Complex Adaptive Systems: New Ways to Study Officer Training
[YouTube, 22.08.2026, Military History Not Visualized]
Warum modelliert man Kriegführung, statt nur aus der Militärgeschichte zu lernen? Oberst i Gst Patrick Hofstetter argumentiert, dass die verschiedenen Perspektiven sich ergänzen. Historische Vergleiche, qualitative und quantitative Forschung sowie Simulationen machen je andere Aspekte sichtbar. Gerade im Krieg fehlen oft verlässliche Daten. Agentenbasierte Modelle können deshalb helfen, wiederkehrende Muster und Wechselwirkungen zu erkennen. Das Gespräch führt von Selbstähnlichkeit und Flankenschutz bis zu einer sehr praktischen Frage: Wie lassen sich Ausbildung, Erholung und Einsatz von Truppen sinnvoll verbinden?
Starke Führung ohne starke Führer: Was die Schweiz von zeitgemässer militärischer Führung lernen kann
[Sichtweisen Schweiz, 29.09.2026, Patrick Hofstetter]
Klare Aufträge, Respekt vor Menschen und handlungsfähige Organisationen: Militärische Führung verbindet, was in Krisen leicht auseinanderfällt. Davon kann nicht nur die Schweizer Armee lernen. In diesem Meinungsartikel legt der Autor dar, dass starke Führung nicht zwingend starke Führer braucht – und dass die Schweiz dies und vieles mehr von zeitgemässer militärischer Führung lernen kann, um für die die nächste Krise besser gewappnet zu sein.
True to Swiss Armed Forces operational guidelines «Augen vor Bewegung», any movement must be preceded by reconnaissance. Open-source intelligence (OSINT) can help soldiers gain the required situational awareness and can therefore support individual training and mission planning. Exploring the various functions of Google Earth Pro can serve as a useful starting point. For this purpose, a great resource is the «OSINT at Home» series on the YouTube channel «Bendobrown» of the OSINT investigator Benjamin Strick.
Important: As open-source information can be outdated, wrong or incomplete, it should be used carefully and in combination with other sources.
A lot of ink has been spilled about the effectiveness of aerial drones in the Russian-Ukrainian War. These wartime innovations and adaptations in Ukraine have prompted analysts to debate to what extent other armed forces can extract “lessons learned” from the ongoing war, and to what extent those lessons can solely be applied to the unique context of the Russian-Ukrainian War. A US-American who volunteered in the Ukrainian Special Operations Forces (SSO), and has also worked with the Taiwanese Armed Forces, now provides his viewers with insights on the factors in Taiwan which would force drone warfare to be conducted differently. He mentions how Ukraine is a country with vast open fields separated by tree lines, and how Taiwan features more mountainous and densely vegetated areas which carry implications for signal range, the effectiveness of enemy camouflage and so on. As parts of Switzerland are similarly mountainous to Taiwan, some of the video’s insights are relevant for the Swiss Armed Forces.
The Heart of War: Ukraine’s Key Battlefield System
[CEPA, 16.03.2026, David Kirichenko]
Ukrainian aerial drones and increasingly also ground drones are gathering a lot of international attention. Yet in this article, Kirichenko argues that this is just one part of the picture; hardware is one thing, software the other. The author stresses how important software such as the battlefield management system “Delta” is in coordinating hardware effectively. Delta is crucial for situational awareness and near real-time command. It helps with targeting and avoiding friendly fire. Moreover, integrated AI capabilities mean kill chains can further be shortened. Overall, the article shows how hardware is just part of the picture, and that for hardware to be truly effective it needs to be well-integrated within the larger system.
Brookfield argues that Europe has invested too heavily in expensive missile-centric air defence when trying to solve the problem of cheap, mass-produced drones. He argues that low-cost drones can be produced and financed on a much larger scale than advanced interceptor missiles. He mentions the Falklands War and the current Russian-Ukrainian war to argue that a sustainable defence against massed attacks combines gun-based air defences with interceptor drones.
