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Leader's Digest Leader's Digest #13 Newsletter

Buch des Monats: «Call Sign CHAOS – Learning to lead» von Jim Mattis und Bing West

Was ist die Kernaussage des Buches?

Die rund 250 Seiten umreissen die Erfahrungen, die Jim Mattis in 44 Jahren als Angehöriger der U.S. Marine Corps sammelte, vom Private in der USMC Reserve bis zum Viersterne-General, ehe er von 2017 zwei Jahre lang als U.S. amerikanischer Verteidigungsminister in der Trump-Administration diente.

Das Buch ist in drei Abschnitte, die taktische, operative und strategische Führung, gegliedert und bringt zum Ausdruck, dass Vertrauen ein Band ist, welches den Führer mit den ihm anvertrauten Geführten verbindet. Aus diesem Vertrauen resultiert grosse Verantwortung welches entsprechend klares Verhalten fordert.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Ich war fasziniert von der Art und Weise wie Mattis seine Führungserfahrungen beschreibt. Sie sind authentisch, nachvollziehbar und inspirierend.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein, das Buch ist für mich abschliessend und glaubwürdig.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Das Buch ist nicht wie eine Biographie geschrieben, es ist ein Lehrbuch über Führung. Ich empfehle allen, welche mit dieser wundervollen Aufgabe bereits betraut sind oder es demnächst werden.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Als Kommandant der Offiziersschule der Infanterie ist das Buch, nebst dem Dienstreglement der Schweizer Armee, eine wichtige Grundlage für die Führungsausbildung mit den Aspiranten. Es geht mir dabei ihnen beizubringen, dass sie als künftige Führer die Verantwortung haben, das Vertrauen der Geführten, durch ein authentisches und nachvollziehbares Verhalten, zu gewinnen.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Das Buch deckt alle drei Aspekte ab. Schwergewichtig jedoch orientiert sich das Buch am Auftrag (Command) und Mensch (Leadership).

Der Aspekt des Managements wird z.B. in Kapitel 5 unter dem Titel «A lean Staff» behandelt.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Ich denke, dass wir sehr stark im Bereich des Managements sind. Ich sehe jedoch grosse Schwächen im Bereich von Leadership und Command. Ich wünsche mir, dass wir unseren Leaders, welche wir selbst auswählen und ausbilden, mehr Vertrauen schenken, um dadurch deren Initiative zu entfesseln.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Dass wir uns unseren Schwächen bewusst sind und diese aber auch aktiv angehen.


Über den Rezensenten

Oberst Marcel Winiger ist im Sommer 1995 in die Armee als Grenadier in Isone eingetreten. Anschliessend absolvierte er die UOS und OS mit praktischem Dienst in der Grenadier-Schule in Isone. Nach der Führung der Gren Kp 19 und 20/2 Eintritt in den Stab des Inf Bat 65 als S3, welches er ab 2015 als Kdt 4 Jahre geführt hatte. Danach war er bis 2022 G7 im Stab Ter Div 4. Seit drei Jahren ist er Kdt der Inf OS in Liestal. Davor 4 Jahre Kdt Stv Kdo Inf VBA 18. Marcel Winiger ist verheiratet und Vater von 4 Söhnen, wohnhaft in Rothenburg (LU). Sport, Kochen und Lesen bestimmen seine Freizeit.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #12 Newsletter

Buch des Monats: «Positive Leadership» von Dr. Markus Ebner

Was ist die Kernaussage des Buches?

Im Grundsatz geht es um den Ansatz von positiver Führung mit der dazugehörigen Auswirkung auf Menschen respektive Mitarbeitende. Neben einigen Grundlagen des positiven Leadership wird das PERMA Lead Konzept beschrieben, inklusive einigen Praxisbeispielen. PERMA steht dabei für «Positive Emotions», «Engagement», «Relationships», «Meaning» und «Accomplishment».

Durch die permanente Arbeit der Führungskraft in diesen Bereichen gelingt es ihr, ein positives Umfeld hinsichtlich High Performance zu gestalten.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Ich bin Fan des «nachhaltigen» Leadership. Natürlich kann auch Bad Leadership erfolgreich sein, dies ist aber nicht mein Weg. Durch die Ausführungen rundum positive Leadership in Verbindung mit PERMA werden einem fünf Dimensionen geöffnet, mit welchen man gemeinsam Ziele mit seinem Umfeld auf positive Art erreichen kann.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein, das Buch ist für mich in sich geschlossen und wissenschaftlich untermauert.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Das Buch richtet sich an alle, welche ihr Umfeld auf eine positive Art verändern wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Ich versuche die positive Führung auch in meinen militärischen Alltag einzubauen. Auch wenn mal was nicht klappt – rumschreien und negative Stimmung verbreiten haben sich selten als Mehrwert bestätigt. Durch einen positiven Umgang entstehen Verbindungen, welche allenfalls in einem Ernstfall entscheidend sein können.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Ich würde meinen, dass positive Leadership im Zusammenhang mit PERMA am ehesten auf den Leadership-Bereich einzahlt. Geht es doch dabei primär um den Menschen auf dem Weg zu High Performance.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Schlechte Stimmung wirkt sich negativ auf Vertrauen, Motivation und Arbeitseinstellung aus. Hier ist jeder Leader in der Pflicht. In hierarchischen Organisationen ist aus meiner Sicht die Gefahr von einem Leadership-Stillstand gross, vor allem wenn die eigene Vorstellung vom Vorgesetzten abweicht und eine gewisse Abhängigkeit vorfindet.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Junge Kader lassen sich nicht mehr alles gefallen und verstehen das Verhalten von alten Leadership-Theorien ohne Sinnvermittlung nicht. Dies macht mich zuversichtlich, dass wir auf alle Bereiche positive Akzente setzen können.


