der Grundentschluss und hier stimme bevorzuge ich den Ansatz von Hauptmann Robin Wehrle mit dem Stoss je eines Zuges nördlich und südlich der Strasse von Osten her. Wenn er nun noch – gerade als Feuerunterstützungsoffizier – der Unterschreitung der Sicherheitsregeln für Gefechtsschiessen in Kauf nimmt, kann ich ihm in jeder Hinsicht zustimmen. Vorher schon gratuliere ich ihm aber zum Gewinn des Buches «Combattre et Vaincre en Ville» von Frédéric Chamaud und Pierre Santoni.

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Leader's Digest Leader's Digest #13 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #13

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter, Dozent für Führung und Kommunikation, in Absprache mit seinem Forschungsteam der Militärakademie an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #13

Szenario

Es herrscht Krieg in EUROPA. Der Gegner hat vor einigen Tagen territoriale Ansprüche für den Raum KLEINBASEL – RIEHEN geltend gemacht. Aktuell findet ein Manöver (Aufmarsch) einer gegnerischen Mechanisierten Division zwischen ALTKIRCH – LÖRRACH – WEHR statt.

In den letzten Tagen führten irreguläre Streitkräfte mehrere gezielte Sabotageaktionen auf Forschungs- und Dienstleistungseinrichtungen in BASEL durch (wenige Kollateralschäden). Weiter griffen diese in Zugsstärke mit Infanterie- und Panzerbrechenden Waffen (RPG) zivile kritische Infrastrukturen (Coop Verteilcenter PRATTELN, EW RHEINFELDEN) wie auch den Kommandoposten des Infanteriebataillon 65 in MAISPRACH an.

Die Zollübergänge ST. LOUIS, WEIL, RHEINFELDEN und BAD SÄCKINGEN sind geschlossen. Es ist eine hohe Zunahme von illegalen Grenzübertritten durch den RHEIN zu vermelden (1000 pro Woche). Das BAZG unterstützt die Armee.

Die Zunahme der Flüchtlinge treibt die Gewaltbereitschaft der Bürgerwehren an und schürt die negative Einstellung der Schweizer Bürger gegenüber den Flüchtlingen.

Gegner

Bestimmende Lageentwicklungsmöglichkeit

Der Gegner kann, nach Erreichen des Brigadezwischenziels RHEINFELDEN, innert 1h mit einem Mechanisierten Bataillon, einer Kompanie, 1 Zug in Front Richtung MAGDEN und anschliessend mit zwei Kompanien nebeneinander 2 Züge in Front durch MAGDEN stossen, um innert 3 – 6h seinen Hauptstoss entlang der A2 zu entlasten.

Weitere Lageentwicklungsmöglichkeiten

Der Gegner kann, nach Erreichen des Brigadeangriffsziels AUGST innert 2h mit einem Mechanisierten Bataillon, einer Kompanie, einem Zug in Front über OLSBERG nach MAGDEN stossen, um innert 1 – 2h seinen Hauptstoss entlang der A3 zu entlasten.

In allen Fällen kann der Gegner
  • (reguläre Streitkräfte) Mit der Artillerie seinen Stoss ohne Rücksicht auf zivile Besiedlung oder Kulturgüter vorbereiten;
  • (irreguläre Streitkräfte, Sonderoperationskräfte) Mittels Propaganda und/oder Psychologischer Kriegsführung die Flüchtlingsströme so leiten, dass sie dem Hauptstoss ausweichen und dessen Flanke schützen sowie damit unsere Mobilität einschränken;
  • (Bürgerwehr CH) Mittels Patrouillen und Checkpoints im Grenzraum RHEINFELDEN Präsenz markieren.

