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Leader's Digest Leader's Digest #26 Newsletter

Buch des Monats: «Leadership is Language»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Sprache ist das wichtigste Werkzeug einer Führungsperson, denn sie beeinflusst, wie Menschen denken, entscheiden und handeln. Gute Führung bedeutet nicht Befehle zu geben, sondern Fragen zu stellen und andere zum Mitdenken anzuregen. Entscheidungen sollten dort getroffen werden, wo das Wissen vorhanden ist, anstatt nur von oben vorgegeben zu werden. Wer mit Sprache gezielt führt, der fördert Verantwortung, Vertrauen und eine starke Zusammenarbeit.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Wie schon bei seinem ersten Buch «Turn the Ship Around» beschreibt Marquet die neue Führungsrichtung des Leader-Leader-Systems. Es ist die Vertiefung des Buches auf die Sprache und somit die Kultur von Führungspersonen. Ich habe meinen praktischen Dienst als Kompaniekommandant nach den Vorschlägen von Marquet geführt und war erstaunt, welche Fortschritte und Leistungen meine Kompanie erbracht hat. Besonders stolz bin ich auf die Eigenständigkeit und Initiative meiner Unterstellten, die dadurch entstanden ist.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Das Buch und das Leader-Leader Prinzip setzt Kompetenz und Vertrauen voraus. Beides ist in einer Rekrutenschule nicht von Beginn an gegeben und die 18 Wochen reichen nicht ganz, um alles zu implementieren. Es kann aber als richtungsweisende Empfehlung genutzt werden und regt die Führungspersonen zum Nach- und Umdenken an.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Vor allem an Führungspersonen, die andere Führungspersonen führen, da die Grundvoraussetzungen Kompetenz und Vertrauen gegeben sein müssen, damit der Effekt vollends ausgeschöpft wird.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Als Kompaniekommandant einer Panzerkompanie hatte ich als Führungsstaffeloffizier nicht wirklich das gleiche Verständnis vom Kampfpanzer wie meine Zugführer. Durch die bewusste Weitergabe der Entscheidungskompetenz an die Wissensträger konnten Entscheide durch diese gefällt werden. Die Zugführer haben dadurch mehr Verantwortung übernommen und waren sehr begeistert mir die technischen Besonderheiten zu erklären und darzulegen. Ich konnte dadurch in kurzer Zeit den Kampfpanzer Leopard sehr gründlich kennenlernen.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Es verbindet Command und Leadership. Durch den gezielten Einsatz der Sprache und der Übertragung der Entscheidungskompetenz wird der Unterstellte in die Verantwortung gezogen und ist intrinsisch motiviert diese zu übernehmen. Dies schafft Freiraum und freie Denkkapazitäten für den Kommandanten.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Dass wir Menschen mit zu kurzer Ausbildungszeit mit sehr viel Verantwortung überfordern und diese dadurch nicht wirklich als Leader, sondern eher als Manager fungieren.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Dass wir der Gesellschaft ein Gefäss bieten, in welchem Führungspersonen die ersten Schritte und Erfahrungen machen können. Diese verfeinern dann ihre Fähigkeiten im Berufsleben und bringen im Wiederholungskurs einen Mehrwert zurück in die Milizverbände.


Über den Rezensenten

Hauptmann Timothy Rizza hat eine Lehre als Bäcker/Konditor absolviert und wurde als Truppenkoch ausgehoben. In der 4. Woche der Rekrutenschule wechselte er zur Panzerstabskompanie und war anschliessend 3 Jahre Führungsstaffelzugführer. Nach der Militärakademie wurde er Berufsoffizier im Lehrverband Panzer/Artillerie und ist zurzeit abkommandiert ans Ausbildungszentrum Spezialkräfte für den Kompetenzaufbau Führungsstaffel und Übermittlung, sowie für den Teamaufbau der Combat Service Support-Kompanie.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #25 Newsletter