Das Update Führung ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung. Falls Sie Lesenswertes zu Command, Leadership oder Management entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie dies mit uns teilen. Gerne nehmen wir Tipps für die kommende Ausgabe von Leader’s Digest via leadersdigest@leadershipcampus.ch entgegen.
Neu: Alle bisherigen Artikel aus der Rubrik «Update Führung» finden Sie archiviert im Archiv Update Führung.
Gabriel untersucht die psychischen Belastungsgrenzen von Soldaten im Krieg. Besonders relevant ist seine Auseinandersetzung mit dem «Chemical Soldier» und der pharmakologischen Beeinflussung von Angst, Erschöpfung und Durchhaltefähigkeit. Das Buch schärft den Blick für die Spannungen zwischen medizinischer Behandlung, militärischer Leistungssteigerung und Fürsorgepflicht.
Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?
Die klare, offene Sprache und die bewusst sachliche Zurückhaltung des Autors machen den Schrecken des Krieges unmittelbar erfahrbar, ohne ihn klinisch zu abstrahieren.
Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?
Das Buch wurde 1987 veröffentlicht und ist daher geprägt vom Kalten Krieg. Es kann daher nicht die Paradigmenwechsel des Global War on Terror und des Russisch-Ukrainischen Krieges berücksichtigen.
An wen richtet sich Ihre Empfehlung?
An dienstjunge und in ihrer Kriegsvorstellung naive Soldaten und Vorgesetzte.
Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?
Es hat mir den Schrecken des Krieges und die Verantwortung als Vorgesetzter sehr deutlich vor Augen geführt. Es war in der Lage an meine Erfahrungen als Soldat in Afghanistan anzuknüpfen.
Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?
Der Mensch und somit Leadership stehen im Buch klar im Mittelpunkt. Genau dieser Fokus auf Leadership ist essenziell zur Vorbereitung auf den Krieg.
Über den Rezensenten
Hauptmann Alexander Schäbler ist Bezirksjugendoffizier der Bundeswehr in Potsdam und Referent für Sicherheitspolitik. In Schulen und in der Öffentlichkeit diskutiert er Fragen von Krieg und Frieden sowie deutsche Aussen- und Sicherheitspolitik. Zuvor diente er im Zentralen Sanitätsdienst und war in Afghanistan und Mali im Einsatz. Hptm Schäbler studierte Strategic Studies (M.A.) und ist Ständiger Gast im Beirat für Fragen der Inneren Führung des Deutschen Verteidigungsministers.
Über das «Buch des Monats»
Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.
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Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.
Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Oberst i Gst Patrick Hofstetter, Dozent Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung. Diesen Monat erhält der Gewinner zusätzlich zum letztmonatigen Buch des Monats ebenso das Gesellschaftsspiel «Offensive Le Jeu».
Via Negativa ist ein Instrument zur Beurteilung der Lage: Ausgehend von einer vorgegebenen Einsatzgliederung, einem Spielbrett und einer Ausgangslage (Teil A), die durch Einschränkungen hinsichtlich Verschiebung und Reichweite begrenzt sind, formuliert der Spieler eine taktische Einschätzung.
Der Spieler führt dabei keine Aktionen aus: Er bewegt keine Spielfiguren im Sinne der Regeln und entscheidet keine Gefechte. Seine Aufgabe besteht darin, die dargestellte Situation zu analysieren und eine Einschätzung abzugeben – mögliche Entwicklungen und Kampfabsichten –, so wie er es in einer realen Situation tun würde. Der didaktische Mehrwert von Via Negativa liegt in dieser Vorgehensweise: Indem sie damit beginnt, das Unmögliche auszuschliessen, anstatt sich das Wünschenswerte vorzustellen, verringert sie das Risiko, eine Argumentation auf der Grundlage eines im Voraus gewählten Szenarios aufzubauen, und beschränkt die Beurteilung auf das, was die Situation tatsächlich zulässt. Die Methode heisst Via Negativa, weil sie bei dem beginnt, was ausgeschlossen ist, und nicht bei dem, was möglich ist: Zunächst wird festgelegt, was Rot nicht tun kann, bevor eine Hypothese darüber aufgestellt wird, was Rot wahrscheinlich tun wird.