Über den Rezensenten

Oberstlt Joël Mattle hat seinen militärischen Einstieg bei den Genietruppen (unter anderem bei den Bootschützen) gefunden und später dann ab Stufe Bataillon den Fokus zu den Rettungstruppen verlegt. So kommandiert er seit diesem Jahr das Rettungsbataillon 4.

2012 hat er den Bachelor in Staatswissenschaften an der ETH Zürich (MILAK) abgeschlossen und hat anschliessend 2022 einen Master in Digital Business an der HWZ erreicht.

Beruflich arbeitet Joël Mattle aktuell als Kommandant Stellvertreter am Kompetenzzentrum Sport der Armee mit einem Fokus auf Sportdoktrin. Er ist verantwortlich für sportify im Departement Verteidigung und arbeitet an zahlreichen Projekten, wie zum Beispiel der Ready App.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #11 Newsletter

Buch des Monats: «The Five Dysfunctions of a Team» von Patrick Lencioni

Was ist die Kernaussage des Buches?

Der Autor beschreibt offen und direkt, warum auch die talentiertesten Teams nicht ihr volles Potential entwickeln. Er plädiert zu Mut und Ehrlichkeit, um gerade auch schwierige Themen anzusprechen, um gemeinsam wachsen zu können und zum Hochleistungsteam zu werden. Im Buch beschreibt er, wie man Dysfunktionen in Teams entdeckt und wie man sie auflösen kann.

Die fünf Dysfunktionen sind:

  1. Abwesenheit von Vertrauen → Unnahbarkeit, Misstrauen
  2. Angst vor Konflikten → Scheinharmonie
  3. Fehlendes Commitment → Mehrdeutigkeit, Beliebigkeit, Unverbindlichkeit
  4. Mangelnde Verantwortung → niedrige Standards
  5. Unaufmerksamkeit gegenüber Resultaten → Status Quo, Ego

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Dass ich mich in der einen oder anderen Dysfunktionalität wiedergefunden habe. Entweder war ich Teil der Dysfunktionalität oder hatte den Mut nicht, diese anzusprechen und meinen Teil beizutragen. Heute kann ich mein eigenes Auge dafür schärfen.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Das Buch dient mir als Inspiration und als Anhaltspunkt für meine persönliche Reflexion rund um die Weiterentwicklung meines Führungsverständnisses und -verhaltens. Das Buch als Ratgeber zu verstehen und dogmatisch umzusetzen soll jeder für sich entscheiden. Ich stehe kritisch zur unhinterfragten Anwendung von Wissen.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle Menschen, die Teams führen und eine Hochleistungskultur entwickeln. Im militärischen Kontext empfehle ich dies allen Kadern, insbesondere den höheren Kadern in der Entwicklung des persönlichen Führungsstils. Denn dieser beeinflusst wesentlich die Unterstellten und deren Führungsstil.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Beim ersten Wirken als Bataillonskommandant und den ersten Erfahrungen im Stab.

Ein neuer Kommandant bietet immer eine Gelegenheit zum kulturellen Wandel.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Das Buch beleuchtet zum wesentlichen Teil den Aspekt Leadership. Ich möchte hier darauf aufmerksam machen, dass wir in diesem Bereich als Kader volle Verantwortung tragen, die Kreativität und die Leistung in unseren Teams zu fördern. Damit führen wir einen militärischen Kulturwandel herbei, womit wir die Kampf- und Kriegstauglichkeit der Truppe wesentlich erhöhen können.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Dass wir unsere Kader sehr früh und noch gezielter mit dem Thema Leadership in Kontakt bringen, ohne durch zu viel Information mehr Verwirrung zu stiften als Klarheit. Dass wir gerade im hierarchischen Setting eine Kultur fördern, in der Vertrauen und eine offene Streitkultur Schlüssel zum Erfolg ist. Das Selbstverständnis muss zudem von der Ausbildungsarmee hin zum Einsatz. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns zu sehr auf die korrekte Durchführung von Einsatzverfahren konzentrieren, statt auf Chancennutzung und das Gewinnen wollen.