Buch des Monats: «Pearl Harbor: Japans Angriff und der Kriegseintritt der USA»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Melber rekonstruiert einerseits die Vorgeschichte mit den langwierigen amerikanisch-japanischen Verhandlungen und diplomatischen Manövern 1941 und andererseits die innenpolitischen Konflikte in Tokio zwischen Militär, Marine, Aussenministerium und ziviler Führung, die zu einer Eskalationslogik führten.​ Damit rückt er die Rolle der Diplomatie und ihrer Grenzen stark in den Vordergrund, allerdings eher analytisch als programmatisch im Sinne einer «Friedensappell»-Literatur.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Es zeigt unter anderem auf, dass das, was wir aktuell in der internationalen Geo- und Sicherheitspolitik erleben, sehr viel Ähnlichkeit hat mit den Ereignissen von damals.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Überhaupt nicht. Es ist dem Leser überlassen, den intellektuellen Transfer in die heutige Realität vorzunehmen. Beispielsweise das Thema der Nutzung und Verfügbarkeit von Kommunikationsmitteln und die damit verbundenen Möglichkeiten, sich auf allen Ebenen auszutauschen, ist heute eine ganz andere Herausforderung.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An diejenigen, die Geopolitik gesamtheitlich verstehen und in einem historischen Kontext sehen wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Es zeigt die Bedeutung der interdepartementalen Kommunikation auf und hat mir aufgezeigt, wie wichtig auch mein Verständnis gegenüber den anderen Departementen ist.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Auch wenn ein nicht unwesentlicher Teil des Buches dem Command-Aspekt zugeordnet werden kann, sehe ich gerade den Aspekt des Leaderships als zentral an, denn das Verständnis über was Leadership ist und wie es gelebt wird, unterscheidet sich zwischen Regierung, Politik, Diplomatie und Militär wesentlich.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Die sicherheitspolitische Forderung nach mehr Kooperation und Interoperabilität wird zwangsläufig zu mehr internationaler Zusammenarbeit und somit Verflechtungen führen. Dies wird die Führung beispielsweise in der Priorisierung von Mitteln oder Personal fordern.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Jede Zusammenarbeit besteht aus einem Geben und Nehmen. Als grösste Chance sehe ich Letzteres, das Potenzial (Fähigkeiten und Wissen) unserer Verbündeten, welches unsere Verteidigungsfähigkeit steigern kann.


Über den Rezensenten

Die berufliche Laufbahn von Oberstleutnant im Generalstab André Stirnimann begann mit einer Lehre als Hochbauzeichner, doch seit der Rekrutenschule in Isone wollte er den Tarnanzug nicht mehr abgeben. Seither hat er als Berufsoffizier mehrere Kurse, Einsätze und Abkommandierungen im Ausland wahrgenommen. Er trägt aktuell die Funktion des Verbindungsoffiziers der Armee zur NATO am Allied Command Transformation (Norfolk VA, USA). André Stirnimann ist verheiratet und Vater von zwei Mädchen. Nebst Motorradfahren und Sport entwirft er Möbel und hat sich neuerdings dem Lederhandwerk verschrieben.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #24 Newsletter

Buch des Monats: «Keine Regeln: Warum Netflix so erfolgreich ist»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Das Buch beschreibt die radikale Unternehmenskultur von Netflix, die auf Freiheit, Eigenverantwortung und Transparenz setzt. Statt auf strikte Regeln und Prozesse baut Netflix auf ein Umfeld, in dem Mitarbeiter viel Handlungsspielraum haben und Verantwortung übernehmen.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Dass es den Mut zeigt, traditionelle Managementregeln radikal in Frage zu stellen, und konkrete Beispiele liefert, wie eine Kultur des Vertrauens und der Eigenverantwortung Innovation fördert. Gerade die Aspekte zu Vertrauenskultur sind im militärischen Kontext für mich entscheidend.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Ja, die starke Betonung von radikaler Offenheit und Freiheit könnte in anderen Organisationen, besonders in hierarchischen oder sicherheitskritischen Bereichen wie dem Militär, nicht ohne Weiteres anwendbar sein.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle Führungskräfte, die ihre Unternehmenskultur neu denken oder in Organisationen arbeiten, die agiler, innovativer und eigenverantwortlicher werden wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Es regt zum Nachdenken an, wie viel Eigenverantwortung man auch im militärischen Umfeld geben kann. Nicht alle Prinzipien sind übertragbar, aber die Grundidee, Vertrauen über Kontrolle zu stellen, ist auch im militärischen Führungsalltag inspirierend.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Eindeutig Leadership, da es um kulturellen Wandel, Vertrauen, Verantwortung und die Entwicklung von Menschen geht.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Den richtigen Mittelweg zu finden zwischen notwendiger Hierarchie/Disziplin und mehr Eigenverantwortung und Innovation. Am Ende ist es der Weg von Management hin zu Leadership in einem sich schnell adaptierenden Gefechtsfeld.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

In der Möglichkeit, durch gezieltes Vertrauen und weniger Mikromanagement das Potenzial und die Kreativität der Angehörigen der Armee stärker zu nutzen.


