Georg Häsler über Neutralität, Sicherheit und die Idee einer Alpenallianz
[YouTube, 13.02.2026, Georg Häsler, Mathias Müller]
Was bedeutet Neutralität in einer zunehmend unsicheren Welt? Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen kommen auf die Schweiz zu? Und wie kann Zusammenarbeit im Alpenraum zur Stabilität Europas beitragen? Im offiziellen Podcast der Schweizer Armee spricht NZZ-Redaktor, Sicherheitsexperte und Oberst Georg Häsler mit Gastgeber Oberst i Gst Mathias Müller über strategisches Denken, militärische Realität und die Verantwortung eines neutralen Staates. Dabei erläutert er auch die Grundidee seines Buches «Alpenallianz», das den Alpenraum als gemeinsamen sicherheitspolitischen Raum betrachtet. Ein interessantes Gespräch über Geopolitik, Landesverteidigung und die Bedeutung klarer Analyse in komplexen Zeiten.
[CSS ETH, 12.03.2026, Gorana Grgić, Daniel Möckli et al]
In der diesjährigen Ausgabe des jährlichen Reports des Center for Security Studies an der ETH Zürich identifizieren und analysieren die Autoren strategische Trends, welche ihrer Ansicht nach die Weltpolitik der nächsten Jahre prägen werden. Im Detail behandelt werden dabei der sich wandelnde Charakter des Krieges, die Militarisierung des Weltraums, sowie die zunehmend multipolare Weltordnung.
In this video, War Archive analyses the 2023 Ukrainian counteroffensive, which allows viewers to study how Russian forces defended the frontline and which weaknesses in Ukrainian strategy they exploited. The counteroffensive was shaped by NATO training and hence Western assumptions on how a war involving NATO would unfold. Early Ukrainian attempts at breaching Russian lines through mechanized assaults proved costly, as Ukraine lacked air superiority, strong air support, and was faced with strong Russian reconnaissance and defences. The failed 2023 counteroffensive can therefore serve as a cautionary tale on how no war is the same, and how military planners need to account for the context in which a war unfolds. Apart from this analysis, War Archive post other videos where he analyses specific battles of the Russian War in Ukraine in detail. Highly recommended is his video on the Battle of Kharkiv.
Diese Ausgabe des Bundeswehrmagazins «Innere Führung» beschäftigt sich mit zeitgemässer Menschenführung (16), innerer Führung (30), sowie der nun 70-jährigen Geschichte der Bundeswehr (24).
[The New York Times Magazine, 31.12.2025, C.J. Chivers]
Whereas early-on in the war Ukraine’s drones could operate freely, the Russian Armed Forces later deployed strong electronic warfare systems. As EW systems were mounted on potential targets such as tanks, many Ukrainian drones did not reach their targets as the drone operator lost control over his or her drone as the drone was jammed. To avoid this failure in the last stage of an attack, A.I. plays an increasingly important role as it helps drones successfully reach their targets even as they are exposed to jamming. Chivers reports from Ukraine’s “fast-feedback” drone ecosystem, where the need to overcome Russian EW leads to increasingly autonomous drone missions. He shows how terminal guidance modules, GPS-free navigation (visual positioning), and early swarm management concepts are already in combat use, often built from commercial components and iterated through rapid frontline feedback loops. The article highlights a certain interconnectedness, where not only the efforts of combat units matter, but where successful strike operations under jamming conditions are also the collective product of the work of venture capital, government procurement and engineers. Chivers notes how armed forces which do not prepare for (partially) autonomous warfare will fall behind.
Defending the City: An Overview of Defensive Tactics from the Modern History of Urban Warfare
[Modern War Institute, 14.02.2022, John Spencer, Jayson Geroux]
In this intriguing piece, Spencer and Geroux use historic examples from WWII and contemporary wars to extract lessons for urban warfare. Amongst others, they use the Battle of Stalingrad (1942-1943), the Defence of Mosul (2016-2017) and the First Battle of Grozny (1994-1995) as case studies.
Das Update Führung ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.
Falls Sie Lesenswertes zu Command, Leadership oder Management entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie dies mit uns teilen. Gerne nehmen wir Tipps für die kommende Ausgabe von Leader’s Digest via leadersdigest@leadershipcampus.ch entgegen.