Die Geschwindigkeit des technologischen Wandels und die sich dadurch ständig verändernden Bedrohung zwingen uns zur Maximierung der Flexibilität und zur kreativen Adaptionsfähigkeit. Das schaffen wir, indem wir die Teams so dezentral wie möglich befähigen und ermutigen, zu Hochleistungsteams zu werden. Das Mindset «Kämpfen um zu gewinnen» scheint mir wichtig.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Mit jeder neuen Generation an jungen Führungskräften und zusätzlichem Wissen kommen auch gewisse kulturelle Aspekte und neue Fähigkeiten dieser Generation mit.

Die Transformation hat begonnen.


Über den Rezensenten

Mathias Maurer ist CEO der Swiss Innovation Forces AG, der Innovationseinheit der Schweizer Armee und des VBS. Der gebürtige Berner Oberländer verantwortete zuletzt den Bereich Business Development eines weltweit agierenden Elektronikunternehmens für die Schweiz. Vorher war er als Berufsoffizier an den Inf Schulen 5 in Colombier und an den Inf Schulen 11 in Herisau tätig. In der Miliz dient der ehemalige Kommandant des Inf Bat 56 heute im Kommando Spezialkräfte mit dem Grad Oberstlt i Gst.

Privat beschreibt sich Maurer als Schüler des Lebens mit einem philosophischen Interesse an Leben, Tod und dem Ungewissen. Seine Entspannung und Energie findet er in den Bergen, auf Reisen, in Büchern und in der persönlichen Auseinandersetzung mit der stoischen Philosophie.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #10 Newsletter

Buch des Monats: «How to Think Like an Officer: Lessons in Learning and Leadership for Soldiers and Other Citizens» von Reed Bonadonna

Was ist die Kernaussage des Buches?

There is one right even more important than the right to send men to their deaths; the right to think twice before you send men to their deaths.

Vasily Grossman

Dem Leser wird unmissverständlich vor Augen geführt was ein Offizier mit seinem Handeln verantwortet und welche Fähigkeiten dazu nötig sind. Die Verantwortlichkeit aller Führungsstufen ist entscheidend im Kampf – wir führen Menschen.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Das Buch ist in zwei Hauptkapitel unterteilt. Das Denken und Führen eines Offiziers steht im ersten Hauptkapitel im Zentrum. Das zweite Hauptkapitel beschreibt den Offizier als Organisator, Krieger oder Visionär. Ob junger Leutnant oder erfahrener Höherer Stabsoffizier, das Buch ist inspirierend und bereichernd.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein, das Buch ist für mich wirklich in sich geschlossen.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Aus meiner Sicht sollte dieses Buch eine Pflichtlektüre für jeden Offizier sein.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Mit meinen Entscheiden als Kommandant einer Mechanisierten Brigade setze ich Menschen in Übungen (und Einsätzen) stets grossen Risiken aus. Mein Denken und meine persönliche Reflexion muss ich mit Offizieren spiegeln, denen ich vertraue und die mir die «Wahrheit» fundiert erklären – auch wenn ich das nicht immer hören will: Denken im Team, entscheiden als Kommandant.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Das Buch zeigt unmissverständlich auf, wie Command und Leadership, aber auch Management zusammenwirken: «To think well, an officer has to love what she does» (S. 185).

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Aus meiner Sicht muss das Bewusstsein zur Befähigung von Command und Leadership im Zentrum der Ausbildung unserer Offiziere stehen.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Im Erleben und Vorleben von Command und Leadership auf allen Führungsstufen unserer Armee.


Über den Rezensenten

Brigadier Christoph Roduner kommandiert seit 2023 die Mechanisierte Brigade 11. Zuvor war er während 22 Jahren als Berufsoffizier in verschiedenen Funktionen tätig, unter anderem als Kommandant der Infanterieoffiziersschule in Colombier und Liestal. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter. In seiner Freizeit hält er Körper und Geist mit Sport und Büchern fit.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #9 Newsletter

Buch des Monats: «Xenophon’s Cyrus the Great – The Arts of Leadership and War» von Xenophon, Editor Larry Hedrick

Was ist die Kernaussage des Buches?