Die untenstehenden Elemente sind vorgegeben: Sie beschreiben die Ausgangssituation und den Rahmen des Problems. Beachten Sie das untenstehende Bild.
Situation
Blau (BLUEFOR) sind die eigenen Kräfte, die den Auftrag haben, auf ein Ziel (Feld N6) vorzurücken. Rot (OPFOR) sind die gegnerischen Kräfte, die zur Verteidigung aufgestellt sind.
2 Leichte Infanterie-Kompanien in den Feldern L8 und J5
1 Panzerkompanie in Feld L9
1 Wirkdrohnenzug (indirekter Beschuss) in Feld I5
Spielfeld und Gelände
Raster aus 26 × 16 Feldern. Kolonnen nummeriert von 1 bis 10, Zeilen gekennzeichnet von A bis O. Jedes Feld steht für eine Geländeart.
Weisse Felder – offenes Gelände. Ermöglicht die Verschiebung schwerer Einheiten (mechanisierte Infanterie oder Panzer).
Grüne Felder – bedecktes Gelände. Verteidigungsstarkes Gelände (Vorteil für dort befindliche Einheit)
Hellgraue Felder – überbautes Gelände. Verteidigungsstarkes Gelände (Vorteil für dort befindliche Einheit)
Dunkelgraue Felder – Strassennetz. Ermöglicht die Verschiebung schwerer Einheiten (mechanisierte Infanterie oder Panzer).
Blaue Felder – Flüsse. Ein Fluss kann unabhängig von der Art der Einheit nur über eine Brücke überquert werden.
Dispositiv zur Startaufstellung
OPFOR wird gemäss seiner Dispositiv-Aufstellung aufgestellt. BLUEFOR legt seine eigene Startaufstellung auf den ihm zugewiesenen Feldern fest.
Ziele
BLUEFOR muss das Zielfeld (N6) (mit einem gestrichelten blauen Quadrat markiertes Feld) einnehmen.
Bewegung und Reichweiten der Systeme
Diese Elemente legen fest, was eine Einheit tun kann und was nicht. Es handelt sich um Grenzen hinsichtlich der Fähigkeiten und der Position.
Leichte Infanterie-Kompanie
Verschiebungen: Bis zu 2 Felder pro Zeitsequenz (ca. 30‘), geländegängig ausser Flüssen – Übersetzen nur über eine Brücke möglich.
Wirkungsreichweite: 2 Felder, 1 Feld in bedecktem oder überbautem Gelände.
Mechanisierte Infanterie-Kompanie
Verschiebungen: Bis zu 3 Felder pro Runde, nur offenes Gelände oder Strassennetz – weder bedecktes noch überbautes Gelände noch Flüsse ohne Brücke.
Wirkungsreichweite: 1 Feld, ohne Einfluss des Geländes.
Panzerkompanie
Verschiebungen: Bis zu 3 Felder pro Runde, nur offenes Gelände oder Strassennetz – weder bedecktes noch überbautes Gelände noch Flüsse ohne Brücke.
Wirkungsreichweite: 3 Felder in offenem Gelände, 1 Feld in bedecktem oder überbautem Gelände mit Strasse.
Wirkdrohnenzug
Verschiebungen: Bis zu 2 Felder pro Zeitsequenz (ca. 30‘), geländegängig ausser Flüssen – Übersetzen nur über eine Brücke möglich.
Wirkungsreichweite: 3 Felder, unabhängig vom Gelände.
Fragestellung
Auf der Grundlage der zu beachtenden Spielbedingungen und Einschränkungen ist eine vierstufige Beurteilung der Lage in folgender Reihenfolge vorzunehmen:
Unmöglichkeiten der OPFOR. Bevor positive Annahmen getroffen werden, ist festzustellen, was OPFOR nicht tun kann – was die Bedingungen und Auflagen von vornherein ausschliessen. In diesem Teil geht es nicht darum, was OPFOR tun wird, sondern darum, was bereits ausserhalb seiner Möglichkeiten liegt.