Innovation und Adaption sind heute in aller Munde. Ein vertieftes Verständnis der Materie unterstützt das eigene fundierte Argumentieren. Im ersten Teil werden die Einflüsse von Doktrin, Technologie und Leadership aufgezeigt. Der zweite Teil zeigt basierend auf Erfahrungen und konkreten Beispielen aus den Kriegen im Irak und Afghanistan auf, welche Einflüsse Doktrin, Technologie und Leadership auf die Möglichkeiten / Einschränkungen der Adaption hatten. Der dritte Teil schaut in die Zukunft bzw. mittlerweile die Gegenwart. Was können die US-Streitkräfte basierend auf den Lessons learned besser machen? Was können wir in Europa oder in der Schweiz aus diesen Entwicklungen lernen?
Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?
Adaption oder Innovation werden leider vielfach fast ausschliesslich als Technologie-getrieben verstanden. Die wichtigen Rollen von Doktrin, welche solche Entwicklungen zulässt bzw. insbesondere von Leadership, welches solche Entwicklungen unterstützt und verstärkt, werden nicht oder kaum wahrgenommen. Ohne diese beiden Faktoren verliert sich Innovation aber in Tech-Talks. Doktrin und Leadership haben wir in der Hand. Wir haben es in der Hand, Innovation und Adaption zu befeuern. Genau dazu liefert das Buch hervorragende Hintergründe.
Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?
Die historischen Beispiele aus den Kriegen im Irak und Afghanistan sind teilweise etwas langfädig zu lesen.
An wen richtet sich Ihre Empfehlung?
An alle, die mehr über gelebte Adaption erfahren und diesbezügliche Chancen in der Schweizer Armee nutzen wollen.
Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?
Leadership ist überall. Ohne dieses Verständnis bzw. ohne gutes / unterstützendes / befeuerndes Leadership verpufft selbst die innovativste Idee.
Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?
Leadership – denn der Mensch triggert Doktrin und Technologie.
Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?
Die knappen Ressourcen optimal zur Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit einzusetzen sowie der Bevölkerung und der Politik glaubwürdig die Dringlichkeit der Stärkung der Verteidigungsfähigkeit zu erklären.
Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?
Wir verfügen über hervorragende Angehörige der Armee, die mit ihrer Ausbildung, technologischem Verständnis, Pragmatismus und Leadership-Skills diesen Herausforderungen gewachsen sind. Lassen wir jeder Stufe Gestaltungsfreiraum, schenken wir Vertrauen und lassen auch unkonventionelle – schlaue Wege zu, dann sind wir für die Zukunft gewappnet.
«What matters most is the ability to successfully adapt to unforeseen circumstances as they arise.»
Über den Rezensenten
Brigadier Dan Aeschbach ist seit 01. Februar 2026 Kommandant der Logistikbrigade 1. Zuvor war er Kommandant des Kompetenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere sowie Unterstabschef Logistik der Territorialdivision 4.
Über das «Buch des Monats»
Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.
Die Decision Games des Leader’s Digest sollen die Abonnentinnen und Abonnenten dieses Newsletters anregen, sich im Rahmen von Szenarien in die Rolle von Personen zu versetzen, die sich mit ethischen bzw. taktischen Herausforderungen konfrontiert sehen.
Zunächst wiederholen wir das letztmalig vorgestellte Szenario; im Anschluss würdigt Oberst i Gst Patrick Hofstetter, Dozent für Führung und Kommunikation an der ETH Zürich, die diskussionswürdigste Handlungsempfehlung.
Decision Game aus Leader’s Digest #26
Gegner
Gegner im Interessenbereich
Die Kräfte haben bereits im Raum WIETZENDORF (35km weiter im Süden) ihren Verteidigungskampf begonnen und stehen nun mit den verbliebenen Kräften in der letzten Verteidigungsstellung. Die Frontbataillone, namentlich die mechanisierten Bataillone 431+ 432, sind bereits vollständig zerschlagen und haben ihre Aufträge nicht erfüllt.
Restkräfte des Mechanisierten Regiments 43 (ROT):
Verhindert gegnerischen Stoss über die Verteidigungslinie AMELINGHAUSEN-WRIEDEL für 6h, um dem mechanisiertem Regiment 44 den Gegenangriff über den ELBESEITENKANAL zu ermöglichen und diesen weiterhin zu halten.
Verteidigt mit 2 Panzergrenadierzügen (Kampfkraft noch ca. 75%) AMELINGHAUSEN.
Verteidigt mit 1 Panzerzug die Südausläufer AMELINGHAUSEN (Kampfkraft noch 2 x T80).