Die zentrale Botschaft von Xenophons «Cyrus the Great – The Arts of Leadership and War» (bearbeitet von Larry Hedrick) ist, dass effektive Führung eine ausgewogene Mischung aus Weisheit, Gerechtigkeit, strategischem Denken und der Fähigkeit ist, Loyalität und Respekt bei den Geführten zu inspirieren. Xenophon stellt Kyros den Grossen als das Idealbild eines Leaders dar—jemand, der militärische Stärke mit moralischer Integrität, strategisches Geschick mit Mitgefühl und Autorität mit Demut vereint. Durch Kyros’ Leben zeigt Xenophon, dass die wahre Kunst der Führung nicht nur im Erobern von Ländern liegt, sondern in der gerechten Herrschaft und dem Gewinn des dauerhaften Respekts und der Loyalität der Regierten. Dabei werden die Schlüsselthemen der moralischen Führung, strategischen Weisheit, der Bedeutung von Bildung, des Gleichgewichts zwischen Macht und Wohlwollen sowie der Loyalität und des Respekts miteinander verknüpft, um das Idealbild eines grossartigen Führers zu zeichnen.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Was dieses Buch ausmacht, ist die lebendige Erzählweise Xenophons, die Geschichte und Philosophie geschickt miteinander verwebt und den Leser tief in die Welt von Kyros dem Grossen eintauchen lässt. Es bietet zeitlose Weisheiten über Führung und Moral, die auch heute noch relevant sind. Die Darstellung von Kyros als idealem Leader inspiriert und regt zum Nachdenken an. Die Verschmelzung von historischem Bericht und philosophischer Reflexion sowie die zugängliche Bearbeitung machen das Werk sowohl intellektuell bereichernd als auch emotional ansprechend.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein, das Buch ist für mich wirklich in sich geschlossen.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Dieses Buch richtet sich an alle Führungskräfte – sei es im militärischen, politischen oder wirtschaftlichen Bereich. Ich empfehle es allen, die nicht nur effektiv führen, sondern auch das Richtige tun wollen. Xenophons Darstellung von Kyros dem Grossen zeigt, dass wahre Führungsstärke nicht nur in strategischem Geschick, sondern vor allem in Integrität, Grossmütigkeit und Menschlichkeit liegt. Kyros’ humanistischer Führungsstil, der auf Einfühlungsvermögen und moralischer Grösse basiert, ist seiner Zeit weit voraus und bietet wertvolle Lektionen, die heute oft verloren gehen. Diese zeitlose Weisheit macht das Buch zu einer unverzichtbaren Lektüre für alle, die nicht nur erfolgreich, sondern auch ethisch führen wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Dieses Buch hat mir als Führungskraft entscheidend geholfen, insbesondere in Situationen, in denen ich mit Dilemmata konfrontiert war. Oft steht man vor der Herausforderung, zwischen moralisch korrekten Entscheidungen und möglicherweise kurzfristig vorteilhaften, aber weniger ethischen Optionen zu wählen. Kyros der Grosse inspiriert dazu, integer und ethisch korrekt zu handeln, und zeigt auf, dass dieser Weg nicht nur moralisch richtig, sondern auch langfristig erfolgreich ist. Es bestärkt darin, sich selbst treu zu bleiben und die humanistische Seite der Führung zu betonen, ohne sich von äusseren Zwängen zu unethischem Handeln verleiten zu lassen. Ich konnte mir dann auch manchmal die Frage stellen: «Was würde Kyros in dieser Situation tun?» Dadurch wurde das Buch zu einer wertvollen Entscheidungshilfe in meinem Führungsalltag.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Das Buch zeigt eindrücklich, wie Command und Leadership sich gegenseitig bedingen und bestärken. In der heutigen Zeit geht es nicht primär darum, Teams zu managen, sondern darum, sie zu inspirieren, zu motivieren und gemeinsam mit ihnen die gesteckten Ziele zu erreichen – und das stets im Einklang mit humanistisch-moralischen Grundsätzen. Genau hier setzt Kyros der Grosse an. Das Buch bietet wertvolle Einsichten, wie man als Führungskraft nicht nur effektiv und erfolgreich sein kann, sondern auch moralisch integer handelt. Es zeigt, dass wahre Führungsstärke darin liegt, Ethik und Menschlichkeit in den Mittelpunkt des eigenen Handelns zu stellen, ohne den Auftrag zu vernachlässigen und dadurch das Vertrauen und die Loyalität der Teams zu gewinnen.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Die grösste Herausforderung für die Führung in der Schweizer Armee sehe ich in der Deregulierung: wegzukommen von stark hierarchisch regulierten Systemen hin zu einer Erweiterung der Handlungsfreiheit. Es geht darum, technokratisch-bürokratische, prozessorientierte Führung aufzulösen und stattdessen mündige, engagierte Soldaten zu fördern, die auf jeder Stufe Verantwortung übernehmen und als Leader und Kommandanten agieren können – ohne durch übermässige Regulation eingeschränkt zu werden.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Die grosse Chance ist das Wesen unserer Milizarmee, nämlich, dass wir Bürgersoldaten haben, die von Natur aus Überregulation nicht zulassen. Als kritisch denkende Bürger bringen sie eine Unabhängigkeit mit, die sie davor bewahrt, sich zu stark in hierarchische Systeme einzwängen zu lassen. Diese Soldaten, die vorwiegend im zivilen Umfeld tätig sind, sind flexibler und offener für Veränderungen, was unserer Armee einen klaren Vorteil gegenüber anderen Streitkräften verschafft.


Über den Rezensenten

Oberst i Gst Mathias Müller ist 54 Jahre alt und hat Arbeits- und Organisationspsychologie sowie Kommunikations- und Medienwissenschaften studiert. Seine Karriere begann als Journalist. Seit 25 Jahren dient er als Berufsoffizier und bekleidet heute den Rang eines Obersts im Generalstab, wo er im Stab des Chefs der Armee tätig ist. In seiner militärischen Laufbahn war er unter anderem als Kommandant der Rekrutierung, der Infanterieoffiziersschule und des Kompetenzzentrums Sport in Magglingen tätig. Neben seiner militärischen Tätigkeit ist er auch als Buchautor und Politiker aktiv und gehört seit zehn Jahren dem Grossrat des Kantons Bern an. Mathias Müller ist verheiratet und Vater von drei Kindern, die 15, 17 und 19 Jahre alt sind.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #8 Newsletter

Buch des Monats: «Strategie – Die Logik von Krieg und Frieden» von Edward Luttwak

Was ist die Kernaussage des Buches?