Bestimmende Lageentwicklungsmöglichkeit. Sobald die Unmöglichkeiten feststehen: Welche Entwicklung der Situation ist unter den für OPFOR noch offenen Möglichkeiten am wahrscheinlichsten oder hat die schwerwiegendsten Folgen für BLUEFOR?
Kampfabsicht. Für die bestimmende Lageentwicklungsmöglichkeit: Was BLUEFOR beschliessen würde – zusammenfassend formuliert: Kraft – Raum – Zeit – Information, mit Begründung.
Ausgangslage. Wie platziere ich als BLUEFOR meine 5 Einheiten zu Beginn auf A3 – A8?
Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #30
Mit dem Decision Game #30 haben wir erstmals ein TDG auf Grundlage des Spielkonzepts Via Negativa durchgeführt. Der entscheidende Unterschied zu bisherigen TDGs liegt darin, dass nicht unmittelbar die beste taktische Lösung gesucht wird. Ausgangspunkt war vielmehr, was der Gegner nicht tun kann. Basierend auf diesem Ausschlussverfahren wird eine bestimmende gegnerische Lageentwicklung abgeleitet und daraus die eigene Kampfabsicht entwickelt. Das Spielbrett dient als strukturierte Grundlage für die taktische Beurteilung – es ist jedoch nicht erforderlich, die Spielzüge durchzuspielen.
Wir haben diese Logik für die Bewertung berücksichtigt. Jede Lösung wurde auf einer Skala von 0 bis 5 anhand von fünf Kriterien beurteilt: Unmöglichkeiten der OPFOR 25 %, bestimmende Lageentwicklungsmöglichkeit 20 %, Kampfabsicht 30 %, innere Kohärenz und Ausgangsdispositiv 10 % sowie Entscheidungen unter Vorbehalt und Anpassungsfähigkeit 15 %. Die Qualität der Analyse ROT macht damit 45 % der Bewertung aus. Dies ist bewusst so gewählt: Eine gute taktische Intuition kann in einer Situation zum richtigen Ergebnis führen; eine nachvollziehbare Methode soll hingegen auch in einer veränderten Lage wieder funktionieren.
Drei unterschiedliche Zugänge
Die drei Einsendungen zeigen diesen Unterschied sehr deutlich. Hptm Raphael Iselin erreicht mit 2,95 von 5 Punkten den ersten Rang, die beiden weiteren Lösungen liegen mit 2,30 und 2,10 Punkten nahe beieinander.
Hptm Iselin überzeugt insbesondere durch die systematischste Analyse der gegnerischen Wirkungsmöglichkeiten. Er kombiniert Bewegung und Wirkungsreichweite für die verschiedenen Waffensysteme und leitet daraus Einschränkungen der OPFOR ab. Zudem erkennt er, dass das Ziel N6 selbst keinen Schutz bietet, und identifiziert den gegnerischen Wirkdrohnenzug als Schlüsselverband, der möglichst früh ausgeschaltet werden muss. Seine Forderung, einen «Vorsprung in der Entscheidung» zu erreichen, trifft damit einen zentralen Mechanismus der Lage. Seine Lösung birgt allerdings auch Fehler. Sein Hauptstoss führt über den südlichen Übergang, der durch Wirkdrohnen und Panzer gedeckt wird, während der nördliche Übergang zunächst ausserhalb der Reichweite der roten Panzer liegt. Die starke Analyse wird somit nicht vollständig in die eigene Kampfabsicht übersetzt. Zudem werden mehrere gegnerische Entwicklungsmöglichkeiten genannt, ohne eine davon eindeutig als bestimmend beziehungsweise besonders gefährlich festzulegen.