Eigene Mittel

Sie kommandieren die 2. Kompanie des Infanteriebataillons 65 und haben zur Auftragserfüllung folgende Mittel unterstellt:

  • 3 Infanteriezüge mit je 4 Gruppen. Diese verfügen über je ein Radschützenpanzer (inkl 12.7 Mg Einsatzdistanz bis 1000m), 2 LMg (Einsatzdistanz 600m), 4 RGW (Panzerabwehrwaffe 200-300m);
  • 1 Mörser-Zug (inkl 4 Mörser 8,1cm Einsatzdistanz 4000m);
  • 2 Späher-Trupp (pro Trupp 4 Späher ein Scharfschützengewehr 20+Zubehör, Einsatzdistanz 800m und ein Feuerleitgerät Bogenfeuer Mörser 8.1cm).

Zusätzlich erhalten Sie folgende Mittel:

  • 6 Trichtersprengladungen 88;
  • 10 NLAW (Panzerabwehrlenkwaffe 400-600);
  • 2 Mini UAV Mittel mit einer Einsatzdauer von 15′ pro Ladung.

Ihre Kompanie ist schon seit Wochen im Dienst. Aus dem Bereitschaftsraum LIESTAL haben Sie bis anhin Stabilisierungsaufträge erfüllt und die einsatzbezogene Ausbildung abgeschlossen. Der Einsatz in MAGDEN ist somit der erste Kampfeinsatz der Kompanie.

Auftrag

Sie kommen gerade von der Befehlsausgabe des Bataillonskommandanten und haben folgenden Auftrag erhalten:

  • Inf Kp 65/2 hält den Kessel MAGDEN und verhindert einen gegnerischen Stoss durch MAGDEN Richtung A2.

Die Nachbarverbände haben folgende Aufträge erhalten:

  • Inf Kp 65/1 sperrt in RHEINFELDEN-OST und hält sich bereit, Kp 65/3 aufzunehmen.
  • Inf Kp 65/3 nützt den Gegner im Raum RHEINFELDEN-WEST ab, sperrt die Brück in der Altstadt RHEIFELDEN und hält sich bereit, durchgebrochenen Gegner im RÖTIHOF zu vernichten sowie die Flanke MÖHLIN zu Gunsten des Mechanisierten Bataillon 14 zu schützen.
  • Inf Ustü Kp 65 verhindert die Öffnung der Brücke EW SALINE und EW RIBURG und unterstützt die Infanteriekompanien mit Bogenfeuer.

Umwelt

Zeitverhältnisse

In den nächsten 12 Stunden müssen Sie den Einsatzraum erkunden und im Rahmen des taktischen Dialoges einen ersten Entschluss dem Bataillonskommandanten präsentieren. Die KAVOR (Kampfvorbereitungen) müssen ab Ende des taktischen Dialoges in den kommenden 72 h abgeschlossen und die Kompanie kampfbereit sein.

Fragestellung

  • Versetzen Sie sich in den Gegner: wie würden Sie MAGDEN nehmen und für nachfolgende Kräfte offenhalten?
  • Wie lautet Ihr Entschluss, um MAGDEN zu halten und einen gegnerischen Stoss durch MAGDEN Richtung A2 zu verhindern?
  • Wo und wie setzen Sie Ihre Panzerabwehrmittel ein (Gliederung, Feuerräume, Stellungsräume)?
  • Wo und mit welchen Mitteln kanalisieren Sie den Gegner?
  • Wo planen Sie die Feuerräume für das Bogenfeuer und deren Bewegungsräume?

Eine Entschlussskizze ist erwünscht bzw ausreichend.

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #13

Zum Tactical Decision Game #13 haben uns zwei Lösungen erreicht; wahrscheinlich sind einige Taktiker entweder noch im Winterschlaf oder aber von den geopolitischen Entwicklungen paralysiert. Fest steht jedoch: das Mech Bat 14 ist offenbar nicht davon betroffen, den beide Lösungen haben uns aus diesem Verband erreicht. Nun stellt sich die Frage: ist es der Feuerunterstützungsoffizier oder der S2 dieses Verbandes, der den Preis davontragen wird? Beide Eingaben arbeiten übrigens mit einwandfreien Darstellungen, eine davon sogar als .milxlyz-Layer eingereicht. Für alle, die in ihrer Freizeit noch taktisches Entwicklungspotential aufweisen: Auf https://www.map.army/ kann jeder und jede seine Layer zeichnen, speichern und teilen. Ideal für WK-Vorbereitungen und mehr. Doch zur Sache:

Zuvorderst werden die beiden Lösungen anhand Ihrer Komplexität beurteilt. Die Lösung des S2 umfasst sieben Seiten, darunter 6 Abbildungen (ein Layer Rot, ein Analyse des Vorgeländes, ein Layer Entschluss insgesamt, drei Layer zu den drei Phasen des Entschlusses). Das ist gewissenhaft und nachvollziehbar ausgearbeitet. Allerdings hat auch die Einfachheit ihren Wert. Die Lösung des FUOf umfasst zwei Seiten und einen Layer und beantwortet ebenso alle Fragen, weshalb an ihn der erste Punkt geht: 1:0.

Für die Lösung des FUOf spricht zudem seine Analyse des Geländes, was etwa an der Schwergewichtsbildung westlich der Hauptstrasse ersichtlich ist. Das Gelände teilt er mithilfe von vier Phasenlinien (PhL), wobei ich empfehle, in der Verteidigung von Koordinationslinien (KL) zu sprechen. Bei den PhL im Angriff erwarten wir, dass eben eine nach der anderen – Phase für Phase – abgearbeitet wird. In der Verteidigung sollten wir uns jedoch ein dynamischeres Verständnis erhalten: wir ziehen vielleicht einen Zug zu einer KL zurück, nur um ihn später für einen Gegenangriff wieder zwei KL weiter vorne einzusetzen. Auch das Mörserfeuer oder die Aufklärung kann anhand der KL koordiniert werden, ohne dass sie sequentiell abgearbeitet werden. Besonders hervorzuheben ist bei der Lösung des S2, dass er sich Karten der historischen Bunkeranlagen bei ÄNGI beschafft hat, was nicht nur die Panzersperre im Talboden aufzeigt, sondern auch das Infanteriewerk inklusive Gegenwerk in den Flanken. Es versteht sich von selbst, dass wir solche Kampfinfrastruktur selbst dann nutzen werden, wenn sie ausser Dienst gestellt wurden. Für diesen Einfall gleicht der S2 aus und es ist 1:1.

Danach bewerte ich die Darstellung ROT, die beide im Grundsatz gleich darstellen (aus dem Raum RHEINFELDEN mit jeweils maximal einem Zug in Front in den Kessel von MAGDEN stossend): Die Orientierung des FUOf zum Gegner ist von den Kräfteansätzen her klar, allerdings würde ich den beliebten Begriff des Staffelwechsels etwas sparsamer einsetzen. Zwei Staffelwechsel auf 2km scheint mir etwas viel Mikromanagement – zudem ist nicht jeder überschlagende Einsatz schon ein Staffelwechsel (wobei der Begriff oder Unterschied bei Gelegenheit einmal definiert werden könnte). Der S2 weist in seiner Darstellung zudem noch auf die Flankenbedrohung (habe ich S2 gehört?) hin, weshalb auch dieser Punkt an ihn geht: 1:2.