Luttwaks Überlegungen zur Logik von Krieg und Frieden setzen systematisch bei den – linear gedacht – unlogischen Paradoxien, Ironien und Widersprüchen praktizierter Strategie an.

Der erste Teil seines Buches widmet sich den Grundzügen der bereits in dem Satz «Si vis pacem, para bellum» zum Ausdruck kommenden paradoxen Logik der Strategie. Anhand kenntnisreich ausgewählter Beispiele aus der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts weist er nach, dass die gesamte Strategie von paradoxer Logik durchzogen ist, «die regelmässig gegen die gewöhnliche lineare Logik verstösst, indem sie die Gegensätze zusammenfallen lässt und umkehrt». Paradoxes Verhalten wird dabei häufig belohnt – geradlinig-lineares nicht selten bestraft.

Der zweite Teil des Buches widmet sich fünf «vertikalen Dimensionen» der Strategie, auf denen jeweils eine «dynamische Logik von Aktion und Reaktion» zum Tragen kommt. Der Begriff Strategie wir dabei allgemein verstanden als die Regelung und die Folgen menschlicher Beziehungen im Kontext tatsächlicher oder möglicher bewaffneter Konflikte. Die Komplexität strategischen Handelns zeigt sich insbesondere in den vertikalen und horizontalen Interdependenzen, beispielsweise im Rahmen vertikaler Erfolge bei gleichzeitig horizontalem Scheitern.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Luttwak ist im besten Clausewitzschen Sinne «verweilende kritische Betrachtung». Die sorgfältig recherchierten historischen Beispiele sind vortrefflich geeignet, das Urteilsvermögen des Lesers zu schärfen.

Wer bei Luttwak nach konkreten Lösungsansätzen oder gar Rezeptlösungen sucht, wird enttäuscht. Dennoch ist das Erkennen der non-linearen Dominanz in der strategischen Denklogik ein wichtiger Grundbaustein militärischen Denkens und steht teilweise im völligen Kontrast zur oft vorherrschenden Wettbewerbslogik.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Luttwaks Wertungen sind im Einzelnen sicherlich immer wieder angreifbar. Der Verweis auf nicht intendierte Folgen, die Verkehrung von Friedensbemühungen ins Gegenteil sowie die mannigfachen Paradoxien auf allen Ebenen der Strategie mögen den Leser zunächst verunsichern, da es manch konventionelle Sichtweise in Frage stellt. Dem Buch fehlt zudem ein Modell, welches die machpolitischen Mechanismen und Interdependenzen strategischer und taktischer Handlungen vereinfacht visualisiert.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Sie richtet sich an alle, die sich mit Aspekten der Sicherheitspolitik, Militärstrategie, operativen Fragen oder taktischen Herausforderungen beschäftigen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Es stellt für mich nach wie vor ein Schlüsseldokument beim Verständnis strategischer Handlungslogik und den Grundsätzen des Taktierens dar.

Die zentrale Bedeutung non-linearen Handelns in der Strategie und Taktik wird nachvollziehbar und verständlich aufgezeigt.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Schwergewichtig dem Command-Bereich auf allen Stufen. Das Buch zeigt eindrücklich, warum strategisches, operatives und taktisches Handeln einer äusserst komplexen und teilweise paradoxen Logik folgen und daher nur bedingt planbar oder gar prognostizierbar sind (dies bedeutet jedoch nicht, dass nicht geplant wird, es ist nur die Frage wie, in welcher Tiefe und um welche Voraussetzungen zu schaffen – nicht Planungssicherheit, sondern möglichst günstige Handlungsvoraussetzungen), denn strategische und taktische Handlungen erfolgen meist in rascher Abfolge von Handeln, Wirkungsbeurteilung und zweckmässiger Anpassung.

Es geht also weniger um einen «perfekten» Plan oder um allgemeingültige Lösungen die weit im Voraus generiert werden, sondern darum, auf allen Stufen das grosse Ganze zu verstehen und Voraussetzungen zu schaffen möglichst rasch und flexibel Entscheidungen dezentral zu treffen.

So wird mit Luttwak indirekt einerseits das Verständnis der unterschiedlichen Rollen von Leader und Manager im militärischen Kontext (im Frieden wie im Krieg) geschärft und andererseits zwingt es uns in der Folge (nicht aber Inhalt des Buches) herkömmliche Führungs- und Leadership-Grundsätze der Armee kritisch zu hinterfragen.