Über den Rezensenten

Maj i Gst Florian Schweizer ist ehemaliger Privatbanker; seine Grundausbildung absolvierte er als Panzergrenadier der Schweizer Armee. Als Berufsoffizier im Lehrverband Panzer/Artillerie ist er derzeit als Austauschoffizier an der Panzertruppenschule in Deutschland eingesetzt und absolviert parallel ein Masterstudium in Personalmanagement. In seiner Freizeit verbringt er gerne Zeit mit seiner Familie mit zwei Kindern, wandert, leitet Marschgruppen, spielt Eishockey und beschäftigt sich mit Strategiespielen.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #23 Newsletter

Buch des Monats: «If You Want Peace, Prepare for War»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Das Buch zeigt klar: Frieden entsteht nicht von selbst. Frieden braucht Vorbereitung. Bauer beschreibt, wie militärische Stärke, politische Entschlossenheit und eine widerstandsfähige Gesellschaft zusammenwirken. Er zeigt, dass Sicherheit nicht allein Aufgabe der Armee ist. Eine ganze Gesellschaft muss fähig und bereit sein, sich zu verteidigen. Staaten müssen Risiken ernst nehmen und rechtzeitig handeln. Nur so bleiben Wohlstand und Freiheit bestehen.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Am meisten überzeugt mich die Klarheit, mit der Bauer den Zusammenhang zwischen Vorbereitung und Frieden darlegt. Er beschönigt weder die sicherheitspolitische Lage noch die Verantwortung, die daraus für Staaten und Gesellschaften entsteht. Besonders wertvoll finde ich, wie er militärische, politische und zivile Perspektiven verknüpft und zeigt, dass Sicherheit ein gemeinsames Projekt ist. Diese Verbindung von strategischem Denken und gesellschaftlicher Verantwortung macht das Buch für mich besonders lesenswert.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Ein Punkt, den ich vermisse, ist die noch stärkere Einbindung kleinerer Staaten mit spezifischen Sicherheitsmodellen. Bauer argumentiert nachvollziehbar aus der Perspektive grosser Bündnisse, doch viele Länder, unter anderem auch die Schweiz, müssen ihre Verteidigungsfähigkeit eigenständig sicherstellen und ihre Ressourcen sehr gezielt einsetzen.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Ich würde dieses Buch all jenen empfehlen, die sich ernsthaft mit der Sicherheitslage unseres Kontinents auseinandersetzen wollen. Für Entscheidungsträger in Politik, Verwaltung und Wirtschaft bietet es wichtige Denkanstösse, weil es die sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit klar einordnet.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Besonders wertvoll finde ich die Betonung der Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Akteuren. Mir hat das einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig umfassende Sicherheit und die Zusammenarbeit im Sicherheitsverbund Schweiz ist.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Ich ordne das Buch im CLM-Modell dem Bereich Command und Handlungssicherheit zu. Bauer zeigt, wie wichtig klare Orientierung, eine realistische Lagebeurteilung und gute Vorbereitung sind. Nur so bleibt eine Armee im Ernstfall handlungsfähig. Er beschreibt genau jenen Bereich, in dem Führung den Auftrag klärt, Prioritäten setzt und die Grundlage schafft, damit Sicherheit zuverlässig gewährleistet werden kann.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Es ist nicht an mir, der neuen Führung Ratschläge zu geben, das hat mein Nachfolger nicht nötig.