Wenn es dem Feind nicht gelingt AMELINGHAUSEN zu halten, kann BLAU bis zum ELBESEITENKANAL durchstossen und das Mechanisierte Regiment 43 ist vollständig zerschlagen und der Auftrag der Feindkräfte ist nicht erfüllt. Es geht in dieser Verteidigungslinie um alles oder nichts für die Wislanische Armee.
Eigene Mittel
Sie sind Zugführer des CHARLIE Zuges [Anmerkung: in der Bundeswehr der 3. Zug der Kompanie, im Gegensatz zur Schweiz, wo CHARLIE für die 3. Kompanie des Bataillons steht] in der Panzergrenadierkompanie 4/132:
Ihnen zur Verfügung stehen 4 Schützenpanzer PUMA mit 24 Panzergrenadieren als Absitzstärke.
Der Schützenpanzer PUMA verfügt über MELLS (Panzerabwehrlenkwaffe mit bis zu 4 km Reichweite) und einer 30mm Bordkanone. Siehe Kurzerklärung PUMA: https://www.youtube.com/watch?v=YSCaAJTSeQ03.55%
Ihr Zug ist vollständig einsatzbereit, aufmunitioniert und hat trotz bereits 35km Kampf in die Tiefe als einziger Zug der Kompanie keine Verluste erlitten.
Die Moral ist hoch, das Bataillonsangriffsziel AMELINGHAUSEN sowie der Sieg steht kurz bevor, dies aus Sicht ihres Kommandeurs.
In der Kompanie stehen 2 Brückenpanzer LEGUAN zur Verfügung (jeweils einmal in Konfiguration 14m und 26m). Siehe Kurzerklärung LEGUAN: https://www.youtube.com/watch?v=XWYnKV-J6oU
Sie rollen mit 30 km/h und befinden sich aktuell 500m westlich des DRUMBERG und sind Spitzenzug in der Kompanie (Siehe Karte).
Auftrag
In der Befehlsausgabe während der laufenden Operation durch Ihren Kompaniekommandanten haben Sie folgenden Auftrag erhalten:
Nimmt und hält 2 Übergänge in REHLINGEN offen.
(die Brückenpanzer stehen auf Abruf zur Verfügung und werden, sobald Sie gesichert melden, an mögliche Einlegestellen durch den Kompaniekommandant befohlen).
Umwelt
Zur Lage in REHLINGEN ist nur bekannt, dass es zwei leistungsfähige Übergänge über die LOPAU gibt. Nördlich befindet sich eine Biogas-Anlage entlang der Hauptstraße (Kreisstraße 19).
Zeitverhältnisse
Die aktuelle Uhrzeit lautet: 21:07 UHR – in Niedersachsen ist zu dieser Jahreszeit bereits seit einer Stunde dunkel. Der Kompaniechef erwartet innerhalb der nächsten 45min ihre Erfolgsmeldung.
Soeben kommt eine Meldung des Aufklärungzugführers rein: Spähtruppführer 4 auf Kompanieführungsnetz: hier Auge 4, eigener Standort bei M-12+2. Über UAS aufgeklärt zwei Sprengungen in REHLINGEN bei 817 847 und aufsteigende Rauchsäulen. 2 BMP in Ausweichbewegung nach Norden. Kläre weiter auf. (Zeit 2107Z)
Fragestellung
Analysieren Sie mittels den Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln (Karten, Open Source Medien etc) kurz das Gelände. Für solche OSINT-Analysen eignet sich in der Schweiz Swisstopo und alternativ auch Google Earth Pro, welches im Vergleich zu Google Maps mehr Funktionen wie bspw Distanzmessung, Radiusmessung, historische Satellitenaufnahmen etc aufweist. Google Earth Pro kann kostenlos installiert werden, Swisstopo ist im Browser verfügbar.
Wie lautet Ihr Entschluss als Zugführer? (SKIZZE und ein Befehl «Orientierung – Absicht – Aufträge» sind gefordert)
Begründen Sie in 3 Sätzen Ihren Entschluss.
Handlungsempfehlungen zum Decision Game aus Leader’s Digest #26
Das Decision Game zu REHLINGEN stellte den Zugführer des CHARLIE Zuges vor eine Aufgabe, die auf den ersten Blick einfach wirkte: zwei Übergänge in REHLINGEN nehmen und offenhalten. Tatsächlich lag die Schwierigkeit aber nicht im isolierten Nehmen einer Ortschaft oder einzelner Brückenstellen, sondern im Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Dunkelheit, Zeitdruck, zwei gemeldete Sprengungen, ausweichende feindliche BMP, der eigene Auftrag als Spitzenzug der Kompanie und die Verfügbarkeit von zwei Brückenpanzern LEGUAN, die erst nach gesicherter Meldung durch den Kompaniekommandanten an mögliche Einlegestellen befohlen werden konnten.