So verdeutlicht sich beispielsweise der Bedarf eines Wandels gerade im Bereich der Führungs-, Lern- und Innovationskultur und zwar nicht primär aufgrund immer dynamischeren Marktentwicklungen oder einer Anpassung militärische Führung an Gegebenheiten in der Wirtschaft, sondern aufgrund einer sehr ursprünglichen Militärlogik.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Die Herausforderung der Schweizer Armee sehe ich primär darin, dass wir aufgrund unserer geringen Krisen- und Konflikterfahrung, die eigentliche Wesensart von Entscheidungen in kriegerischen Auseinandersetzungen im etablieren des Führungsdenkens (militärisches Mindset) generell vernachlässigen.

Die Fähigkeit zum strategischen und taktischen Denken, wie beispielsweise der Pragmatismus im Einsatz, die zentrale Bedeutung von Flexibilität, Initiative, Kreativität, Innovation und Antizipation, werden weder bei der Wahl militärischen Führungspersonen gefordert (z.B. im Rahmen der Selektion) noch gezielt geschult.

Das Einhalten klar vorgegebener Führungsprozesse wird in der Regel höher gewichtet als taktisches Denken. Dabei sind in Führungslehrgängen, Kursen und Übungen der Umgang mit Unsicherheit / Unklarheit meist kaum ein Thema (sprich lieber Klarheit als Wahrheit…).

Offiziere werden so zu «Uhrmachern», welche daran gemessen werden wie gut (Zeit-) Pläne aufgehen und Friktionen und Risiken vermieden werden, und zu «Anwälten», die sich stark an Reglementsziffern orientieren.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Am Anfang von Veränderungen steht entweder die Attraktivität des Neuen oder die Erkenntnis des Handlungsbedarfs.

Dabei verdeutlicht Luttwak generelle Aspekte der Strategie, welche nicht nur Anpassungen in der militärischen Führungsausbildung erfordern, sondern auch bei der Weiterentwicklung der Armee berücksichtigt werden sollten. Weil für eigenständiges und eigenverantwortliches Handeln vor allem ein verbessertes Gesamtverständnis erforderlich ist, kann das Buch auf allen Stufen einen Beitrag zur Ausbildung und Befähigung militärischer Führungskräfte leisten. Dabei hilft der Beispielsreichtum der Veranschaulichung und dem Verständnis.


Über den Rezensenten

Oberst i Gst Dominik Belser ist seit 2022 Kommandant der Panzer/Artillerie Offiziersschule 22 und hatte auch bereits zuvor das Privileg, zahlreiche Führungspositionen zu bekleiden. Seit 2022 ist er zudem stellvertretender Kommandant Heer, wo er sich vor allem durch seine fundierten Kenntnisse im Bereich der Panzerführung auszeichnen kann. Neben seiner militärischen Karriere widmet sich Dominik Belser gerne der Öl- und Aquarellmalerei, spielt Klavier oder hält sich durch Fitnessaktivitäten aktiv.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #7 Newsletter

Buch des Monats: «Power to the Edge: Militärische Führung im Informationszeitalter» von David S. Alberts und Richard E. Hayes

Was ist die Kernaussage des Buches?

Erste Überlegungen zu vernetzter Operationsführung und den Implikationen durch Digitalisierung und Informationen für den militärischen Führer. Es geht am Ende um Selbstsynchronisation, da nur so der Komplexität Rechnung getragen werden kann. Es werden Prinzipien für die Führung und Kontrolle im Informationszeitalter aufgezeigt.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Die Fortführung der Auftragstaktik und die Möglichkeit der Integration des technologischen Fortschritts in die militärische Führung.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Es geht im Kern um die Bereiche Command und Management. Leadership kommt explizit etwas zu kurz, kann aber abgeleitet werden.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle, die ein militärisches Kommando oder eine Führungsfunktion in der Gesellschaft übernehmen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Für die Entwicklung des Führungsverständnisses der Schweizer Armee und für die Horizonterweiterung.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Dieses Buch zeigt exemplarisch auf, woher unser CLM-Ansatz kommt, wie er abgeleitet werden kann und wie folgerichtig er ist.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Walk the talk, respektvoller und achtsamer Umgang und Ausrichtung aller Kader auf Leadership.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Da wir eine Milizarmee sind, werden wir immer durch die Entwicklungen der Zivilgesellschaft durch die Miliz beeinflusst und können unsere Überlegungen über unsere Soldaten und Kader weitergeben.


Über den Rezensenten

Oberst i Gst Niklaus Jäger hat als Teilnehmer des LGAN 2018 in Hamburg nicht nur an der Helmut-Schmidt-Universität einen Masterstudiengang belegt, sondern auch im Rahmen des Generalstabslehrganges den 60. ASTO (Marinelehrgang) absolviert. Das Denken in Sealines of Communications und in Flaggenstöcken ist mehr als horizonterweiternd. In diesem Sinne ist er auch Segler und begeisterter Wassersportler.

Über das «Buch des Monats»

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Leader's Digest Leader's Digest #6 Newsletter

Buch des Monats: «Hammerstein oder Der Eigensinn» von Hans Magnus Enzensberger

Was ist die Kernaussage des Buches?