Über den Rezensenten

Korpskommandant Süssli ist verantwortlich für die Führung der Armee. Er leitet den Departementsbereich Verteidigung und untersteht damit direkt dem Chef des Eidgenössischen Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), Bundesrat Martin Pfister. Dem Chef der Armee unterstehen der Armeestab, das Kommando Operationen, die Logistikbasis der Armee, das Kommando Cyber und das Kommando Ausbildung.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #22 Newsletter

Buch des Monats: «Qu’est-ce qu’un chef?»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Ein Chef ist in erster Linie ein Visionär, der in der Lage ist, eine Richtung vorzugeben und Handlungen einen Sinn zu verleihen. Seine Vision muss langfristig angelegt sein, was Überlegungen, aber auch Pausen erfordert. In der Welt der technologischen Unmittelbarkeit, in der wir leben, muss ein Chef in der Lage sein, Abstand zu gewinnen. Um das Vertrauen seiner Untergebenen zu gewinnen, muss er natürlich, aufrichtig, vorbildlich und menschlich bleiben und gleichzeitig sein persönliches Gleichgewicht bewahren. Seine Glaubwürdigkeit und Legitimität beruhen auf seinen Fähigkeiten, seinem Wissen und seinem Auftreten, aber auch auf seiner Bescheidenheit.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Die Qualität von dessen Struktur und Inhalt.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein, ganz im Gegenteil, es ist sehr erfreulich festzustellen, dass es in diesem Buch viele Ähnlichkeiten mit dem gibt, was wir in unseren Kaderschulen lernen.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Obwohl dieses Werk von einem General verfasst wurde, richtet es sich an alle Personen, die Führungsaufgaben wahrnehmen, sei es im militärischen Bereich, in der Politik, in der Verwaltung, in Vereinen oder in der Privatwirtschaft.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Zeit ist eine ebenso wertvolle Ressource wie unsere Gesundheit. Ob in meinem Beruf, meinem Militärdienst oder meinen anderen Verpflichtungen: ich plane Zeit zum Nachdenken ein, wodurch sich die Zeit für Reaktionen verkürzt.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Auch wenn die Dimension Leadership im Vordergrund steht, enthält dieses Buch gleichwohl Erkenntnisse, die den Aspekten Command und Management zugeordnet werden können.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Die grösste Herausforderung für unsere Armee ist das Vertrauen. Das Vertrauen der Armeeangehörigen in ihre Vorgesetzten, aber auch das Vertrauen der Bevölkerung und der Wirtschaft in ihre Armee. Das bedeutet, dass die politischen Behörden unserer Armee die personellen und materiellen Mittel zur Verfügung stellen müssen, die sie zur Erfüllung ihrer verfassungsmässigen Aufgaben benötigt.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Das Potenzial unserer Milizarmee ist immens und wird oft unterschätzt. Sie profitiert nicht nur von den zivilen Kompetenzen jedes einzelnen Soldaten, sondern bietet ihnen im Gegenzug dank der von ihr angebotenen Ausbildungen, sei es im Bereich der Führung oder im technischen Bereich, einen Mehrwert für das zivile Leben. Diese gegenseitige Bereicherung trägt dazu bei, das Verständnis der Bevölkerung und der Wirtschaft für unsere Tätigkeit als Soldaten zu verbessern und damit das Vertrauen der Bevölkerung in unsere Milizarmee zu stärken.


Über den Rezensenten

Oberstleutnant i Gst Murat Alder ist Milizoffizier. Seit 2010 ist er als selbstständiger Anwalt an der Genfer Anwaltskammer zugelassen und zudem Abgeordneter (FDP) im Grossen Rat der Republik und des Kantons Genf. Er gehört zur letzten Generation der Panzerjäger der Infanterie. Nachdem er die Unterstützungskompanie des Schützenbataillons 14/4 befehligt hatte, wurde er Generalstabsoffizier im Stab der Infanteriebrigade 2 und anschliessend im Stab der Territorialdivision 1. Derzeit befehligt er das Schützenbataillon 14, dessen Motto «FORCE ET VOLONTÉ» lautet.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #21 Newsletter