Wir liefern auch diesmal keine Musterlösung, sondern eine Besprechung anhand der drei besten Einsendungen. Die zentrale Frage war dabei nicht nur, ob ein Entschluss formuliert wurde, sondern ob die Lage richtig erfasst, der Entschluss taktisch machbar und der Einsatz der Brückenpanzer in einen stimmigen Zugbefehl überführt wurde.
Über fast alle Einsendungen hinweg zeigte sich ein ähnliches Problem: Die gemeldete Sprengung der Brücken wurde zu wenig konsequent verarbeitet. Mehrere Lösungen gingen implizit davon aus, dass man die gesprengten Brücken einfach wieder mit Brücken belegen könne. Das ist problematisch. Trümmerwurf ist kein Randdetail, sondern muss jedem Offizier als taktisches und technisches Problem bewusst sein. Wer zerstörte Brücken in aktuellen Kriegsbildern betrachtet, etwa aus der Ukraine, erkennt rasch, dass sich darauf oder unmittelbar daneben nicht einfach beliebig eine Behelfsbrücke einlegen lässt. Genau hier begann die eigentliche Geländebeurteilung: Nicht «wo waren vorher Brücken?», sondern «wo kann unter den gegebenen Umständen ein Brückenpanzer tatsächlich einlegen?».
Der zweite wiederkehrende Punkt betrifft den LEGUAN. Ein Brückenpanzer ist für einen Panzergrenadierzug ein artfremdes Mittel. Gerade deshalb muss der Zugführer dessen Einsatz aktiv in seinen Entschluss integrieren. Es genügt nicht, den LEGUAN zu erwähnen oder vorauszusetzen, dass er nachher irgendwie erscheint. Im Befehl muss klar werden, wer den Brückenpanzer aufnimmt, wer ihn einweist, wer ihn während des Einlegens schützt, wer als erstes übersetzt und welches Verhalten nach dem Erstellen der Brücke gilt. Mehrere Eingaben blieben genau an dieser Stelle zu allgemein.
Drittens fehlte bei vielen Lösungen die Phase nach dem Einlegen der Brücke. Der Auftrag endet nicht mit der Meldung «Brücke liegt». Danach muss der Brückenkopf gebildet und gesichert werden. Auf Stufe Zug heisst das beispielsweise: mit den PUMA in die Tiefe sichern, in die nächste Geländekammer wirken, Feuer und Beobachtung auf mögliche Gegenstösse ausrichten und das Nachziehen der Kompanie ermöglichen. Wer nur bis zum Einlegen denkt, denkt den Auftrag nicht fertig.
Viertens wurde der Gesamtrahmen der Kompanie zu wenig genutzt. Viele Zugführer kämpften in ihren Lösungen faktisch allein. Genau das war aber der Clou dieser Aufgabe. Der CHARLIE Zug ist Spitzenzug der Kompanie, nicht eine isolierte Kampfgruppe. Daraus ergeben sich Fragen: Wo gehen die Nachbarzüge hin? Wann kann ein Flankenschutz durch Folgezüge übernommen werden? Welche Aufklärungsleistung brauche ich weiterhin vom Aufklärungszug? Was muss ich beim Kompaniekommandanten beantragen? Auch ein Antrag – etwa auf Blenden, Feuerunterstützung oder eine präzisere Führung der Aufklärung – kann Teil eines guten Entschlusses sein, wenn er taktisch begründet wird.
Die Biogasanlage im Norden wurde in einzelnen Lösungen stark gewichtet. Sie ist zwar Infrastruktur und kann bei Zerstörung zu Feuer, Explosion oder Sichtbehinderung führen. Für den Auftrag des Zuges ist sie aber nicht automatisch das taktische Schlüsselgelände. Wer die Biogasanlage zum Zentrum des Entschlusses macht, läuft Gefahr, Kräfte an ein Objekt zu binden, das für das Offenhalten der Übergänge nur begrenzten Mehrwert hat.