Herausragende Kommandanten besitzen andere Eigenschaften und Fähigkeiten als jene, die von (General-)Stabsoffizieren gefordert werden. Kommandanten müssen den Mut haben, sich ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Kleinigkeiten beiseite zu lassen. Zwangsläufig gehen sie damit aber auch ein Risiko ein, das Falsche als wesentlich zu erkennen – wie es General von Hammerstein möglicherweise ergangen ist.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Die literarische Form des Totengespräches gibt dem Buch, ganz im Sinne Hammersteins, einen gewissen Eigensinn.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Eine romanhafte Abhandlung einer zentralen Figur in einem epochalen Umbruch kann gar nicht vollständig sein. So fehlt etwa die Kritik an der Untätigkeit Hammersteins, der aufgrund seines Einflusses auf Reichspräsident Hindenburg diesen möglicherweise hätte von der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler abbringen können.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle, die sich mit der Rolle von Kommandanten auseinandersetzen oder sich für das Ende der Weimarer Republik interessieren.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Es hilft mir, die Rollen in meinem Bataillon stärker abzugrenzen. Was erwarte ich von meinen Stabsoffizieren? Was dürfen sie von mir erwarten? Zudem inspiriert es mich zum oben erwähnten Mut – auch wenn mir das häufig schlecht gelingt.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Als Biographie ist es zunächst dem Leadership-Aspekt zuzuordnen; es geht um den Menschen Hammerstein und seine Rolle, nicht nur als General, sondern auch als Familienvater. Darüber hinaus hätte Hammerstein vermutlich gesagt, der Fokus des Kommandanten liege auf dem Command und das Management sei vollständig dem Stab zu überlassen. Diese Grundhaltung kommt sehr deutlich zum Tragen.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Dass wir im Command-Bereich die grösste Schwäche aufweisen: Wie wollen wir den Auftrag erfüllen? Den Kadern fehlt die notwendige Handlungssicherheit für das Gefecht der verbundenen Waffen. Seit Beginn der Armee XXI haben wir in der Führungsausbildung ein viel zu grosses Gewicht auf die Verfahrenssicherheit, das heisst auf Management gelegt. Es wird Jahre in Anspruch nehmen, die Defizite ganzer Generationen zu korrigieren.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Dass wir im Leadership-Bereich, gerade bei den Unteroffizieren, Subalternoffizieren und Hauptleuten, sehr gute Voraussetzungen haben. In Anbetracht der kurzen Ausbildungszeit meistern die jungen Kader – Miliz und Berufsmilitärs – ihre anspruchsvollen Aufgaben in aller Regel sehr gut. Das spricht für eine funktionierende Basis.


Über den Rezensenten

Dr. oec. Patrick Hofstetter ist seit dem 01.01.2023 Dozent für Führung und Kommunikation der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich. Zuvor war er elf Jahre Berufsoffizier und drei Jahre Gründer und Leiter der Weiterbildungsakademie der Universität Luzern. Aktuell kommandiert er als Oberstleutnant im Generalstab das Gebirgsinfanteriebataillon 29.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #5 Newsletter

Buch des Monats: «The AI Commander: Centaur Teaming, Command, and Ethical Dilemmas» von James Johnson

Was ist die Kernaussage des Buches?

Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, was die Folgen des Einbezugs künstlicher Intelligenz in Kriegspraktiken sind und inwiefern dies das Führungshandwerk beeinflusst. Die Möglichkeiten konstruktiver Zusammenarbeit menschlicher und künstlicher Intelligenz sind vielfältig und die Erwartungen sind hoch. Gerade im militärischen (und sicherheitspolitischen) Umfeld müssen Chancen und Risiken aber differenziert betrachtet werden. Unter dem Strich ist menschliche Intelligenz mit KI-Kompetenz aber unabdingbar.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Johnson bildet ein Gegengewicht zur anhaltenden KI-Modewelle: Es ist fraglich, ob KI menschliche Entscheidungsträger überhaupt sinnvoll ergänzen kann. Zudem zeichnet er ein differenziertes Bild davon, wie strategisches Denken mit kontrafaktischen Ansätzen funktioniert, um nicht-linearen Dynamiken Herr zu werden.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Es ist das neue Standardwerk über militärische Entscheidungsfindung und KI. Unbedingt weiterdenken sollte man aber die militärethischen Implikationen sowie die Details kontrafaktischen Denkens.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

Zunächst an alle Führungskräfte, die KI-gestützte Systeme anschaffen, implementieren oder anwenden werden. Zudem ist die Lektüre interessant für militärstrategisches und strategisches Denken.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Hier geht es um Themen, welche den militärischen Führungsalltag noch nicht betreffen – aber doch grosse Probleme mit sich bringen, wenn sie nicht früh genug bedacht werden.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

Das Buch stellt Command-Aspekte ins Zentrum. Leadership kommt kaum zum Zug und Management gar nicht.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

In der Militärsoziologie gibt es seit dem 19. Jahrhundert verschiedene Ausprägungen der Idee, dass es eine grundsätzliche Unvereinbarkeit zwischen der zivilen (d. h. demokratischen) Gesellschaft und militärischen Organisationen mit ihren hierarchischen Strukturen gibt. Es ist eine zentrale Aufgabe der Sicherheitspolitik eines Landes, das Gleichgewicht zwischen den beiden Seiten herzustellen bzw. zu wahren.