In der Absicht selbst plant der FUOf einen einfachen Ablauf: zunächst soll ein Zug im Vorgelände ÄNGI abnutzen und zwei Züge nebeneinander ab Ortsrand MAGDEN sperren, wobei sich der Zug aus dem Vorgelände später zurückziehen und MAGDEN Ost sperren soll, so dass schliesslich drei Züge nebeneinander sperren. Die beiden äusseren Züge halten sich zudem für Gegenangriffe bereit. Die Lösung des S2 sieht ebenfalls einen Zug im Vorgelände vor, unter Ausnutzung der oben geschilderten Kampfinfrastruktur. Die eigentliche Sperre wird dann von einem Zug auf der Hauptstrasse bewerkstelligt, auf welche der Gegner zu kanalisieren ist. Damit bleibt ein dritter Zug, der für flankierende Gegenangriffe auf beiden Seiten hinter der Sperre bereitgehalten wird. Hier eine Punktevergabe zu vergeben, ist nicht einfach; auf jeden Fall sollen aber für den Entschluss insgesamt 3 Punkte vergeben werden. Tatsächlich scheint mir die Aufstellung des S2 im Vorgelände zielführender (unter Ausnutzung der historischen Stellungen), was ihm einen weiteren Punkt verschafft; 1:3. Der Einsatz im urbanen Gelände scheint mir jedoch beim FUOf geeigneter. Das Aufstellen von zwei – und nach erfolgtem Rückzug des Zuges im Vorgelände sogar drei – Zügen nebeneinander entspricht dem Grundsatz «Auflockern und Zusammenwirken der Kräfte». Zudem scheint es mir im überbauten Gelände mit den Mitteln der Infanterie einfacher, Gegenstösse im Halbzugrahmen vorzunehmen, als diese auf Stufe Kompanie zu koordinieren, wie bei der Lösung des S2 vorgesehen. Es steht somit 2:3. Einen dritten Punkt vergebe ich für die Auswahl eines dezidierten Killing Grounds. In der Lösung des FUOf, ab Ortsrand MAGDEN, ist ein solcher für mich nicht unmittelbar ersichtlich. Anders beim S2, wo der Stützpunkt in MAGDEN erst in der Tiefe des Dorfes vorgesehen ist; eine ideale Voraussetzung, den Gegner auf der Hauptstrasse zu stauen – und dies entspricht auch der Absicht, den Gegner auf dieser zu kanalisieren. Dies scheint psychologisch verlockend zu sein und auch ein hinreichendes Volumen des Gegners aufnehmen zu können. Dazu vergebe ich einen weiteren Punkt und damit steht es am Ende 2:4. Sieger nach Punkten ist dieses Mal der S2, Hptm Raphael Iselin. The winner takes it all, aber er sei bitte gehalten, das Buch «Call Sign CHAOS – Learning to lead» von Jim Mattis und Bing West bei der nächsten Dienstleistung seinem Kameraden, Hptm Robin Wehrle, auszuleihen. Gratulation!

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Leader's Digest Leader's Digest #12 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #12

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter, Dozent für Führung und Kommunikation, in Absprache mit seinem Forschungsteam der Militärakademie an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.

Decision Game aus Leader’s Digest #12

Szenario

Die SCHWEIZ ist seit Monaten im Krieg. Die offenen Kampfhandlungen beschränken sich auf die OSTSCHWEIZ, doch das gesamte Landesgebiet ist Ziel von Spionageaktionen und Anschlägen. Betroffen sind vor allem die Bundesverwaltung, internationale Organisationen und die öffentliche Versorgung.

Auch in der WESTSCHWEIZ ist die Lage instabil. Die Armee hat in besonders gefährdeten Gebieten die Raumverantwortung übernommen. Dies ist insbesondere dort der Fall, wo der Gegner versucht, uns in unseren Bereitschaftsräumen zu behindern.

Im Raum CHANCY sind nach einem Anschlag mit einem mit Sprengstoff beladenen LKW mehrere Gebäude beschädigt und teilweise zerstört worden, unter anderem der Kommandoposten der Infanteriekompanie 65/2 und der Bahnhof in EPEISSES.

Die Hauptwasserleitung der Region wurde beim Anschlag beschädigt und flutete eine Tiefgarage, welche die reservierten Verkehrsträger für die mechanisierten Verbände gefährdet.

Der Kommandoposten des Infanteriebataillons 65 in EPEISSES wurde im darauffolgenden Chaos von Truppen einer terroristischen Gruppe, den ELTI, angegriffen. Dabei wurde das vorgeschobene Munitionsdepot getroffen und das Gebäude westseitig eingestürzt. Einzelne Strassen wurden teilweise blockiert.

Als Reaktion auf die Aktivitäten der ELTI hat die HeBü, eine unabhängig organisierte lokale Bürgerwehr, ihre Präsenz in der Region verstärkt.