Den ersten Rang belegt Hauptmann Pugin. Seine Eingabe war insgesamt die stärkste. Ausschlaggebend war vor allem die saubere Geländeanalyse. Er erkannte das Problem der gesprengten Brücken, beurteilte realistische Einlegemöglichkeiten und dachte den Schutz der Brückenpanzer mit. Seine Absicht war klar, taktisch machbar und in sich stringent. Auch die Befehlsgebung war präzise und auf Stufe Zug gut führbar. Verbesserungspotenzial bestand vor allem in der Phase nach dem Einlegen: Die Sicherung des Brückenkopfes in die Tiefe hätte noch klarer geregelt werden müssen. Zudem bleibt bei einem mechanisierten Zug immer kritisch zu prüfen, wie weit man die eigenen Kräfte auseinanderzieht und ab wann Folgekräfte der Kompanie bestimmte Sicherungsaufgaben übernehmen können. Insgesamt war dies jedoch die überzeugendste Gesamtlösung.
Auf dem zweiten Rang folgt Leutnant Rinderknecht. Positiv hervorzuheben ist, dass er AUGEZ angewandt und sich sichtbar bemüht hat, Gegner, Gelände und eigene Handlungsmöglichkeiten strukturiert zu erfassen. Seine Lösung enthält mehrere richtige Überlegungen und zeigt taktische Denkarbeit. Gleichzeitig bleibt der Entschluss in der Formulierung zu wenig zwingend. Einzelne Massnahmen, insbesondere der Beobachtungs- beziehungsweise Alarmposten im Norden, binden Kräfte, ohne den Auftrag wesentlich zu fördern. Auch die starke Fokussierung auf die Biogasanlage lenkt eher vom Kernproblem ab. Hier fehlte das Denken im Gesamtrahmen der Kompanie besonders deutlich: Wenn Folgezüge nachstossen, muss nicht der Spitzenzug dauerhaft einen grossräumigen Flankenschutz im Norden leisten. Trotz dieser Schwächen war die Eingabe insgesamt substanziell genug für den zweiten Rang.
Den dritten Rang erreicht Hauptmann Petkoski. Seine Lösung war kurz, einfach und verständlich. Die Skizze war brauchbar, die Befehlsgebung auf Stufe Zug zweckmässig, und die Verwendung von Patrouillen entsprach dem Rahmen eines Panzergrenadierzuges besser als eine zu starke Zerstückelung in einzelne abgesessene Gruppen. Positiv war zudem, dass der Angriff bei Nacht in die Begründung einfloss. Kritisch bleibt, ob zwei Gruppen an zwei verschiedenen Orten ausreichen, um zwei Übergänge zu nehmen, zu sichern und gleichzeitig die Brückenpanzer zweckmässig aufzunehmen. Auch bei ihm hätte klarer befohlen werden müssen, wer die LEGUAN einweist, schützt und nach dem Einlegen den Brückenkopf sichert. Gerade weil die Lösung knapp und präzise war, wäre hier mit wenigen zusätzlichen Sätzen viel gewonnen gewesen.
Die wichtigste Lehre aus diesem Decision Game ist damit weniger eine einzelne taktische Lösung als vielmehr ein Führungsgrundsatz: Der Zugführer darf seinen Auftrag nicht isoliert betrachten. Er muss Gelände, Gegner, eigene Mittel, Zeitdruck, Nachbarzüge, Unterstützungsleistungen und artfremde Mittel zu einem führbaren Entschluss verdichten. Das Nehmen von REHLINGEN war nur der erste Teil. Entscheidend war, unter den Bedingungen gesprengter Übergänge den Einsatz der LEGUAN zu ermöglichen, diese zu schützen und anschliessend einen tragfähigen Brückenkopf für die Kompanie zu schaffen.
Die ersten drei Plätze erhalten erneut Preise von tacsymbols.ch – vielen Dank dafür. Für den ersten Rang gibt es zusätzlich das Buch des Monats April, Leadership is Language: The Hidden Power of What You Say – and What You Don’t von L. David Marquet, mit Signatur des Autors.
Zum Schluss noch eine Korrektur in eigener Sache: Bei der Auswertung des letzten Monats ist uns ein Fehler unterlaufen. Hptm Bryan Morisod hatte gleich viele Punkte wie der Erstplatzierte erreicht. Er erhält deshalb nachträglich ebenfalls ein Exemplar des März-Buches.
Eine Ersatzbrücke kann nicht einfach so über eine zerstörte Brücke gelegt werden. Bild: 2022, Irpin, Ukraine.