Krieg muss gedacht und vorbereitet werden, ohne dass er erlebt wurde. Gleichzeitig muss das zivil-militärische Gleichgewicht gewahrt bleiben. In der Koordination dieser beiden sehe ich eine grosse Herausforderung.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

Der Faktor Mensch muss optimal eingesetzt werden. Dies nicht nur im militärischen Alltag, sondern auch in Bezug auf das Beschaffen und Implementieren neuer Technologien sowie mit Blick auf verlässliche Verbindungen zwischen Militär, Politik, Wirtschaft und Zivilbevölkerung.

Nur so können Legitimitätsfragen an militärische Organisationen in demokratischen Gesellschaften einer sachlichen Beantwortung zugeführt werden.


Über den Rezensenten

Geboren 1982 in Brig-Glis (VS), studierte Dr. Florian Demont Anglistik und Philosophie an der Universität Basel und erreichte seinen Master durch Forschung in Philosophie an der University of Birmingham sowie Forschung am King’s College London. Anschliessend promovierte er in Sprachphilosophie an der Universität Zürich. Seit 2013 ist er wissenschaftlicher Assistent der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. In Lehre und Forschung konzentriert er sich auf Führungsethik, Militärethik, Leadership Studies und Wertetheorie.

Über das «Buch des Monats»

Das «Buch des Monats» ist eine wiederkehrende Rubrik des Newsletters Leader’s Digest. Dieser Newsletter entsteht in Kooperation des Leadership Campus der Schweizer Armee und der Dozentur Führung und Kommunikation der Militärakademie an der ETH Zürich. Wenn Sie Leader’s Digest noch nicht abonniert haben, finden Sie unter folgendem Link weitere Informationen sowie das Formular zur Anmeldung.

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Leader's Digest Leader's Digest #4 Newsletter

Buch des Monats: «Concrete Hell: Urban Warfare from Stalingrad to Iraq» von Lou DiMarco

Was ist die Kernaussage des Buches?

Dass die taktische und die strategische Stufe der Kriegsführung für den Erfolg auf dem Schlachtfeld entscheidend sind, wegen mangelndem Verständnis zwischen den Stufen jedoch immer wieder grobe Fehler passiert sind.

Was gefällt Ihnen an diesem Buch am besten?

Mir gefällt die einfache, nüchterne Beurteilung von teilweise epischen Fehlentscheiden.

Gibt es Punkte, in welchen Sie die Argumentation des Buches nicht unterstützen, oder Bereiche, die Ihrer Meinung nach zu kurz kommen?

Nein. Mir gefällt das sehr kurze auf den Punkt Kommen und die schonungslose Analyse.

An wen richtet sich Ihre Empfehlung?

An alle, die das Schlachtfeld von übermorgen verstehen wollen.

Wie hat Ihnen dieses Buch im militärischen Führungsalltag geholfen?

Weniger im Führen, dafür umso mehr im Verstehen von Entscheiden in komplexen Situationen.

Welchem Teilaspekt des Command-Leadership-Management-Modells ordnen Sie dieses Buch zu?

In den einzelnen Kapiteln werden mehrere CLM-Aspekte beschrieben.

«Listen to the men on the ground» spricht den Fokus Mensch (Leadership) an.

«I don’t bite the feeding hand» erinnert daran, dass wir Teil einer Organisation sind (Management).

Insgesamt geht es im Buch um Auftragserfüllung bzw. Versagen (Command).

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen für die Führung in der Schweizer Armee?

Dass die obere taktische Stufe ihre Rolle als dienende Rolle («Servant Leadership») versteht und wegkommt von althergebrachtem Feldherrentum.

Und wo sehen Sie diesbezüglich die grössten Chancen?

In einer Kultur der flachen Hierarchie, die wir in einzelnen Truppengattungen (Spezialkräfte) schon kennen und insbesondere in der Miliz auch leben.


Über den Rezensenten

Maj Philipp Scherrer ist Berufsoffizier am Kommando Lehrgänge und Kurse des Ausbildungszentrums der Armee.

Sein Motto lautet: «Dem Gegner keine Chance bieten, aber trotzdem vorbereitet sein überrascht zu werden». Er führt aus: «Dem Gegner keine Chance bieten, bedeutet keine Zielscheibe zu sein und reicht von Cyber bis zum Ausheben eines Schützenloches (der Gegner hat die Absicht und das Potential, jetzt braucht er nur noch Gelegenheiten). Weil das nie lückenlos funktioniert, müssen wir vorbereitet sein überrascht zu werden. Auch das beginnt bei Cyber und endet im Begegnungsgefecht, mit Beschuss durch Heckenschützen kombiniert mit Sprengstoffanschlägen. Dies betrifft alle Angehörigen der Armee, die sich ausserhalb von geschützten Zonen bewegen können müssen».

Über das «Buch des Monats»

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