Gegner

ELTI (ELBONIAN Tigers): Terrorgruppe

  • Handfeuerwaffen, vereinzelt panzerbrechende Waffen
  • MANPAD
  • Improvisierte Sprengladungen
  • Fähigkeit zu Anschlägen, Diebstahl von militärischem Gerät.

Irreguläre

HeBü (Helvetische Bürgerwehr): Paramilitärische Organisation mit ca 200 Angehörigen in der Region

  • Handfeuerwaffen, insbesondere ehemalige Armeewaffen (Sturmgewehr 90, Sturmgewehr 57, diverse Pistolen)
  • Privat beschaffte Schutzwesten
  • Absperrmaterial, zum Teil im Privateigentum, zum Teil der Gemeinden
  • Lastwagen, Lieferwagen, Kleinbusse
  • Fähigkeit zur Nachrichtenbeschaffung in der Bevölkerung aufgrund der lokalen Verankerung

Eigene Mittel

Sie kommandieren eine Rettungskompanie:

  • 1 Kommandozug
  • 3 Rettungszüge
  • 1 Unterstützungszug

Die Rettungskompanie ist mit persönlichen Waffen (Sturmgewehren und Pistolen) ausgerüstet. Sie verfügen über technische Ausrüstung, bestehend aus:

  • 3 Rettungszugsortimenten mit Kleingeräten für Trümmerrettungen,
  • 2 Sortimente Trümmereinsatz mit spezifischen Mitteln zur Trümmerrettung,
  • 2 Wassertransporter und
  • 3 Brandeinsatzsortimenten mit jeweils einem Kilometer Schlauch.

Auftrag

Die Rettungskompanie setzt im Dorf EPEISSES ein (Trümmerrettung), schützt und hält (Wassertransport und Brandbekämpfung) den reservierten Verkehrsträger.

Umwelt

Das Dorf EPEISSES befindet sich in einem Geländekessel. Es beinhaltet einen Bahnhof mit Gütertransport, ein Tanklager (eine Zisterne), ein Einkaufszentrum sowie diverse Geschäfts- und Wohninfrastruktur. Ebenfalls befindet sich im Dorf der Kommandoposten des Infanteriebataillons 65 sowie der Kommandoposten der Infanteriekompanie 65/2.

Zeitverhältnisse

Einsatzbeginn sofort, Voraussichtliche Einsatzdauer 48 Stunden

Fragestellung

  • Wie würden Sie in der Rettung vorgehen? Wie lautet ihre Befehlsausgabe?
  • Welche Massnahmen treffen Sie gegen die ELTI?
  • Wie gehen Sie mit der HeBü um?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #12

Zum Decision Game vom Dezember haben uns zwei Einsendungen erreicht. Die eingereichten Lösungen zeigen eine intensive Auseinandersetzung mit der moralischen und politischen Fragestellung und verdeutlichen die vielschichtige Komplexität der hier vorliegenden Problematik.

Zum TDG#12 sind zwei Lösungsvorschläge eingegangen, die sich in einem wesentlichen Punkt unterscheiden, nämlich dem Umgang mit der Helvetischen Bürgerwehr. Diese fiktive Organisation wurde im methodischen Rahmenwerk «LU-17» eingeführt und beschreibt irreguläre Kräfte, die der Schweiz und damit der Armee tendenziell freundlich gestimmt sind. In Übungen wird die HeBü geschildert, um die Truppe zu sensibilisieren, dass nicht jeder Irreguläre automatisch einen Gegner darstellt. Mit Blick auf die Bedeutung der Freiwilligenverbände in der Verteidigung der Ukraine stellt sich auch für die Schweiz die Frage, wie mit freundlich gesinnten, aber irregulären Kräften umgegangen werden sollte. Die beiden Lösungsvorschläge führen jeweils glaubhafte Argumente ins Feld, kommen aber zu unterschiedlichen Schlüssen.