Buch des Monats: «Grunts: Inside the American Infantry Experience»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Das Buch bietet einen schonungslosen Einblick in die Realität amerikanischer Infanteristen vom Zweiten Weltkrieg bis in die jüngste Vergangenheit. McManus schildert die Erfahrungen der Soldaten an vorderster Front – mit all den Härten, Ängsten, Entbehrungen und auch der Kameradschaft, die den Infanteriekampf prägen. Damit zeigt er, dass Führung im Gefecht nicht nur von Taktiken bestimmt wird, sondern vom direkten, menschlichen Handeln in Extremsituationen.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Die Detailtreue, mit der McManus berichtet, basierend auf hunderten von Augenzeugenberichten. Er verklärt nichts, sondern schildert den Alltag der «Grunts» mit all seinen Spannungen: Tapferkeit und Verzweiflung, Professionalität und Überforderung, Heldentum und Scheitern. Gerade diese Vielschichtigkeit macht das Buch authentisch und wertvoll.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Das Buch fokussiert, wie der Titel es sagt, auf die amerikanischen Streitkräfte. Letztlich bleibt Infanterie aber Infanterie – über Räume und Zeiten hinweg.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle, die eine Vorstellung davon gewinnen wollen, wie sich Führung in Extremsituationen anfühlen könnte.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Es erinnert mich daran, dass hinter jeder taktischen Überlegung Soldaten stehen, die den Auftrag unter hohen Belastungen ausführen müssen.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Leadership – denn im Zentrum steht der Umgang mit Menschen im Ausnahmezustand.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Die Kunst, junge Menschen auch in schwierigen Rahmenbedingungen zu motivieren und ihre Belastbarkeit nicht nur technisch, sondern auch menschlich zu fördern.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

In der Möglichkeit durch glaubwürdige Vorbilder Vertrauen zu schaffen – denn Vertrauen ist das Fundament für Einsatzbereitschaft, nicht nur in der Infanterie.


Über den Rezensenten

Dr. oec. Patrick Hofstetter ist seit dem 01.01.2023 Dozent für Führung und Kommunikation der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich. Zuvor war er 11 Jahre Berufsoffizier und 3 Jahre Gründer und Leiter der Weiterbildungsakademie der Universität Luzern. Aktuell ist er im Stab Operative Schulung der Schweizer Armee eingeteilt.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #20 Newsletter

Buch des Monats: «Skunk Works»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Das Buch befasst sich mit den Memoiren des ehemaligen Direktors der advanced development projects von Lockheed (Skunk Works), einschliesslich seiner Erfahrungen mit früheren Managementstrukturen, Prozessen und der Entwicklung fortschrittlicher Aviatik. Eine Karriere, die ihren Höhepunkt in der Konstruktion, Erprobung und dem Betrieb der F-117 Nighthawk fand.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Ich fand es sehr interessant, die Arbeitsabläufe und Aktivitäten hinter den Kulissen der damals besten Ingenieure der Welt zu sehen.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein, das Buch besteht aus persönlichen Memoiren. Das Einzige, was ich mir gewünscht hätte, wären Informationen über die Vorgänge vor Ben Richs Amtsantritt als Leiter gewesen, die nur kurz erwähnt wurden.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle, die sich für Militärtechnik, Management und Grossprojekte interessieren.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Das Buch hat mir in gewisser Weise geholfen zu erkennen, dass grosse und komplexe Systeme innerhalb von Regierungen zwar starr sind, es aber dennoch oft Möglichkeiten innerhalb dieses Systems gibt, flexibel zu agieren.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Das Buch befasst sich zwar mit Managementprozessen in der Spitzenforschung, aber ich würde es wie folgt unterteilen:

  • 30 % Command: Das Buch beschreibt, wie man oft unter Berücksichtigung anderer Prioritäten effektive Entscheidungen trifft.
  • 50 % Leadership: Das Buch beschreibt Leadership- und Motivationstechniken und die starke Belastung für Mitarbeiter und ihre Familien.
  • 20 % Management: Beispiele für Prozesse und Projektmanagement.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Es ist insbesondere in Wehrpflichtarmeen immer eine Herausforderung, junge Menschen für den Dienst und die Armee zu motivieren und die jungen Menschen effektiv in die Armee zu integrieren

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Das Buch ist eine gute Lektüre, wenn man über adaptive Führungsstile nachdenkt, um Untergebene und interessierte Personen zu motivieren.