Der Zweitplatzierte geht beinahe den umgekehrten Weg. Seine eigentliche Manöveridee liegt am nächsten bei unserer Musterlösung: Er wählt den nördlichen Übergang, will dort zunächst einen begrenzten Teil des Gegners schlagen und die roten Kräfte damit nacheinander statt gleichzeitig bekämpfen. Auch seine Überlegungen zur anschliessenden Anpassung an die Reaktion des Gegners weisen bereits in Richtung von Entscheidungen unter Vorbehalt. Das Problem liegt vor allem in der Herleitung. Die erste Stufe der Via Negativa wird kaum durchgeführt; an ihre Stelle tritt teilweise ein spiegelbildliches «Wenn ich der Gegner wäre, würde ich …». Damit ist die taktische Intuition plausibel, aber nur eingeschränkt reproduzierbar. Hinzu kommen einige Inkonsistenzen im Ausgangsdispositiv und die Fixierung von Kräften vor dem besonders stark gedeckten mittleren Übergang.
Der knapp Drittplatzierte wiederum liefert die sorgfältigste formale Rahmung der Aufgabe. Er erkennt zwei tatsächliche Unklarheiten der Aufgabenstellung, berechnet die Zeit bis N6 und formuliert einen vergleichsweise präzisen Informationsbedarf mit Auslösern für weitere Entscheidungen. Auch sein Gedanke, die roten Kräfte vor dem eigenen entscheidenden Vorgehen zunächst abzunutzen weist in die richtige Richtung. Entscheidend ist jedoch auch hier die fehlende Kohärenz zwischen Analyse und Befehl: Obwohl er selbst erkennt, dass OPFOR schneller auf N6 wirken kann, entwickelt sich seine Lösung letztlich doch zu einem Wettlauf zum Ziel. Hinzu kommen Fehlberechnungen bei der Drohnenwirkung und ein Stoss über den mittleren Übergang, der von drei gegnerischen Systemen gedeckt wird.
Der Vergleich der drei Lösungen zeigt damit besonders deutlich, weshalb die Methode bei diesem TDG stärker gewichtet wurde als die blosse Übereinstimmung mit einer Referenzlösung. Für ein Instrument zur Schulung taktischer Beurteilung wie Via Negativa gibt letztlich Letzteres den Ausschlag. Die Referenzanalyse selbst zeigt zudem, dass die Lage weniger als Rennen nach N6 denn als Sequenzproblem zu verstehen ist: zuerst die gegnerische Wirkdrohne und die gefährlichen Feuerstellungen beherrschen, danach die gegnerischen Teilkräfte abnutzen und erst zuletzt das Ziel besetzen.
Wir gratulieren Hptm Raphael Iselin herzlich und wünschen viel Freude bei der Lektüre von What I Learned Losing a Million Dollars von Jim Paul und Brendan Moynihan sowie beim Ausprobieren des zusätzlich gestifteten Brettspiels Offensive Le Jeu.
Im November werden wir erneut ein TDG auf Grundlage dieses Spielkonzepts erstellen. Für die nächste Runde empfehlen wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, insbesondere drei Punkte zu beherzigen:
Zuerst ausschliessen, dann im verbleibenden Möglichkeitsraum weiterdenken. Vor jeder Annahme über das gegnerische Verhalten ist zu bestimmen, was die einzelnen gegnerischen Einheiten aufgrund von Bewegung, Reichweite und Gelände nicht tun können. Erst auf dem verbleibenden Möglichkeitsraum baut die weitere Beurteilung auf. Je belastbarer diese Grundlage ist, desto robuster wird auch der daraus entwickelte Plan.
Den Plan am Gefährlichsten ausrichten, nicht am Wahrscheinlichsten. Unter den verbleibenden Möglichkeiten ist die wahrscheinlichste gegnerische Entwicklung nicht zwingend jene, gegen die der eigene Plan bestehen muss. Er sollte insbesondere gegenüber der gefährlichsten Möglichkeit robust sein – denn wenn diese eintritt, kann sie die Lage entscheidend verändern.
Vorbehaltene Entschlüsse an die Ausschlüsse koppeln. Für jede Anpassung ist ein beobachtbarer Auslöser zu formulieren: Wenn X beobachtet wird, folgt Y. Gleichzeitig sollte klar sein, welche bisherige Annahme oder welcher Ausschluss durch X infrage gestellt wird. So bleibt der Plan mit seinen analytischen Grundlagen verbunden und kann angepasst werden, sobald eine davon nicht mehr trägt.
Über unsere «Decision Games»
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