Hptm I. fasst seine Haltung in einem Absatz zusammen: «Die Zusammenarbeit müsste durch den bereits andauernden Krieg in den Rules of Behavior (RoB) geregelt und dem Kp Kdt bekannt sein. In der Ukraine wurden die anfänglichen ‹Volunteer Battalions› als die ‹Territorial Defense Forces› ein offizieller Teil der ukrainischen Streitkräfte. Auch die Schweiz wird nach Monaten des Krieges nur schwer auf tausende Freiwillige verzichten können. Deshalb gehe ich sehr stark davon aus, dass eine Zusammenarbeit erlaubt wird. Für eine erste und zweite Phase möchte ich im Schadensgebiet nur AdA und direkt Betroffene. Damit wir die chaotische Situation nicht noch unübersichtlicher, und eine mögliche Infiltration durch ELTI erschwert.» Es handelt sich dabei um eine differenzierte Nutzung der Ressource «HeBü».

Lt M. führt ausführlichere Bedenken zur Frage «Wie gehen Sie mit der HeBü um?» aus: «Ihre emotionale und energetische Stimmung ist schwer zu kontrollieren. […]. Eine Einbindung der HeBü-Mitglieder in zivile Hilfeleistungen ausserhalb der Kernzone wäre aber meiner Meinung nach tragbar. Weitere Begründungen für ein operative Distanzierung: Die Armee hat ein staatliches Gewaltmonopol, […] die HeBü eine selbsternannte Organisation ohne offizielle Legitimation […]. Weiter hat die HeBü eine unklare Befehlsstruktur, keine standardisierten Einsatzverfahren und keine gesicherte Kommunikation […]. Ein unbekannter Ausbildungsstand […] sowie ein potentielles Risiko von Eigengefährdung […] unklare Loyalitäten einzelner HeBü-Mitglieder […] Gefahr in einem unerwünschten Informationsabfluss […].»

Beide Autoren setzen sich spezifisch und differenziert mit dieser Fragestellung auseinander. Es gilt zu hoffen, dass diese Fragen vor einem Krieg in der Schweiz durch die strategische Führungsebene entschieden werden, damit sich nicht Einheitskommandanten dieser Frage stellen müssen.

In der Sache teile ich die Perspektive von Hptm I.; ich erachte es als ausgeschlossen, die Schweiz mit dem aktuellen Armeebestand und ohne Integration von oder Kooperation mit Freiwilligen zu verteidigen – entsprechende Konzeptionen kennt die Schweiz aus ihrer Geschichte, man denke etwa an die Ortswehren. In der Beantwortung des TDG werte ich allerdings die Lösung von Lt M. höher, da er die Probleme im Umgang mit Irregulären sehr differenziert ausarbeitet. Selbst wer bereit ist die HeBü als potentiellen Partner der Armee zu verstehen, kommt nicht darum herum, sich den entsprechenden Risiken anzunehmen. Zudem hat Lt M. in seiner Lösung weitere geschickte Überlegungen angestellt, etwa die Anforderung von Spezialisten und einen übersichtlichen Kartenentschluss. Auf beides soll hier nicht eingegangen werden, aber es ist ausreichend, damit Lt Ralph Meier den Preis des Buches «Positive Leadership» von Dr. Markus Ebner aus dem Newsletter #12 erhält. Wir gratulieren herzlich.

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Leader's Digest Leader's Digest #10 Newsletter TDG

Decision Game und Handlungsempfehlungen aus Leader’s Digest #10

Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss findet sich eine Diskussion der würdigsten Handlungsempfehlungen durch Oberstlt i Gst Patrick Hofstetter, Dozent Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich.

Decision Game aus Leader’s Digest #10

Szenario

Es herrscht Krieg in Europa. Die Schweiz bereitete sich seit Wochen auf eine drohende Invasion vor und blieb vorerst unbeteiligt, doch vor wenigen Tagen wurde der gegnerische Stoss auf BASEL Realität. Grenznahe Stützpunkte nördlich unseres Bataillons konnten dem Gegner bereits grosse Verluste zuführen. Nun gilt es den weiteren Vorstoss des Gegners zu verhindern.