Über den Rezensenten

André Korsmo Berntsen, MPhil, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Militärakademie an der ETH Zürich, wo er sich mit kognitiven Stilen und Entscheidungsprozessen in der taktischen Ebene von Militäreinheiten befasst. Neben seinen Forschungsaufgaben promoviert er an der Universität Bergen im Fach der Operativen Psychologie. Dank seiner früheren Erfahrung als Logistikunteroffizier in der norwegischen Armee bringt er praktische Einblicke in seine akademische Arbeit ein. Sein Privatleben ist ebenso dynamisch: Seine Frau und sein Kind leben in Norwegen, sodass er wöchentlich zwischen Oslo und Zürich pendelt.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #19 Newsletter

Buch des Monats: «Urban Warfare In The 21st Century»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Urban Warfare im 21. Jahrhundert» untersucht die Komplexitäten und Herausforderungen militärischer Operationen in städtischen Umgebungen. Da Städte an Grösse und Bedeutung gewinnen, werden sie zu entscheidenden Schlachtfeldern in modernen Konflikten. Das Buch behandelt die einzigartigen Schwierigkeiten, mit denen Soldaten im urbanen Gelände konfrontiert sind, wie die hohe Bevölkerungsdichte, komplexe Infrastrukturen und die Anwesenheit von Zivilisten, welche die Taktiken, Techniken und Verfahren im Gefecht weniger effektiv machen. Das Werk deckt die Entwicklung des städtischen Krieges ab und betont, wie moderne Technologie und die sich ändernde Natur des Krieges Taktiken und Strategien beeinflusst haben. Es untersucht auch Fallstudien jüngster Konflikte und hebt hervor, wie verschiedene militärische Kräfte sich an das urbane Gelände angepasst haben. Der urbane Kampf stellt eine einzigartige und komplexe Herausforderung in modernen Konflikten dar, die eine besondere strategische und taktische Anpassung der Streitkräfte erfordert. Das Buch hebt die Bedeutung hervor, spezifische Fähigkeiten zu entwickeln, moderne Technologien einzusetzen und die einzigartigen Dynamiken städtischer Umgebungen zu verstehen, um in diesen Kontexten erfolgreich zu sein. Es betont auch die Notwendigkeit, militärische Ziele mit humanitären Imperativen in Einklang zu bringen, wie den Schutz von Zivilisten und die Minimierung von Kollateralschäden. Insgesamt befürwortet das Buch einen ganzheitlichen und angepassten Ansatz des urbanen Kampfes, der sowohl militärische Effektivität als auch ethische Verantwortung integriert.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Dieses Buch gefällt mir wegen seiner Kombination aus strenger Analyse, praktischem Ansatz, ethischen und strategischen Überlegungen sowie seinem zugänglichen Stil, all dies unterstützt durch die Erfahrung und das Fachwissen des Autors im militärischen Bereich.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Das Buch behandelt die technischen und taktischen Herausforderungen des urbanen Kampfes, geht jedoch meiner Meinung nach nicht ausreichend auf dessen psychologischen und soziologischen Aspekte ein. Der Stress der Soldaten, die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung, die langfristigen Folgen für die städtischen Gemeinschaften und die Widerstandsfähigkeit der Kämpfer in feindlichen Umgebungen sind Themen, die stärker erforscht werden könnten, um ein umfassenderes Bild des Themas zu bieten.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

«Urban Warfare im 21. Jahrhundert» richtet sich an ein breites Publikum, von Fachleuten im Verteidigungssektor über akademische Forscher bis hin zu Akteuren der Zivilgesellschaft; alle, die von der urbanen Kriegsführung und ihren vielfältigen Facetten betroffen oder an ihnen interessiert sind.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Dieses Werk kann ein wertvoller Leitfaden für einen militärischen Führer sein, indem es praktische Werkzeuge, bewährte Taktiken und umfassende Kenntnisse bietet, um erfolgreich die komplexen Herausforderungen des städtischen Kampfes zu meistern, während gleichzeitig die Sicherheit und Effektivität seiner Truppen beibehalten werden.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Dem Command. Der urbane Kampf erfordert schnelle und effektive Entscheidungen aufgrund der Geschwindigkeit, mit der sich Situationen ändern können. Das Buch hilft dabei, diese Fähigkeiten zu stärken, indem es Denkrahmen und analytische Ansätze zur Verfügung stellt, um Situationen schnell zu bewerten und Entscheidungen auf der Grundlage bewährter Praktiken zu treffen.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Meiner Meinung nach bestehen die grössten Herausforderungen für die Führung in der Armee im Zusammenhang mit dem Buch darin, sich an komplexe städtische Umgebungen anzupassen, multidimensionale Operationen zu leiten, ethische Überlegungen zu integrieren und fortschrittliche Technologien einzusetzen, während man gleichzeitig die Moral und die Widerstandsfähigkeit der Truppen gegenüber immer raffinierteren und unvorhersehbareren Gegnern aufrechterhält.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Die grössten Chancen für das Militär liegen in der Integration neuer Technologien, der taktischen Innovation, der Verbesserung der Ausbildung und Vorbereitung. Durch die Nutzung dieser Chancen kann das Militär sich auf die komplexen Herausforderungen zukünftiger städtischer Operationen vorbereiten, während es die Effektivität maximiert und die Risiken minimiert.


Über den Rezensenten

Oberstlt i Gst Edouard Vifian ist Berufsoffizier und in der Zelle Doktrin der Landstreitkräfte als Verantwortlicher für die Richtlinien für Operationen in städtischen Gebieten angestellt. Zuvor war er elf Jahre lang Berufsoffizier bei der Infanterie und Autor von zwei Büchern über die Militärgeschichte des Kantons Jura. Sein bevorzugtes Motto «Es gibt keine schlechten Truppen, es gibt nur schlechte Führer» wird General Jean de Lattre de Tassigny zugeschrieben. Dieses Motto unterstreicht die Bedeutung der Führung und Verantwortung der Offiziere bei der Ausbildung und Motivation der Truppe. Es spiegelt auch die Überzeugung wider, dass die Truppe mit einer guten Führung unabhängig von Umständen oder Schwierigkeiten Grosses erreichen kann.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #18 Newsletter

Buch des Monats: «My War Gone By, I Miss It So»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Loyd schildert seine Erfahrungen als Kriegsberichterstatter im Bosnien- und Tschetschenienkrieg und reflektiert die psychologischen Auswirkungen von Krieg auf Kämpfer und Beobachter. Das Buch zeigt die Ambivalenz zwischen Zerstörung und der Faszination extremer Situationen.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Die schonungslose Ehrlichkeit und die Tiefe der Reflexion über die Natur des Krieges und dessen Auswirkungen auf die menschliche Psyche. Loyd beschreibt seine Erfahrungen mit einer faszinierenden Schärfe in der Wortwahl, die den Leser in die Brutalität des Konflikts hineinzieht. Besonders beeindruckend ist sein Blick auf die Ambivalenz des Krieges: Einerseits die Zerstörung und das Leid, andererseits die Anziehungskraft und das Gefühl von Klarheit und Sinn, das Krieg bieten kann.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein, das Buch ist in seiner Art perfekt und verlangt nach mehr. Es beleuchtet den Krieg jedoch aus einer subjektiven Perspektive. Wer auf der Suche nach Analysen zu politischen, strategischen oder strukturellen Dimensionen von Krieg ist, sucht besser anderswo.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle, die sich mit (Selbst-)Führung in Extremsituationen und den psychischen Folgen von Konflikten beschäftigen möchten.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Beim Navigieren der eigenen Rolle in verschiedenen Einsätzen als UNO-Militärbeobachter und beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes, wenn es um die Frage der eigenen Neutralität und des Eingriffs vs. Nicht-Eingriffs in Dilemma-Situationen ging.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Leadership, insbesondere im Umgang mit Belastungen und moralischen Dilemmata in Extremsituationen.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Die fehlende Einsatz- und Führungserfahrung in Extremsituationen. Dieses Privileg ist gleichzeitig auch die grösste Schwachstelle gegenüber zukünftigen Bedrohungen.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Die rasante Entwicklung im Digitalisierungs- und KI-Bereich wird es ermöglichen, Extremsituationen in virtuellen Umgebungen realitätsnah abzubilden und erfahrbar zu machen, ohne dabei Leben riskieren zu müssen.


Über den Rezensenten

In seiner Milizfunktion ist Oberstlt Samuel Heer ausgebildeter Mechanisierter Aufklärer, wo er bis und mit Kompaniekommandant Dienst leistete. Seit 2017 ist er als Operationsoffizier dem Stab Einsatzunterstützung Landesregierung zugeteilt, wo er das Krisenmanagement der Bundeskanzlei unterstützt. Während seine militärische Funktion in einem zivilen Umfeld eingebettet ist, profitiert sein ziviler Beruf stark von seiner militärischen Ausbildung. Als humanitärer und diplomatischer Sicherheits- und Krisenmanagementexperte ist Samuel Heer seit 14 Jahren für das EDA, das IKRK, und die UNO in verschiedenen Konfliktgebieten im Einsatz. Mentalen Ausgleich verschafft er sich durch einen engen Bezug zum Familien- und Freundeskreis.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #17 Newsletter

Buch des Monats: «Organizational Culture and Leadership»

Was ist die Kernaussage des Buches?