Gegner

Nach dem abgeschlagenen Angriff im Norden reorganisiert der Gegner und wird in wenigen Tagen einen neuen Stoss mit frischen Kräften versuchen. Wir erwarten für unseren Raum als Spitzenelement ein mechanisiertes Bataillon ROT (3x Mechanisierte Kampfgruppe)

1 Mechanisierte Kampfgruppe ROT

  • 1 Zug Radschützenpanzer + 1 Räumungsmittel
  • 1 Zug Panzergrenadiere + 1 Räumungsmitte
  • 1 Kommando Zug + 2 Schützenpanzer
  • 1 Zug Kampfpanzer + 1 Räumungsmittel
  • 1 Zug Aufklärer

Eigene Mittel

Die Kampfmoral ist gut und die Truppe ist zuversichtlich aufgrund der Erfolge im Norden. Nun wurde das Gebirgsinfanteriebataillon 91 herangezogen, um ein Schwergewicht im Raum BASEL zu bilden. Es bleiben wenige Tage, um die Kampfvorbereitungen durchzuführen und das Verteidigungsdispositiv einzuexerzieren.

Die Gebirgsinfanteriekompanie 91/2 ist dazu verstärkt mit einem 8.1cm Minenwerfer- und einem Späherzug.

Die Nachbarverbände, Kompanie 1 und 3, haben den Auftrag, den Gegner Richtung Kreuzung 9123 zu kanalisieren und eine Flankierung durch ihren jeweiligen Raum zu verhindern.

Auftrag

Geb Inf Kp 91/2 (+) verhindert Stoss durch seinen Raum.

Umwelt

Die Bevölkerung im Zentrum der Stadt BASEL ist grösstenteils evakuiert. Verwenden Sie gegebenenfalls www.map.geo.admin.ch, um sich ein genaueres Bild zu machen; bei der zentralen Kreuzung handelt es sich um den BURGFELDERPLATZ.

Zeitverhältnisse

Die meisten Kreuzungen sind durch eine begehbare Kanalisation verbunden. Die Verschiebungszeit über 500m beträgt ca. 10 Min.

Fragestellung

  • Wie haben Sie ihre Züge positioniert?
  • Welchen Auftrag haben Sie Ihren Zügen erteilt?
  • Wie gewährleisten Sie die Widerstandsfähigkeit Ihrer Truppen?

Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #10

Zum Decision Game vom Oktober haben uns vier Einsendungen erreicht – ein grossartiger Rücklauf auf ein taktisches Problem, mit erfreulichem Resultat: vier verständliche Lösungen mit echten Varianten.

Gemeinsam sind allen Lösungen verschiedene Überlegungen zur Rücklagerung des Minenwerferzugs, zur Ausnutzung der Kanalisation, zum Einexerzieren von Gegenstössen, zum Anlegen von Munitionsdepots etc. Auch wenn diese Aspekte wichtige günstige Voraussetzungen schaffen, werden sie hier nicht weiter diskutiert. Es gilt schlicht, die alten Standards der Armee 95 oder die wiedergewonnenen Erkenntnisse der letzten zwei Jahre umzusetzen. Ich lege deshalb den Fokus in der Beurteilung auf die Verteilung der drei Infanteriezüge.

Zum besseren Vergleich der Unterschiede sei deren räumliche Anordnung von Norden nach Süden und die jeweilige Kampfidee formuliert.

Die erste Lösung «ALFA» (in der Reihenfolge der Einreichung) weist ein 1 – 2-Schema auf: Ein Zug nutzt im Vorgelände bis zur Kreuzung 9123 ab und zieht sich anschliessend als Kompaniereserve zurück; südlich der Kreuzung nützen zwei Züge nebeneinander den Gegner ab und stoppen ihn erst relativ tief im eigenen Raum, auf Höhe BRAUSEBAD–SPALENTOR.

Die zweite Lösung «BRAVO» sieht 1 – 1 – 1 vor, wobei die drei Züge hintereinander im jeweils zugewiesenen Raum den Jagdkampf führen.