Dieses Buch bietet verschiedene Schlüssel, um die Kultur und ihre Entwicklung innerhalb von Gruppen zu verstehen und zu analysieren. Edgar H. Schein nutzt mehrere Beispiele, um einen analytischen Rahmen für das kulturelle Phänomen zu schaffen und liefert auch ein Modell, das zur Beeinflussung und Veränderung der Kultur eingesetzt werden kann.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Dieses Werk ist Teil des Unterrichts am Command & General Staff College in Fort Leavenworth. Mein dortiger Ausbildungsbesuch erlaubt mir daher, einige Elemente des Buches in die Schweiz mitzubringen. Das Buch hat meine Aufmerksamkeit erregt, da es ermöglicht, ein offensichtliches, aber komplexes Phänomen, das wir Kultur nennen, zu entschlüsseln. In einer Welt, die sich ständig verändert, denke ich, dass ein Führer über bestimmte Analysewerkzeuge verfügen muss, um seine eigenen Handlungen im Rahmen der Schweizer Militärkultur denken und analysieren zu können.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Diese Empfehlung richtet sich eher an ein Publikum, das mit akademischen Konzepten vertraut ist, und ermöglicht eine Anwendung bereits auf der Kompanieebene. In unserem Milizsystem ist dieses Werk interessant, da es im Rahmen des Militärdienstes angewendet werden kann, aber auch in der Privatwirtschaft können Milizoffiziere von dem Buch profitieren.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Die drei Elemente der Kultur, wie sie von Schein definiert sind (Artefakte, bekundete Werte, Grundannahmen), haben es mir ermöglicht, retrospektiv über bestimmte Situationen nachzudenken, die ich während meiner Laufbahn erlebt habe. Für die Zukunft werden sie es mir ermöglichen, als Führer auf die Umgebung einzuwirken und zur Entwicklung der Kultur der Schweizer Armee beizutragen.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Das Werk befindet sich an der Schnittstelle zwischen menschlichen und organisatorischen Herausforderungen, indem die Kultur die Brücke zwischen dem Individuum und der Gruppe schlägt.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Ich sehe eine grosse Herausforderung für die Führung der Armee darin, sich auf die effektive Kampfbereitschaft der Streitkräfte zu konzentrieren, nach mehreren Jahrzehnten einer eher Management-fokussierten Führung (siehe das aktuelle Buch von Rudolf Jaun, Geschichte der Schweizer Armee). Es ist höchste Zeit, zum Prinzip von «Kriegsgenügen» zurückzukehren, und die Ausbildung der Führungskräfte und die Entwicklung der Streitkräfte darauf auszurichten. Ihr einziges verfassungsmässiges Ziel ist es nämlich, die Schweiz und ihre Bevölkerung zu verteidigen und nicht, sich auf andere Horizonte zu fokussieren.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Ich denke, dass die neuen Generationen innovativ sind und zum Schutz unseres Landes beitragen möchten. In diesem Sinne, wenn die Armee in der Lage ist, diese guten Willen agil zu integrieren und von der Vielfalt an Fähigkeiten zu profitieren, die in unserer Bevölkerung vorhanden sind, wird unsere Verteidigungsfähigkeit gestärkt und unsere Armee wird dadurch effektiver.


Über den Rezensenten

Oberstleutnant i Gst Julien Grand, aus den Truppen der Fliegerabwehr stammend, absolvierte den Grossteil seiner Milizkarriere als Einheits- und anschliessend als Abteilungskommandant der der Leichten Flugabwehr-Lenkwaffenabteilung 1. Seit 2008 Berufsoffizier, war er Zugeteilter Stabsoffizier des Kommandanten Luftwaffe, nachdem er zuvor an der Fliegerabwehrschule Stinger als Einheitsinstruktor und Planungschef tätig war. Anschliessend übernahm er die Funktion eines Gruppenchefs an der Generalstabsschule, bevor er zur Command and General Staff School wechselte, wo er sich derzeit in Ausbildung befindet. 2024 hat er einen Doktortitel in Schweizer Geschichte an der Universität Bern erworben.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.