Die dritte Lösung «CHARLIE» plant 2 – 1 mit zwei Zügen, die zwei Stützpunktelemente nebeneinander in Front bilden und einem dritten Zug, der als Kompaniereserve für bewegliche Kampfführung zurückgelagert ist.

Die vierte Lösung «DELTA» ist ein 1 – 1 – 1 nebeneinander, mit dem zentralen Zug, der die Kreuzung 9123 sperrt und jeweils einem Zug in der Flanke (davon der rechte mit Raumverantwortung für die Abnützung im Vorgelände).

Von den vier Varianten spreche ich mich persönlich für ALFA aus. Ich teile die Ansicht, dass in der Tiefe des eigenen Raumes die Voraussetzungen besser sind als im Raum der Kreuzung 9123. Würde ich dort meinen zentralen Stützpunkt vorsehen, wäre dem Gegner ein konzentrisches Angreifen relativ einfach gemacht: So gesehen ist der Flankenschutz der Lösung DELTA nachvollziehbar und mir gefällt insbesondere, dass dem Gegner drei Züge nebeneinander präsentiert werden. Damit ist er gezwungen, sich entweder zu verteilen oder Abschnitte zu vernachlässigen, aus denen heraus ich Gegenangriffe führen kann. Allerdings scheint mir so weit vorne das Risiko zu gross. Denn dort ist dem Gegner die Möglichkeit des Auflockerns und Zusammenwirkens entlang von mindestens zwei und bis zu vier Achsen auf die Hauptkreuzung möglich. Ein ähnliches Problem weist meiner Meinung nach die Lösung CHARLIE auf. Das Nebeneinander von zwei Stützpunkten scheint mir sehr zielführend – allerdings auch hier zu weit vorne. BRAVO ist sicher innovativ, indem es anstelle der von der Infanteriedoktrin vorgesehenen Stützpunktlösung auf Jagdkampf mit Raumverantwortung für drei Züge setzt. Nebeneinander würde ich dem noch eine gewisse Chance geben, aber bei einer Anordnung hintereinander erlaube ich es dem Gegner, seine Kraft jeweils auf einen Zug zu konzentrieren – ich mache meine eigene Kompanie zur Salami. Dem gegenüber nutzt ALFA einerseits die Tiefe des eigenen Raumes. Die Auffächerung der Strassen von der Kreuzung 9123 nach Süden ausgehend führt automatisch zu einer Auffächerung der Kräfte des Gegners – oder, falls er sich konzentriert, zu Bewegungsräumen für meine Gegenstösse und sogar Gegenangriffe. In beiden Fällen kann ich Vorteile daraus ziehen, entweder für eine stärker statische oder eine stärker dynamische Kampfführung. Allerdings würde ich dies noch konsequenter tun und alle drei Züge nebeneinander aufstellen, etwa auf der Linie ALLSCHWILERPLATZ–PUNKT 276 (oder BRAUSEBAD)–SPALENTOR. Das eigene Vorgelände kann getrost dem Späherzug überlassen werden, der mit seinen sechs Gruppen in einer ersten Phase das Schwergewicht des Gegners erkennt und in einer zweiten Phase, sobald der Gegner auf der Stützpunktlinie aufgelaufen ist, den Gegner abnützt und das Minenwerferfeuer auf den aufgelaufenen und damit zum Absitzen gezwungenen Gegner leitet.

Die Lösung ALFA scheint mir diesen Gesichtspunkten zu grossen Teilen Rechnung zu tragen. Zudem kann durchaus argumentiert werden, dass der Gegner sein Vorgehen wohl auf die Hauptachsen Richtung BRAUSEBAD respektive SPALENTOR beschränkt, womit der Raum ALLSCHWILERPLATZ dem dritten Zug als Bereitstellung für Gegenangriffe dienen kann, was dann vollends der Lösung ALFA entspricht. In jedem Fall hat der Autor, Hptm Robin Wehrle, seinen Preis redlich verdient: wir gratulieren zum Sieg und einem Exemplar von «How to Think Like an Officer» von Reed Robert Bonadonna.